Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229221--71719-3284075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 machte. Auf dem Friedhöfe hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Trauerrede. Dann nahm der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern von dem langjährigen freunde und Amtskollegen ergreifenden Abschied. Am offenen Grabe sprachen noch der Präsident der Advokatenkammer Dr. v. Feistmantel, Snlo C oh n für die Ehewra Kadischa, Dr. M. Spitzer für den Bethansvorstand nnd Abgeordneter Hosrat Freiherr v. Hock im Namen aller deutschfreiheitlichen Beveine. Um 3 Uhr nachmittags war die Trauerfeier zu Ende. Durch den Heimgang Dr, Gustav Kohns hat unsere Genieinde einen unersetzlichen Verlust erlitten, denn er war der Besten einer: ein edler Mensch, ein ehrenvoller Charakter, eine markante Persönlichkeit nnd vor allem ein überzengungstrener Jude. Ehre und Segen seinem Andenken. Von Sah und Ferm - : Tie K r i e g s h i l s sk o m Mission d e r j ü d i s ch e n Gern e i d e, Abteilung Frauen- und Jugendfürsorge, eröffnet am 1. November den zweiten Nählehrkursus, um Frauen und Mädchen, die durch den Krieg gezrvnngen lvnrden, sich einen Broterwerb zu suchen, im Wäschenähen auszubilden. Der Lehrkursus dauert neun Monate. Die Lehrstunden sind von 9 bis 1 Uhr vormittags. Die Schülerinnen werden so ausgebildet, daß sie nach Beendigung des Kursus in der Lage sind, entweder Stellung in der Wäschefabrikationsbranche anzunehmen oder selbst eine Nähstube für derartigen Betrieb zu eröffnen. Anmeldungen sind an obige Kommission, Rosenstraße 2—4, 31t richten. - Professor Dr. Ludwig Stein hat sich, mit Rücksicht auf das augenblicklich sehr starke Interesse für die Ereignisse im Orient, bereit erklärt, allen Milrtärpersonen freien Eintritt zu seinen Vorlesungen über „Die Weltanschauung des Orients" zu gewähren, die er an der Humboldt - Akademie, Lehrstätte Lützowstraße 84 d, Dienstags 7 bis 8 Uhr abends, abhalt. Dem Schriftsteller A r n 0 l d Zweig, zurzeit im Felde, ist soeben der diesjährige Preis der Kleist-Stiftung verliehen worden. Arnold Zweig ist der Berfasfer der „Novellen um Ktaudia", „Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer", der Kriegsgeschichten „Die Bestie", der Dramen „Abigail und Nabel", „Nituatmord in Ungarn" und „Klaudias Ehebruch". - Den 80. Geburtstag beging am Sonntag, 17. Oktober, der Oberkautor Elias Säuger in Berlin. Bier Jahrzehnte hindurch war Herr Sänger au der Synagoge Potsdamer Brücke tätig. — Am 30. dieses Monats begeht der Kastellan der Synagoge Lindenstraße, Herr I. E 0 h n, seinen 70. Geburtstag. — Aus Posen wird uns geschrieben: Ten Heldentod starb B r u n 0 G 0 l d st e i n. Einjähriger Kriegsfreiwilliger Unteroffizier, im blühenden Atter von 20 Jahren. Seiner schweren Verwundung erlag der Vizefeldwebel Mar Rosenthal, Ritter des Eisernen Kreuzes, 43 Jahre alt, Sohn der verwitweten Frau Elena R 0 s e n t h a l geb. Fleischer in Ostrowo. Im Alter von 36 Jahren siel der Landstnrmmann Louis Heil b 0 r n, Sohn der Witwe Sara Heilborn geb. Süßkind in Rawitsch. Am 11. September starb den Heldentod fürs Vaterland Felir Z ( 0 t u i tz k i, cand. jur. et cam., Sohn der Wolfs und Auguste Z l 0 t n i tz k i scheu Eheleute in Gnesen, Jakob Z ucker, Sohn des Abraham Z u ck e r in Kroeben, und am 17. September Paul Lew in int 24. Lebensjahre, Sohn der Witwe Emma Lewin in Labischin. Unter den ans Rußland zurückgekehrten preußischen Austauschgefangenen befindet sich auch Landwehrmann L eise r aus Schlversenz. — Dr. Gvtthelf B e r g st r a e ß e r, Privatdozent für semitische Sprachen an der Universität Leipzig, hat den nach Konstantinopel erhaltenen Ruf an die dortige Universität angenommen. Dr. Bergstraeßer, der 1886 geboren ist, habilitierte sich im Jahre 1912 an der Universität Leipzig für semitische Sprachen. Er hat hier Vorlesungen über den neuarabischen und den nenaramäischen Dialekt gehalten und die Ergebnisse seiner Forschungen in mehreren Schriften niedergelegt. Für das bevorstehende Semester hatte Dr. Bergstraeßer keine Vorlesungen angekündiat, da er im Felde steht. — Aus Halberstadt wird berichtet: Das königlich preußische Ministerium hat den hiesigen Verein „Israelitisches Heini Neweh Meuuchoh" als „Milde Stiftung" anerkannt. — Dein „Israelitischen Gemeindeblatt" in Köln entnehmen wir folgende Notiz: Ter am 5. September verstorbene Rentner Levy A u e r b a ch, geboren zu Vreden i. W., hat außer namhaften Beträgen an näher oder ferner stehende Privatpersonen einen erheblichen Teil seines Vermögens wohltätigen Anstalten vermacht, und zwar: dein israelitischen Asyl und der Bendix-und-Johanna-Auerbach- Stiftung je 5000 Mark, dem Verein zur Verbreitung und Förderur! des Haudwerks unter den Juden, dem israelitischen Frauenverein uni dem israelitischen Kinderheim je 2000 Mark, dem israelitischen Lehrer seminar in Köln' und dem israelitischen Krankenhaus in Jerusalem je 1000 Mark, ferner der Chewra Gemiluth Ehassodim und der Chewr, Semichat Tallim, dem israelitischen Unterstützungsverein, dem israeliti scheu Waisenstift, sämtlich in Köln, und dem israelitischen Waisenhau in Dinslaken je 500 Mark. — Dem Maler Rudolf v. Goldschmidt Rothschild in Frankfurt a. M. wurde vom König von Württew berg die Große Goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst am Band des Kronenordens verliehen. — Am ersten Tage des Hüttenfestes erlit der Kriegsfreiwillige Max Gold bach aus Wiesbaden den Helden tod fürs Vaterland. Er kämpfte zuerst in Belgien, dann in Rußland wo er anfangs dieses Jahres verwundet wurde, und kam nach feine Genesung im Mai nach dem Westen. Er zeichnete sich in der Kompagni durch seinen Mut und seine Tapferkeit aus, so daß ihm kurz vo Jomkippur das Eiserne Kreuz verliehen wurde. Durch sein vor bildliches, tapferes Verhalten und sein frohgesinntes Wesen erfreut sich G. großer Beliebtheit bei seinen Kameraden, die ihm ein ehrende Andenken bewahren. — Alls Wien wird geschrieben: Dem Hofrat Pro fessor Dr. Adam Politzer kam zu seinem 80. Geburtstag eine groß Anzahl Glückwünsche zu. Unter den Adressen nnd Kundgebungen befan sich allch ein Radiotelegrmnm des Königs Ferdinand v 0 Bulgarien, das folgenden Wortlaut hat: „Hosrat Professor Aden: Politzer, Wien! In dankbarer Erinnerung an vergangene Zeiten send ich Ihnen meine wärmsten Glückwünsche zu Ihrem achtzigsten Geburt^ tage. Ferdinand Rex." Unter den Gratulanten befanden sich ferne Unterrichtsminister Dr. Ritter v. H u s s a r e k, der argentinische Ge sandte in Wien Dr. Perez, der Rektor der Wiener Universität Hofra Professor Dr. Menzel, das Präsidium der Gesellschaft der Aerzte das Medizinische Doktorenkollegium usw. — Der älteste Sohn des Ab geordneten Ministerialrat Gamill Kuranda, Rafael Kuranda, eii hochbegabter junger Mann, ein Enkel von Ignaz Kuranda, ist, 20jährio tm Kampfe gegen Rußland gefallen. — Anläßlich des vor kurzen erfolgten Todes des Kardinals Vaßary dürfte folgende Episod aus seinem Leben Interesse erwecken: Als Vaßary noch als Erzabt vo Pannonhallna das Benediktinerghmnasium inspizierte, ließ er sich ü der Regel mit dem Oberrabbiner Dr. Snitzer in ein Gespräch ein un. pflegte sich bei ihm zu erkundigen, was es in der Stadt Neues gebe Einmal sagte der Rabbiner ganz aufrichtig: „Alles beim alten. Nu im Gymnasium haben wir einen neuen Benediktiner, der, wenn er ei: solch vorzüglicher Professor wäre, wie er ein großer Antisemit iß wirklich der berühmteste Pädagoge des Landes wäre." Zwei Woche: später wurde der Betreffende ans der Oekonomie des Kardinals an gestellt und an seine Stelle ins Gymnasium eine neue Kraft geschickt. - Ein Komitee in London sammelt jetzt Gelder für die jüdi scheu Schlachtopfer in Rußland und Polen. Der Vorsitzend des Komitees, in dem fast alle englischen Juden von Name: vertreten sind, ist Leopold v. Rothschild, London. Die Firm Rothschild eröffnet die Liste mit einem Betrage von 5000 Pfund. - Die Wahl des jüdischen Großkaufmanns und Politikers Weinstein in den russischen Neichsrat hat in den judenfeindlichen Kreisen Ruß lands große Aufregung hervorgerufen. Wie aus Petersburg gemelde wird, wird in reaktionären Kreisen eine Protestkundgebung gegen dies Wahl vorbereitet. Man wird die Regierung auf einen „Ukas" vo: Nikolaus I. aufmerksam machen, demzufolge Personen jüdischer Kon fefficm keine Mitglieder des Neichsrats sein dürfen. — Wie da „Warschauer Tageblatt" mitteilt, ist vor kurzem in Odessa der jüdisch. Schriftsteller I. I. Li netz ki im Mer von 76 Jahren gestorber Seine vor 50 Jahren erschienene Schrift „Der poilische Jingal" (Da polnische Jüngel) verdient noch heute gelesen zu werden. 1875 ga er in Lemberg zusammen mit A. Goldfaden ein jiddisches Organ „Jisrolik" und später in Rumänien die Zeitschrift „National' heraus. — Wie aus New Jork gemeldet wird, werden dort unter de jüdischen Bevölkerung mit großem Eifer Sammlungen veranstalte! um den jüdischen Kriegsopfern die Uebersahrt nach Amerika zu er möglichen. Die Hilfsbereitschaft der amerikanischen Juden ist s groß, daß sehr bedeutende Summen bereits für den genannten Zwen zufammengekommen sind, obzwar die sofort nach Kriegsschluß z: erwartende Einwanderungsbeschränkung allgemein als unvermeidlich angesehen wird. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Juuge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.