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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-08 · Heft 41 (8.10.1915) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 41 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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490 crkläruug von 1776, die den biblisch-rabbinischen Gedanken ansspricht, daß alle Menschen gleich geschaffen sind und dasselbe unveräußerliche Anrecht auf Leben, Freiheit und Streben nach Wohlfahrt haben, muß den Namen zu einer allen amerikanischen Prinzipien widersprechenden Glaubens-Verfolgung geben! l Das Schlagwort von der Judenpresse ist bekannt genug. „Nero Port Times" steht unter der Leitung von Adolph S. Ochs, dem Schwiegersöhne des hervorragendsten amerikanischen Rabbiners, des verstorbenen Isaac M. Wise (1819 bis 1900). Ochs hat diese Zeitung durch vornehmen Ton mib Fülle der Information zu einer führenden Stellung gebracht. Er nimmt am jüdischen Leben eifrigen Anteil, rvürde aber sich niemals zu einer Bestechungskampagne hergeben. „World" wurde von dem ungarischen Juden Josef Pulitzer (1847 bis 1911) gegründet. Pulitzer war ein Genie in seinem Fache, aber allem Jüdischen fremd und feindselig. Gr wurde als Mitglied der Gpiskopalkirche begraben. Seine Frau war eine Nichtjüdiu, und sein Sohn, der jetzt Besitzer der Zeitung ist, ist niemals Jude gewesen. Sensationsmache mag zu den Motiven der „World", die gerade jetzt eine deutschfeindliche 'Campagne führt, beigetragen haben; j ü d i seh es Inter esse sicherlich nicht. Thomas Jefferson gehörte der Bottaireschen. deistischenSchule an, der er auch als Gesandter in Frankreich persönlich nahegetreten ist. Das Dogma der Trinität und der stellvertretenden Sühne greift er mit bitterster Entschiedenheit an. Ob er zu Juden und Judentum Beziehungen hatte, ist mir nicht bekannt. Gr hatte sein Vermögen im Dienste des Vaterlandes geopfert und starb, obwohl er einen fürstlichen Grundbesitz hatte, als armer Alaun. Ter gegenwärtige Besitzer seines Landhauses ist der Jude Jefferson Levy, Mitglied des Repräsentantenhauses. Wiederholt war davon die Rede, daß der Kongreß das historische Gut ankause. Es wäre eigentlich schade! Das Erbe Jeffersons sollte in jüdischen Händen bleiben; ein Protest gegen das Verbrechen vom 17. August 1915. Jüdischer Frldgottrsdiknlt. R o n s e (Belgien), den 19. September 1915. romm zu leben ist nicht jedermanns Sache; doch möchte ein jeder gern frounn sterben. Ter Krieg erst hat die Menschen wieder allgemein 31t Gott geführt. Unter dem Eindruck des Todes ist das Bedürfnis religiöser Sammlung überall stärker geworden. So hat auch die Einrichtung jüdischen Feldgottesdienstes überall im deutschen Heere lebhaften und dankbaren Anklang gefunden. Bei jeder Armee befindet sich ein Feldrabbiner, dem vom Armee-Oberkommando ein Auto zur Verfügung gestellt ist, um ihm zu ermöglichen, an vielen Stellen zu wirken, sowohl unmittelbar hinter der Front bei den in Ruhestellung befindlichen Truppen wie weiter zurück in Lazaretten und in der Etappe. Besonders vielseitig ist die Inanspruchnahme des Feldrabbiners an den hohen Festtagen. So mühsam aber auch gerade dann die Allsgabe, um so dankbarer ist sie. Der Besuch des Gottesdienstes ist freiwillig. Die jüdischen Soldaten kommen hin, um den Feiertag würdig 31t begehen, um andächtig 31t sein. Da bedarf es nur, die Gedanken in die Heimat, zu den Liebeil daheim, 31t lenken, um inbrünstige Andacht und heißes Gebet auszillösen. Eill besonders denkwürdiger Gottesdienst fand am 1. Neujahrstag, am 9. September, in Gent statt. Auf Veranlassung des Feldrabbiners Dr. Wilde aus Magdeburg, der seit Kriegsbeginn bei der IV. Armee tätig ist, war durch Armeebefehl angeordnet worden, daß jedem jüdischen Soldaten nach Möglichkeit allsreichende Gelegenheit zllm Besuche der Feiertagsgottesdienste gewährt werden sollte. Im Botanischen Garten in Gent fanden sich ca. 350 jüdische Soldaten aller Truppengattungen zusammen'). Neben zahlreichen Aerzten hatten sich auch mehrere jüdische Offiziere — im Frieden ein ganz ungewohnter Anblick — eingefunden. Tie Versammlung unter freiem Himmel im Glanze der noch starken Abendsonne verlief in wundervoll andächtiger Stimmung, gehoben durch die Predigt des Herrn Rabbiners. Warum dieser Krieg, warum so viel Blut? — So hoch der Himmel ist über der Erde, so hoch sind die Gedanken Gottes über denen der Menschen. Sollte das Blut der Besten, das die Erde düngt, nicht vielleicht kostbares Wachstum fördern? — Ein gedruckter Gruß der deutschen Feldrabbiner an unsere jüdischen Soldaten wurde den Teilnehmern am Gottesdienst, die das beiliegende Bildchen zur Erinnerung festhält, mit auf den Weg gegeben. Rechtsanwalt Dr. Gr u n d ma n n - Essen, z. Zt. Unterosf. beim Landst.-Batl. I, Essen. CLL Der lange Nack. Roman von Anna Goldschmidt. (22. Fortsetzung.) ch so." sagt sie enttäuscht, und kehrt sich mit fast beleidigtem Gesicht nach der Wand zu. All ihr Interesse ist erloschen, und ungehindert gehe ich aus der Tür. Ich nehme meinen Hut. Ich muß ein wenig ins Freie gehe, ich halte cs nicht mehr aus bei uns zu Hause. Auf dem *) Die Feldgottesdienste in Menin, Routers und Ostende waren fast ebensostark besucht. Jüdischer Feldgottesdienst am i. Neujahrstag (9. September).

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