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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-16 · Heft 16 (16.4.1915) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 Maße aus die Bibel lenkt. Sie wird noch immer das treffende Wort finden für die reichen Probleme der Gegenwart, die uns in diesem Zusammenhänge oft begegnen oder doch unter manchem Titel ihre Geheimnisse bergen. Lichtbild und Vortrag am Klavier verraten das Streben der Moderne, das Dargebotene anschaulich zu machen. Der Vortrag macht des Redners Glück. Je weniger akademisch die Rede dahinfließt, je mehr sie trotz sorgfältiger Vorbereitung und Sachbeherrschung, dem Augenblick gehorchend, der Stimmung der unmittelbaren Eingebung entströmt, um so nachhaltiger inüssen Eindruck und Wirkung sein. Der lebendige Zusammenklang zwischen Redner und Hörer wird immer entscheidend sein und wird uns am ehesten bewahren vor jenem Starshstem, das den Tod einer guten Idee bedeutet. Für theatralische Effekte sind Stunden und Mittel dieser Vereine zu kostbar. Verstand und Sinn müssen sich selber natürlich darbicten, dann wird der Literaturverein seine Stellung wahren und wirklich bei allen Beteiligten jene Dankbarkeit anslösen, die allemal den schönsten Lohn und die reifste Frucht eines nutzbringend verwendeten Abends bildeil. Daraus ergibt sich aufs neue die Pflicht, auch in der gegenwärtigen Generation das unversehrt zu erhalten, was eine heilsame Notwendigkeit mit glücklichem Griffe und gutem Gelingen geschaffen hat. luter arnia silent rnusae. Im Kriege sind die Waffen geistigen Kampfes zu relativer Ruhe verurteilt. Das gilt von den Literaturvereinen fast ausnahmslos — soweit es sich übersehen läßt. Nur gelegentlich wird die Stille, die sich über die Tätigkeit vergangener Tage gebreitet hat, durch vaterländische Feiern und Vorträge unterbrochen. Der Ernst der Zeit gebietet weise Verwendung der vorhandenen Mittel, wenn sie nicht gar den Zwecken der Kriegsfürsorge dienstbar gemacht werden. Das Interesse wird nicht erlahmen, wie wir an der regen Beteiligung bei dem Zyklus des Berliner Literaturvereins und bei den Montagsvorlesungen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums beobachten konnten. Darum ist zu hoffen, daß mit dem Frieden die alte Lust und Liebe auch unsere Vereine wieder beleben wird. Die Woche. Berlin, den 13. April. ie Ereignisse der letzten Woche auf dem Kriegsschauplatz in Ost und West bestärken uns in der Hoffnung aus weitere Fortschritte imt> endgültigen Sieg. In den Karpathen, wo die Dinge noch vor acht Tagen zweifelhaft zu stehen schienen, .haben sich die deutsch-österreichischen Truppen in heldenmütigem Kampfe gegen die russische Uebermacht gehalten und den Russen so schwere Verluste beigebracht, daß ihre Offensive zu erlahmen scheint. Zehntausend unverwundete Gefangene nebst zahlreichem Kriegsmaterial fielen den Siegern in die Hände. Im Westen hat eine neue französische Offensive zwischen Maas und Mosel, nördlich und östlich von Verdun eingesetzt, die aber bisher den gleichen Mißerfolg hatte wie der große Angriff in der Champagne. Der neue Vorstoß zerfällt im Gegensatz zu dem Durchbruchsversuche in der Champagne, der den Charakter einer großen, zusammenhängenden Schlacht hatte, in eine Anzahl von Einzelangriffen an verschiedenen Punkten, die alle unter schweren Verlusten der Franzosen abgewiesen wurden. Der Unterseebootkrieg hat ein schweres Opfer gefordert. Kapitän Weddigen ist mit ,,U 29" untergegangen. Die näheren Umstände sind nicht bekannt, aber wahrscheinlich ist der heldenhafte Führer ein Opfer seiner instruktionsgemäßen Humanität geworden -- der vernichtende Schuß dürfte ihn getroffen haben, als er der Mannschaft eines von ihm angegriffenen Dampfers Gelegenheit geben wollte, sich zu retten, Mit Genugtuung nehmen wir Notiz von der Zusammenstellung der am 1. April in deutschen Händen befindlichen Gefangenen. Danach waren an diesem Tage in deutscher Gefangenschaft mehr als 812 000 gefangene Franzosen, Rusß i, Belgier und Engländer, darunter allein weit über zehntausend Offiziere aller Grade. Zwar wird man ohne weiteres annehmen dürfen, daß die feindlichen Regierungen diese Riesenzahlen ihren in Unwissenheit gehaltenen Bevölkerungen vorenhälten werden. Aber die Regierungen selbst wissen nur zu g l, daß die Zahlen zutreffen. Bon sonstigen Meldungen lassen wir an dieser Stelle tic über die Friedensbestrebungen des Papstes folgen: Die „Köln. Bolksztg." meldet aus New Uork: Die „WorN veröffentlicht einen Bericht ihres in der letzten Zeit mehrfach hervorgetretenen europäischen Korrespondenten Karl H. v. Wiegand über eine Audienz beim Papst Bei?- dikt XV. Diese Audienz fand Montag, den 5. April, statt. T v Papst äußerte gegenüber dem Berichterstatter: „Senden Sie dem amerikanischen Volk, der amerikanischen Pu ie meinen Gruß, meinen Segen, übermitteln Sie diesem edlen Volk t n einzigen Wunsch: Arbeitet unablässig, uneigennützig für den Frieder, auf daß dem entsetzlichen Blutvergießen mit all seinen Schrecknisi n möglichst bald ein Ende bereitet werde. Damit werdet ihr Gott, d r Menschheit und der ganzen Welt einen großen Dienst erweisen. T Gedächtnis dieser eurer Tat würde unvergänglich sein. Wenn ei r Land alles vermeidet, was den Krieg verlängern kann, in welch m das Blut vieler Hunderttausender fließt, dann kann Amerika bei fetr v | Größe und seinem Einfluß im -besonderen Maße zur raschen £ | endigung dieses ungeheuren Krieges beitragen. Die ganze Welt bli ft auf Amerika, ob es die Initiative zum Frieden ergreifen wird. Vsi'd das amerikanische Volk den günstigen Augenblick zu erfassen wisst ■ Wird es den Wunsch der gesamten Welt erfüllen? Ich bete zu Gi ‘t, daß es so kommen möge. Herr v. Wiegand fährt fort: Dies ist die Osterbotschaft, welche mir der Papst itt dieser bei lwürdigen Audienz, dem ersten Interview, welches seit dem Te c Leos XIII. einem amerikanischen Journalisten gewährt wurde, i \x das amerikanische Volk übertrug. Der Heilige Vater fuhr fort: Betet, arbeitet unermüdlich, einmütig für den Frieden; dies 't mein Osterwunsch, mein tägliches Gebet. Alle meine Anstrengung u gelten dem Frieden. Ich setze meine ganze Hoffnung für einen ledigen Frieden auf das amerikanische Volk, auf den Einfluß und l e I Macht, über welche es in der ganzen Welt verfügt. Gerecht, i >- parteiisch, jederzeit neutral (?) in allen seinen Bemühungen, w::D Amerika, sobald der geeignete Augenblick zur Einleitung v n : Friedensverhandlungen gekommen sein wird, der nachdrücklichs! n Unterstützung des Heiligen Stuhles sicher sein. Ich habe dies bere Ihrem Präsidenten durch seine angesehensten Freunde wissen last;i. Zum Schluß erklärt v. Wiegand auf Grund von Unt rredungen mit Kardinälen, Prälaten und. Gesandten folgend > Während meiner zweitägigen Anwesenheit im Vatikan bin ü überzeugt, daß der Papst eifriger für den Frieden arbeitet als wa r scheinlich irgendein anderer in der Welt. Als der Papst erfuhr, l;'> an der Front Nordsrankreichs die Toten an manchen Stellen so di i]t lügen, daß sie eine Mauer bildeten und die Luft vergifteten, frn-'tc der Papst bei Deutschland an, ob es einem zweitägigen Waffenst ltstand an jener Front zustimme, um die Toten zu begraben, wor« ui alsbald der Kaiser eine zustimmende Antwort erteilte. Er erflövie. den französischen und englischen Heerführern möge durch ihre Res'erungen gesagt werden, daß sie Parlamentäre in das deutsche Hau l quartier senden möchten, um die Bedingungen im einzelnen fest > stellen und die Stellen zu bestimmen, wo der Kampf zwei ruhen solle. * Der „Täglichen Rundschau" entnehmen wir folgende ks achtenswerte Notiz: Die Ernennung des Generals Alexejew als Nachfolger Generals Rußki ist wieder ein Beweis dafür, daß die Selbstherrli iifeit des Generalissimus Nikolai Mkolajewitsch mit jedem Tag eine unumschränktere Ausdehnung gewinnt, denn daß die Ernennung

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