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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 Von einer Mutter. Sie sandte cs dem berühmten Pädagogen Adolf Diesterweg mit der Bitte, dem Werke durch ein Geleitwort höheren Wert zu geben. Dieser fühlte sich von dem Inhalt des Buches so lebhaft angesprochen, daß er es nicht nur mit einem Vorwort begleitete, sondern fortan sein Interesse für die Verfasserin und deren geistige Richtung durch einen lebhaften Briefwechsel bekundete. In Liebenstein trat sie mit ihm in persönliche Beziehungen, und ihr gebührt das Verdienst, durch ihre Begeisterung für Fröbel, in dem sie einen Reformator der weiblichen Erziehung erkannte, während Diesterweg ihm ablehnend gegenüberstand, beide bedeutende Pädagogen dort zusammengeführt und einander nahe gebracht zu haben. Der 1850 von Frau Goldschmidt und ihren Genossinnen in Hamburg begründete Frauenbildungsverein fand eine seiner ersten und wichtigsten Aufgaben in der Fürsorge um Kinder; eine Kinderbewahranstalt, eine Mädchenschule für arme Kinder, ohne Unterschied des Bekenntnisses, sogar eine weibliche Hochschule entstanden, welch letzterer jedoch nur ein kurzes Dasein beschieden war. Zu Ende der sechziger Jahre begründete Frau Goldschmidt den Fröbel-Verein mit der besonderen Aufgabe, Kindergärtnerinnen für die Familie auszubilden. Diese Schöpfung, der sie Zeit und Kraft bis zum Ende als Präsidentin widmete, bildete den Höhepunkt ihres Lebens und Wirkens. Und auch tätige Lehrerin wurde sie an dieser Bildungsanstalt in der von ihr bis ins Greisenalter liebevoll geübten Kunst der Musik und des Gesanges. Außer vielfachen Aufsätzen, die in Zeitschriften erschienen, hat Frau Goldschmidt nur noch ein Buch 1864 veröffentlicht: „Ein Blick in die Familie". In ihren Schriften legt sie in trefflicher Weise klar, wie die Jungfrau für ihren natürlichen Beruf als Gattin, Mutter und Hausfrau heranzubilden sei. Als die deutsche Frauenbewegung ihre Schwingen zu regen begann, schenkte sie dem Gebiet der weiblichen Erziehung zur Erwerbstätigkeit ihre wärmste Teilnahme. Auf verschiedenen Frauentagen, die sie besuchte, vertrat sie mit großer Wärme Friedrich Fröbels Lehre und deren Einfluß auf eine verbesserte Familienerziehung, so auch in Darmstadt, 1872, wo sie in Anwesenheit der Prinzessin Alice, nachmaligen Großherzogin von Hessen, einen Vortrag hielt. Dem Werke ihrer Tochter, Frau Dr. Salomon, den Volksküchen in Hamburg Boden zu gewinnen, schenkte sie ihr lebhaftestes Interesse, und an ihrem Lebensabend gab sie noch die Anregung, dort Kindervolksküchen zu errichten. Ihre letzte Segenstat galt dem Fröbel- Verein. Gemeinsam mit zahlreichen Frobel-Verehrern stiftete sie anläßlich der Zentenarfeier des berühmten Freundes 1882 einen Stipendienfonds für bedürftige Kindergärtnerinnen. Johanna Goldschmidt zählt nicht nur zu den interessantesten Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung, sie ist als Gattin und Mutter ein edles Frauenideal gewesen. Schon Fanny Lewald war ebenfalls frühzeitig für die Frauenbewegung eingetreten. Mit ihrem scharfen Geiste und klaren Verstände forderte sie erweiterte Frauenbildung, namentlich die Ausbildung der Mädchen für einen Beruf. Für die Frauenbewegung veröffentlichte sie „Ofterbriefe für Frauen" 1863 und „Für und wider die Frauen", Artikel, die 1870 in der „Kölnischen Zeitung" erschienen. Die Gesamtheit ist ihr über das Grab hinaus zu ganz besonderem Dank verpflichtet, indem infolge eines Artikels in der „National- Zeitung" sie die Oeffnung der Museen und Sammlungen an Sonntagen durchsetzte. Die Verdienste von Frau Dr. Henriette Goldschmidt, Lina Morgenstern und Jenny Hirsch sind mit goldenen Lettern in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung eingezeichnet und in diesem teuren Blatte wiederholt gewürdigt worden. Die beiden Großtaten, der Verein für Familien- und Volkserziehung und die Hochschule für Frauen in Leipzig, sichern Frau Dr. Goldschmidt Unsterblichkeit, während Lina Morgenstern die Begründung der Berliner Volksküchen und die in Kriegs- und Friedenszeiten geübte Liebestätigkeit unvergessen bleiben wird, wie Jenny Hirsch alles das, was sie dem Lette- Verein in Berlin in hingebungsvollster Wirksamkeit geleistet hat. In den vorbildlichen Bahnen dieses leuchtenden Dreigestirns zu streben und zu wirken, wurde die Lebensaufgabe zahlreicher deutscher Frauen jüdischen Glaubens. Die gewaltigen Ereignisse der Gegenwart drängen naturgemäß in den Hintergrund, Frauenleistungcn zu feiern. Aber unendlich viel des Guten und Segensreichen ist geschaffen worden, nicht nur auf dem großen, weitverzweigten Gebiete der verbesserten Mädchenerziehung, der erweiterten Frauenbildung und Frauenerwerbstätigkeit, wie nicht minder für Armen- und Krankenpflege, namentlich Kinderfürsorge. Hier sei besonders gern ehrend der verewigten Frau Klara Reißer, der Begründerin des Vereins „Frauenwohl" in Breslau, wie der allzufrüh ihrem edlen Wirken entrissenen Reorganisatorin der Berliner Wohlfahrtsbestrebungen, Jeanette Schwerin gedacht. Als Schriftstellerinnen haben sich auf dem Gebiete der Frauenbewegung und der Frauenfrage zahlreiche Jüdinnen in Vergangenheit und Gegenwart rühmlichst hervorgetan, ebenso unter den wissenschaftlich arbeitenden Frauen, so die verewigte Dr. Phil. Susanna Rubinstein .und mit freudigem Stolz erfüllt es die Zeitgenossinnen, daß der Professortitel Frau Lydia Rabinowitsch-Kempner und Fräulein Rahel Hirsch schmückt. Frau Emilie Moste, Henriette May, Berlin, Berta PaPpenheim und Henriette Fürth in Frankfurt a. M„ Paula Ollendorsf in Breslau, wirken gegenwärtig in freudiger Schaffenskraft, gleich ihnen eine große Schar trefflicher Frauen in allen Gauen unseres teuren Vaterlandes. In der jüngeren Generation erwachsen der deutschen Frauenbewegung zahlreiche Anhängerinnen, Verehrerinnen und Helferinnen, die in Zukunft stets bereit sein werden, zum Wohle ihres Geschlechtes ihre beste Kraft einzusetzen, und somit zum Wohle der Gesamtheit wesentlich beizutragen. Befriedigt auf das, was schon erreicht ist, zurückblickend, dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß nach den ewigen Gesetzen des Fortschrittes die deutsche Frauenbewegung weiter nusgebaut werden und nicht stillstchen wird! Mir selbst ist es vergönnt, seit fast einem halben Jahrhundert den Anteil der deutschen Frauen jüdischen Glaubens an der Entwicklung der deutschen Frauenbewegung mit froher Genugtuung zu begleiten. Makksbaergedanken im Mde. Von Dr. Hugo Zucker m n n u, k. k. Rescrvelcutuant, gefallen bei den Kämpfen nur den Duklapaß. Aus „Danzers Arinee-Zcituug", Wien, eute darf ich den Genossen Makkabäerlieder sagen, Weil ich selbst ein Schwert getragen Und mein rotes Blut vergossen. Heute keine Siegeslieder, Heute keine Freudenkerzen — Beugt euch mit zerrißnen Herzen Zur entweihten Erde nieder! Noch ist nicht die Zeit vollendet. Noch ist nicht das Land gereinigt. Noch wird unser Volk gesteinigt. Unsere Teinpel sind geschändet.

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