Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 — München, 2. April. An den bayerischen jüdischen Lehrerl chnngsanstalten beginnt das Schuljahr im Herbst. Nach übereini inmenden Beschlüssen der Lehrkörper und der Anstaltsleitungen der l heiligten Schulen (Burgreppach, Höchberg, Würzburg) wird künftigl n die Ausnahme in die erste Klasse der Präparandenschule vom Be- > ch des Vorkursus bzw. vom Bestehen einer Aufnahmeprüfung abl uigig gemacht, die sich auf das Pensum dieses Vorkursus erstreckt. I er Vorkursus beginnt an den beiden Präparandenschulen am >. April d. I. Schüler, welche in eine bayerische Präparandenschule . treten, lverden auf die Bedeutung dieses Vorkursus für den Eintritt i die erste Klasse aufmerksam gemacht. — Die Ortsgruppe München : s Jüdischer! Frauenbundes hat, wie wir dem in der jüngsten Hauptv rsammlung vorgelegten Jahresbericht entnehmen, seit Beginn des ueg.es ihre Arbeiten fast ausschließlich in den Dienst der Kriegs- : lfe gestellt. Sie hat zwei Nähstuben und zwei Strickabteilungen naerichtet, in denen über 600 Frauen ständig und daneben noch . nige 100 Frauen vorübergehend Arbeit bei auskömmlichen Löhnen . halten. Während anfangs alle Erzeugnisse ausschließlich als Liebeschen Verlvendnng fanden, konnten später daneben Aufträge von hie- n Firmen angenmnmen werden, die dein Verein eine dauernde rschäftigung seiner Schützlinge ermöglicht haben. Der Verein ' nute ferner aus ihm zugeflossenen Spenden dem Kindergarten und ort des Vereins Frauenhilfe 4379 Mark für Zwecke der Kindern'isung zu weisen, so daß die Zöglinge dort nunmehr ihre volle erköstigung erhalten können. Die vom Verein in der Friedenszeit efolgreich betriebene unentgeltliche Stellen- und Arbeitsvermittlung ird auch jetzt fortgesetzt. Der Amtsraum des Vereins befindet sich der Münchenloge, Kaufingerstraße 11, 2 Tr., und ist täglich ußer Sonnabend und Sonntag) geöffnet. M, R. Nürnberg, 2. April. Dem Einjährig-Freiwilligen Ilnterifizier Erich Heilbrun aus Nordhausen beim bayerischen nsanterieregiment Nr. 14 -- Standort Nürnberg — ist die seltene ilszeichnung der goldenen Militärverdienstmedaille — beim Publi- >.m bekannt unter der Bezeichnung „die goldene Tapferkeitsldaille" -- znteil geworden, nachdem ihrn vorher schon für chseres Verhalten vor dem Feinde bei den Kämpfen in Nordostankreich das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen worden war. er Negilnentskommandeur gab diese höchste Auszeichnung, die em Soldaten bis zum Feldwebel hinauf werden kann, durch folgeneu Befehl bekannt: Regimentsbefehl von 14. III. 15: Zufolge Allerochster Entschließung vom 18. 2. 15 — K. M. E. vom 28. 2. 15, r. 15 386, V.-Bl. Nr. 12, Beil. S. 412 - wikrde denr Einjährig-! i eiwilligen Unteroffizier Erich Heilbrun (12./14. Jnfanterieregi-! ent) die goldene Militärverdienstmedaille verliehen. Ich freite | ach, daß wieder ein Angehöriger des Negiments die Allerhöchste * merkennung gesunden hat, spreche ihm mein besonderes Lob für ine Tapferkeit aus und beglückwünsche ihn zu der schönsten Aus- - nchnung für den Soldaten. Dieser Befehl ist allen Leuten des 'eginrents bekanntzugeben. gez. Hierthes. 22 Köln, 2. April. lieber „Jüdische Grabsteine ans dem mittellterlichen Köln" schreibt Rabbiner Dr. I. Scheftelowitz im Kölner Stadt-Anzeiger": Wer den Hofraum der Synagoge ioonstraße 50 betritt, dem werden die seit kurzem längs er rechten Hofmauer ausgestellten Grabsteine aufsallen, die nit einem Eisengitter eingezüunt sind. Diese 36 Steine, die ür die Geschichte der Juden Kölns sehr interessant sind, standen -isher im Hofraume der Stadtbibliothek ganz versteckt da. Auf Auegung des zweiten Vorsitzenden Bruno Heidenheim hatte der Vorland der Synagogengemeinde die Stadtverwaltung gebeten, diese Steine der Synagogengemeinde zur Verwahrung zu überlassen, was Or die Stadt in entgegenkommender Weise gewährte. Die Grabsteine ntstammen dem mittelalterlich-jüdischen Friedhof, der an dem „Toten mden" lag. Die meisten dieser Steine waren im Laufe der Jahr- Ulnderte zu den in der Nachbarschaft dieses ehemaligen Friedhofes! rrichteten Bauten verwendet worden, weshalb sie vielfach nur als Bruchstücke erhalten sind. Nur wenige Grabsteine haben daher noch hre ursprüngliche Größe. Die hebräischen Inschriften sind sehr verwischt. Der älteste Grabstein, der sich entziffern läßt, stammt ait§ ^cm Jahre 1240. Von den übrigen lassen sich folgende Jahreszahlen eststellen: 1304 (ein Stein), 1308 (ein Stein), 1305 (zwei Steine), 1318 (ein Stein), 1329 (zwei Steine), 1336 (ein Stein), 1340 (fünf 3leine), 1345 (zwei Steine), 1355 (ein Stein), 1370 (ein Stein), 1382 (ein Stein), 1438 (ein Stein). Die hebräische Inschrift des aus dem Jahre 1308 stammenden Steines ist noch vollständig unversehrt und lautet in deutscher Uebersetzung: „Dieser Stein, den ich als Denkmal gesetzt habe, ist errichtet zu Kopsen der Frau Rebekka, Tochter des Herrn Urschragu, die gestorben ist am Ausgang des Versöhnungsfestes im Jahre 6068. Ihre Seele sei des ewigen Lebens teilhaftig." Der Personenname Urschragu kommt auch in einigen aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stanunenden Urkunden des Judenschreinsbuches der Kölner Laurenzpfarre vor. Die Juden Kölns hatten im 12. und 13. Jahrhundert hauptsächlich in den Bezirken der Laureuzpsarre und der benachbarten Brigidenpfarre gewohnt. Daher sind in den ans dem 12. bis 14. Jahrhundert stanunenden Schreinsbüchern dieser beiden Pfarrbezirke Beurkundungen über jüdischen Grnndbesitz enthalten. Das seit 1230 in der Laurenzpfarre gesondert geführte Judenschreinsbuch ist zum größten Teil noch erhalten und befindet sich im Stadtarchiv. Es enthält hebräische Originalurkunden, vom damaligen „Judenrat" abgesaßt, für die Zeit von zirka 1255 bis 1347. Im allgemeinen nimmt man an, daß die gesamte Kölner Judenschaft zur Zeit, als die Pest, der sogenannte „Schwarze Tod", wütete, infolge der gegen sie erhobenen falschen Beschuldigungen, daß sie die Brunnen vergiftet hätten, am Bartholomäustage 1349 ermordet worden sei und seit jener Zeit, bis Ende des 18. Jahrhunderts, keine Juden mehr in Köln gelebt Hütten. Stammen aber die oben erwähnten Grabsteine sämtlich aus dem Kölner Friedhof, so würden sie beweisen, daß noch bis etwa Mitte des 15. Jahrhunderts Juden hier ansässig gewesen sind. Jedenfalls werden sie wohl seit 1349 keinen Grundbesitz mehr haben erwerben dürfen, denn seit jener Zeit liegt keine Beurkundung über jüdischen Grundbesitz vor. Erst am Ende des 15. Jahrhunderts scheinen demnach die Juden endgültig aus Köln verbannt worden zu sein. Die Geschichte der Juden Kölns läßt sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen. Köln hatte bereits zur Zeit, als es noch eine römische Kolonie war eine jüdische Gemeinde, die von vorchristlichen Kaisern das Privileg erhalten hatte, gemäß dem ihre Mitglieder von den sehr verantwortungsvollen städtischen Aemtern befreit waren. Aber ein späteres, von den kölnischen Stadtvätern an Kaiser Konstantin gerichtetes Gesuch, daß auch Juden zu städtischen Verwaltungsposten herangezogen werden dürften, hatte den gewünschten Erfolg. Dieser kaiserliche Bescheid, der im Koder Theodosianus XVI8,3 enthalten ist, zeugt also von dem Ansehen, das die Juden im damaligen römischen Köln genossen haben. Altena (Westfalen), 29. März. Die hiesige S y n a g o g e u - gemeinde erstand im Sommer vorigen Jahres von dem Verein für Orts- und Heimatkunde im Süderland deren Museumsgebäude, das zu einem würdigen und schönen jüdischen Gotteshause eingerichtet wurde. Am Sabbat vor dein Passahfeste hatten wir die Freude, das Haus seiner Bestimmung übergeben zu können. In Anbetracht der gegenwärtigen ernsten Zeit war von jedweder Freudenfeier Abstand genommen worden. Herr Lehrer Wolfs aus Lüneburg, der früher als Lehrer in unserer Gemeinde tätig war, hatte die Ausgabe übernommen, die Synagoge am Freitagabend cinzuweihen. In seiner gedankenreichen Predigt, die einen tiefen bleibenden Eindruck machte intb die Herzen aller Zuhörer ergriff, entwickelte der Redner die Aufgaben der Synagoge heutiger Zeit. 8. M. Hannover, 2. April. T e r I s r a e l i t i s ch e F r a u e uverein zu H a n n o v e r hat mit Rücksicht auf den großen Bedarf an Liebesgaben letzthin eine S o n de r s a m m l u n g veranstaltet, die von ganz vorzüglichein Ersolge begleitet war. Abgesehen von einer bar zur Verfügung gestellten Summe hat der Israelitische Frauenverein durch die eifrige Tätigkeit seiner Mitglieder so zahlreiche Gaben an Wollsachen, Wäsche, Wein, Keks, Zigarren, Marmelade usw. gestiftet, daß 16 große Kisten mit dem nächsten Liebesgabenzuge nach dem Osten befördert werden. Durch die liebenswürdige Vermittelung der in Hannover wohnenden Exzellenz Frau G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l v. Hindenburg wird die erwähnte Sammlung der Kriegslazarettabteilung Hüttig bei Kutno zugewiesen werden. — Ter Israelitische Frauenvereiu Hannover hat von Beginn des Krieges an eine außerordentlich rege Tätigkeit entfaltet und arbeitet in sehr ersprießlicher Weise gemeinsam mit der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, dein Vaterländischen Frauenverein, dem Roten Kreuz, dem Nationalen Frauendienst, der städtischen Kriegsfürsorge ustv. Die obenerwähnte Sondersammlung hat gezeigt, daß der liebevolle Eife>