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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-16 · Heft 29 (16.7.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 öffentlich seine Behauptungen über Nitualverbvechen der Inden widerlegen und seine diesbezüglichen „Geheimdokumettte" als „Irrtum" erklären. Tie Narren untren aber damals ziemlich alle geworden, und man schenkte ihn: keine Beachtung. Lein letztes Lebenszeichen gab er zur Zeit des B e i l i s - Prozesses (Ende 1913), er schrieb damals mehrere Artikel für die Blatter der Schwarzen Hundert. Alles in allem eine verkommene, ekelerregende Gestalt — ruchlos wie das System selbst, dem Lutostansky gedient. M. Blum in. FrsnKrrich. Z. Paris, im Juni. Die jüngst stattgefundene Generalv e r s a m m l u n g des israelitischen K o n s i st o r i u m s I nur de, da der Präsident Baron E d m o n d d e R o t h s ch i l d krankheitshalber am Erscheinen verhindert war, von dem Vizepräsidenten E d. Nt affe geleitet. Nach den: Kassenbericht des Schatzmeisters Alphonse O ch s betrug das Defizit der Jahresrechnung 1914 im ganzen 185 913 Fr. Es wurden weniger eingenommen: 53 596 Fr. au Zinsen, 42 160 Fr. an freiwilligen Steuern, 31383 Fr. für Heiraten, 25 815 Fr. für Platzmiete, 12 077 Fr. für Fleischverkans, II 818 Fr. für Beerdigungen und 9263 Fr. an Spenden und Kollekten. Während im Jahre 1913 769 342 Fr. eingenommen wurden, war die Summe der Einnahmen pro 1914 nur 583 428 Fr. Infolge des Krieges ist dieser Rückgang erklärlich. Immerhin war das Kosistorium trotz der schlechten Finanzen in der Lage, seine Beamten zu besolden unb die Pensionen zu bezahlen. Sogar 32 Mobilisierte beziehen ihr volles Gehalt. Trotz der ungünstigen Lage der Finanzen blickt der Kassierer mit Vertrauen in die Zukunft, da er sich von den religiösen Neigungen und Strönmugen auch fernerhin den Sinn für religiöse Opfer verspreche. Bei dieser Versammlung hielten der Großr a b b i n e r v o n P a r i s und Rabbiner Dreysuß patriotische Ansprachen, indem sie auf die Opfer hinwiesen, welche die Israeliten auf dem Altar des Vaterlandes gebracht haben. Auch sprachen sie sich befriedigt ans von der Zunahme der religiösen Gesinnung unter den Glaubensgenossen. Sodann wurde mit ehrenden Worten der auf dem Felde der Ehre Gefallenen gedacht, die im Dienste des Vaterlandes ihr junges Leben opferten. Von Mh und Fern. ~ Rechtsanwalt Justizrat T h. M a r c u s e ist vom Magistrat der Stadt Berlin zum Vorsitzenden am Gewerbe- und Kanfmannsgericht gewählt und vom Oberpräsidentelt bestätigt loorden. Der Berliner Rechtsanwalt Tr. H a n s P hilip p, der als Oberleutnant der Landwehr und Führer einer Maschinengewehrabteitung int Felde stand, hat, wie mts mitgeteilt wird, den Heldentod für das Vaterland erlitteit. Diese Nachricht wird in den Kreisen der Berliner Anwaltschaft und darüber hitlaus herzliche Teilnahme erwecken. Der erst 38 Jahre alte Jurist, der sich bei seinen Kollegen wie auch bei seinen Freunden und Bekamtten großer Wertschätzung erfreute, war seit Jahren mit dem Geheimen Justizrat Leonhard F r i e d nt a n n assoziiert. — Das für die jüdischen Mannschaften heransgegebene Feldgebetbuch steht jedem jüdischen Kriegsteilnehmer im Bureau des Verbandes der deutschen Juden, Steglitzer Straße 9, und auch im Bureau der jüdischen Gemeittde, Oranienburger Straße 29, zur Verfügung. Anträge auf Uebersendung sind mit genauer Adresse (Truppenteil nstv.) an das Bureau des Verbandes zu richten. — Professor Dr. Moritz Meyer, früher Privatdozent an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, ist im 74. Lebensjahr gestorben. - Die Vereinigung für „Lazarettkonzerte" in Posen veranstaltete zulu Besten der Ausflüge für Kriegsbeschädigte in dem gütigst von Herrn R u d o l f P e t e r s d o r s s zur Verfügung, gestellten Garten einen intimen Unterhaltungsabend, der vom besten Erfolg gekrönt war. Die erprobte Opserfrendigkeit des Herrn Petersdorff ist in Posen rühmlichst bekannt. — Man schreibt mts aus Brontberg: Vom Tode des Ertrinkens gerettet wurde am 26. Juni der Oberrealschüler Fritz Kurczyuski. Beim Baden in der offenen Badeanstalt ging er plötzlich unter. Dies wurde von dem hier auf Urlaub weilenden Musketier Erich. B e r rt - st e i tt von der sechsten Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 76 bemerkt, der dem Verunglückten nachsprang ttnd ihn ans Ufer brachte. Kurczyuski hatte bereits die Besinnung verloren; glücklicherweise waren die sofort angestellten Wiederbelebttngsversnche von Erfolg. Er konttte sich selbst nach Hatlse begeben. Nachstehenden jüdischst Datnen in der Provinz Schlesien ist von der- Frau Herzogin- Regentin von Sachsen-Meiningen der Orden für Verdienst von Frauen und Jttngfrauen ttt der Kriegsfürsorge verliehen worden: Frau Konsul Theodor E h r l i ch, Frau H a m b u r g e r, Frau Georg Ledernt a u n geb. Ehrlich, Frau Stadtrat Nt a r ck, Frau Geheimer Medizinalrat W o l f f b e r g - Breslau und Frau Kaufmann Leipziger- Neisse. Die Attszeichnung ist ans matter Bronze gefertigt und besteht aus einem Kreuz, das in einen kreisrunden Eichenkranz gestellt ist und in der Form dem Eisernen Kreuz ähttelt. Der Eichenkranz zeigt auf der Rückseite die Umschrift: „Für Verdienste im Kriege 1914/15." Das Kreitz hängt an einer Krone und wird an einer Schleife in den preußischett und meiniugischen Landesfarben Schwarz-Weiß und Grün-Weiß gekragett. — Das israelitische K i n d e r h e i m in Bad Jastrzeutb kann in diesent Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zttrückblickett. — Aus Dürkheim wird berichtet: Von dem in New Jork verstorbenen Herrn Ludwig August Jonas wurden unserer Stadt 10 000 Mark vermacht, aus deren Zinsen hiesige Ortsarme unter-, stützt lverden sollen. Auch die israelitische Kultusgemeinde ist mit einem Legat vott 4000 Mark bedacht. Herr Jonas hatte schon zu Lebzeiten sich alljährlich der Armen seiner Vaterstadt erinnert. — In Kuppenheim (Baden) feierte Fratt Judith D r e y f tr ß in körperlicher und geistiger Frische den 100. Geburtstag. — Tie holländische Regierung hat eine Kommisston zttr Regelung des Börsenverkehrs an der Amsterdamer Börse während des Krieges eingesetzt. Zum Vorsitzenden dieser Kommission ist der Bankier Herr Jaeobtts Henricus K a n tt aus dem Haag ernannt worden. Herr Kann ist weiteren Kreisen als Direktor der „Jüdischen Kolonialbank", des finanziellen Instruments der zionistischen Bewegung, bekannt. — Der Przemhsler Rabbiner Gedalia Schmelkes ist, wie man der Wiener „Morgenzeitung" berichtet, von Lemberg nach Przemhsl zttrückgekehrt. Wie bekannt, ist der Przemhsler Rabbiner als letzter der Ansgewiesenen seinerzeit nach Lemberg abgereist. Die Przemhsler Jttdett und mit ihnen alle diejenigen, die die Bedeutung dieses verdienstvollett und selbstlosen Mannes seit jeher kennen, sind begeistert von feinen unermüdlichen Leistungen für das Wohl seiner Gemeinde. — Der Präses des Vereins „Rumänische Juden" Tr. Stern hatte in letzter Zeit eine Attdienz beim König Ferdinand. Dr. Stern hat dem König eilt Memorandum übergeben und auf die schlechte Wirkung des Frentdengesetzes in Rnmänien ttnd die schlechte und traurige Lage der Juden hingewiesen. Ter König versprach seine Hilfe. — Das Anslandskomitee des Arbeitsbundes erfährt laut „Berner Tagwacht" aus Rttßland, in Moskauer Gesellschaftskreisen spreche man von der völligett Niederlage Rußlands. Auch die vom Kriegsschauplatz heimkehrenden Offiziere verzweifelten an einem günstigen Atlsgang des Krieges. Für alle Niederlagen sttche die Negierung die Juden verantwortlich ztt machett und so die Volksempörttng auf den armen Sündenbock zu leiten. Matt spricht in Rußland sogar davon, daß die Regiertmg entschlossen sei, die Juden auch aus Petersburg auszuweisett, wenn Riga von den Deutschen besetzt wird. Man Habe dies schott früher tun wollen, aber auf die Intervention des Mittisters des Attswärtigen aufgeschoben. Tie revolutionäre Stimmung des russischen Proletariats wachse, sogar Krankenschwestern seien unter dem Verdacht revolutionärer Agitation unter den Soldaten verhaftet worden. Die Mitteilung schließt: jeder Mann in Rußland fühle, daß man große»! inneren Ereignissen entgegengehe. — Die Juden von Gallipoli, wo sich der schwere Kantpf um die Dardanellen abspielt, sind nach Konstantiuopel und Umgebung geflüchtet und befittden sich in großer Not. Der Chacham Baschi wendete sich nach New Jork um Hilfe. Die Gesamtzahlder jüdischen Flüchtlinge in Konstantinopel beträgt 5000. — Die gesetzgebenden Körperschaften des Staates New Jork haben eine interessante Gesetzesvorlage angenommen mtd in Rechtskraft treten taffen. Hiernach ist der Mißbrauch der Bezeichnung „Koscher" bei sonstiger strenger Bestrafung von nun ab verboten. Für den Verkauf von Fletsch mit der Bezeichnung „Koscher", trotzdem es nicht im Sintte der rabbittischett Entscheidung als rituell genießbar angesehen werden kann, sind erhebliche Strafen festgesetzt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolfs, Berlin 6 2. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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