Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1915)
- Date
- 1915-09-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 dem Verfasser und hochgeschätzten Mitarbeiter unserer „DJZ." an seinem Ehrentage Glück zu seinen reichen wissenschaftlichen Erfolgen und hoffen, daß er noch viele neue erringen möge." tzollsnd. 2-2, Den Haag, 20. September. Das Hauptbureau des jüdischen Nationalfonds im Haag teilt mit: Die Spendeneingänge des jüdischen Nationalfonds im Monat August dieses Jahres be-- tragen 40 373,35 Mark. Die Einnahmen verteilen sich auf die verschiedenen Länder in folgender Weise: Nordamerika 19 098 Mark, Oesterreich 4407,79 Mark, Deutschland 3445,35 Mark, Kanada 2787,97 Mark, Ungarn 2422,90 Mark, Südafrika 1743,01 Mark, Rumänien 1543,96 Mart, England 1404,33 Mark, Brasilien 866,28 Mark, Rußland 706,34 Mark, Aegypten 452,36 Mark, Südslawische Länder 440,74 Mark, Schweiz, 354,70 Mark, Holland 227,60 Mark, Italien 175,20 Mark, Dänemark 139,33 Mark, Griechenland 7 7,56 Mark, Schweden 63,33 Mark, Frankreich 15,91 Mark. Es kann mit Befriedigung konstatiert werden, daß trotz der Sommermonate, die gewöhnlich ein Nachlassen der NF-Arbeit bewirken, die NF-Eingänge auf derselben Höhe bleiben, die sie in den letzten Monaten erreichten. Tie neuesten Nachrichten aus Palästina bestätigen die bereits gemeldeten guten Ernteergebnisse in den getreidebanenden Genossenschaften des Nationalfonds uni) sprechen die begründete Hoffnung aus, daß der durch die Heu schrecken angerichtete Schaden im Herzlwalde geringer sein wird, als' unter dem ersten Eindruck der Invasion angenommen wurde. England. 13. L. London, im September. (Indirekt.) Der englisch^jüdische „V e r b a n d f ü r j ü d i s ch e R e ch t e" entsandte dein englischen Gewerkschaftskongresse folgendes Telegramm: Der vor einiger Zeit in England gegründete Arbeiterverband für rechtliche Gleichstellung der- Inden (in Rußland und Rumänien), der die jüdische organisierte Arbeiterschaft Londons und der Provinz vertritt, wendet sich in diesem für die Völker von Europa so schicksalsschweren Moment an euch, um eure Aufmerksamkeit ans die unerhörten Verfolgungen zu lenken, denen die jüdische Bevölkerung in Rußland ansgesetzt ist in einem Maße und in einer Art, die alles übersteigen, was den Juden seit dem Mittelalter und spanischer Inquisition an Verfolgungen Zuteil geworden ist. Diese Greueltaten wurden vor der ganzen Welt durch die Interpellation der sozialdemokratischen Reichsdnmafraktion enthüllt, durch die Reden des Arbeiterdeputirrten T s ch e h e i d s e, des Bauerndeputierten K e r e n s k y , des Führers der Liberalen Miljukow, des jüdischen Deputierten Friedmann u. a. Die organisierte jüdische Arbeiterschaft hegt die feste Ueberzeugnng, daß die rechtliche Gleichstellung der Juden ln den Ländern, in ^denen sie Rechtsbeschränkungen und Ausnahmegesetzen unterworfen sind, eine Frag e v o u internationaler Bedeut u n g i st und bei Friedensschluß als besondere Forderung ausgestellt werben muß. Wir hoffen, daß hinter dieser Forderung die organisierte englische Arbeiterschaft stehen wird. Von MH und Fern. Tie Gesellschaft M a g i n e R e i m (B e r e i n z n g e g e n s e i t i g e r H i l f e) in B e r l i n zeichnete ans die dritte Kriegsanleihe für seine Hauptanstalt 100 000 M., für seine Zweiganstalt 50 000 M., im ganzen 150 000 Mark. — Ter Vorsitzende des Borschnßvereins für hilfebedürftige Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Handelsrichter Oskar R a t h e n a u, beging am 22. d. M. den 75. Geburtstag. Der Jubilar nimmt seit vielen Dezennien an den Wohlfahrtsbestrebungen des Judentums regen Anteil und ist auch verschiedentlich im Dienste der Stadt Berlin tätig. Das M ä d ch e n h aus zu Pankolv bildet unentgeltlich jüdische Mädchen von 14 bis 16 Jahren für den hauswirtschaftlichen Beruf aus. Die Ausbildungszeit dauert zwei Jahre. Bewerbungen sind an Frau Geheimrat Loewe, Berlin W, Uhlandstraße 30, zu richten. —- Landgerichtsrat Geheimer Jnstizrat Salomon vom Landgericht H ist in den Ruhestand getreten. S. stand seit 1873 im Justizdienst. 1878 wurde er Assessor und erhielt eine Anstellung als Kreisrichter in Mewe, 1879 als Amtsrichter in Elbing; 1906 kam er an das hiesige L.nTgeEch! kl. 1912 erhielt er den Charakter als Geheimer Justizrat. Er war der älteste Rat am Landgericht II. — Aus Küstrin wird uns geschrieben: Am 18. September verschied plötzlich unfet langjähriges Borstandsmitglied Herr Josef L e w y am Versöhnungstage während des Gottesdienstes. Sein vorbildlicher Eifer im Amte und seine lautere Gesinnung sichern ihm in der Gemeinde ein dauerndes, ehrenvolles Andenken. — Der Kommerzienrat Arie G o l d f a r b in Pr.-Stargard vollendete sein 60. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß hat er als Vorzahlung aus seinem Testament für seine Vaterstadt Preußisch- Stargard 40 000 Mark vermacht zur Begründung einer Selma-und- Arie-Goldsarb-Stiftung. Zweck der Stiftung soll die Unterstützung Hilfsbedürftiger sein. — In Leobschütz ist der frühere Malzfabrikant Rentier Heinrich Fränkel im Alter von 75 Jahren gestorben. Er war bis vor kurzem Mitinhaber der Malzfabrik Heinrich Fränkel und hat auch 16 Jahre lang der Stadtverordnetenversammlung angehört. In diesem Ehrenamte sowie als Mitglied verschiedener Deputationen und Kommissionen hat er stets großes Interesse für das Gedeihen der Stadt bewiesen und sich dadurch sowie durch seine persönliche Liebenswürdigkeit ein dauerndes Andenken in den Kreisen der Bürgerschaft erworben. — An Stelle des Kaufmanns Ludwig D a n z i g e r , der sein Amt als Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde Lieguitz aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, ist Sanitätsrat Dr. Weichmann gewählt worden. — Kommerzienrat Weil in Görlitz hat für die Vorhalle des dortigen Rathauses ein üderlebensgroßes Holzstandbild als „Görlitzer Wehrmann von 1915" gestiftet und aufstellen lassen. Durch seine Nagelung sollen Mittel zur Fürsorge für dortige Kriegswaisen aufgebracht werden. Die Enthüllung erfolgt in den nächsten Tagen. Frau Kommerzienrat K a tz hat der Stadt Görlitz 10 000 Mark zum Besten von Kriegswaisen überwiesen. — Die jüdische Gemeinde in Chemnitz hat durch das am 18. d. M. erfolgte Ableben des Herrn Willy Lippmann einen schweren Verlust erlitten. Der Entschlafene, der jahrzehntelang der Verwaltung und seit 1895 dem Vorstandskollegium angehörte, war unermüdlich bestrebt, das Wohl und Gedeihen seiner Gemeinde zu fördern und für die Interessen des Judentums zu wirken. Ehre seinem Andenken! — Pros. Dr. F r i e d l ä n d e r aus Hohe Mark bei Frankfurt a. M., der anfangs August dem Gouvernement von Warschau als Garnisonarzt zugeteilt wurde, hat vom Kaiser die Rote- Kreuz-Medaille erhalten. — Die israelitische Gemeinde in Ulm ist von einem schweren Verluste betroffen worden. Der in allen Kreisen hock> beliebte Rabbiner Straßburger wurde am 17. d. M., nachdem er anläßlich des Gottesdienstes zum Versöhnungsfest die Kanzel verlassen hatte, von einem Unwohlsein befallen und ist rasch darauf in seiner Wohnung an einem Herzschlag verschieden. — Kaiser Franz Josef hat dem Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Geheimen Justizrat, Negierungsrat Dr. Adolf Bach rach den Adelstand verliehen. Dr. v. Bachrach steht an der Spitze der Verwaltung großer reichsdeutscher und österreichischer industrieller Unternehmungen und vertritt Mitglieder des Kaiserhauses und der Aristokratie. — Unter den österreichischen Generqlen, die in Galizien und Bukowina gegen Rußland operierten, befindet sich auch unser Glaubensgenosse Feldmarschnltentnant Kornhaber de P i l i s, der für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit einem hohen österreichischen Orden dekoriert wurde. Dieser General stammt aus Galizien, wo er noch Angehörige hat. — Rumänische Zeitungen berichten über eine aufsehenerregende Broschüre des Leutnants der k. u. k. österreichisch-ungarischen Armee O. Taztananu „Drei Monate im Krieg", in der eine rohe antisemitische Agitation versucht wird. Der' Verfasser dieser Hetzbroschüre ist, wie die rumänischen Zeitungen berichten, Rumäne und aus der ungarischen Armee desertiert. — Aus den amtlichen russischen Listen geht hervor, daß im ersten Kriegsjahr insgesamt 502 Juden in der russischen Armee das „Georgskreuz" erhalten haben. — Das amerikanisch' jüdische Komitee in New Aork, dessen Exekutivkomitee aus den Herren Louis Marschall (Präsident), Julian W. Mack, Jakob H. Holländer (Vizepräsident), Jsac W. Bernheim (Kassierer), Cyrus Adler, Jakob H. Schiff, I. L. Magnes, Julius Rosentaler, Oscar H. Strauß, Cyrus und Mayer Sulzberger, A. Leo Weil u. a. besteht, wendet sich an die jüdische Bevölkerung der ganzen Welt, um Vorschläge zu erhalten, wie den Juden in den kriegführenden Ländern am besten zu helfen sei. Im Oktober plant das Komitee, mit anderen jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten eine Konferenz über dieses Thema abzuhalten. Vorschläge und Mitteilungen für diese Konferenz beliebe man an den Obmann des Komitees, Herrn Cyrus Adler in New Uork (356 Second Avenue), zu richten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Bertin-Friedeuau. Druck und Verlag von Rndols Masse.