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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-09 · Heft 15 (9.4.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 15 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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*4 noch viel Gutes zu stiften weiß und der fürsorglichen Tätigkeit der anderen Frauenvereine im Reiche in keiner Weise nachsteht. Grstrrrrich-Angam. O. W. Wien, April. Am -VI. v. Al. ist der Vizepräsident der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte, kaiserlicher Rat Jonas Weil, plötzlich an einem Herzschlag gestorben. Kaiserlicher Rat Weil gehörte zu den angesehensten und hervorragendsten Mitgliedern der österreichischen Kausmannschaft und erfreute sich wegen seiner großen geschäftlichen Tüchtigkeit, tiefgehenden Sachkenntnis und der strengen Rechtlichkeit seiner Geschistsführung allgemeinster Sympathien. Seine Firma nahm in der Wiener Handelswelt infolge der hervorragenden Eigenschaften des Inhabers eine allgemein geachtete Stellung ein. Biete Jahre hindurch war Weil Vizepräsident der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte und Mitglied der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer. Seine hervorragenden Charaktereigenschaften und seine stets erprobte werktätige Hilfsbereitschaft haben ihm in weiter! Kreisen zahlreiche Freunde erworben, die seinen plötzlichen Tod schmerzlich bedauern werden. Der Verstorbene gehörte seit dem Jahre 1880 der Leitung der Börse für landlvirtschaftliche Produkte an, als deren Vizepräsident er feit dem Jahre 1896 fungierte. Im gleichen Jahre wurde er auch in die Wiener Handelskammer gewählt. Weil war Präsident der Oelindustriegesellschast kn Wien, Laienrichter beim Wiener Handelsgerichte, Mitglied der Permauenzkommission für die Handelswerte des Außenhandels sowie der Permanenzkommission für die Handelswerte der Zwischenverkohrsstatistik und des Staatseisenbahnrates, ferner Zensor der Niederösterreichischen Eskvmptegesellschast, Gremiatrat des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft. Ter Verstorbene gehörte auch dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde als Mitglied an. Cr betätigte sich auf allen Gebieten als treuer Jude. In der letzten Zeit wurde er in die handelspolitische Kommission der Neichshaupt- und Residenzstadt Wien und vor kurzem als Vizepräsident in die Kriegsgetreideverkehrsanstalt berufen. Seine öffentliche Wirksamkeit wurde im Jahre 1903 durch die Verleihung des Franz-Josef-Ordens und im Jahre 1908 durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet. — Das amerikanische Hilfskomitee in New 'Hort hat zur Unterstützung der notleidenden Inden in den vom Kriege verheerten Ländern bereits über zirka 2 Millionen Kronen gesammelt. Hiervon wurden für Oesterreich-Ungarn an die Wiener „Jsr. Allianz" bereits über 100 000 Kronen angewiesen. Das New Porter Komitee hat bezüglich der Verteilung dieser Beträge keine bestimmten Weisungen erteilt, doch wurde von ihm Herr Max Paul-Schiff in Wien, der bereits seit Jahren als Kurator der Baronin Hirschschen Wohltätigkeitsstiftung eine große philanthropische Tätigkeit entwickelt, zum Vertrauensmann mit einem Vetorecht bestellt. Von Aah und Fern. -- Der ordentliche Honorarprofessor in der theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Dr. Hermann S t r a cf hat den Charakter als Geheimer Konsistorialrat erhalten. — Den 70. Geburtstag beging am 4. d. Al. der frühere Fabrikant, jetzige Rentner Julius Loewe, d-er jahrelang dem Vorstände von fortschrittlichen Parteiorganisationen angehört hat und auch Parteidelegierter loar. Cr ist ein Bruder des früheren fortschrittlichen Abgeordneten Ludwig Loewe. - Der frühere Mitinhaber der Firma V. Manheimer, Kommerzienrat Gustav Manheim <? r, ist nach längerem Leiden im Atter von 70 Jahren gestorben. Kommerzienrat Manheimer, der sich in seinen Berufskreisen großen Ansehens erfreute, bekleidete eine Reihe von Ehrenämtern. - Ter Rabbiner Dr. He r m a n n G r ü nfeld ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Cr ruhe in Frieden. - Ans Lissa i. P. wird uns geschrieben: Nach einer Verfügung des Provinzial-Schultölleginms in Posen durften die jüdischen Neligionslehrer an höheren Lehranstalten bisher an den Versetzungstönferenzen nicht teilnehmen. Auf Grund einer Cingabe an das Provinzial-Schulkollegium erhielt Rabbiner D r. Gelles unter dem Vorbehalt j e d e r z e i t i g e n Wide r r u f s die Erlaubnis, an den diesjährigen Versetzungskonferenzen im Königlichen Comenius - Gymnasium teilzunehmen. Rabbiner Dr. Gelles, der auch an den Konferenzen teilnahm, hat sich jedoch mit obigem Bescheid nicht zufrieden gegeben und weitere Schritte unternommen, um eine endgültige Stellungnahm des Ministers» zu veranlassen. — Seit einigen Wochei weilen. in Leipzig ungefähr fünfzig jüdische Flüchtling aus Galizien, die ans böhmischen Orten hierher gereist sind besonders der rituellen Verpflegung halber. Um den Notleidenden unteihnen Zu helfen, ist ein „Lokal-Unterstützungs-Komitee für die galizischei Flüchtlinge" znsannnengetreten, das Anschluß an die großen Ver bände, die bereits eine Hilfsaktion für die Juden im Osten in di Wege geleitet haben, gewinnen soll. — Ter einzige israelitische Amtsrichter im Großherzogtum Hessen, Amtsrichter Dr. Max M a y, zur zeit im Felde, wurde vor einigen Wochen zum Staatsanwalt in Alaine ernannt. — Die beiden Mitglieder des Wiener Hauses Rothschild Rittmeister Alfons M a i e r und Oberleutnant Egon Maie i F r e i h e r r v o n R o t h s ch i l d , erhielten für vorzügliche Dienst leistnng vor dein Feinde das Signum laudis mit der Kriegsdekoration In Wien hat sich ein humanitärer Verband der galizischei Flüchtlinge konstituiert, der nebst Errichtung einer Ausspeise Halle, Kleider, Wäsche usw. und auch Barunterstütznngen verabreich! — Unter dem Titel „Paizs es vert" hat der Landes-Rabbinee verein auf Kosten des ungarischen israelitischen Landesfonds ein Ge betbuch für die jüdischen Soldaten herausgegeben. Cs enthält die notwendigsten Gebete in hebräischer und ungarischer Sprache. Die Soldaten erhalten das handliche Gebetbüchlein unentgeltlich. - Krakauer Zeitungen entnehmen dem Kiewer Blatte „Tzenni! Kijewski" folgende Meldung: In der Kanzlei der Verwaltung de- Gouvernements Kiew sind mehrere Petitionen eingegangen, in welchen die ans Russisch-Polen geflüchteten Juden die Bitte unterbreiten, ihnen das Ansiedlungsrecht im Gouvernement Kiew zu erteilen. Xii Petitionen wurden ausnahmslos abschlägig beschieden. Gleichzeitin wurde bekanntgegeben, daß in Zukunft Gesuche mit derlei Ansuchen von der Gouvernementskanzlei nicht mehr entgegengenoinmen würden Erminister Lnigi Luzzatti schreibt an „Corriere della Sera": Der Präsident des polnischen Zentralkomitees in Wien habe in einen: Schreiben an ihn mit Entschiedenheit jede Verantwortlichkeit für die an den Juden verübten Grausamkeiten und namentlich auch die diesbezüglichen Anklagen des Schriftstellers Georg Brandes zurück' gewiesen. Lnzzatti fügt hinzu, gleiche Proteste habe er auch von russischer Seite erhalten. Er schlägt vor, daß die Polen in Rußland Oesterreich und Preußen und auch die Russen eine Untersuchung veranstalten sollten, um festzustellen, wem die Verantwortlichkeit für die Greuel zufällt. — Ein besonderes Komitee in Paris hatte sich bemüht, für die jüdischen Soldaten Mazzot zu liefern. Aber nicht nur für die Franzosen geschah dies, sondern auch für die Engländer, denen auf Antrag des Feldrabbiners Michael Adler für 500 Personen die nötigen Mazzot vom Großrabbiner von Frankreich geliefer! wurden. — Die „Morning Post" meldet aus Kairo: Einer- Anzahl militärpflichtiger russischer Juden, die hierher gefluchte! waren, wurde von dem russischen Konsul die Wahl gelassen, entweder nach Hause zurückzukehren oder in die britische Armee einzutreten. Sie wählten das letztere. — In Nelv Port wurde folgendes authentische Beispiel dafür bekannt, wie der Zar den Heldenmut seiner „lieben Juden" belohnt. Ein russischer Jude, der seit vielen Jahren in Paris lebte, hatte sich dort mit Einwilligung des russischen Botschafters nach Ausbruch des Krieges als Freiwilliger für die französische Armee gemeldet. Er zog als solcher in den Krieg und wurde schwer verwundet. Er zeichnete sich in mehreren Schlachten durch seine Tapferkeit so sehr aus, daß er öffentlich belobt wurde und überdies von der Heeresleitung eine Belohnung von 400 Francs erhielt. Auch die russische Botschaft sprach ihm die Belobigung aus. Dieser Jude nun ist, nachdem er das Spital verlassen hatte, nach Rußland zurückgekehrt und ging, da das Haus seiner Familie in Suwalki vollständig vernichtet war, nach Petersburg, wo er Verwandte hatte. Der jüdische Held, der sein Leben für die Entente aufs Spiel setzte und für die Ehre Rußlands zum Krüppel geworden ist, durfte jedoch in Petersburg nicht einmal übernachten, und trotz aller seiner Belobigungsdekrete wurde er aus Petersburg Vertrieben. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Walter Wiederau fs, Berlin 80 36. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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