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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-09 · Heft 28 (9.7.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 28 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Von Sah und Lern. Das fünfzigjährige G e s ch ä f t s j u b i l ä n m beging am 1. d. M. die weit bekannte Zigarrenfirma Loeser u. Wolfs. Ans kleinen Anfängen hat sich das Geschäft zu seiner heutigen Größe entwickelt. Die jetzigen Inhaber, Frau Kommerzienrat C ä c i l i c. M o e f i' r und Regierungs- und Baurat a. D. A l f r e d S o m m e r - guth, beschäftigen 440 Personen, davon eine seit 40 Jahren und lueilere 1%H seit mehr als 25 Jahren. Bon dem eigentlichen Verkausspersonal von 100 Personen, die sich auf die 115 Verkaufsstellen, in Groß-Berlin verteilen, stehen hellte 90 unter den Fahnen. Zu ihrem Ehrentage haben die Inhaber für die Angestellten und zu Kriegsfürsorgezwecken Mittel in einer Gesamthöhe von 600 000 Mark allsgeworfen. 270 000 Mark entfallen davon auf das Personal der Firma. 330 000 Mark sind verschiedenen Kriegshilssorganisationen überwiesen worden. — Frau Eugenie Manhei m e r, die Witwe des am 6. April verstorbenen Kommerzienrats Gustav Manheimer, hat zum ehrenden Gedenken an ihren Gatten 100 000 Mark All Wohltätigkeitszwecken für Taubstumme, Blinde, Waisenkinder, städtische Arme sowie für Kranke und für Kriegsbeschädigte gestiftet. Die Spende ist den Stiftungen und Anstalten, teils zur freien Verfügung, teils in Form von bestimmten Legaten, überwiesen worden. Auch die Stadt Berlin hat einen namhaften Betrag erhalten. Der Frau Rosa G a r b n t y - R o s e n t h a l, der Gattin des Fabrikbesitzers Joseph Garbaty-Roseilthal in Pankow, ist für Verdienste um das Rote Kreuz das österreichische Ehrenzeichen verliehen worden. Aus Posen wird uils geschrieben: Der hiesige Magistrat (Armenverwaltung) hat unter anderen über nachstehende von Juden herrühreilde Stiftungen für Notleid-ende Zll verfügen: von Sanllsel I a f f e, Lipp m a n n und Philippine N e u - feld, Eduard nild Amalie Ephraim (zwei Stiftungen) an zlvei Handwerker je 100 Mark, au vier Witwen je 50 Mark mld zll Badereisen je 100 Mark an zwei Frauen, ferner voll Wollheim, Samuel Auerbach für drei christliche Handlverker oder Gewerbetreibende, Adolf und Zerline Kantorowicz, zwei-., mal, Geheimrat £ r g ler , Pauline K r o n t h a l, Albert Bach für je einen christlichen und jüdischen Gewerbetreibenden, H. I. und Philippine Remak und Louis Jaffe. — Durch den Tod des Kaufmanns Leo L e y s e r , Ritter des Kronenordens, ist die Gemeinde Z n i n in tiefe Trauer versetzt worden. Der Dahingeschiedene bekleidete mehrere Ehrenämter in der Stadt und Gemeinde. Den Armen und Notleidenden war er ein treuer Berater und Helfer. An der Beerdigung nahmen alle Stände aus der Bürgerschaft innigen Anteil. Leyfer starb im 55. Lebensjahre. — Herr Amtsrichter Dr. Hartmann in Breslau, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der österreichisch-ungarischen Tapferkeitsmedaille erster Klasse, ist als Leutnant bei einem Wald-' gesecht auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallen. — Der israelitische humanitäre Frauenverein in Hamburg, der bei Kriegsbeginn sein Erholungsheim in Segeberg dem Noten Kreuz als Kriegslazarett zur freien Verfügung stellte, wird in diesem Jahre in gemieteten Räumen in Segeberg erholungsbedürftigen Kindern und in beschränkter Zahl auch Frauen und Mädchen die Segnungen eines Kuraufenthaltes zuteil werden lassen. — Am jüdischen Lehrerseminar in Köln fand unter Vorsitz des königlichen Provinzialschulrats Nolkmer die zweite Notentlassungsprüsung im Kriege statt. 5 Schüler des obersten Kurses, 3 in Uniform und 2 Kriegsfreiwillige, die in den nächsten Tagen eingestellt werden, nahmen an ihr teil und bestanden sie mit gutem Erfolge. — Referendar Ernst S o n d h e i m e r , Sohn des Lehrers W. Sondheimer in Darmstadt, der seit November im Besitze des Eisernen Kreuzes ist, wurde zum Leutnant der Reserve im Neservefeldartillerieregiment Nr. 63 befördert.—In Bischheim (Elsaß) starb Rabbiner Dr. Zacharias Wolfs. Früher Lehrer in Biblis, dann Direktor der Rabbinerpräparandenschule in Colmar, wurde er Rabbiner in Schirrhofen und zuletzt in Bischheim. Die meisten elsässischen Rabbiner sind seine Schüler gewesen. Bei der Beerdigung beteiligten sich denn auch zahlreiche? Kollegen und Schüler des Verstorbenen. — Rabbiner Dr. Rosen-, borg in Ancona, Italien, ein geborener Ungar, mußte Italien verlassen und ließ sich in Zürich nieder, wo eine Menge ausgewiesener Juden ans Italien eingetroffen ist. — So wie in Straßburg soll nunmehr auch in Mülhausen (Elsaß) das Bült der Schlachttiere in großem Umfange zu Nahrungszwecken Verwendung finden. Deshalb soll den jüdischen Metzgern gestattet sein, so viele Tiere Zu schachten, als für die jüdische Bevölkerung unbedingt notwendig ist. — Aus Wien wird uns geschrieben: Vor kurzem fand im Konzentrationslager in Gaga die Einweihung des Gotteshauses für die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien statt. An dieser schlichten und einfachen Feier nahmen unter anderen teil: der politische Amtsleiter Alois Fendrhck, Barackenverwalter Bader und Chefarzt der Spitalsleitung Dr. Joses Mandel sowie der Kultusvorstand und die Stadtverwaltung der Gemeinde Gaga. In einer schönen Ansprache hob Schulinspektor Josef Löbl die Bedeutung und den Anlaß dieser Feier hervor und sprach auch dem Chefarzt Dr. Nt an dl für dessen Obsorge in sanitärer Richtung den Dank der Flüchtlinge aus. Mit der Absingung der Volkshymne und des „Heil dir im Siegerkranz" sowie der Rezitierung des hebräischen Gebets „Hanaussen Teschuo" für den österreichischen und den deutschen Kaiser schloß diese schöne Feier, die allen Anwesenden noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. - - Wie die „Neue National-Zeitung" in Wien meldet, kommen neuerdings als Kandidaten für den Oberrabbinerposten daselbst in Betracht: Oberrabbiner Dr. M a r g n l i e s, Florenz, und Rabbiner Dr. Nobel, Frankfurt a. M. Beide Kandidaten sind sowohl durch ihr talmudisches als auch ihr allgemeines Wissen hervorragende Männer, die ihren Posten auszufüllen wissen. — Herr Rabbiner B. L ö w y in Budin a. d. E. (Böhmen) hat von acht Söhnen, von denen sieben im militärischen Alter stehen, sechs beim Militär. Der älteste, Karl, ist am 15. Februar eingerückt; Rudolf war achteinhalb Monate im Felde und liegt jetzt krank in einem Prager Spital; Wilhelm ist feit Kriegsbeginn in Bosnien beim Eisenbahnsicherungsdienst; Otto ist nach Ausheilung seiner Wunden mit dem 7. Landwehrinfanterieregiment zum zweiten Male an die Front abgegangen; Josef dient aktiv, ist in Serbien an der Hand verwundet und jetzt beim Kader dem Wachdienst zugeteilt worden; Hermann rückte am 21. Juni als Landsturmmann ein. — Die Zeitung „L i b r e Parole" hat den Großrabbiner von Frankreich einer scharfen Kritik unterworfen, weil er sich bemüht, Gottesdienste für die jüdischen Gefangenen aus Deutschland zu arrangieren, während die „Action Franyaise" die Pariser Familie Rothschild angriff, indem sie behauptete, daß sie Geschäfte mit ihren deutschen Verwandten macht, und die Familie als eine deutsche hinstellte. Dieselbe Zeitung greift auch Gustav Herve an, weil er versucht, die Sache der russischen Juden zu vertreten. — Seit einiger Zeit erscheint in Warschau unter dem Titel „Wozwaga" (Reflexion) eine neue jüdische Monatsschrift in polnischer Sprache. Die erste Nummer dieser Zeitschrift gibt als ihr Ziel an: die Förderung eines freundschaftlichen Verhältniffes zwischen den Juden und Polen. Ungefähr demselben Assimilationszwecke dient auch der „Israelit a", welcher nach zweijähriger Unterbrechung wieder zu erscheinen beginnt. „Jsraelita" glaubt, daß jetzt die Zeit günstiger fei, um für die absolute politische Rechtsgleichheit der Juden in Russisch-Polen den Kampf zu führen, und erblickt hierin ein machtvolles Instrument der jüdisch-polnischen Assimilation. — Die Gewaltakte an jüdischen Händlern, die unschuldig oder wegen der geringfügigsten Delikte voll der polnischen Bürgermiliz in himmelschreiender Weise mißhandelt werden, riefen in Lodz starke Beunruhigung in allen jüdischen Kreisen hervor. Herr Oberrabbiner Treistmann besuchte vor kurzein den Präses des Zentralkomitees der Bürgermiliz und führte Beschwerde über die unerhörten Vorkommnisse. Der Präses des Komitees versprach, eine Untersuchung in dieser Angelegenheit einzuleiten. — Henri Morgen th au, der amerikanische Botschaft^ in Konstantinopel, übergab der dortigen jüdischen Gemeinde 500 türkische Pfund im Aufträge der amerikanischen Juden. — Senator Salus in Philadelphia legte dem Senat eine Resolution vor. die von der amerikanischen Regierung verlangt, sie möge sich bei den Verhandlungen über eine Handelsvertretung mi- Rußland für die Anerkennung der Gleichberechtigung für die russischen Juden bemühen und dafür sorgen, daß amerikanische Juden unter dem Schutze amerikanischer Pässe sich unbelästigt in Rußland anshalten können. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolff, Berlin 6 2. Druck nnd Verlag von Rudolf Masse.

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