Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-05 · Heft 6 (5.2.1915) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229184--71086-3283405
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

4 unvergänglich in seinen Werken fortleben wird, Ausdruck zu geben." Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß der verstorbene Komponist, in Ungarn geboren, der Sohn eines jüdischen Vorbeters war, der mit einer großen Kinderschar gesegnet war. Die österreichische Presse hat aus unbegreiflichen Gründenängstlich vermieden, die Abstammung und die Konfession Karl Goldmarks zu berühren. Goldmark soll offenbar als ö st e r r e i ch i s ch e r Künstler, nicht aber auch als Jude in der Musikgeschichte fortleben! — Vor kurzem beging der Oberkantor der Brünn-er Kultusigemeind-e Josef Hell e r das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit in Brünn. Oberkantor' Heller, der zugleich Chordirektor und Lehrer an dein vom« Oberrabbiner Tr. Placzek gegründeten und geleiteten Proseminar ist, hat sich auch vielfach als musikalischer Schriftsteller betätigt, und seine jüdischen Kompositionen haben in Fachkreisen großen Beifall gefunden. Aus Anlaß seines Jubiläums wurden ihm von der Kultusgemeinde und ihren Funktionären ehrende Kundgebungen bereitet. — Wie die „Bohemia" meldet, plant die österreichische Regierung die Herausgabe eines Buches über die Schand- und Greueltaten, die die Russen in Galizien und der Bukowina vollbracht haben, und fordert zu diesem Zwecke alle, die mit den Flüchtlingen in Berührung kommen, auf, die Berichte derselben zu protokollieren und sie der Behörde einzusenden. Diese Anregung ist auch vom jüdischen Standpunkte aufs lebhafteste zu begrüßen. Denn unter den Schand- und Greueltaten der Russen hatten am meisten die Juden zu leiden. Jeder jüdische Flüchtling weiß über das Verhalten der Russen den Juden gegenüber geradezu haarsträubende Dinge zu erzählen. Durch den Lärm der schamlosen französischen Presse über den angeblichen deutschen Barbarismus werden die Klagen der von den Russen ermordeten und beraubten Inden Galiziens und der Bukowina überhört. Nun soll es anders werden. Das Buch, das die österreichische Regierung über die russischen Greuel herauszugeben plant, wird ein Schanddenkmal sein für Rußland und seine treuen Verbündeten. Von Aah und jfern. Ter fortschrittliche Landtagsabgeordnete für Bromberg, Ge^ heimrat Aronsohn, Präsident der Handelskammer Bromberg, ist als f i n a n z t ech n i s ch e r Beirat in die Zivilverwaltung für Russisch-Polen einbernsen worden. Geh. Kommerzienrat Aronsohn ist Mitglied der Staatsschuldenkommission. Er gehört dem Abgeordnetenhaus seit 1903 an. Er steht im Alter von 65 Jahren. — Das diesjährige Konzert des „Vereins zur Pflege hebräischer Gesänge" (Dirigent Kapellmeister A. Keller in a n n) findet zum Besten des Roten Kreuzes von Berlin am 22. Februar im Blüthner-Saal unter Mitwirkung namhafter Solisten statt. Karten zu 3, 2, 1 Mark bei Bote u. Bock sowie bei Hermann Tietz. — Nach der „Chronik der Universität Heidelberg" wurde zum ersten Male der „Kuno-Fischer-Preis" verliehen. Der Preisträger ist der Privatdozent Professor Dr. Ernst Cassirer in Berlin; er erhielt auf Wunsch die Preismedaille in Bronze. Die Ehrengabe von 1500 Mark hat Professor Dr. Cassirer in hochherziger Weise dem Roten Kreuz überwiesen. — Dem Mitinhaber der Firma S. Adam, Hoflieferant, Berlin, Otto A dam. Zurzeit als Vizewachtmeister in einem Ersatzfußartillerieregiment im Felde, ist die österreichische silberne Tapferkeitsmedaille verliehen worden. — In der ersten diesjährigen Sitzung der Handelskammer für den Regierungsbezirk Posen wurden einstimmig in den Vorstand gewählt die Herren: Geheimer Kommerzienrat Nazarh K a n t o r o w i c z als Vorsitzender, Kaufmann W. Friedlünder als erster, Stadtrat Elkeles als zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden. Dem Geheimen S a n i t a t s r a t D r. Breslauer in Bromberg ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. - - Unsere Mitarbeiterin Frau Regina Reißer hielt jüngst zufolge einer Aufforderung der Frau Oberin im Augusta- Hospital iu Breslau einen Vortrag über die Kaiserirr Augusta, der dao höchste Interesse der anwesenden Verwundeten und Pflegeschwestern erregte. - Bei seinem Besuch auf dem östlichen'" Kriegsschauplatz zog der Kaiser mehrere Soldaten, die sich beim ersten Vorstoß aus Warschau besonders hervorgetan hatten, huldvoll ins Gespräch. Unter den hierdurch Ausgezeichneten befand sich auch Herr Ludwig P o r g e s , Unteroffizier der Landwehr, Inhaber des Eisernen Kreuzes, der Sohn des Leipziger Gemeinderabbiners Professor Dr. Nathan P o r g e s. — Geheimer Hofrat Alfred v. Nathan, der' Ehrenbürger von Fürch, hat zum zweiten Male 100 000 Mark für die Kriegsfürsorge gespendet. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Amsterdam hat beschlossen, infolge des Krieges erst einmal ein Teilbudget für 1915 aufzustellen. Er rechnet mit einen: Ausfall von 120 000 Mark an Einnahmen. Der Zuschuß für das Rabbiner- und Lehrerseminar soll um 5000, der für die Armenkommission gar um 20 000 Mark herabgesetzt werden. Der Mazzothsteuerplan ist infolge der Proteste, die es von allen Seiten regnete, nicht zur Ausführung gekommen. — Wie uns aus Lausanne erst jetzt mitgereilt wird, ist dort am 2. v. Ai. Herr Lion A. Trachtenberg gestorben. Der Entschlafene, ein kenntnisreicher Mann, war fast ein halbes Jahrhundert ein fleißiger Mitarbeiter unseres Blattes. Er hat dem Schicksal unserer Glaubensgenossen in aller Herren Länder das wärmste Interesse entgegengebracht und in zahlreichen Briefen und Berichten, die in der „Allg. Ztg. des Judentums" zum Abdruck gelangt sind, seine innige Liebe zum Judentum bekundet. Wir verlieren in ihm einen treuen Freund und Mitarbeiter und werden sein Andenken stets in Ehren halten. — Der Verband der in Wien weilenden türkischen Juden, deren treue Anhänglichkeit an ihre türkische Heimat solvie auch an den Sultan persönlich sich zu allen Zeiten in so traditionell schöner Weise bekundet, haben sofort nach Einleitung der Sammlungen für den Roten Halbmond unter sich den Betrag von über 16 000 Kronen ausgebracht. — Aus Budapest wird mitgeteilt, daß Viktor v. I st o c z y , der ehemalige Begründer und Führer der unrühmlichst bekannten Antisemitenpartei in Ungarn, am 8. v. M. müde und gebrochen im Lebensalter von 72 Jahren gestorben ist. — Der jüdische Freiwillige M. K a tz aus Wilna ist wegen einer Reihe außerordentlicher Taten, wie Rettung seines Kommandanten und der Fahne, Flucht aus deutscher Gefangenschaft usw., mit zwei Orden und dem Offiziersrang belohnt worden, so erzählt wenigstens das jüdische Tagblatt „Moment" in Warschau. — Als die Deutschen in Mariampol einrückten, nahmen sie den Magistrat als Geisel mit. Sie forderten einige Bürger aus, das Bürgermeisteramt zu übernehmen, welche sich mit der Ausrede, nicht Deutsch zu verstehen, losmachten. Schließlich haben sie den Juden Gersonowitsch aufgefordert, das Amt zu übernehmen. Derselbe übernahm das Amt weinend. In der Tat wurde er nach Abzug der Deutschen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. — Wie dem New Yorker „Vorwärts" von einem Augenzeugen berichtet wird, haben die Russen in Zikow den 72jährigen Mendel Schiffmann, dessen 48jährigen Sohn Her s ch e l, den 50jährigen Leser Perlmutter, dessen Eidam und den 70jährigen Josef End wegen Bewirtung der österreichisch-ungarischen Soldaten an Gebetriemen aufgehängt. — In Philadelphia verschied im 59. Lebensjahre die bekannte amerikanische Bildhauerin Miß Katharina Cohen. Die Verstorbene zeichnete sich schon als Kind durch eine seltene Begabung im Modellieren aus und hatte sich später auf diesem Gebiete einen hervorragenden Namen erworben. Neben einer großen Zahl anderer Werke hat sie auch einige Bronzebüsten bedeutender amerikanischer Persönlichkeiten geschaffen. Erwähnt seien zum Beispiel die Büste Lineolns und die des Generals Beaver, des ehemaligen Präsidenten von Pennsylvanien. Die Verstorbene war eine warmempfindende Jüdin und hat oft jüdische Stoffe zum Gegenstand ihrer Kunst gemacht. So schuf sie, lange bevor von einer neueren sogenannten jüdischen Kunst in Amerika die Rede sein konnte, den „Wandernden Juden", ferner „Vision des Rabbi Ben Esra bei der Gesetzesauslegung". Das Hinscheiden der geschätzten Künstlerin, die sich als Mensch wie als Künstlerin großer Beliebtheit erfreute, hat in weiten Kreisen Amerikas innige Teilnahme hervorgerufen. Der Inseratenteil dieser Nummer enthält eine Bekanntmachung des R e i ch s b a n k d i r e k t o r i u m s betreffend den Umtausch der Zwischenscheine zu den 5prozentigen Reichsschatzanweisungen von 1914 (Kriegsanleihe) in die endgültigen Schatzanweisungen mit Zinsscheinen, auf die wir Interessenten an dieser Stelle noch besonders Hinweisen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.