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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-02 · Heft 14 (2.4.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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i,, innigen einleitenden Worten die Vorzüge der Kochkiste nochmals , ilseirmnder. Die starkbegehrten Kostproben zeigten, daß dieses ver- < iisachte Verfahren die Schmackhaftigkeit der Speisen keineswegs bee ilträchtigt, dagegen große Ersparnisse an Heizmaterial erzielt werden i imen. Fast unentbehrlich ist dagegen die Kochkiste für diejenigen trauen, welche im Erwerbsleben stehen, und durch ihre Benutzung ,; der Lage sind, stets ein vortreffliches,, warmes Essen auf den Tisch ' i bringen. Besonderen Beifall fand ein von Frau Dr. Levi gescheiteter Kochbeutel, welcher sehr leicht und billig selbst herzustellen ,Sämtliche Vortrüge bewirkten, daß auch diejenigen, welche der .1 riegsernährungssrage bisher gleichgültig gegenüberstanden, aufs rüttelt wurden, und durch ihren Beitritt zur Heimarmee mithelfen, Mi lvirtschaftlichen Krieg siegreich zu Ende zu führen. gA) Offenbach a. M., 26. März. Der Ausschuß zur Förderung r-.nr Gartenbau und Handfertigkeit unter der Jugend berichtet über i ine Tätigkeit im Jahre 1914/16. Ende April 1914 wurde mit bm\ artenbau unter der Leitung des Herrn Lehrer Strauß in Osfen- > ach a. M. auf dem Gelände begönne::, das die Ortsgruppe des Ber- , as zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands > '.wdenkulturverein) von der hiesigen Stadtverwaltung gepachtet und! aseren Bestrebungen zur Verfügung gestellt hat. Dieses Gelände hat j ' ch für uns auch als sehr zweckmäßig bewährt. Dem Grundsätze des! : llsschusses gemäß, den Unterricht nicht einseitig konfessionell zu ge- I! alten, sondern möglichst auf die Allgemeinheit auszudehnen, wurden i?ben den israelitischen Schülern auch die Zöglinge der Oberklassen in < t Volksschule an der Bachstraße zur Beteiligung am Gartenbau und z audfertigkeitsunterri'cht aufgefordert. Am G a r t e n b a u nahmen! . israelitische und 5 nichtisraelitische Knaben teil. Die Kin-! 'r waren nrit Lust und Liebe bei der Arbeit. Bald hatten > ' ' sich, namentlich die älteren Knaben, die notwendigsten Handgriffe! i ad Fertigkeiten angeeignet und ein großer Teil der in Betracht kom- > i?nden Arbeiten, wie Spaten, Säen und Pflanzen, wurde von ihnen; lbständig ausgesührt. Die Arbeiten der Kinder, die Ausgaben und Einnahmen wurden in entsprechender Weise überwacht. Einige Miti uoder des Ausschusses: Herr Hauptlehrer B e ch t o l s h e i m> er, s 'vx Justizrat Dr. Goldschmidt, Rechtsanwalt Dr. Guggen-! eim und Frau Netty Stein nahmen Ende Juni 1914 Ge-! genheit, sich persönlich von den Leistungen der Schüler und : i in guten Fortgang der Arbeiten zu überzeugeu und Herrn! l hrer Strauß ihre Zufriedenheit mit dem Erreichten auszuz c ücken. Die Erträgnisse des Gartens waren Zufriedenstellend, teil-; r.i'ife sehr gut. Der Ertrag wurde an die Schüler verteilt. Wir waren - der angenehmen Lage, wöchentlich an 8—10 Familien Gemüse ab-! l ben zu können lind einen kleinen Teil der Erzeugnisse der „Kriegs- ' rsorge" 31t übersenden. Im Winterhalbjahr ist der im vorigen ahre begonnene H a n d f e r t i g k e i t s u n t e r r i ch t in Papparbeit ' rtgesetzt worden. Daran nahmen wieder etwa 30 Schüler teil, i",runter 6 israelitische. Die Hauptursache der verhältnismäßig ge- , i ivgen Zahl der letzteren ist in den eingetretenen kriegerischen Ereig-; ssen zu suchen. Nach Beendigung des Krieges werden auch im Handi ' rtigkeitsunterricht wieder normale Verhältnisse eintrete::. Im ommerhalbjahr ist für den Gartenbau eine wesentlich größere Teil- - > hmerzahl zu erwarten. Unsere jüdischen Mitbürger werden einfehen; n üssen, daß der deutsche Jude als Ackerbauer ein Ziel ist, das im j uteresse der Schaffung eines Ausgleichs aller bürgerlichen Stände, sonders jetzt nach dem Kriege erstrebt werden muß. Zur besonderen | l enugtuung gereicht es dem Ausschuß, daß er bereits in Friedensj iten einen Weg eingeschlagen hat, der die gegenwärtigen Bestrebun- | l 'u zur Förderung des Kleingartenbaues im Interesse der Volks-! . uährung in wirksamer Weise unterstützt. Selbstverständlich wird der : ilsschuß ganz besonders in diesem Jahre mit allen ihm zu Gebote; s' 'henden Mitteln sich in den Dienst dieser hohen vaterländischen Auf-; > tbe stellen. Wir wollen nicht verfehlen, allen denen unseren Dank llszusprechen, die unsere Bestrebungen unterstützt und gefördert haben, u besondere Herrn Hauptlehrer Bechtolsheimer, der die Einführung Handfertigkeitsunterrichts in der Schule an der Bachstraße überl' ulpt erst ermöglicht hat,, ferner der Alexander und Fanny Simon- 'chen Stiftung in Hannover, dem Verein zur Förderung der Boden- I l ltur unter den Jllden Deutschlands (Bodenkulturverein) in Berlin, > r Frankfurt-Loge (Bneiberiß), der Loge zun: Adler und zur auf-? 0 henden Morgenröte in Frankfurt, sowie dem israelitischen Hilfsverein | in Frankfurt a. M. Zu ganz besonderem Dank sind wir aber Herrn! Lehrer I. Strauß verpflichtet, der in rastloser Tätigkeit und hingebender Liebe unsere Sache so gefördert hat, daß wir, ohne unbescheiden zu sein, von einem Erfolg sprechen könne,:. Nach den: bisher Erreichten dürfen wir auch die Hoffnung aussprechen, daß die materielle Unterstützung unserer Bestrebungen in Zukunft auch von weiteren Kreisen derart gefördert werden möge, daß an eine Erweiterung der bestehenden Einrichtung gedacht werden kann. — Fveiburg i. Br., 26. März. Bor einiger Zeit behauptete bei Erteilung des Geschichtsunterrichts in der Oberseknnda des hiesigen Friedrichs-Gymnasiums ein Lehramtskandidat, es sei den: H a n d e l s g e: st der Karthager zuzuschreiben, daß sie in: Punischen Kriege Hannibal die weitere Unterstützung versagt Hütten. Dann sollte er nicht nur hinzngesügt haben, diesen Handelsgeist bemerke man heute noch an den Juden, sondern daran auch Behauptungen geknüpft haben, die geeignet waren, die Juden zu verdächtigen und herabzusetzen. Die hiesige Ortsgruppe des Zeutralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sah sich dadurch veranlaßt, an das badische Ministerium des Kultus und Unterrichts die Bitte zu richten, über den Vorfall Erhebungen anstelle:: zu lassen und noch Richtigbefund der Angaben den Beamten zur Rechenschaft 3:1 ziehen. In dem daraus erteilten ministeriellen Bescheide wurde zwar geäußert, bei der Wiedergabe der wirklich gefallenen Worte des Lehramtskandidaten dürften diese mißverstanden und anfgebauscht worden sein, aber doch wörtlich erklärt: „Wir sind aber gleichwohl der Ansicht, daß die ganze Erörterung ein bedauerlicher Mißgriff gewesen ist, und haben deshalb dem Lehramtspraktikanten unsere Mißbilligung und Verwarnung für die Zukunft ausgesprochen." Dieser ist auch nicht u:ehr hier, sondern in einer anderen badischen Stadt tätig. Schwei?. — Zürich, 25. März. Das hier erscheinende „Israelitische Wochenblatt" veröffentlicht nach eine::: englische:: Blatt folgenden Bericht aus London: Den Anteil, den die englischen Juden rnn gegenwärtigen Konflikt nehmen, ist ein schlagender Beweis ihres Patriotisu:us. Im vereinigten Königreiche leben etwa ungefähr V* Million Inden. Ein bedeutender Teil derselben ist im Auslände geboren und daher. unfähig, britische Soldaten zu sein. Im Verhältnis zur allgemeinen Bevölkerung würde der jüdische Anteil zi-rkn 3200 Mann betragen. Vor Kriegsausbruch war die Zahl der Juden bei den Truppen 100 Offiziere nnd 300- -400 Mann. Aber der Patriotismus für Britannien ist so groß gewesen, daß nicht weniger als 10 000 Inden in den Listen der Armee und der Marine eingetragen sind. Mister Adler Sohn dient in: 13. Bataillon der „Royal Füsiliers", Leutnant Vivian Gaster, Sohn des sephardischen Oberrabbiners, hat sich der neuen Armee geschlosseu, nnd Rabbi Michael Adler, steht als Feldprediger in der Front. In einem Interview erfuhr ich daß eine Anzahl jüdischer Soldaten wegen Tapferkeit ausgezeichnet wurden. In Aegypten ist eine große Zahl jüdischer Offiziere und Mannschaften, die aus Australien und Neuseeland gekommen sind, ein bedeutendes Kontingent ging nach Samoa und Neu-Guinea und nahm an dortigen Operationen teil. Außerdem sind in Australien noch eine große Menge jüdischer Rekruten vorhanden. Juden dienen auch in der Marine. Der erste unoffizielte Bericht über den Kampf bei Akaba war von einem jüdischen Offizier erstattet, der einer der Befehlshaber der vier Landungsplätze war. Die kanadischen Truppen, die hier ansgebildet wurden, zählen etwa 300 Juden, von denen ein großer Teil Söhne von russischen und rumänischen Juden sind, die in Kanada naturalisiert wurden. In Aldershot befinden sich gegenwärtig 260 Juden und auch alle anderen Ausbildungsplätze, wie Birmingham, Nottingham, Manchester usw., haben viele jüdische Soldaten in ihren Reihen. Sie haben auch in: Felde große Auszeichnungen erhalten. Drei jüdische Offiziere. Major Seligmann, Stabskapitän Beddingtou und Leutnant Edwin Wyler, sind ehrenvoll erwähnt worden zusammen mit Sergeant Marr "nd Soldat Wah, während Korporal Freshwater, Sergeant Joseph und Korporal Gutnren die Medaille erhalten haben. Einer der berühmtesten englischen Aviatiker, Leutnant Marix, ist jüdischer Abstammung. Unter de:: gefallenen Offizieren befindet sich Henriques, Leutnant Samuel und Leutnant Baron v. Günzburg. ein naturalisierter russisch-jüdischer Offizier aus der bekannten Familie, sowie Leutnant Paß. Diese schn:ücken die Ehrenlisten der Toten Engla::ds.

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