Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Verlust. Rektor und Senat der Frankfurter Universität verlieren - nach ihren eigenen Worten in Mm einen „Forscher von hohem Range",! ebenso das Königliche Institut für experimentelle Therapie, an dessen Spitze bekanntlich Geheimrat Ehrlich steht. Apolants Name ist unauslöschlich verbunden mit dem ergebnisreichen Aufblühen der experimentellen Krebsforschung, an deren Entwicklung er einen hervorragenden Anteil hatte. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde widmet dem so früh Dahingeschiedenen einen in den wärmsten Worten gehaltenen Nachruf. — Aus Saloniki wird unter dem 10. März gemeldet: Am Sonntag, 7. März, kam es zu schweren Unruhen in der Stadt. Auf Veranlassung von Studenten veranstaltete der Pöbel große Kundgebungen für Venizelos und gegen die Türkei. Dem Zuge der Demonstranten wurden griechische, russische, französische und englische Fahnen vorangetragen. Als die Menge ein hauptsächlich von jüdischer Bevölkerung bewohntes Viertel der Stadt durchziehen wollte, verhinderten die Israeliten! den Durchzug unter den Rufen: Herunter mit der russischen Fahne, hoch König Konstantin, hoch Deutschland! Die russischen Fahnen wurden ihren Trägern entrissen : und mit Füßen getreten, das gleiche Schicksal drohte auch den eng-; lischen und französischen Fahnen. Es entspann sich ein wüstes! Handgemenge, bis es den Israeliten schließlich gelang, den Zug zu zerstreuen. Die Haltung der jüdischen Bevölkerung, die in allen größeren griechischen Städten einen nicht unbedeutenden Prozentsatz der Einwohnerzahl darstellt, ist überall deutschfreundlich. Das griechische Königspaar, insbesondere die Königin, genießt in diesen Kreisen eine geradezu schwärmerische Verehrung wegen der mannigfaltigen Wohltaten, die die arme jüdische Bevölkerung von ihr erhalten hat. — Nach einer Zusammenstellung von Boris Goldberg! sind in Rußland 365 000 Juden zu Kriegsdiensten einberufen! worden. Sie gehören in nachstehende Kategorien: 1. Aktivdienende! 82 000, 2. Reservisten der Jahrgänge 1897 bis 1910 210 000,! 3. Zapas (Reichswehr) der Jahrgänge 1893 bis 1896 43 000, ' 4. Zapas (Reichswehr) der Jahrgänge 1909 bis 1913 80 000, zusammen 365 000. Sie müssen für den Massenmörder ihres Stammes das . Leben opfern . . . — Viele Rabbiner in' Polen haben durch den Krieg ihre Stellung verloren und sind jetzt zum Teil sogar brotlos. Um diesen ehrwürdigen Männern : zu hÄfen, hat der Rabbiner Dr. Eisen sta d in Petersburg an die Rabbiner der großen Städte Rußlands den Vorschlag gemacht,: daß sie von ihrer Besoldung einen bestimmten Prozentsatz für die notleidenden Rabbiner abgeben sollten. Der Betrag soll an Baron Alexander Günzburg übermittelt werden. Die Rabbiner von Wilna haben vier Prozent ihres Einkommens bereits für diesen Zweck bestimmt. - Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß alle Schulen der Alliance im Betriebe sind, selbst diejenigen. in Syrien und Palästina. Die Alliance ist indirekt mit den Leitern der Schule in Verbindung. Die große Schwierigkeit bestand darin, daß die Gelder den Schulen überwiesen werden konnten, auch dies ist gelungen. Die Auswanderung nichttürkischer Juden aus Palästina hat die Schülerzahl nicht vermindert, da Schüler aus anderen Schulen, die geschlossen werden mußten, hinzukamen. — Die Exekutive des „American Jewish Relief-Comitee" hat in ihrer letzten Sitzung für Russisch-Polen 100 000 Dollar, für die von Deutschland besetzten Teile Polens ebenfalls 100 000 Dollar bewilligt. — Das amerikanische Schiff „Vulkan", das den amerikanischen Kriegsschiffen nach Europa Vorräte überbringt, wird einen Teil seines Raumes zur Aufnahme von Lebensmitteln und Medikamenten für Palästina zur Verfügung stellen. — Hunderttausend Dollar für die Juden in Polen hat der bekannte amerikanische Bankier Jacob Schiff zur Verfügung gestellt, die in erster Linie der jüdischen Bevölkerung des okkupierten Polen zugute kommen sollen.__ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. 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