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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-13 · Heft 33 (13.8.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Hetzen Frucht getragen. Man hat die Kosaken anfgehetzt — und wie wenig braucht ein Kosak, um einen Juden seine Macht fühlen zu lassen! Sie haben Frauen geschändet — ältere Frauen und ganz junge Kinder. Tie unglücklichen Opfer hat mau nach Warschau in die Krankenhäuser gebracht, wo sie schwerkrank daniederliegen. In Warschau haben Svdaten jüdische Viertel geplündert, und zwar von den frommen Polen aufgehetzt. Eine sehr schändliche Nolle spielen die Schaffner der elektrischen Straßenbahnern Ich fuhr einmal in einem Straßenbahnwagen, der voll von Soldaten war. Zu der Zeit wurden gerade verwundete Soldaten vorn Bahnhof in ein Krankenhaus gefahren; da wies der Schaffner aus die Verwundeten hin und sagte: „Seht ihr, daran sind nur die Juden schuld; sic haben alles veranlaßt: sie wollten den Krieg, um Polen derr Deutschen in die Hände zu spielen." Natürlich verfehlen solche Reden nicht ihre Wirkung. Tie verbitterten Soldaten glauben alles und suchen sich an den Juden zu rächen. Und irr der Tat gab es einige Tage nach dem geschilderten Ereignis einen Pogrom. Murr hat Laden geplündert, Frauen, Kinder und Greise geschlagen und verletzt. Taranf wandten sich einige angesehene Juden an den Polizeipräsidenten mit der Bitte um Schutz. Er hat uns zu schützen versprochen, aber wir fürchten, auf derartige Versprechungen zu bauen. Wir wissen nicht, was uns noch in Warschau geschehen kann. Ich schreibe Euch und denke: Was wird uns zustoßen, bis Ihr diesen Brief bekommt? Wie wird es um uns stehen, uu'itn Ihr die Zeilen leset? . . ." Von Mh und sfern. Ter Handelsrichter H e r m a n n L a n d s b e r g e r aus Berlin, in Firma Hermann Rosenbercy hat das Eiserne Kreuz für seine verdienstvolle Tätigkeit als Dezernent für Arbeitsbeschaffung inr Generalgouvernement zu Brüssel' erhalten. Tie Auszeichnung wurde von Exzellenz v. Bissing persönlich überreicht. Herr Hermann Landsberger gehört dem Vorstände der Berliner Jüdischen Reformgemeinde an, aus dessen Mitte auch ein zweites Mitglied, Stabsarzt Dr. Peyser, vor einiger Zeit die gleiche Auszeichnung erhalten hat. — Dem Andenken an Emil Rathenau ist eine Sondernummer der „AEG-Zeitung" gewidmet. Sie ist mit dem Bilde des dahingeschiedeueu Begründers der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft geschmückt und enthält die Reden, die dem Gedächtnis dieses großen Ingenieurs, der zugleich ein hervorragender Kaufmann und weitblickender Organisator war, galten. Angefügt sind die verschiedenen Beileidskundgebungen. — Im Engländerlager in Rnhleben — die jüdischen „Engländer" sind bekanntlich fast ausschließlich osteuropäische Juden, die die englische Staatsangehörigkeit erworben haben — ist eine „Jüdische Gemeinde", natürlich mit dankenswerter Billigung der Behörde, begründet worden. Zum Vorsitzenden ist, wie die „Jüd. Presse" mitteilt, Herr Kessel gewählt worden. Vor allem wurde eine Synagoge, ein schmucker, würdiger Holzbau, errichtet, in der täglich dreimal Gottesdienst abgehalten wird. Weitgehendste Unterstützung bei allen religiösen Bestrebungen haben die Internierten den beiden Rabbinern der Berliner Adaß-Jisroel-Gemeinde zll danken. —- Herr Max A l e x a n d e r, seit drei Jahrzehnten leitender Tepositenkassenvorsteher der Nationalbank in der Jerusalemer.Straße, beging am 4. dieses Monats seinen 70. Geburtstag. — Ihre M a j e st ä t die Kaiserin empfing bei ihrem Besuch in Allenstein am 29. vorigen Monats die Vorstandsdamen verschiedener Wohlfahrtsvereine, unter diesen auch die des Israelischen Frauenvereins, Frau Rabbiner Tr. Olitzki und Frau Lewald. -- Anfangs Juli haben im Auftrag des Hilfsvereins der d e u t - s eh e n Jude n die Herren Rabbiner Tr. K o P f st e i n - Beuthen, Justizrat B e r g e r - Königshütte und Stadtrat Siegfried Wiener- Kattowitz die Stadt Ezenstochau in Polen besucht. Tie Delegation hat dem Hilfskomitee in Ezenstochau die monatlichen 2000 Mark überbracht, welche zu unverzinslichem Darlehen an Personen verwendet werden, die durch den Krieg gelitten haben. Tie Herren haben in Begleitung des Rabbiners von Ezenstochau die beiden jüdischen Volksküchen besucht und in der Volksküche beim jüdischen Handwerkerklub zu Mittag gespeist. Ter Studien- und Arbeitsbesörderungsverein für Israeliten in Bayern hat sein letztes Rechnungsjahr mit 14 790 Mark in Einnahmen und Ausgaben abgeschlossen. Sein Vermögen betrügt 90 000 Mark. — Ans Frankfurt am Main wird geschrieben: Herr Isaak Mainz, dem infolge seines mildtätigen Wirkens die hohe Achtung und Schätzung weiter Kreise der Frankfurter Bürgerschaft entgegengebracht wird, konnte in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag begehen. Er wollte seinen Geburtstag außerhalb in Stille verbringen, auch auf diese Weis, seinen vielen Freunden nahelegen, auf etwa ihm zugedacht» Geburtstagsgaben zu verzichten zu einer Zeit, .wo vate«: ländische und glaubensgenossenschaftliche Spenden so dringeil» nötig sind. — Den Bayerischen Mititärverdienstorden er hielten: Leutnant der Reserve und Kompagnieführer Rechtsanwalt Tr Lucian Kahn-Frankfurt am Main, Ritter des Eisernen Kreuzes, mü Leutnant der Reserve Rechtsanwalt Tr. Alfred E ä r l e b ach - Frank furt am Main, Ritter des Eisernen Kreuzes. — Auf dem israelitische» Friedhof in Gr.-Steinheim in Hessen umrde ein Grabstein umgeworfe» und das betreffende Grab in schändlichster Weise besudelt. Die Gros; herzogliche Bürgermeisterei hat für die Ermittlung des Täters ein Belohnung von 20 Mark ausgesetzt. — Aus Gebweiler wird gemelde» Das israelitische Konsistorium beabsichtigt, die von dem hiesigen Rat biner Ginsburger für die israelitischen Mannschaften unsere Garnison eingerichteten Kriegsgottesdienste für das ganze reichsländisch Operationsgebiet einzuführen. — Die von dem israelitischen Bezirks konststorinm zu Kolmar vorgenommene Ernennung des Rabbineramts kandidaten Tr. Anselm Tebre aus Westhofen zum Rabbiner in Rap poltsweiler ist durch das Ministerium bestätigt worden. — Wie cm- Wien berichtet wird, wurden dort sechs polnische Christen aus bei» galizischen Städtchen Turka zu drei bis zwölf Monaten schweren Kerker verurteilt, weil sie in ihrer Stadt zusammen mit den Kosaker j ü d i s ch e H ä n s e r geplündert haben. — Regimentsarzt Privatdozeu Dr. Oskar A d l e r in Prag erhielt das Ritterkreuz des Franz-Josef Ordens am Bande des Vtilitürverdienstkreuzes und das Ei fern > Kreuz. — Wie die „Daily News" voller Stolz berichten, is mit Genehmigung Lord Kitcheners ein neues Bataillon in de^ Bildung begriffen, das den Namen „The 26tli (Service) Battalion o: Ihc Royal Füsiliers (Bankers)“ tragen und sich ausschließlich am Bankiers und Bankangestellten zusammensetzen wird. In der City wie» auf Betreiben des Lordmayors unter dem Personal der Banken eifrig'! geworben. Als Kommandeur der neuen Truppe wird Major Willian A. Pitt genannt, was einigermaßen überraschend ist, weil man sich ger» Sir E r n e st C a s s e l oder eine andere Größe der City an der Spitz dieses Bataillons vorgestellt hätte. Da die Truppe nach ihrer ganze» Vergangenheit mit Vorschüssen sehr bewandert sein muß, so werden an ihre Leistungen mit Recht die höchsten Erwartungen geknüpft. Die englische Judenheit entwickelte seit Kriegsausbruch eine ungemein rege Hilfstätigkeit. In den Gemeinden, den Vereinen und in der Press» feiert die jüdische Philanthropie wahre Triumphe. Die „Jewist Ghronicle" sammelte allein 40 000 Pfund, das Halls Rothschild spendet» ansehnliche Summen für die belgischen und polnischen Juden sowie sin Palästina. Die Zahl der heimatlosen Juden aus Belgien und Frant reich, die vorläufig unterstützt werden müssen, beläuft sich auf 70on. Sie sind alle in Gebäuden, welche in Friedenszeiten wohltätigen Zweckel» dienen, so gut es geht, nntergebracht. Tas Hilsswerk für Polen lieg! in der Hand von Mr. Landau, der gleich nach Bekanntwerden der No! Baron Ginsburg in Petersburg 50 000 Rubel überweisen konnte. Später galt es noch, den serbischen Juden zll Hilfe zu kommen und 6400 Flucht linge in Alexandrien zu versorgen. 15 Prozent der gesammelter Gelder wurden voll vornherein für Palästina bestimmt. — Die Peters burger Kommission für die Unterstützung der durch den Krieg in No! geratenen Rabbiner teilt mit, daß ihr seit dem 1. Januar bis Jmn 1915 die Smmne von 960,15 Rubel von den Beamten d'er Gemeinden zugegangen sei, allsgegeben wurden aber 3790,22 Rubel. Es wird der Wunsch ausgedrückt, daß die Hilfe in stärkerem Grade wie bisher fortgesetzt werde. Präsident der Unterstützilngskommission ist Rabbiner Dr. Eisenstadt in Petersburg. — In Moskau haben die dortigen Juden bereits 1 Millioll Rubel für die vom Kriege geschädigten Familie» gesammelt. Im ganzen zahlen 1814 Personen monatlich 71137 Rubel freiwillige Beiträge. — Aus New Uork wird geschrieben: Tn-: New Uorker jüdische Hilfskomitee hat bis jetzt über 890 000 Dollar nach Europa und Palästina zur Linderung der No» der jüdischen Bevölkerung in den kriegführenden Staaten gesandt - - Allenthalben finbeit Besprechungen statt, um die nach dem Kriege z erwartende stärke jüdische Einwanderung Zll regeln. — Wie gerirn zurzeit die jüdische Einwanderung ist, beweist, daß im Hafen von Phila delphia im Monat April nur 8 Juden, im Monat März kein Judc als Einwanderer gelandet wurde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max I u u g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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