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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-12 · Heft 7 (12.2.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 7 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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am Abend beim kommandierenden General zu Gast, nachdem er während des Nachmittags vom Grafen HaeseLer empfangen worden war. GMrrrich-Angkim. K. Wien, 5. Februar. Ter Oberste Gerichtshof hatte sich vor einigen Tagen mit einem Kriminalfall zu beschäftigen, der auch weitere kreise interessieren dürfte. Ter Sachverhalt ist folgender: Im September v. I. wurde auf dein Felde hinter dem evangelischen Friedhofe in Orlau (Oesterr.-Schlesien) die dreizehnjährige Emilie Sarowsky in einer Ackerfurche tot aufgestmden. Tie Erhebungen der Gendarmerie führten zur Entdeckung des Mörders in der Person des Bergmannes Franz Hlinibowsty aus Westfalen. Tiefer gab an, er habe das Mädchen, dem > er Gewalt angetan habe, aus Furcht vor Entdeckung ermordet, und da es noch Lebenszeichen gab, ihm einige Messerstiche versetzt. Diesem Geständnis fügte er noch hinzu, der Jude mit dem schwarzen Bart, Markus Auf in Orlau, sei an allem schuld. Tiefer habe ihn zum Morde gedungen, weil er das Blut des Mädchens zu rituellen Zwecken brauchte. Markus -)hif habe, als er, der Mörder, dem Mädchen die Messerstiche versetzte, das Btllt iu einem untergehaltenen Gefäße aufgefangen. Hlinibowsty zog zwar seine Aussage gegen Markus Ruf zurück, trotzdem wurde er außer des Mordes auch noch der Verleumdung angeklagt, weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft schon die Angabe über die Ritualmordgeschichte das Verbrechen der Verleumdung begründe und der Widerruf die einmal begangene Verleumdung nicht aufheben könne. Tiefer Ansicht war auch das Ailsnahmsgericht in Teschen, indem es den Angeklagten des Mordes und der Verleumdung schuldig sprach. Tas Urteil lautete auf Tod durch den Strang. lieber die gegen dieses Urteil erhobene Nichtigkeitsbeschwerde fand vor einigen Tagen vor dem Obersten Gerichtshöfe die Verhandlung statt. Als Nichtigkeitsgrund wurde u. a. geltend gemacht, daß eine Verleumdung schon deshalb nicht vorläge, weil der Angeklagte die Rikualnwrdgeschichte, an die kein Mensch glaube, sofort widerrufen habe. Ter Kassationshof bestätigte das erste Urteil und führte in der Begründung aus, daß die Behauptung eines Ritualmordes ein Verbrechen involviere, das selbst durch den sofortigen Widerruf nicht als beseitigt erscheine. Von MH und ssern. Ter L a z a r e t t z n g d e x beut i eh e n B n e B r i ß - L o g e n „M. -1" wird Ende Februar Berlin verlassen und Liebesgaben für die in den Lazaretten hinter der Front liegenden Verwundeten initnehmen. Ter Präsident der Großloge für Teutschland, Herr Geheimrat T i m e n d o r f e r, wird den Lazarettzug auf seiner ersten Fahrt begleiten und die Verteilung von Liebesgaben besorgen. Eventuelle Spenden loerden an das Bureau der Groszlege für Teutschland, Berlin W, Kleiststraße 1.2, erbeten. (Burean- ,u it 9 1 und 4 - (> Uhr.) Tie K r i e g s h i l f s k o m m i s s i o n der j ü d i s eh e n Ge m e i n d e hat nun a nci> im Norden Berlins, Brunuenstraße 41, I, ein Abendheim sür alleinstehende Frauen und Mädchen eröffnet. Es stehen zwei erleuchtete nnb geheizte Räume zur Verfügung. Außerdem werden Kaffee mit Stullen sowie ein warmes Abendbrot für 10 Pfennig verabreicht. Es ist erwünscht, daß die Besucherinnen sich eine Näh- oder Strickarbeit mitbringen. Ausweise, die zum Eintritt berechtigen, sind im II. Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2 4 (Zimmer 23), vornlittags von 10 1 Uhr zu haben. Ter Verein I ü d i s ch e s G en e s u n a s h e i m eröffnet sein Heim in L e h n i tz in dieseni Jahre Mitte April. Es finden dort Frauen lind Mädchen, die im Erwerbsleben stehen, Aufnahme: für bicfe empfiehlt es sich, Bewerbungen, möglichst mit ärztlichem Attest, baldigst au das Bureau, Rosenstraße 2 4, zu richten, da es anzunehmen ist, daß in diesem Fahre besonders viele Eingaben vorliegen werden.. Max Lieb e r m a n n hat ein großes Osfiziersbildnis in Feldgran vollendet, das Porträt eines Husarenobersten. - Tie Sanitätsräte Tr. Alfred Wl e tz e n borg und Tr. Albert L ilienfeld sind gestorben. Sanitätsrat M-etzenberg hat neben seiner ärztlichen Tätigkeit seine Kräfte auch in den Dienst der jüdischen Gemeinde gestellt, deren Armenkommission er jahrelang und deren Repräsentantenversammlung er als stellvertretendes Mitglied angehört hat. Sanitätsrat Lilienfeld in Lichterfelde hat über 31 Jahre zusammen mit Geheimrat Tr. G o l d st e i n ein Sanatorium für Nervenkranke geleitet. - Ter 2. Kantor a n der Adaß-Jißroel-Gemeinde in Berlin, H e r m a n n L e m k y , begeht am 14. d. M. das Jubiläum der 25jährigen Amtstätigkeit in der Gemeinde. —- Fräulein E ä c i l i e E o h n in Marklisfa, Schwester des Herrn Dr. Ludwig Cohn in Breslau, hat für ihre aufopfernde und selbstlose Tätigkeit in der Pflege der städtischen Kranken und Siechen, deren sie sich seit Beginn des Krieges annimmt, die von Ihrer Majestät gestiftete Auszeichnung des Vaterländischen Frauenvereins erhalten. Von den ehemaligen Schülern der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem stehen ca. 85 im Felde. Unter ihnen befinden sich zwei, die das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und einer, Fritz Meyer aus Stettin, der auch das Eiserne Kreuz erster Klasse erworben hat, und zwar, wie es im Regimentsbefehle heißt, „für vorbildliches Verhalten und hervorragende Tapferkeit bei den Kämpfen um Wytschäte". — Ter Universität zu Frankfurt a. M. ist von dem jüngst verstorbenen Privatmann F l e r s h e i m eine Million Mark vermacht worden, zahlbar nach dem Ableben seiner Witwe. - James L ö b, der Sohn des Mitbegründers der Firma Kuhn, Löb u. Eie in New?)ork, überwies dem Zweigverein Worms des Roten Kreuzes 1000 Mark, „in der festen Zuversicht, daß Teutschland über alle seine Feinde siegen wird". — T e r G r o ß h. O b e r r a t der Israeliten Badens hatte eine in allen israelitischen Gemeinden des Großherzogtums vorzunehmende Sammlung zugunsten der als Invaliden aus dem Feldzüge heimkeh.renden deutschen Krieger angeordnet, deren Ergebnis dem Kaiser zu seinem Geburtstage überreicht werden sollte. — Aus Budapest wird uns geschrieben: Tie in Promontor wohnhafte Witwe Rosa Jritz hat alle ihre sieben Söhne in diesen Weltkrieg geschickt. Ter älteste, Ingenieur Max Jritz, ist als Oberleutnant im 6. Festungsartilleriereaiment am 14. Dezember auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gefallen. Er stand im 41. Lebensjahre. Zwei andere im Alter von 39 und 28 Jahren haben schwere Verletzungen erlitten. Ter jüngste ist 23 Jahre alt und wird jetzt ausgebildet. Tie übrigen befinden sich seit Kriegsausbruch im Felde und haben schon an mehreren großen Gefechten teilgenommen. -- Baron Edmond v o n Rothschild in Paris hat seine Besitzungen in Boulogne-snr- Seine dem Hilfsverein der verwundeten Soldaten als Genesungsheim mit 40 Betten zur Verfügung gestellt. Herr Nissim S a - m a m a, Advokat an dem Appellationshof in Paris, hat dem Präfekten der Bouches-du-Rhone seine Villa in der Rue de Prado als Lazarett zur Verfügung gestellt. — Unter der Reihe der in Paris beschlagnahmten Unternehmungen österreichischer Staatsangehöriger befindet sich auch das Laboratorium, das Tr. Marmorek, der durch ärztliche Forschertätigkeit sich einen Namen gemacht hat und auch als zionistischer Führer bekannt ist, zur Herstellung des Tuberkuloseserums in Boulogne an der Seine eingerichtet hatte. — Samuel F r u g, der einer der ersten jüdischen Lyriker russischer Zunge ist und in jeder russischen Literaturgeschichte mit Ehren genannt wird, kann sich in Petersburg nur als Diener eines jüdischen Millionärs aufhalten, der ihn in die Liste seines Hausgesindes ausgenommen hat. Man macht darüber in Petersburg die „witzige" Bemerkung: „Unser heiliges Rußland ist der zivilisierteste Staat von der Welt. Gibt es ein zweites Land, wo unter den Lakaien sich einer der ersten Dichter der Gegenwart befindet?" — Interessant ist folgender Brief aus Mohitew: „Schlomowitfch Hot sich freiwillig ongegeben in der Armei. Er un noch jidische Soldateil seinen gewehn in der Armei vun Ge neral Samsonow. Samsonow is a bewusßter (bekannter) Zeurer Jissroel (Jndenbedrücker). Hot er gennmmen ale jidische Soldaten nn hot sei ausgestellt in Front. Hoben mir doch a Got in Himmel, nemmt der Teitsch un ringelt arum Samsonows Armei. Die Teit schon hoben tattakirt vun hinten, den General verschossen nn die jidischen Soldaten, Ivos men Hot ausgestellt in Front zum erschten Feyer, seinen areingefallen zmn Taikschen Plen (Gefangenschaft).' Unter den Inden, welche als Angehörige feindlicher Länder ans Aegypten ansgewiesen werden, befindet sich auch Goldstein Bei, der General-Postmeister von Aegypten. - In letzter Stunde ist es dein znm Tode verurteilten Leo Frank in Atlanta (Der. St. A.) gelungen, sein Todesurteil, dos am 22. Januar hätte vollzogen werden sollen, aufzuschieben. Sein Fall ist dem obersten Gerichtshof der Ber. Staaten überwiesen worden, und es ist zu hoffen, daß die Gerechtigkeit im Lande darüber wacht, daß kein Justizmord begangen wird. . Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich sür den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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