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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Dr. F r e i in a n n. — Unter großer Anteilnahme wurde auch Rentier Deo S chi'ff zn Gr>al)e getragen. Ter Verstorbene hat als B erst a»tds»ltitglied des Bene ins junger Kaufleute große Verdienste sich erworben. — Bei Wolo Szidlowska ist den- Gefreite Willy L »pp mann im 11/41. Infanterieregiment, Sohn des Kaufmanns Benno Lippmann in Schnei-demühl, 23 Jahre alt, gestorben. - Ten Ieldentvd für das Vaterland starb auf dem Schlachtselde im. Osten der Unteroffizier der Reserve im Iufanteriereginrent Nr. 14 Karl L e w i n im 25. Lebensjahre, ebenso der Kriegsfreiwillige A r t u r L e v y im Re se r v e in fa »: te r ie reg i me nt Nr. 201 nach einer Verwundung inr Schützengraben im Westen im 20. Lebensjahre. Tie Eltern in Rakel betrauern den allzufrühen Tod ihres hoffnu-ngsvollerl- Sohnes. — Lab ifchi n. Magistriat und Stadtverordnete widmen ihrem in Berlin kürzlich verstorbenen- Ehrenbürger A b r a ha m L4 P P m n n n folgenden ehrenden Nachrust' Als Kind unserer Stadt hat der Verstorbene, genau vertraut mit den Verhältnissen, dem Gemeindewesen viele Jahre als Magistvatsmitglied und Beigeordneter uneigennützig, treu und gewissenhaft gedient. Seine reichen Erfahrungell und seine praktischen Ratschläge haben bei Ausführung städtischer Untcrnehmullgen reiche Früchte getragen. Die liebersiedlung llach Berlin hat de»: Entschlafenen uns nicht entfremdet. Er blieb inr Herzeil unser, und wir loerdeu sein All bellten dauernd in Ehren halten. — Am 13. April d. I. kommen die Zinsen der Louis D. Iaffeschell Fanülieustistung zur Verteilung. Bedürftige Verwandte des Stifters haben sich schleunigst bei dem Magistrat in Posen Zll melden. — B u k. Herr- Lehrer Sa-lomon- Spield ach voll der hiesigen jüdischen öffentlichen Volksschule feierte sein vierzigjähriges Ortsjubiläum. Alls diesem Anlaß überreichte ihn: der Schulvorstand als Allgebinde ein Sparkassenbuch über einen höhereil Betrag. W. Rawitsch, 26. Februar. In der jüngst stattgehabten Stadtverordnetensitzung gab der Magistrat Kenntnis von einer Stiftungsurkunde des Herrn Philipp Todtmann. Tie Zuwendung besteht in einem Kapital von 4000 Mark, das in fünf-prozentiger Kriegsanleihe angelegt werden soll. Die jährlichen Zinsen von 200 Mark sollen an ehemalige Krieger aus dem Feldzuge 1914 oder an deren Witwen und Waisen in der Weise verteilt werden, daß immer zehn Personen je 20 Mark erhalten. Tie Auszahlung soll jedesmal am Geburtstage des Kaisers erfolgen. Tie Versammlung nahm die Stiftung dankend all. 2/D Leipzig, 26. Februar. Die Leipziger Höhere israelitische Schule hat sich im Schuljahr 1914/15 als Erziehungsinstitnt bewährt. Von den Schülern der ersten Klasse hat einer bald nach Kriegsbeginn das Einjährigenexamen absolviert und ist ins Heer als Kriegsfreiwilliger ein getreten; auch seine übrigen Kameraden habell jetzt zunl ordentlichen Termin sämtlich die. Prüfung, einwandfrei bestanden und gute Noten erhalten, was um so bemerkenswerter ist, als sie als Externe der besten städtischen R-ecvlanstalt Leipzigs zugewiesen waren und vor einem ihnen gänzlich fremden Lehrerkolleginnl die Probe ihres Wissens und Könnens oblegen mußten. Dies zeigt, mit welchem Ernst und Erfolg von Lehrern und Schülern auch unter schwierigsten Verhältnissen — infolge der Kriegseinberufungen trat mehrmals Lehrerwechsel in wichtigen Fächern ein — gearbeitet wird. Am 4. Februar beging die Schule die Gedächtnisfeier für den frühzeitig dahingeschiedenen Rabbiner Dr. David Carlebach. Im Dezember 1914 ist auf dein Felde der Ehre der Chemiker Karl Sommer aus Leipzig gefallen. Wie jetzt mitgeteilt wird, hat er als treuer Freund der Höheren israelitischen Schule ihr sein stattliches chemisches Laboratorium hinterlassen, was ihm das bleibende dankbare Gedenken der Anstalt sichert. ■A. Kolberg, 26. Februar. Das hiesige weltbekannte j ü - d i sch e K u r h o s p i t a l wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der bevorstehenden Badesaison für erholungsbedürftige Kinder usw. geschlossen bleiben, »veil dasselbe durch einstimmigen Beschluß des Kuratoriums und der Verwaltung für die Dauer des Krieges als Reseverlazarett eingerichtet worden ist. Um einen: dringenden Bedürfnis abzuhelfen, hat sich Frau Dr. Papilsty, hier, bereit erklärt, unabhängig und getrennt von ihrer mit einer Dependance als Ferienheim verbundenen Familienpension, Parkstraße 3, noch ein Son: m e rh ein: für Kiud ex nti nde r b emitt elter Eltern und Zöglinge von Waisenhäusern usw. in der Bahnstraße, in der Nähe der Seebäder und der Solbäder, einzurichten. Dieses Sommerheim, das am 1. Mai eröffnet werden wird, wird der besonderen Aufsicht einer Lehrerin unterstellt sein. Voraussichtlich wird das Solbad des jüdische:: Kinderhospitals unbemittelten bzw. wenig bemittelten Kindern wie Erwachsener: die ärztlich Verordneton Solbäder wie bisher unentgeltlich verabfolgen. Beiläufig sei bemerkt, daß die Solquelle des jüdischen Knrhospitals zn den stärksten Solquellen Kvlbergs gehört. —- Harburg, 26. Februar. Eine im besten Sinne des Wortes stadtbekannte Persönlichkeit, der langjährige Bürgervorsteher und Fabrikant Salomon Salomon, ist am .14. Februar, 36 Jahre alt, gestorben. Durch emsigen Fleiß und große kaufmännische Begabung hat er es von kleinen Anfängen zun: Begründer und jetzigen Mitinhaber der in: In- und Anslande bekannten Firma Gebr. Salomon gebracht, dabei bis zum Lebensende sein einfaches bescheidenes und joviales Wesen bewahrt. Ten Armen stets ein Freund und Berater, hat er für Wohltätigkeitszwecke Tausende und aber Tausende gespendet. 23 Jahre lang ununterbrochen Mitgli-ed des Bürgervorsteherkollegs, tonnte, er vor drei Jahren unter großer Beteiligung fein 25 jähriges Jubiläum feiern. Die Handelskammer verliert eins seiner tüchtigsten und regsten Mitglieder. =-. Köln a. Rh., 26. Februar. Ein Handlungsgehilfe schreibt dec hiesigen „Rhein. Ztg."-. „Ich kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche! Dieser Ansspruch des Kaisers aus den ersten Angnsttagen 1914 wird leider noch immer nicht überall beachtet. Ich bin Handlnttgsgeh'iilse jüdische»: Glaubensbekenntnisses und zurzeit stellungslos. Trotz meiner Stellungslosigkeit habe ich redlich mein Scherflei»: zn den verschiedenert K riegslvohlsah rtseir:richtungen b e i get rage»:. Vo»: ei i:er Liebesgabensammelstellie wurde ich nun zur Erlangung einer Stellung au die Kriegsarbeitszentrale verwiesen. Das ist gewiß eine zweckmäßige und unparteiische Einrichtung. Aber sie hat keinen Einfluß airf die p-ersonalsuchenden Firmen, denn vier für mich geeignete Stellungen konnte.ich nicht erhalt,en, »veil die betreffenden Häuser jüdische Gehilfen nicht einstelle»:." Grstrrrrich-Ängarn. 22 Mnischek bei Prag, 26. Februar. Unglückliche Flüchtlinge, die Hab und Gut verließen, um ihr nacktes Leben vor Vernichtung und brutaler Barbarei zu retten, sind in unserer Kultusgemeinde. Die Not und das Elend diese r A r m e n spotte n a ller Be s ch r e i - Innig. Eine große Zahl der armen Flüchtlinge ist in defekten Kleidern und Schuhen der Unbill der Witterung preisgegeben und leidet große Külte; die ihnen gewährte staatliche Unterstützung im Betrage von 6 2 Heller pro D n g n »: d P e r s o n reicht infolge der horrend e n T e u e r »» u g kaum hi»:, d e:: H u n g e r z u st i l l e »:. Das Osterfest, das F e st der Befrei u n g, naht heran, und diese gänzlich mittellosen Kriegsopfer sind nicht in der Lage, dieses Fest den rituellen Vorschrifte»: gemäß zn begehen. Um die sich bittend entgegenstreckenden Hände dieser bedauernswerten, melancholischen Gestalten nicht von uns zn weisen, wende ich mich denn in dieser Stunde der Not, da die Kräfte der hiesige»: Gemeinden: itglieder nicht mehr genügen, an alle edler: Menschenfreunde, die ein Herz für fremdes Leid sich bewahrten, mit der höflicher: Bitte, im Narrten .der Nächstenliebe unsere Bestrebungen zn unterstützen, um diesen A e r»nsten das Not d ü r st i g ste zu ge - »v ä h r e n , »v a s b e scheide u c s D n s c t u o r fort) e r t. Möge ein jeder tun, »ras in seinen Kräften steht, möge ein jeder helfen, die Not unserer Brüder zu linder»». Gütige Spender» si»:d zn richten an das Rabbinat der israelitischen Gemeinde zu Mnischek bei Prag (Böhmer:). Türkei. H. S. Konstantinopel, 25. Februar. Zn den Kriegsschauplätzen gehört seit einigen Monaten auch das Land in: Schatt-el-Arab, dem vereinigten Euphrat und Tigris. Die Engländer sind auf Kanonenbooten den Fluß hinauf'gefahren, haben aber bei Kurna, »vo die beider» Ströme sich vereinige»:, gegen die türkischen Verteidiger wiederholt Schlappen erlitten. Immerhin stehen jene noch innerhalb türkische»: Gebiets. Aber es »väre falsch, daraus auf eine nennenswerte Bedrohung der asiatischen Türkei zu schließen. Erfolgt nach unseren bisherigen Karten die Bereinigung der beiden mesopotamischen Zwillingsströme bei Kurna, so dürste das nicht mehr so ganz der Fall sein, nachdem die von dem englischen Wasserbauingenieur Willcocks entworfenen Plärre für den Wiederanbau des alten Babyloniens vollständig durchgeführt sei»: werden. Dann nämlich »vird bei Knr»:a

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