Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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ii b Schwerter n erhielte n : Stabsarzt Dr. K r o n a ch e r ltartin Stahl, Oberlt. d. L. im 6. bayerischen Feldartillerieregiment,?ide aus 9iürnberg' und -beide Inhaber des Eisernen Kreuzes; Artur -ärlein, Lt. d. R. im 1. bayerischen Reserveseldartillerieregiment. 'as Eiserne Kreuz erhielten ferner: Praktischer Arzt 'r. Julius Bing, Fürth, Stabsarzt der 6. bayerischen Landwehrisanteriebrigade; Asststienzarzt Dr. Waldemar S ch l e i s h e i m e r , ohn des Bankiers Eugen Schleisheimer in Ntünchen; Assistenzarzt d. R. r. Ludlvig Cohen, München, Sohn des verstorbenen Oberlandes- 'richtsrats Dr. Cohen. Aachen, 6. August. Im Truppenübungsplatz Elsen - o r n im Hohen Venn findet auf Befehl der Militärbehörde allonatlich unter Leitung des Militärseelsorgers Rabbiner r. Jaulus aus Aachen ein Gottesdienst für die jüdischen Sollten statt. Besonders feierlich und erhebend war der am 4. August?ranstaltete B i t t - und D a n k g o t t e s d i e n st, an welchem unstähr 60 Soldaten teilnahmen. Nachdem das niederländische Dank- Net mit Harmoniumbegleitung abgesungen war, hielt der Militäralsorger eine tieserg.rei sende längere Ansprache, worauf vom Landurmmann Baum, Oberkantor in Bonn, das Mincha-Gebet Vorträgen wurde. Im Anschluß an den Gottesdienst verteilte der err Rabbiner die ihm vom Verbände der deutschen Juden zur Verigung gestellten Feldgebetbücher sowie andere verkäufliche Schriften nd forderte die Anwesenden auf, ihm ihre persönlichen Wünsche zu ußern, zu deren Erfüllung er, soweit es in seiner Macht läge, gern utragen wolle. Diese Aufforderung hatte eine längere Aussprache lit einzelnen Soldaten zur Folge, die sichtlich befriedigt die Feier erließen. L/D Göppingen (Württembergs 6. August. Das Königlich Pren- >sche Kriegsministerium hat auf Anregung des Königlich Württem- 'rgischen Kriegsministeriums Herrn Rabbiner Dr. Tänzer, nach- :m sich derselbe wiederholt zur Verfügung gestellt hatte, nunmehr .im israelitischen Feldgeistlichen für die Bugr m e e bestellt. Unser verehrter Herr Rabbiner wird bereits in den ächsten Tagen seine Ausreise ins Feld antreten. Mit seinem Abauge entsteht in hiesiger Stadt eine fühlbare Lücke, da er eine vielitige und gemeinnützige Tätigkeit in selbstloser Weise entfaltet hat, :e als ein Kiddusch-Haschem, als eine öffentliche Ehrung des Judenams in des Wortes bester Bedeutung bezeichnet zu werden verdient, 'or fünf Jahren hat er nach einem zündenden Vortrage hier eine Volksibliothek gegründet, die seither von der Stadtverwaltung übernommen, von Herrn Dr. Tänzer aber in ehrenamtlicher Weife geleitet uirde. Sie zählt bei 500 Wochenlesern und einem großen wertvollen Bücherbestände zu den besten Volksbibliotheken Württembergs. An der 'tädchenrealschule in Göppingen hatte Herr Dr. Tänzer seit Kriegs-?gimr an den beiden obersten Klassen den Unterricht in Deutsch, Gedichte und Bürgerkunde in sehy erfolgreicher Weise erteilt, so daß um sein Scheiden von der Anstalt allgemein bedauert. Vor einem rößeren Kreise christlicher junger Damen hielt Herr Dr. Tänzer auf eren Ersuchen einen Kursus über Geschichte des 19.Jahrhunderts ab, -?r sich des lebhaftesten Interesses zu erfreuen hatte. Mit bestem Erolge leitete er einen Kursus-in der Gabelsbergerschen Stenographie für verwundete Soldaten. Mögen unserem Herrn Rabbiner auch auf dein Kriegsschauplätze eine segensreiche Tätigkeit in treudeutschem und gutndischem Sinne und eine baldige frohe Heimkehr beschieden sein. Gestrrreich-Angsrn. K. Wien, 6. August. Ueber die Russenzeit in Lemberg schreibt "er polnische Abgeordnete Dr. Steslowicz der „Neuen Freien resse": Im März machte der Generalgouverneur .von Lemberg Graf Bobrinsky dem zuieiten Bürgermeister Dr. Schleicher die Min eilung, es habe in Petersburg Befremden erregt, daß im Lemberger ^tadtpräsidium ein Jude noch immer einen hervorragenden Posten Knnehme. „Ich habe nun," sagte Graf Bobrinsky, „an zuständiger stelle berichtet, daß Sie sich um die Approvisionierung der Stadt große Verdienste erworben haben, woraus mir gestattet wurde. Sie vorläufig aus Ihrem bisherigen Posten zu belassen." Nun, dieses echt russische System war glücklicherweise nur von kurzer Dauer und Dr. Schleicher bleibt nach wie vor auf seinem hervorragenden Posten. — Einem ausführlichen Bericht über die Frauenhilfsaktion ui Bielitz und Saybusch ist zu entnehmen, daß in Bielitz drei Frauenvereine bei der Labung und Pflege der Soldaten seit Kriegsbeginn arbeiten. An der Spitze des Roten Kreuzes stehen die jüdischen Damen Käte Zipfer, Therese Pollatschek, Johanna Neumanu, Berta Steiner, Rosa Deutsch und Frau Lydia Broder. Frau Broder, Gattin des Rechtsanwalts Dr. Leon Broder in Saybusch, hat die Organisation des Roten Kreuzes in Bielitz studiert und nach Sahbusch übertragen, wohin kranke und verwundete Soldaten gebracht wurden. Die energische, hilfsbereite Frau hat eine Badeanstalt, eine Volksküche und eine Teeanstalt eingerichtet und durch wiederholte Reisen nach Wien es durchgesetzt, daß dem von ihr geleiteten Spitale es an nichts fehle. Erzherzog Karl Stephan hat dieses Spital wiederholt besucht und sich über dessen musterhafte Einrichtung und Leitung sehr lobend ausgesprochen. — Um die Kinder jener Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, die lange noch nicht zurückkehren werden können, während der Ferien nützlich zu beschäftigen, findet ab 2. August die Eröffnung einiger Schulen statt, und zwar zur Vorbereitung für die Aufnahme in Gymnasien und Realschulen und zur Ablegung von Abiturientenprüfungen für humanistische Anstalten. Leiter dieser Kurse, die nur vormittags abgehalten werden, ist Tr. Fliegelmann. — Aus Karlsbad wird berichtet, daß der Kantor der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, I. Weiß, in serbischer Gefangenschaft gestorben, sei. Weiß war ein sehr tüchtiger Kultusbeamter und ein bedeutender Musiker. Der Verblichene, ein Ungar von Geburt, war einer der ersten, die gleich nach Kriegsausbruch zur Fahne eilten, und zeichnete sich durch seinen Mu-t und seine Tapferkeit besonders aus. Kantor Weiß hinterlüßt eine Frau und einige unversorgte Kinder. Türkei. z. Konstantinopel, 3. August. Die Wiedergenesuug des Sultans hat in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung des türkischen Reiches grenzenlose Frende hervorgerufen. So wie während der Krankheit des Sultans in sämtlichen Synagogen der europäischen und asiatischen Türkei säst ununterbrochen Gebete für die Wiederherstellung seiner Gesundheit verrichtet wurden, so erschollen bei der Kunde seiner Genesung in den jüdischen Bethäusern aller Riten Dan-keshymuen. Der Großrabbiner der Türkei Chaim Na hum erschien wiederholt im kaiserlichen Palais, um sich über den Zustand des Sultans zu erkundigen. Als er in Begleitung seines Sekretärs im Palais erschienen war, um die Freude der jüdischen Bevölkerung über die Wiederherstellung ihres kaiserlichen Herrn zu verdolmetschen, erfuhr der Sultan die AiNvesenheit des Großrabbiners. Seine Majestät ließ durch den ersten Kanzler T e w f i k Bei und den ersten Sekretär Fund Bei dem Großrabbiner und durch ihn der jüdischen Bevölkerung seine Grüße übermitteln und seine Frende über die Anhänglichkeit der Juden zu Thron und Vaterland aussprechen. — Wie die hier erscheinende „Aurore" meldet, hat der berühmte Berliner Chirurg Professor Dr. Israel, der an das Krankenlager des Sultans berufen worden war, seine Anwesenheit in Konstantinopel dazu benutzt, um auch mit den maßgebenden Persönlichkeiten des ottomanischen Judentums in Fühlung zu treten und einzelne jüdische Anstalten in Augenschein zu nehmen. Professor Israel stattete auch dem Großrabbiner Chaim Nah um einen längeren Besuch ab. Ebenso erschien er im jüdischen Spital Or-Chajim und besichtigte alle Einrichtungen desselben. Professor Israel freute sich, erklären zu können, daß das Spital mit seinen modernen Einrichtungen auch den rigorosesten Ansprüchen zu genügen in der Lage ist, und gab dieser Meinung durch anerkennende Worte für die Leitung und die Aerzte in dem Fremdenbuch des Spitals Ausdruck. Das Spital ist auch für die Verwund-etenpflege von großer Bedeutung. Amerika. z. New Aork, im Juli. Die New Porter jüdische Tageszeitung „Bvrwärts" veröffentlichte vor einiger Zeit den folgenden Brief ans Warschau, der klar erkennen läßt, unter welchem Schreckensregiment die jüdisch e B e v ö l k e r u n g zu leiden hat: Warschau . . . „. . . Ihr müßt wissen, daß wir (die jüdische Bevölkerung) außer dem großen Kriege draußen auf dem Felde hier in Warschau einen besonderen Krieg haben — den Krieg mit den Polen. Die Polen glauben fest an die Einigkeit der Juden; sie sind überzeugt, daß die Juden den Deutschen Geld gegeben haben und Deutschland daraufhin den Krieg erklärt habe. (!) Die Juden Hütten für Deutschland Geld gesammelt, der Aermste hätte zum „deutschen Fonds" mit 20 oder 30 Kopeken beigetragen. Und deshalb bedrohen uns die Polen mit dem martervollsten Tode. In den kleinen Ortschaften haben schon die polnischen