Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1915)
- Date
- 1915-04-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 beherbergen, stieg die Zahl in diesem Kriegsjahre auf 350 Mann. Am Vorabend des Festes kamen 300 sJJinmi ans dem Felde, Angehörige des 3. bayerischen Armeekorps, zumeist recht strenggläubige Mannschaften. Unter der umsichtigen Leitung des hiesigen Oberrabbiners Dr. Netter wurde alsbald allen unterschiedslos in den jüdischen Restaurationen für die Tauer ihres Urlaubs eilt Freitisch bewilligt, und am ersten Pessachabend versammelten sich ungefähr 150 Mann im Soldatenheim. Für die hier Garnisonierenden fand der Herr Oberrabbiner in den Privathänseru sowie in den jüdischen Garküchen Unterkunft. Ebenso ward die Verpflegung von etwa 25 bis 50 jüdischen Soldaten in den Lazaretten in die Wege geleitet. Ter mehrfach genannte Herr Rabbiner hat auch außerdem den Angehörigen des lf>. Armeekorps im Einvernehmen mit dessen kommandierendem General 300 Kilogramm Mazzot zugesandt und erhielt späterhin den erfreulichen Bescheid, daß die Sendung vom Generalkommando anläßlich der Osterfeier in Grandpriö lArgonnen) zur Verteilung gelangte. Auch hier hat der Philanthrop Herr Lass a r L e w i s v h n - Frankfurt am Main für einen großen Teil der Kosten zum Teil selbst gesorgt und andere zur Teilnahme daran veranlaßt. Indessen sind die Kosten, die sich dies'.nal auf viele Tausende belaufen, bei weitem nach nicht gedeckt. Wen an dieser werktätigen Liebe teilznnehmen sein gutes Herz treibt, für den sei bemerkt, daß Herr Oberrabbiner Tr. Netter (Israelitisches Konsistorium von Lothringen) gern Gaben vermittelt. Von Ash und jfem. Tem Geh. Sanitätsrat Tr. K r o n e r, der kürzlich sein goldenes Tottorjubiläum feierte, ist der Kronenorden dritter Klasse verliehen worden. Stadtrat Panofski, der Mitinhaber der Bankfirma Faeguier u. S e c u r i u s, ist von einem schlveren Verlust betroffen worden. Sein ältester Sohn, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet nwrden war, ist, nachdem er zum zweiten Male ins Feld gerückt war, in Frankreich gefallen. — Tie Firma B r a n e r, S a chs n. E o. hat ans Anlaß des 25jährigen Bestehens der Firma den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin 10 000 Mark zu ei nein wohltätigen Zwecke gestiftet. Tas Aeltestenkollegi um hat die Stiftung mit Tank angenommen. --- Zu einer stimmungsvollen Gedächtnisfeier für den gefallenen Dichter Walter He h m a n n vereinigte der Goethe-Bund in Königsberg in Heymanns Vaterstadt die besten Kreise der Königsberger Bevölkerung. Maria Winter trug Hehmannsche Tichtungen vor, und Hertha De h mlow lang vertonte Hehmannsche Lieder. Tie Gedächtnisrede hielt Redakteur Tr. G v l d st e i n. Am 13. d. Rc. ist in Kattowitz Herr Sanitätsrat Tr. I n l i u s G l o g a n e r gestorben. Ter Bereinigte gehörte eine Reihe von Jahren dem Vorstande der dortigen Shnagogengemeinde und in der letzten Zeit der Repräsenianten-Versammlnng an. Er verband mit einem lauteren Eharakter und tief-religiösem Sinn auch regen Eifer für alle jüdischen Angelegenheiten. Ehre seinem Andenken. Aus Kvschmin ivird uns geschrieben: Hier verschied der Lehrer Herr Al. Sch n e i d e r, Inhaber des Königlichen Hansordens von Hvhenzollern, Mitglied des Schulvorstandes und Pendant der israelitischen Schulkasse. Seit dem 1. Februar 18 74 im Tienste, war es ihm vergönnt, Generationen von Gliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde zu unterrichten und zu erziehen: seine hervorragende Lehrbefähigung und sein umfassendes Wissen haben seine Tätigkeit zu einer recht ersprießlichen und segensreichen gestaltet. Wie verlautet, wird der israelitische Schulvorstand alle Mittel aufioenden, das Weiterbestehen der Schule zu sichern. - Rechtsanwalt Richard M oses und drei Brüder in Glogau und Berlin schenkten der Synagogengemeinde Glogau 20 ()00 Mark zur Grabpflege sonne zu rituellen und wohltätigen Zwecken. - Frau Kommerzienrat Helene Heymann in Görlitz vermachte 20 000 Mark der Shnagogengemeinde zur Erweiterung des Beamtenpensionsfonds der Gemeinde. - - In dem Gefangenenlager zu S ch e u n e n b e i E e l l e, in dem fast 700 Juden weilen, mangeln Gebetbücher, Zizith, Tefillin n. dgl. Ter jüdische Lehrer Herr Abraham Jaffa in Gelle ist bereit, solche Sendungen den in Betracht kommenden Kriegsgefangenen zu übermitteln. - Ter Kommerzienrat und kaiserlich türkische Konsul Siegfried B a ch, Nürnberg, erhielt vom Sultan die rote Halbmondmedaille in Silber. - Ans Bayreuth wird uns geschrieben: Das durch den Tod des Herrn Tr. G o i e i n verwaiste Tistriktsrabbinat Burgkundstadt wird nicht inehr besetzt werden. Ter Distrikt als solcher, der die Gemeinden Altenkundstadt, Burgkundstadt, Kronach, Lichtenfels, Oberlange u stadt und Redwitz a. Nodach umfaßt, bleibt erhalten, und fei u' Berivaltung ist von der Kgl. Regierung dem Tistriktsrabbin v Tr. Salo m o n in Bayreuth übertragen worden. — Die staatl I konzessionierte Vorbereitungsschule von Tr. James Simon u Heidelberg hat, wie uns mitgeteilt wird, jüngst einen bedeutend Erfolg erzielt. Ein Zögling von kaum 13 Jahren, der ohne jegli, e Vorkenntnisse in den sprachlichen und mathematischen Fächern n die Schule eintrat, hat nach zweijähriger Vorbereitung d * Gramen für Obersekunda (7. Klasse der Oberrenlschule) Vorzug! y bestanden. Tie israelitische Gemeinde Stebbach i w Synagogenbezirk Bretteu ist aufgelöst worden. T Vermögen dieser Gemeinde ist der israelitischen Re: gionsgemeinschaft des Großherzogtnms Baden für d n israelitischen Religions- und Pensionsfonds zngewiesen wurde i. Tie in Stebbach wohnenden Israeliten wurden der israelitische Religionsgemeinde Gemmingen zu geteilt. - - Ter Vorsteher d r israelitischen Gemeinde Bruchsal und Bezirksältester Herr Berthe d Bär ist im Alter von 69 Jahren verschieden. Eine im jüdisch u Leben des Großherzogtums Baden hervorragend tätige Person <: mit ihm dahingegangen. — Herr Kirchenrat Rabbiner Tr. Theod Kroner in Stuttgart beging am 19. April seinen 70. Gebur: lag. — Wie ans amtlicher Ouelle mitget-eilt tv»i i wurden alle galizischen Flüchtlinge aus Ungarn na z Beendigung der Osterfeiertage nach Oesterreich abgeschoben. Eibezügliche Verordnung des ungarischen Ministeriums des June' i ist bereits an alle Munizipien ergangen. Diese Maßregel sei dara 2 znrückzuführen, daß seitens der österreichischen Regierung beschloss : wurde, den in Ungarn sich aufhaltenden galizischen Flüchtling-n keine staatliche Unterstützung zu gewähren, sondern dieselben - Böhmen, Mähren, eventuell Steiermark und Tirol in kleiner :: Gruppen unterzubringen. — Tas „Acht uhrblatt" in Wien veröffei licht den Bericht eines Kriegsberichterstatters, der lvährend der Ostsenrtage einige Hauptorte im befreiten Teile Südostgaliziens in > der Bukowina besuchte. Ter Berichterstatter weilte in Kolom. : Ezernowitz und Sadagora. Ueberall zeigen sich Spn: n der Nussenherrschast. Auf der ganzen Strecke von Kolon: : bis Ezernowitz sind schreckliche Verwüstungen fe stzn stelle Sadagora hat sehr stark gelitten. Tie Wohnni i des W n n d e r r a b i ist vollständig zertrünnnert loorden. Ar ' Plünderungen, Schändungen und Morde sind vorgekömmen. Tv: Männer, die ihre Frauen vor Schändung bewahren wollten, wn den ermordet. Ein Kaufmann wurde so gemartert, daß er .. Wahnsinn verfiel. — Ans Befehl des Stadthauptmanns von Peterbürg, Fürst Obolensky, sind 24 Kaufleute erster Gilde a: den Listen der Zunft gestrichen worden und Haben dadurch b - Wohnrecht in der Stadt verloren. (Bekanntlich waren bisher d reicheren Juden privilegiert und geschont.) - - Wie die „Hazefira! berichtet, hat nun das Kiewer Gericht in der Fastower Mordang legenheit, die sich seinerzeit zu einem neuen Beilis-Prozeß ai> ivachsen lvvllte, ein Urteil gefällt, das der ganzen Hetze den Bod ' ''nl^eht. Ter angeklagte Bauer Gnnschark wurde von den Richte : für schuldig befunden, den Mord an dem jüdischen Knaben Jo' Poskow begangen zu haben, und zu zwölf Jahren Zwangsarb : verurteilt. Ter vom Vater des ermordeten Knaben angestrengt:: Zivilklage wurde stattgegeben. --- Tie „Anrore" meldet aus Chica« - daß das Erekutivkömitee des Bnei-Brith-Ordens in Chicago u Pessach 50 000 Franken an die Inden Palästinas gesandt hat. W i bedeutendere Summen sollen an die durch den Kr z scbwer betroffenen Juden * Galiziens, Polens, Serbie usw. abgegangen sein. — Einer in Rew Jork c:: getroffenen Londoner Depesche zufolge haben das Gonjoint Gomit des ,,Jewish Board of Deputies" und die „Anglo-Jetv;!i Association" mit Rußland Unterhandlungen angeknüpft über i c Gewährung der Gleichberechtigung an die Juden. Die ersten V Handlungen fanden mit dem russischen Finanzminister Bark staT gelegentlich dessen Anwesenheit in Paris aus Anlaß der Konfere der Finanzminister der Ententemächte. Lloyd George, der englis--e Finanzminister, soll die Forderungen der englischen Juden, die a geblich einen tiefen Eindruck auf den russischen Minister gemar unterstützt haben. -- Ter tiefe Eindruck hat nicht lange angehalll Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße Verantwortlich für den Anzeigenteil: Walter Wiederau ff. Berlin 80 3,: Druck und Verlag von Rudolf Mosse.