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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-19 · Heft 8 (19.2.1915) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 92 (sequence 8)
Language
German
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danken, wenn wir siegen, und daran ist nach den bisherigen Erfolgen nicht zu zweifeln! Das wäre doch eine logische Folgerung. Aber nein - dann wird der große Logiker sagen: Wir völkisch gesinnten Deutschen haben den Sieg erfochten — er wäre sicher nicht so hartnäckig gewesen, hätte nicht so viel Lpfer gefordert, wenn die Juden nicht dabei gewesen wären. Diese Sorte Vvlkserzieher Nüssen sich ininier zu drehen und zu wenden, wie es in ihre Theorie paßt. Wie denkt Schwaner über die Pogrome in Rußland? Die Inden allein haben die Schuld. Warum? Wären keine Juden da, dann gäbe es keine Pogrome . . . Sv naiv sind unsere Hasser im Denken und Handeln. Schwaner, der in seinen ersten Kriegsnummern durch seine Mitarbeiter knudgeben ließ, daß man jetzt voin Antisemitismus gründlich geheilt sei — er selber hatte einen ganz anderen inenschenwürdigcren Ton angeschlagen — ist wieder ins alte Fahrwasser geraten, wie sich der geschätzte Leser durch nachfolgende Ausführungen überzeugen kann. Bemerken möchte ich hier noch, daß mir Schwaner — ans ineinen Brief, in welchem ich ihm über seine Sinnesänderrung meine Befriedigung ausdrückte — antwortete, daß ihm die Kriegsnumurern viel Vorwürfe von seinen völkischen Genossen eingebracht hätten. Schwaner schreibt am Schlüsse seines Artikels „Bcrgeßt es nie" folgendes: „In Berlin, im Jerusalemer Viertel, kommen noch heute einige „große" Tageszeitungen heraus, die oberflächlich schwarz-weiß-rot angepinselt sind, aber unter dieser Deckfarbe genau wie „Elou" und „Picadilly" französisch-englischen Alleriveltsgcist behielten. Sie, die noch im vorigen Jahre sich nicht genug tun konnten in der Verdächtigung und Beschimpfung deutscher Art und deutschen Wesens, sic, auf deren Rechnung die Liebknecht-Krnpp-Stänkcreien und die Luxemburg-Kaseriwnspitzeleien kominen, sie, zu deren Schrittmachern und Schildhaltern die Vaterlandsverräter Rechtsanwalt Blnmenthal und „Maler" Hansi gehörten: sie verlangten zur Zeit der Kathedralcnhatz gegen uns allen Ernstes vor der Beschießung größerer Külturstädte die Anhörung eines Sachverstündigenrates von Künstlern und Schriftstellern, damit „eventuell" und möglichst geschont werden könne! Als ob nicht jeder gesunde schöne Bauernjunge und deutsche Soldat ein herrlicheres Kunstwerk Gottes wäre als das Rathaus von Löwen und die Kathedrale von Reims! Wenn nur früher die jetzt so besorgte» Blätter und Ritter des Berliner Jerusalem- Viertels etwas pietätvoller gegen den deutschen Glauben und das deutsche Volk gewesen wären! Da ging ihnen nichts über Pariser Kultur — die jetzt ihre Batterien vor den Kathedralen anfpflanzt! -- nichts über Londoner Politik --- die jetzt alle Kanonen der Welt auf uns richtet! Da war ihnen nichts verhaßter und verkommener als die Lesterreicher und die Türken, die heute unsere einzigen Freunde sind. Und ausgerechnet diese Blätter mit der westlichen Trikolore ans der orientalischen Stirn tun heute, als schlügen sie allein mit ihren Mannen den Krieg, als besorgten sie allein die mit viel Geschrei hinanspvsannten Liebesgaben! Nachher werden sie ivicder genau wie früher den preußischen Militarismus in aller Welt verspotten und verdröhncu, um so eher und schärfer, je länger es dauert, bis irgendein Dreyfus Kriegsminister oder irgendein Skahl-Lilicnthal Kultnsminister wird. Vergeht es nie, daß gerade diese Preßsorte den Krieg von 1914 mitvcrschuldet hat durch die Zabern- und Krupphetze! Nie Hütten Engländer, Franzosen und Russen diesen Krieg gewagt, wenn ihnen nicht unsere freiwilligen Drciverbändler im Jernsälciuviertek von Berlin den Glauben beigebracht hätten, daß Deutschland innerlich morsch, faul und uneins sei, daß oben lauter Trottel säßen, unten stier die Revolution lauere. Vergeht es nie, Soldaten im Felde und Bürger zu Hause! Nieder und fort mit allen, die je die tückische Feder gegen , deutsches Wesen und deutsche Art eintauchen! Hinaus mit > allem, >vas je und je englische und französische Kultur als | besser, höher und vorbildlicher für uns gepredigt hat! Weg mit allem, lvas nicht im tiefsten Kern germanischer Art und deutschen Geistes ist! Eure heiligste Sorge sei: Stuben und Kammern rein von i fremdem Ungeziefer. Antworten wollen wir dem Herrn nrit seinen Worten, und zwar mit dem Anfang seines zweiten Artikels unter dem Titel: „Volkserzieher-Gelübde": Wir geloben, Mann für Mann und Weib für Weib, die nur uns dem deutschen Volkserziehergedanken verschworen haben, nicht zu ruhen noch zu rasten, bis dieser Krieg, der Nimmersatte, neben dem äußeren größeren Deutschland uns auch das innere, reinere, stärkere und wahre Deutschland gebracht hat. Aber wir wollen nicht die Hände in den Schoß legen und; warten, ob auch oder bis die anderen mittun oder vorangehen; , jeder fängt bei sich an, in seiner engeren und weiteren Familie,! in seinem engeren und weiteren Freundes- und Bekanntenj kreise. Nicht durch Schneeballkollekte der Traktätchenliteratur, sondern durch Werben von Mund zu Mund, von Hand zu Hand, durch vorbildliches Reden, Schreiben und Handeln; kommt der „neue, gewisse Geist . . ." V o r a l I e m d n r ch reine s H andeln!! Ja, Herr Schwaner, vor allem durch reines Handeln . . .! Nehmen Sie sich Ihre schönen Worte mal schön zu Herzen! Lin jüdllchrr Mädchknklub. Von M n r i e B e sz m ertn y. s gilt jetzt zu zeigen, daß man sozial zu arbeiten und Einrichtungen zu schassen versteht, die aus eine Dauer Anspruch machen können. Das erscheint wünschenswert bei all denjenigen Unternehmungen, die nicht nur die Not des Augenblicks zu lindern bestimmt sind, sondern einer längst vorhandenen Aufgabe zu dienen haben, die durch den Krieg in den Vordergrund geschoben wurde. Aus deni weiten Kreise dieser Aufgaben sei die Fürsorge für die weiblichen Angestellten hervorgehoben. Als die Sturmflut der Kriegsnot über uns hereinbrach, waren die Verwundeten und die Arbeitslosen naturgemäß zunächst Gegenstand der Sorge. Allmählich, nachdem man sich an die fortgesetzt aufregenden Ereignisse gewöhnt hatte, lvandte die Aufmerksamkeit sich auch solchen Gruppen von Arbeiterinnen zu, die durch den Krieg nicht nur wirtschaftlich geschädigt, sondern in ihrer gesamten Entwicklung gehemmt werden. Dahin gegehört u. a. die große Zahl der angestellten jungen Mädchen. Was soll ans ihnen werden, wenn sie nicht genügend beschäftigt sind wie in normaler Zeit? Wie werden sie später weiterkommen können, wenn ihr Fortbildungsgang abgeschnitten wird? Wer kümmert sich darum jetzt, wo diese oft kaum dem Kindheitsalter entwachsenen jungen Menschenkinder die Abende verbringen und ihre Unterhaltung suchen? Es reifte die Erkenntnis, daß diese weibliche Jugend weder der wirtschaftlichen noch der moralischen Not preisgegeben werden dürfe, daß man sich, gerade wie immer bei harten Schicksalswendungen, nur um so mehr mütterlich um sie kümmern und ihnen ein Heim schaffen müsse, wo sie vom Leid befreit und zur nützlichen, anregenden, befriedigenden Arbeit geführt werden. Es entstanden einzelne derartige Einrichtungen, und jede neue verdient herzlich begrüßt zu werden, besonders in der Großstadt, wo die räumliche und zeitliche Erreichbarkeit oft ein Hindernis gl bilden vermag.

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