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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-08 · Heft 41 (8.10.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 41 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 41 Berlin, 8. Oktober 1915 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drß Judentum-;". KorrrlpMvenHM und Machrichtm. Lkutschland. Berlin, 5. Oktober. Der Verein für jüdische Ge - ch ichte u n d Literat u r hat, wie er in einem soeben zur Berandung gelangten Aufruf mitteilt, die schwere Prüfung des Kriegs- ,ihres 1914/15 siegreich überstanden. Er hat die größere Allzahl seiner ''Mitglieder an sich zu fesseln gewußt und sie für ihre Ausdauer durch eine eihe gediegener, zum Teil glänzender Vorträge und durch ein „Jährlich" belohnt, das Beiträge der ersten jüdischen Schriftsteller brachte, m so zuversichtlicher wendet er sich wieder an die Berliner Juden--?it, um sie zum Ausharren bei seinen Bestrebungen und zu zahlreichen .uen Beitritten zu ermahnen. Kein Verein bietet für einen so geingen Beitrag sovieles und so Gutes. Gerade in-einer Zeit, wo die mteressen der deutschen Israeliten sich natürlicherweise vor allem unsrem teuren Vaterlande zuwenden, ist es unbedingt nötig, auch das adische Bewußtsein zu erhalten und zu stärken, die Kenntnis des Judenmns und damit die Begeisterung für unsere Religion und Gemeinschaft u kräftigen und zu erhöhen, damit sie aufrecht bleiben und sich immer reier innerhalb des deutschen Volkstums betätigen. Der Verein bittet esonders seine alten treuen Mitglieder, innerhalb ihres Bekanntenreises. für den Berliner „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" frig zu werben. Für das Winterhalbjahr 1915/16 sind folgende Vorige angekündigt: Donnerstag, 14. Oktober 1915: Redakteur des „Berner Tageblatts" Paul Block: „Die Juden im Kriege"; Donnersu], 28. Oktober 1915: Dr. Jsmar F r e u n d : „Die Juden Polens n Lichte der Geschichte"; Donnerstag, 11. November 1915: Dozent r. I. Elbogen: „Bilder aus der jüdischen Vergangenheit im Lichte r Gegenwart"; Donnerstag, 25. November 1915: Rabbiner r. I. Bergmann: „Geschichte und Legende". Populär-wissenhaftlicher Vortrag: Donnerstag, 9. Dezember 1915: Frau Johanna t e her: „Die Juden beleuchtet von christlichen Dichtern" (Reziitionen). Donnerstag, 13. Januar 1916: Justizrat I. Magnus: jüdische Dichter im Weltkrieg"; Donnerstag, 3. Februar 1916: Redakur Albert Katz: „Der Talmud und seine Sittenlehre": Donnerstag, 1. Februar 1916: Mitglied des Abgeordnetenhauses D. Traub: MH zu bestimmendes Thema; Donnerstag, 16. März 1916: Redakteur?r „Vossischen Zeitung" Dr. I. Levy: „Zur Geschichte der Orgel", ie Vorträge finden sämtlich, wie bisher, im Oberlichtsaal der Philarmonie, Bernburger Straße 22/23, statt und beginnen pünktlich um Uhr. L. G. Berlin, 5. Oktober. Nach langein schweren Leiden ist am September Herr Siegfried La quer in Breslau gestorben und m 29. zur letzten Ruhe bestattet worden. Wir haben im Jahrgang ' ■ 14 Nr. 51 das Bild des vortrefflichen Mannes gebracht und von inem Leben erzählt. Da unsere Zeitung meist Gelehrte und solche iäuner, die in öffentlicher Stellung stehen, zu würdigen hat, so war . mir damals eine besondere Freude, über einen schlichten Kaufmann i berichten, der regen Anteil an allen Bildungsinteressen nahm, von roßem Eifer für alles Jüdische erfüllt war, durch seine Ansprachen ud Vorträge in Literaturvereinen und Logen sich großen Beifall erarb und in diesen Logen eine ganz hervorragende Stellung einnahm, urch seine Reisen, die er für seinen Beruf unternahm — er war cneralagent der Versicherungsgesellschaft „Viktoria" —, kam er in ile Teile unseres Vaterlandes und war fast überall eine bekannte Permtichkeit. Durch seine sprudelnde Lebendigkeit, seine herzgewinnende lebenswürdigkeit, sein ungewöhnliches Gedächtnis, seine wahrhafte eilnahme an jedem einzelnen, erwarb er sich einen Freundeskreis in m weitesten Schichten unseres Vaterlandes, von denen jeder einzelne laubte, ihn allein zu besitzen und von dem jeder wußte, daß er auf ui bauen könne. Denn was das Beste ist, was man von einem Menschen sagen kann, galt von ihm: sein Wort war wahr und seine Zusage bindend. Er war wie ein Fels, auf den man sich stützen und u den man sich klammern konnte. Er hielt die gegebene Zusage. Uld da er selbst schwer genug hatte kämpfen müssen und erst nach lanchen Mißerfolgen zu einem gesicherten Wohlstand sich hatte emporrbeiten können, so half er gern den mühselig Beladenen und nutzte seine ausgedehnten Beziehungen, die er nie für sich in Anspruch nahm, erfolgreich für die Hilfsbedürftigen aus. Biele verdanken ihm ihre Existenz, noch mehr ermunternden Zuspruch, fördernde Empfehlung und tatkräftige Unterstützung. Sie alle verlieren in ihm einen treuen Helfer. Er war ein schlichter, einfacher Mensch; Ehrenstellen in Stadt und Gemeinde begehrte er nicht, aus Titel und Orden war sein Streben nicht gerichtet. Er lebte seinem Berufe, feinen Freunden und seiner Familie. Er hatte sich in jungen Jahren vermählt und führte mit seiner Gattin, der Tochter des hervorragenden jüdischen Gelehrten M. A. Levy, eine musterhafte Ehe. In dem großen Kreise der Levyschen Familie wurde -er, nachdem sein Schwiegervater in verhältnismäßig jungen Jahren gestorben war, das anerkannte Haupt, ein Berater, der nicht Gehorsam heischte oder Unterwerfung verlangte, son- - dcrn der nur das schöne Recht beanspruchte, Sorgen mit zu tragen. Schwierigkeiten zu erleichtern und den Pfad zu ebnen, der viele Mitglieder der neuen Familie seiner Wahl zu Ansehen und Wohlstand führte. In seinem engsten Kreise durste er mit Stolz und Freude weilen. Er konnte sich 45 Jahre lang einer Gattin rühmen, die, die Anmut und Kunstbegabung der Mutter mit dem Bildungseifer und dein gelehrten Streben des Vaters vereinigend, von einem unermüdlich Tätigkeitsdrang beseelt, Werke der Barmherzigkeit in stiller, der Oesfentlichkeit sich entziehender Weise übte. Er sah drei Söhne emporwachsen, konnte sich an ihrer Entwickelung zu tüchtigen Männern erfreuen und sonnte sich an einer Schar gesunder, blühender Enkel. Sein Leben war ein wohlgesührtes. Rauschenden Vergnügungen war er abhold. Verstand er es auch, sich in größeren Kreisen lebhaft, heiter, in anregender Unterhaltung zu bewegen und die Versammelten durch anmutige, humorgewürzte Tischreden zu -erfreuen, so fühlte er sich wohler in kleinen, geselligen Kreisen bei einfachen Zusammenkünften, da er in echt spartanischer Genügsamkeit die Freuden der Tafel verschmähte. Ein guter Kamerad, ein lieber Geselle, ein Lebenskünstler. Er, der frohe Optimist, der, ohne leichtsinnig zu sein, das Leben doch leicht nahm, hätte es verdient, schmerzlos hinüberzugehen, aber Schmerz und Leiden blieben ihm nicht erspart. Wir, seine Freunde, zu denen ich mich gern und mit Stolz zähle, Haben nur den Trost, daß er die Gefahr nicht ahnte, von der er bedroht war. Er war ein guter Jude, ein gesinnungstüchtiger Deutscher. Er nahm innigen Anteil an dem ungeheuren Kamps, in dessen- Mitte wir stehen — zwei seiner Söhne weihen als Aerzte ihren Dienst dem Vaterlande —, er hat den endgültigen Sieg nicht erleben, an den Wohltaten des Friedens sich nicht erfreuen können. Aber er hinterläßt uns das frohmutige, stärkende Vertrauen, daß das Recht zum Siege gelange, daß die Sache der Freiheit und Wahrheit triumphieren müsse. Wir wollen nicht ermüden, in seinem Geiste und Sinne zu genießen, zu arbeiten, zu warten und zu hoffen. Ehre und Segen seinem Andenken! v. Grotz-Strehlitz O.-S., 29. September. Am 9. Oktober begeht der Prediger und Kantor der Shnagogengemeinde Groß-Strehlitz, Herr Felix Steiner, seinen 70. Geburtstag. Wegen des Ernstes der Zeit muß auf eine besondere Feier des Ehrentages des in der Gemeinde allverehrten Herrn verzichtet werden. Herr Steiner wirkt seit fast 40 Jahren segensreich in der Gemeinde und hat allezeit sein bestes Können und seine gründliche allgemeine und jüdische Bildung dazu genutzt, in der Gemeinde religiösen Sinn und treues Zusammenhalten zu festigen, die Jugend zu glaubensstarken und selbstbewußten Juden zu erziehen. In Freud und Leid war er der Berater und teilnehmende Freund der Gemeindemitglieder. Seiner Anregung und tätigen Mitarbeit verdanken fast alle wohltätigen und der Förderung der Bildung dienenden Vereine innerhalb der Gemeinde ihr Entstehen und ihre Blüte. An seinem Ehrentage gedenken feiner nicht bloß die gegenwärtigen und ehemaligen Mitglieder der Gemeinde und seine zahlreichen Schüler in Liebe und Treue, sondern auch seine vielen sonstigen Freunde, die ihn ob seines treuen Wirkens im Dienste des Judentums schätzen. W. Aus der Provinz Posen, 29. September. Posen. Auf dem Gute des Grafen v. Mielzhnski, unweit Kostsch-in, werden neun russische jüdische Gefangene mit Landarbeiten beschäftigt. Durch Bemühung des Kaufmanns Paul Lew in aus Kostschin konnten die

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