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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-22 · Heft 39 (22.9.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 39 (22.9.1915)
Date
1915-09-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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wortet, daß die Konstantinopeter Universität ^zwar noch recht weit davon entfernt sei, einer europäischen Universität gleichzukommen, daß sie aber sicherlich noch auf die Stufe gebracht werden könne, die wünschenswert erscheine. Man müsse es eben anfangen wie andere Völker, die im Anfang ebenfalls nur geringwertige Lehranstalten im eigenen Lande besahen, wie z. B. Japan und Rußland. Diese haben sich recht schnell die Wissenschaften, wie sie in den europäischen Ländern gelehrt werden, angeeignet. Sie haben eingeborene Studenten nach Europa zum Studium entsandt und von dort her Professoren zu sich eingeladen, die an höheren Lehranstalten des eigenen Landes unterrichteten. Mit der Zeit lernten die Hörer, denen dieser Unterricht anfänglich schwer fiel, sich an die Professoren und die neuen Lehrmethoden zu gewöhnen, wie auch die Professoren es lernten, sich den. Studenten mehr allzupassen. Es sei nicht zu befürchten, daß ein Engagement fremder Professoren dem türkischen Nationalismus schaden könne: die Wissenschaft verständige sich mit jeder Nation, ulld jedes Volk zieht aus fremden Lehren nur stets Nutzen für sich. Am angebrachtesten wäre es zweifellos, sich die Professoren aus Deutsch-! land kommen zu lassen. Auch ein japanischer Professor hat seinerzeit dem Verfasser des Artikels im „Tasfir-i-Efkiar" gegenüber die. Ansicht geäußert, baß die Wissenschaft in Deutschland in höchster Blüte stehe, und lvunderte sich, daß die Türkei ihre Studenten nach Frankreich ctitfeube, das doch Deutschland in wissenschaftlicher Hinsich nicht gleichstünde. Japan entsandte z. B. in einem Jahre 70 Studenten liach Europa, hiervon 68 nach Deutschland, die übrigen zlvei nach Frankreich, um hier die dramatische Kirnst zu erlernen. Auch türkische Gelehrte haben auf Grund eigener Erfahrungen bezeugt, daß die echte Wissenschaft vornehmlich in Deutschland zu finden sei. So wird die Wissenschaft ein neues Bindeglied zwischen Deutschland und der Türkei werden. , Von Ash und Fern. } - Dem Berliner Frauenarzt Tr. Georg Tavi.dfohn, Stabsarzt in einen: Gardeschützenregiment, ist das Eiserne Kreuz erstem Klasse verliehen worden. ----- Herr Hugo Hirsch, bei einem Arluierungsbataillon im Osten, Sohn des Herrn Moritz Hirsch in» Berlin, berichtet in einem Brief an die Seimgen, daß er an enrlegener Stelle bei Seehöfe einen Friedhof ausgesunden habe, auf dem gefallene russische jüdische Soldaten ihre Ruhestätte gefunden hatten. Die Gräber erregten seine Aufmerksamkeit dadurch, daß sie kein Kreuz, sondern nur Stangen mit Tafeln trugen, aus denen in hebräischer Kursiv- oder Kurrentschrift die Namen der darunter ruhenden Schläfer verzeichnet waren. Ein Magen David war auf jeder Tatet ausgezeichnet. Zwei Inschriften vermochte er zu entziffern, sie lauteten: Mordechai Ssinolowicz und Aron Arsko. — Professor Dr. Georg G a l l a n d , ordentlicher Lehrer für Kunst? geschichte und klassische Literatur an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden in Künste in Eharlottenburg, ist im Alter von 58 Jahren gestorben. 1857 in Posen geboren, habilitierte er sich 1883 alt der Technischen Hochschule in Hannover für allgemeine, besonders niederländische Kunstgeschichte, ging 1889 an die Berliner Technische Hochschule und wurde 1905 zum außerordentlichen Lehrer für Kunstgeschichte an die Akademische Hochschule für die bildenden Künste m Berlin ernannt. 1895 bis 1905 gab er „Die Künsthalle" heraus, 1889 die großangelegte Geschichte der holländischen Baukunst und Bildnerei des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts, 1904 die umfangreiche Monographie über den Dresdener Meister Herm. Prell. — Aus Posen wird uns geschrieben: Den Heldentod fürs Vaterland starben bei einem Sturmangriff im Osten der Landsturm mann Siegfried Kempner im Alter von 30 Jahren aus Schwersenz, Kaufmann Erich E t t i n g e r, freiwilliger Pionier im Pionierbataillon v. Rauch Nr. 3, im 24. Lebensjahre in Polen, Rechtsanwalt Dr. Stanislaus Hey mann, Mitglied des Bundes freier wissenschaftlicher Bereinigungen an deutschen Universitäten, ousHohensalza. — Die verwitwete Frau Johanna Lösser geb. Schwerineriu Filehne hat ihre beiden 'hoffnungsvollen Söhne Siegfried: und Leo Lösser auf dem Felde der Ehre verloren. — Dr. Gold *1? d; ui i b t, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Königshütte, feierte' sein 25jähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlaß fand eine kleine Feier statt, an der etwa fünfzig Personen teilnahmen. Justizrat Ber ge r feierte den Jubilar in einer Ansprache. ' Hierauf fand ein Essen statt. — Auf dem alten israelitischen Friedhof in München wurde der Kaufmann Abraham Sah beerdigt. Rabbiner Dr. Werner hielt die Gedächtnisrede. Der Verstorbene war in Lemberg tätig. Beim Einbruch der Russen mußte er die Stadt verlassen; er reiste zu Verwandten nach München. Im Begriffe, wieder in die Heimat zurückzukehren, wurde er vom Tod ereilt. — Aus Göttingen wird uns geschrieben: Herr Artur Simon von hier, Sohn, des Herrn Isidor Simon, ist zum Leutnant der Reserve befördert worden. Vizewachtmeister Josef Fellheimer von hier hat die wür-ttembergische Verdienstmedaille für Tapferkeit und Treue erhalten. — Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte in Nidda das Ehepaar Herr Gerson und Frau Klara Holtz in voller Rüstigkeit. Der Großherzog von Hessen ließ dem Jubelpaare sein Bild überreichen. — Der Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas aus Karlsruhe, der als Kriegsfreiwilliger in die Armee eingetreten ist, vor einiger Zeit Offizier wurde und das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt, ist in die Zivilverwaltung von Warschau berufen worden. — Dem kürzlich verstorbenen badischen Kultusminister Dr. Böhm widmet der Großherzogliche O b e r r a t d e r I s r a e l i te n einen Nachruf, in welchem es heißt: „In den vier Jahren seiner Mi nister schuft hat Dr. Böhm bei verschiedenen Anlässen dem Oberrate und der Landessynagoge sein Wohlwollen bekundet . . . Minister Böhm gehört zu den bedeutenden Staatsmännern, auf deren Anerkennung das Judentum und die Landessynagoge sich jederzeit mit Stolz berufen dürfen, wenn sie in treuem Festhalten an ihrer Ueberlieferung sortsahren, ihre Eigenart als wertvolles Kulturelement zu bewahren^ und zum Wohle der Gesamtheit zu pflegen." — Kürzlich kamen 427 galizische Juden, die nach Rußland verschleppt waren, in Lemberg an. Das „Lemberger Tageblatt" berichtet darüber: Am 28. April haben die Russen in Tlomascht eine große Anzahl Juden als Spione verhaftet und sie nach Slotschow gebracht. Dort nahm die jüdische Gemeinde sich der Vertriebenen an und ihre Lage war leidlich. „Als jedoch die Russen Lemberg verloren," so erzählte einer der Vertriebenen einem Mitarbeiter des „Lemberger Tageblattes", „wurde unsere Lage von Tag zu Tag trauriger, die Mißhandlungen waren nicht mehr zu ertragen; Hilfe von seiten der Slotschower Juden durfte uns nicht mehr gewährt werden. Viele sind Hungers gestorben. Am 20. August abends hat man uns versammelt und hat uns in der Nacht von Freitag auf Samstag mit verbundenen Augen durch die Feuerlinie geschickt. Wir sind glücklich zu den Unsrigen gelangt, von denen wir mit Freude ausgenommen wurden." — Ter Sekretär des englischen Gewerkschaftsbundes A p p l e t o n hat den Ehrenvorsitz des Arbeiterverbandes für jüdische Rechte in London übernommen. Wie uns berichtet wird, ist Appleton über die Verbrechen der russischen Regierung an der jüdischen Bevölkerung gut unterrichtet und entschlossen, sein möglichstes zu tun, um' die organisierte Arbeiterschaft Englands und deren Parlamentarische Vertretung für eine Aktion zugunsten der jüdischen Rechte in dem verbündeten Lande zu gewinnen. Auf dem demnächst in Bristol stattfindenden Trade-Union-Kongreß wird die Gelegenheit wahrgenommeu werden, um im gedachten Sinne die Judenfrage anzuschneiden. Der erwähnte Arbeiterverband bereitet ein Memorandum an die Delegierten des Kongresses vor. — Wie über Kopenhagen gemeldet wird, ist in Li da im Alter von 76 Jahren Rabbiner I. I. Rein e s gestorben. Mit ihm verliert das osteuropäische Judentum einen seiner bedeutendsten Vertreter. Seine Werke über die talmudische Methodologie (Mainz 1880) und über die Jurisprudenz des Talmuds haben die Anerkennung der bedeutendsten Fachgelehrten gesunden, und den Verfasser auch in Deutschland bekanntgemacht. Er war der Gründer und Leiter des „Misrachi", des Verbandes orthodoxer Zionisten, der in Europa und Amerika über 50 000 Mitglieder zählt. — Die große Synagoge in Kalisch, welche seit Kriegsausbruch geschlossen war,. ist nun wieder geöffnet. Der Gottesdienst findet regelmäßig statt. Der Rabbiner Jecheskel L i p s ch ü tz wird wieder amtieren. Auch die Schulen sind wieder geöffnet:—Wie das „Lodzer Volksblatt" berichtet, wurde ans Initiative mehrerer jüdischer Offiziere der österreichischungarischen Armee auf dem jüdischen Friedhöfe in Piotrkow (Russisch-Polen) zur Erinnerung an die dort bestatteten jüdischen Armeeangehörigen ein Heldendenkmal errichtet. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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