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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-29 · Heft 40 (29.9.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 40 (29.9.1915)
Date
1915-09-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 in die letzte Zeit widmete er sich unermüdlich und nie versagend üünem Amte. Um so tiefer fühlen wir seinen Verlust. Die ganze Gemeinde wird dem edlen Manne ein dauerndes Andenken bewahren. 22 Schwerin i. M., 20. September. Für Freitag, den 17. d. M., wends, war in Rostock ein Vortrag des Pastors v. H a r l i n g-Leipzig über das Thema „Der Krieg und die Juden" angesetzt. Auf Grund ciner brieflichen Eingabe des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Nostock (Mittwoch, den 15. d. M.) und eines Telegramms des Großmrzoglichen Landesrabbinats (Donnerstag, den 16. d.M., vormittags) an )as stellvertretende Generalkomnmndo des IX. Armeekorps ist der Vortrag verboten worden. Bereits Freitag morgens war die Antwort dem /andesrabbinat zugegangen: „Antwortlich des heutigen Telegramms oird ergebenst mitgeteilt, daß der für Freitag, den 17. September 1915, ii Rostock angekündigte Vortrag des Herren v. Harling-Leipzig verwtcn worden ist. Der stellvertretende kommandierende General v. Roehl, General der Artillerie." M. Hamburg, 19. September. Beim Gottesdienst im israelitischen rempel am Dersöhnungstag hielt Herr Rabbiner Dr. Leim d ö r f e r eine Festpredigt, in der er der Gemeinde darlegte, es sei seine Seelorgerpflicht, zu mahnen, daß alle dem Staate dienen müssen, indem sie üch an der Kriegsanleihe beteiligen. Alle Gemeinden müßten ihr Vermögen mit Freuden aus den Altar des Vaterlandes darbringen. Eine andere Anregung des Herrn Tr. Leimdörfer ist ebenfalls von großer Bedeutung. Schon vor dem Versöhnungsfest hat er allen Gemeinden Deutschlands, Oesterreich-Ungarns', der Türkei und Palästinas naheaelegt, die Staaten dadurch zu entlasten, daß die Gemeinden bei allen Deelenfeiern, viermal im Jahre, die Pietätsabgaben zu einer Kriegsm'dächtnisspende für alle Hinterbliebenen, Verwundeten und Kranken uneinigen. Eine solche Stiftung von 1915, in Hunderten von Gemeinden '.usamnleng.ebracht,wäre in der Tat geeignet, vielem Elend zu steuern und Deutschland wie seinen Verbündeten große Hilfe zu schaffen. Die Anregung ist überall auf fruchEaren Boden gefallen und der deutsche Botschafter in Konstantinopel hat sie dem dortigen Großrabbiner über- '.nittelt. So ist zu erwarten, daß der hochherzige und vaterländische Appell reiche Früchte tragen wird. —Der V e r e i n s e l b st ä n d i g e r i ü d i s ch er Hand w e r k e r u n d G e w e rbe t r e i b e n d e r hielt im Logenheim, Hartungstraße, seine Monatsversammlung unter Vorätz des Herrn B h d. H e i neman ab. Zuerst wurde das Andenken D's auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitgliedes, des Herrn Hirsch, n der üblichen Weise geehrt. Der Vorsitzende wies dann darauf hin, uiß wieder mehrere Mitglieder zu den Fahnen einberufen worden eien, so daß deren Zahl nahezu 40 beträgt. Im Anschluß hieran erachte der Vorsitzende die Mitglieder, in dieser schweren Zeit sich gegeneitig zu unterstützen und namentlich darauf bedacht zu sein, den zum Heeresdienst einberusenen Kollegen nach Möglichkeit ihr Geschäft zu erhalten. Der Vorstand werde in Verbindung mit der Wohlfahrts-! lvuunission der Deutsch-israelitischen Gemeinde wie bisher auch in Zllkunft darauf bedacht sein, den wirtschaftlich Schwächeren nach Mögichkeit bei zu stehen und ihnen das Durchhalten zu erleichtern. Ferner orderte der Vorsitzende die Anwesenden auf, jeder nach seinen Kräften Dir die dritte Kriegsanleihe zu Zeichnen, und wies neben der patriotichen Pflicht auf die günstige Kapitalsanlage hin. Der Antrag des Herrn Ivan Le vy, den Bestand der Unterstützungskasfe des Voraus für die Kriegsanleihe zu zeichnen, fand allseitige Zustimmung und wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Ferner wird bechlossen, sich an der Nagelung des „Eisernen Michael" durch Stiftung unes goldenen Nagels zu beteiligen. Ten im Felde stehenden Mitgliedern sollen für Rechnung des Vereins Liebesgaben übersandt werden. Die Erörterung über die „I. Löwenstein-Spende" für die Kriegsürsorge der Hinterbliebenen der jüdischen Handwerker wurde der vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten Versammlung vertagt. 8. A. Memmingen i. B., 20. September. Am 29. v. M. 'erstarb eine der angesehensten und beliebtesten hiesigen Persöulicheiten, Herr Ludwig H e i l b r o n n e r, Mitinhaber der bekannten ruchfirma Ai. L. Heilbronner. Er war der letzte der hiesigen Inhaber -es Eisernen Kreuzes und, was besonders interessant ist, im Jahre 1<S70 der erste bayerische jüdische Soldat, welcher mit dem Eisernen 8reuz ausgezeichnet wurde, wofür er seinerzeit eine von privater Seite nlsgesetzte Ehrengabe von 100 Gulden erhielt. Das Eiserne Kreuz, welches der Genannte sich für sein tapferes, mutiges und entschlossenes Vorgehen in der Schlacht bei Sedan erwarb, trug er stets mit berechtigtem Stolz, ebenso wie er sein ganzes Leben hindurch ein lebhaftes Interesse für Militär- und vaterländische Angelegenheiten bewahrte. Aber auch für alle sonstigen öffentlichen, sozialen und insbesondere jüdischen Angelegenheiten war der Verblichene in gewissenhafter und unermüdlicher Weise tätig. Der hiesigen Knltusverwaltnug gehörte derselbe während 16 Jahren an und war stets mit dem ihm eigenen Temperament am Platze, wo es galt, für die Interessen des Judentums einzutreten. Die Leichenhalle versammelte eine große Schar von Teilnehmern aus allen Kreisen der Bevölkerung. Herr Lehrer No s e nj blakt rühmte in einem trefflichen Nachrufe den biederen Charakter, die einfache, schlichte und ehrliche Sinnesart und die peinlichste Gewissenhaftigkeit des Dahingeschiedeneu. Der Krieger- und Veteranenverein war nahezu vollzählig mit umflorter Fahne erschienen, um dem verlebten Kameraden das letzte Geleite zu geben? Am Grabe sprachen unter Niederlegung von Kränzen die Vorstände der Veteranenvereine von Memmingen und von Fellheim. Im Aufträge des zurzeit hier garnisonierenden Bataillons war eine Abordnung, bestehend aus einem! Hauptmann, einem Leutnant und einem Fähnrich, zum Begräbnis erj schienen. Drei Salven ertönten, als die Leiche des wackeren Mannes und tapferen Soldaten dem Schoße der Erde übergeben wurde. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden. — Köln, 22. September. Laut ministerieller Verfügung sind den jüdischen Gefangenen der 9., 18., 28. September und 1. Oktober dienstfrei gewährt worden. Wohl in den meisten Lagern und deren Filialen kam auch noch der 10. September (zweite Neujahrstag) hinzu. Der Gottesdienst darf laut ministerieller Verfügung an den Unterkunftsorten linier Bewachung besucht werden. In Wahn war auf Antrag des für die jüdischen Gefangenen bestellten Seelsorgers, Rabbiner Dr. N o s e n t h a l, eine besondere Baracke als Betraum für die hohen Feiertage eingerichtet. Ueberhaupt ist das Entgegenkommen der Kommandantur des Gefangenenlagers hinsichtlich der religiösen Bedürfnisse der jüdischen Gefangenen hoch anzuerkennen, wenn es auch vollständig im Nahmen der ganzen deutschen Gefangenenbehandlung steht. 120 Gefangene, meist Russen, nahmen am- Gottesdienst teil. Borbeter aus ihren eigenen Reihen übten die Funktionen aus; der Schofar war von Herrn I. T ü l k e n , die Thorarolle von Herrn S a l. S i m o n in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Zur Mahlzeit vor und nach dem Fasten erhielten die jüdischen Gefangenen ein koscheres Fleischgericht, dessen Kosten die Lagerverwaltung getragen hat. Auch hn hiesigen Festungslazarett 6, in dem sich über ein Minjan jüdischer Gefangener befindet, fand gemeinsamer Gottesdienst in einem dazu von der Lazarettverwaltung bereitgestellten Saale statt. Am Nachmittag des ersten Neujahrstaaes wurde in Anwesenheit des Rabbiners dort Mincha gebetet und von einem Gemeindebeamten Schofar geblasen. („Israel. Gemeindeblatt.") — Freiburg i. B., 22. September. In dielen Tagen vollendete, wie bereits erwähnt, Geh. Hofrat Dr. Heinrich Ros in, Ordinarius für Staats- und Völkerrecht an der Universität Freibnrg i. B., sein 60. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß widmet ihm sein berühmter Fachgenosse, der Straßburger Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Laband, in der „Deutschen Juristenzeituna" einen Begrüßnngsartikel, in welchem es heißt: „Rosin gehört zu den anerkannten Größen auf dem Gebiet des deutschen Staats- und Berwaltungsrechts und ist einer der beliebtesten Lehrer der Freiburger rechts- und staatsuussenschaftlichen Fakultät. Er begann seine wissenschaftliche Tätigkeit mit einer Abhandlung über den Begriff der Schwertmagen in den Rechtsbüchern und verwandten Ouelten des deutschen Mittelalters (Breslau 187 7), wendete sich dann aber dem öffentlichen Recht zu und veröffentlichte (Breslau 1882) eine vorzügliche Monographie über das Polizeiverordnungsrecht in Preußen, von welcher eine erweiterte zweite Auslage 1895 erschienen ist. Im Jahre 1886 folgt eine vernmltnugsrechtliche Monographie über das Recht der öffentlichen Genossenschaft, 1892 eine kurze übersichtliche Abhandlung über die Minoritätenvertretung und 1897 als Prorektoratsprogramm die sehr interessanten „Grundzüge einer allgemeinen Staatslehre nach den politischen Reden und Schriftstücken des Fürsten Bismarck". Seine bedeutendsten Arbeiten aber betreffen die Sozialversicherung: das Hauptwerk führt den Titel „Das Recht der Arbeiterversicherung", Band 1, 1898, Band 2 (Invaliden- und Altersversicherung) 1905. Zur Ergänzung und Fortführung dienten mehrere umfangreiche Abhandlungen. Wir wünschen

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