Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrte. Nach dem erstatteten Jahres- und Kassenbericht zählt der Verein 38 männliche und 10 weibliche zahlende Mitglieder. Die Einnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahr betrugen 7365,14 Mark, die Ausgaben 5971,70 Mark. Mithin verblieb ein Bestand für das nächste Vereinsjahr von 1373,44 Mark. Die beantragte Entlastung für den. Kassierer wurde widerspruchslos erteilt. — Der Etat für das Vereinsjahr 1915 wurde beraten bzw. genehmigt. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Fischer, Vorsitzender: Bach, M. Flatau, Abraham Gutmann, Siegfried Koenigsberger, G. Lachmann, Georg Lauser, Ad. Lewy, L. Plazek und Sam. Swapuski. Es erfolgte dann die Wiederwahl der Mitglieder der Nachprüsungskommission. Die gestellten Anträge wurden besprochen bzw. Zum Beschluß erhoben. Der Verein besteht bereits seit 106 Jahren. M. Hamburg, 28. Januar. Die V e r e i n i g u n g für das Liberale Judentum in Deutschland, Ortsgruppe Hamluirg, setzte ihre Veranstaltungen durch eine zweite Darbietung fort. Eingebettet wurden diesmal die ernsten Stunden durch das vom Tempelchor mit Orgelbegleitung wiedergegebene „Gebet fürs Vaterland" von Mehul. Nachdem Herr Max Montor (Regisseur vom Deutschen Schauspielhaus) den Psalm 144 sowie einige Gedichte von Liliencron und die Ringszene aus „Nathan" vorgetragen hatte, sprach unser heimischer Dichter Herr Dr. I. Loewenberg über den Krieg als Erzieher. Der Redner legte dar, wie uns der Krieg plötzlich aus dem gewohnten Alltagsleben heraushob, wie er uns von dem Persönlichen losriß und unseren Blick auf die Allgemeinheit lenkte. Der Krieg wirkte wie ein großes Naturereignis, wie eine Sturmflut, wie ein Erdbeben, und die Größe der Erscheinung, das Bangen vor dem Unbekannten habe im ganzen Volke ein tiefes religiöses Gefühl geweckt. Das Bewußtsein, daß wir alle dieselbe Not tragen, daß alle dieselbe Hoffnung trägt, habe alle Deutschen ohne Unterschied der Partei, der Konfession, des Standes zu einer Einmütigkeit zusammengeführt, wie wir sie noch nie erlebt Haben. Eine neue Lebensgemeinschaft umschließe alle, und das überquellende Gefühl der Zurückgebliebenen, denen es nicht vergönnt ist, für das Vaterland zu kämpfen, suche nach Betätigung. Es war etwas Wunderbares, wie es jeden geradezu wie eine Leidenschaft ergriff, etwas sür die Gesamtheit tun zu wollen. Jeder wollte Opfer bringen, selbst die Kinder wollten nicht zurückstehen. Was unsere Krieger da draußen an Hingabe und Aufopferung, an Heldentum jeder Art leisten, das können wir hier gar nicht ermessen. Ungeahnte Anlagen und Kräfte weckt der Krieg in ihnen und trügt sie zu Blüten. So Großes aber auch der'- Krieg zeitigt, wir sollen nicht vergessen, wieviel Not und Elend in seinem Gefolge sind. Und hüten sollen wir uns, in den Fehler unserer Feinde zu fallen, Gerechtigkeit und Wahrheit zu vergessen und eitler Selbstüberhebung zu frönen. Das Gute und Große anderer Völker zu erkennen und anzuerkennen, ist eine der schönsten Eigenschaften der Deutschen. Als dauernden Besitz sollen wir das neue Brudertum und unserem Volke die soziale Fürsorge, die unermüdliche'Hilfsbereitschaft hinübernehmen in friedliche Zeiten. In seiner letzten Wirkung muß der Krieg auch zum Frieden erziehen. Und wie sehr wir ihn auch ersehnen, bis wir ihn uns erzwungen, wollen wir durchhalten zum Ruhme, zum Heile unseres Vaterlandes. Herr Rosenbaum (Neue Dammtor-Shnagoge) trug alsdann die Arie aus „Elias" von Mendelssohn vor. Mit dem vom Chor vorgetragenen Psalm 62 von Hauptmann endeten die wohlgelungenen Darbietungen. J. A. Nürnberg, 29. Januar. Als ein weiteres Opfer des furchtbaren Krieges ist ein hervorragend tüchtiger Militärarzt, Herr Oberarzt d. R. im 14. Infanterieregiment Dr. Lorenz Lehmann, Sohn des Weinhändlers Karl Lehmann, Regensburg, zu beklagen, welcher am 12. Januar in Frankreich im Granatseuer den Tod fürs Vaterland fand. Dr. Lehmann war ein tüchtiger Operateur und hat vielen Verwundeten das Leben gerettet. Im furchtbarsten Kugelregen übte er seine schwere Pflicht aus und erhielt infolgedessen das Eiserne Kreuz als einer der ersten Militärärzte. Der Regimentskommandeur Herr Oberst Hierthes widmete dem Verblichenen folgende Worte ehrenvollen Gedenkens: „Ein Sanitätsoffizier von seltener Pflichttreue, größter Tapferkeit mti> Aufopferungsfreudigkeit, hat er sich die ganz besondere Hochschützung und Verehrung aller Angehörigen des Regiments zu erwerben gewußt. Niemals wird sein Andenken im Regiment erlöschen bei den Offizieren, die in ihm einen lieben Kameraden betrauern, so wenig wie bei den Mannschaften, die den treuestell Helfer in ihm verlieren." Ein tragisches Geschick hat es gefügt, daß fast zu gleicher Zeit der Vater des Herrn Dr. Lehmann, Herr Karl Lehmann, in München, den Tod fand, wo er Heilung von seinem Leider: suchte, wodurch dem Vater die Kunde von dem schweren Schicksalsschlag, der die Familie betroffen, erspart blieb. Eine gerne infame Traueranzeige kündete den zahlreichen Freunden der Familie das Hinscheiden von Vater und Sohn an. g/3 Fürth, 29. Januar. Obwohl in Bayern jederzeit jüdische Einjährige zu Reserveoffizieren qualifiziert und befördert wurden, so war es doch bemerkenswert, daß bei der vor kurzem erfolgten Beerdigung der Kaufmannsgattin Johanna Löwensohn in Fürth die drei Söhne als Hauptleute in Uniform an der Bahre der Mutter standen. Bei dem großen Ansehen, das die Herren als Kaufleute und als Landwehroffiziere genießen, war es nicht zu verwundern, daß sich auch zahlreiche Offiziere bei der Trauerbegleitung auf dem israelitischen Friedhofe einfanden. L. Mainz, 29. Januar. Die ersten bescheidenen Anfänge zur Begründung eines Museums für jüdische Altertümer in Mainz hat nun die hiesige israelitische Gemeinde gemacht, indem sie einen ihr von einem auswärtigen Gönner zur Verfügung gestellten prächtigen Prunkschrank dazu verwendet hat, um in ihm einen Teil der ihr gehörigen jüdischen Altertümer zu einer kleinen Ausstellung zu vereinigen. Der Schrank ist recht vorteilhaft im großen Sitzungssaale des Gemeindehauses an der Hauptsynagoge (Bonifaziusstraße) untergebracht. Neben kostbaren silbernen und goldenen antiken Kultusgeräten sieht man hier die altertümlichen gewaltigen Schlüssel von Mainzer Synagogen früherer Zeiten, uralte Verträge der israelitischen Gemeinde mit der kurfürstlichen, der französischen und der hessischen Regierung, hebräische Pergamentrollen, alte Siegel des Nabbinats usw. Das Prachtstück der ganzen Sammlung ist aber unstreitig eine alte „Pessach-Haggadah", ein Buch in Folioformat, das Gebete, Gesänge und Erzählungen für die beiden Osterabende enthält. Die Haggadah stammt von dem Großvater des früheren Kolonialdirektors Bernhard Dernburg, David Dernburg, aus der Zeit, da dieser erster Vorsitzender der Mainzer israelitischen Gemeinde gewesen ist. Sie wurde vor einigen Jahren von der Gemeinde erworben. Das Buch, auf Pergament geschrieben, ist mit einer großen Zahl der herrlichsten Bilder im Stile altholländischer Meister geschmückt; in ihnen werden der Auszug der Kinder Israels aus Aegypten, ihr Durchzug durch das Rote Meer, die zehn Plagen usw. in der naiven Weise des 16. Jahrhunderts dargestellt. Das kostbare Werk trügt auf der Innenseite des Teckels verschiedene Eintragungen der Familie Dernburg. Die israelitische Gemeinde besitzt auch eine Reihe goldgestickter und seidengewebter Thoravorhänge von hohem Werte, die aus dem frühen Mittelalter stammen; ein Teil davon gehörte der früheren Gemeinde Kastel. Mainz ist noch recht reich an jüdischen, geschichtlich wertvollen Altertümern. Die kleine Sammlung kann sich daher mit der Zeit zu emer recht stattlichen, ähnlich der Wormser, auswachsen. Dänemark. §2 Kopenhagen, 29. Januar. Laut Beschluß des großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation ist in Kopenhagen ein Bureau errichtet worden, das seit Ende Januar seine Tätigkeit begonnen hat. Mit der Leitung dieses Bureaus sind die Herren Tr. Tschlenow, Sokolow und Leo Motzkin betraut worden. Als eine im neutralen Anslande befindliche Institution! wird das Kopenhagener Bureau den Zusammenhang Zwischen sümt-! lichen zionistischen Landesverbänden aufrechterhalten und die Arbeit j in den Ländern, in denen sie infolge der kriegerischen Ereignisse! ruht, zu beleben suchen. In seinem soeben erlassenen Aufruf weist! das Kopenhagener Bureau des näheren auf diese Aufgaben hin. Die ■ Adresse des Bureaus lautet: Kopenhagener Bureau der zionistischen! Organisation, Kopenhagen, Vestergade Nr. 1. Grstrrrrich-Angarn. K. Wien, 28. Januar. Der Tochter des vor kurzem verstorbenen Komponisten Dr. Karl Gold in ark, Frau Marie Hegenbarth, ging! vor einigen Tagen folgendes Kondolenzschreiben vom Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh zu: „Anläßlich des Ablebens Ihres Herrn Vaters drängt es mich, in aufrichtigster Verehrung dem Gefühle der Trauer um den dahingeschiedenen großen Meister, dessen Geist