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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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nur ein Nebenarm des Euphrat den Tigris erreichen, die Hauptmasse des Euphrat aber in kanalisiertem Lauf -erst bei Garmat Ali, 65 Kilometer weiter unterhalb. Heute ist jedenfalls Kurna der Punkt, der den Eingang züm Euphrat und Tigris militärisch beherrscht. Die Türken haben hier Befestigungen, an denen die Engländer noch nicht habeir vorbeikommen können. Auch weiter oberhalb am Tigris haben die Türken Befestigungswerke. Kurna heißt „Winkel" und ist Kreishauptort. „Die wenigen Häuser des Dorfes," sagt v. Oppenheim, „die von weithin sichtbaren Pappeln beschattet -werden, liegen aus der von den beiden Flüssen gebildeten schmalen Landzunge. In diese herrliche, aber leider des Fiebers wegen gefährliche Gegend verlegt die Lokaltradition das Paradies, den Aufenthaltsort der ersten Menschen. Man zeigt noch heute im Dorfe als angeblichen Baum der Erkenntnis einen Akazienbaum, der aber bereits mehrfach erneuert ist." Auch manche Gelehrte haben hier, also am Schatt-el- Arab, das biblische Paradies gesucht, weil Uebereinstimmungen des Landes mit der Topographie der Bibel nicht abzuweisen sind. Von Kurna bis zur Mündung ist der Schatt-el-Arab etwa 160 Kilometer lang, und vom Einfluß des Karun ab bildet er die perfisch^türkische Grenze. Es begleiten ihn schöne Dattelpalmen)valdnngen. Das rotvraune Wasser ist tief, doch ist der vielen Schlammbänke wegen Vorsieht geboten. Ueberdies liegt in der Hauptmündung, der von Fav, eine in Lage und Gestalt wechselnde Schlickbarre, über die nur Dampfer von höchsten 5,2 Metern Tiefgang hinwegkönnen. Sv ist die bekannte große Handelsstadt Basra, die mit denr Schatt-el-Arab dnrch einen Kanal verbunden wird, nur ein Seehafen zweiter Ordnung. Die Engländer sollen die Palmen mn Basra vernichtet haben; es ist ihnen aber nicht gelungen, sich hier festzusetzen. Fao ist Endpunkt des indischen Kabels und hat einen Lenchtturm. Die Schwäche der türkischen Stellung im unteren Mesopotamien liegt darin, daß die Engländer die kommerziellen und politischen Herren des Persischen Meerbusens und auch seiner persischen Nvrdküste sind und daß ihnen die Schiffahrt auf dem Schatt-el-Arab und Tigris gehört. Andererseits liegt die Stärke der Türkei hier in der Unmöglichkeit für einen Feind, wegen der wüstenhaften oder überschwemmten Uferstrecken irgendwie zu Lande vorzudringen, zumal es an ausreichenden türkischen Landtruppen nicht fehlt und die Beduinenstämme, lange gewiß nicht die.Freunde der türkischen Verwaltung, jetzt ganz auf deren Seite stehen. Darum hat die Tatsache, daß die Engländer zu Wasser nach Mesopotamien gekommen sind, keine sonderliche Bedeutung. Es sind nur Luststöße, die sie da zustande bringen. Von MH und ssern. — Das hundertjährige Bestehen des Brüdervereins, der am 28. März 1815 begründet worden ist, wird am gleichen Tage dieses Jahres im Vereinshause, Kurfürstenstraße 15/16, im Anschluß an die Generalversammlung durch einen Festakt begangen werden. Auf allgemeinen Wunsch der Mitglieder und aus Grund eines Vorstandsbeschlusses soll des Krieges wegen von einer größeren Feier Abstand genommen werden, die an einem späteren Termin stattsindeu wird. Der hiesige bulgarische Konsul, Kommerzienrat Man delv a u m (Manoli), ist während seiner Anwesenheit in Sofia in der letzten Woche vom König von Bulgarien in eiustündiger Audienz und dann vom Ministerpräsidenten Radoslawow empfangen worden. — Herr Cäsar Geb alle, Oberlehrer an der 11. Realschule in Berlin, ist zum Professor ernannt worden. — Tie jüdische Privatvolksschule in Antonienhütte ist von der Negierung übernommen und in eine staatliche Schule verwandelt worden. Damit erhält sie das Recht der öffentlichen Schulen. Tie Lehrerstelle ist vom Gemeindevorstand znm 1. April ausgeschrieben. Der bisherige Lehrer Strauß ist am 10. Februar zu den Fahnen einberufen worden. — Alls Posen wird uns unterm 24. Februar geschrieben: Am vergangenen Sonnabend fand vor Beginn der Frühandacht in der Synagoge A die Vereidigung der jüdischen Rekruteil statt. Herr Gemeinderabbiner Tr. Freimann hielt eine Ansprache, in welcher er aus die .Heilighaltung des Eides hinwies, und die Mannschaften ermahnte zum Gehorsam und zur Treue gegen den obersten Kriegsherrn sowie gegen die Vorgesetzten des Heeres. — Tie eine Kollektivstimme znm Provinziallandtag ausübenden Städte der Kreise Hohensalza,Gnesen, Mogilno,Znin und Witkowo wühlten zlim Provinziallandtagsabgeordneten den zurzeit im Felde stehenden. Rittmeister Assessor Dr. Levy, Hohensalza.— Kine recht lehrreiche Geschichte vom Eisernen Kreuz wurde uns, so schreibt die „Ruhr-Zeitung" in Türen (Westfalen), von einem kürzlich hier weilenden verwundeten Offizier erzählt. Die von ihm geführte Kompagnie hatte sich bei einem Gefecht derart ausgezeichnet, daß sie vom General selbst belobt wurde. Dieser übergab dem Offizier sein eigenes Eisernes Kreuz mld beauftragte ihn, drei Leute der Mannschaft für dieselbe Auszeichnung vorzuschlagen. Der Offizier gab die Wahl den Mannschaften selbst anheim, und sie bestimmten dann aud] bald die drei Kameraden; es waren ein Christ und zwei Juden! — Durch Entschließung des preußifchen Kriegsministeriums ist der Stadtrabbiner Dr. Hey mann Chone ans Konstanz, bisher bei der 29. Division, dem Armeeoberkommando der 6. Armee zur Ausübung der jüdischen Seelsorge zugeteilt worden. — Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n in Wien beging am 19. Februar seinen 80. Geburtstag. — Wie Herr Moritz Frühling in Wien auf Grund seines an der Hand der „Militär - Grundbuchsblätter" zusammengestellten authentischen Materials mitteilt, haben bisher in der österreichisch-ungarischen Armee mindestens 400 jüdische Reserveoffiziere und Kadetten den Heldentod erlitten. — Aus Leoben wird uns geschrieben: Se. Majestät hat in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde dem Wachtmeister-Standessührer Bernhard Wininger des k. u. k. Husarenregiments Wilhelm II. Deutscher Kaiser und König von Preußen Nr. 7 das silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Diesem tapferen Sohn der Bukowina gratulieren herzliehst alle Freude und Verwandte. — Korporal Ludwig L i ch t e n st e t it, ein Sohn des Rabbiners ans Urmeny und Enkel des Budapester Oberrabbiners Koppel Reich, erhielt die Tapferkeitsmedaille. Er nahm mit seinem kleinen Zug eine wichtige Position im Sturm. Der Divisionsgeneral belobte ihn vor der Front. — Tie Einreihung der jüdischen Wehrpflichtigen aus den neuen Gebieten, die Griechenland nach dem zweiten Balkankriege erworben hat — das wertvollste ist das von Saloniki — ins griechische Heer wird erst vom Jahre 1916 beginnen. — In der Konferenz, die vor der Eröffnung der Duma zwischen Regierung und Abgeordneten abgehalten wurde, hat der Minister des Innern laut Mitteilung der Zeitschrift „Nowi Woschod" in bezug aus die Judenfrage erklärt, daß die Regierung unter den obwaltenden Verhältnissen zur Besserung der Lage der Juden nichts tun könne. — Wie ausländische Zeitungen berichten, hat in Warschau ein kürzlich gebildetes Komitee die Speisung der armen Flüchtlinge, zumeist Juden, und der unteren Bevölkerung unternommen. Die Stadt stellte 700 000 Rubel zur Verfügung. Man hat 40 Verkaufsstellen eröffnet, wo billige Lebensmittel abgegeben werden; ebenso werden täglich 25 000 Portionen Mittagmahl zu 35 Kopeken verteilt. Eine Kalamität bildet jedoch der verworrene Frachtenverkehr. Von den bestellten 600 Waggons Salz sind zwei angekommen, von 500 Waggons Mehl bloß 300, von 129 Waggons anderer Lebensmittel bleiben 9 für die Bürgerschaft. — Die in Warschau erscheinende „Hazefirah" bringt einen ergreifenden Ausruf für die Versorgung der Kinder der zahlreichen Flüchtlinge aus den polnischen Orten, wo jetzt der Krieg wütet. Es sei die Pflicht der Juden, in allen russischen Provinzen sich dieser armen Geschöpfe anzunehmen und dafür zu sorgen, daß die unschuldigen Kinder nicht elend zugrunde gehen. — Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" berichtet, daß binnen kurzem ein Schiff mit Vorräten für die notleidende Bevölkerung Palästinas aus einem amerikanischen Hasen nach dem Mittelländischen Meere geschickt wird. Die Regierungen von England, Frankreich und der Türkei haben eingewilligt, daß das Schiff in seiner freien Fahrt nicht behindert werden soll. — Frau Abraham Simon aus Washington hielt auf dem Kongreß jüdischer amerikanischer Frauen einen Vortrag über das Thema: „Einfluß der Frauen auf das amerikanische Judentum" und führte aus: Religion ist nicht mehr männlich als weiblich. Die religiösen Pflichten ruhen nicht mehr auf weiblichen als auf männlichen Schultern. Wir leben noch unter der alten Tradition der von Männern gemachten Bibel. Wenn eine Fraudie ersten Kapitel der Schöpfungsgeschichte geschrieben hätte, hätte sie den Adam aus den Rippen oder vielmehr aus dem Teile der Eva entstehen lassen. Ueberall streben die Frauen-vorwärts. Ungeträumtc Kraft ist in ihre Hand gelegt und ihr Szepter wird mit der Zeit bis zum Weiße Hause reichen. Die Emanzipation der Frauen kann nicht länger diskutiert werden. Sie mag gefürchtet, beklagt oder bekriegt werden, aber man muß mit ihr rechnen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin' Pankow, Floraftraße S8. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin.

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