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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-11 · Heft 50 (11.12.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 50 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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78. Jahrgang Nr. 50 Berlin, 11. Dezember 1914 Allgemeine eiking des Judentums. Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wSchentllch. A bonnement s«pre'is; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere verrrtebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324:. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Kuäolk IVLosse» verUn» Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46^9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Die Chanuka lichter. Von Dr. Arthur Rosenthal, Ber- 9llljilll+ li,i. — Die Woche. — Ernst Lissauer. — Flüchtlingsbriefe. Von Helene Knoblauch. Kommunale Armenpflege und jüdische Almosenempfänger. Von Bureauvorsteher Nathan Cohn. — Kriegserinnerungen einer alten Frau. Von Regina Neißer. — Die Juden von Livorno. Von Margarete Manasse. — Das Alphabet im Lichte des Sohar. Von Albert Katz. — Feuilleton: Der neue Christ. Roman von Peter UjvLri. Uebersetzt von Rosa Trencsäni. — Schwur. Von Julius Bab. — Chanuka. Von'Ludwig^Geiger. — Büchereinlaus. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Fürstenberg a. Oder, Rakel, Hamburg, Elberfeld, Volkmarsen, Wiesbaden, Heidelberg, 's Gravenhage. — Von Nah und Fern. Die Ehanukalichler. Bon Dr. A r t h u r R v s e n t h a l, Berlin. 3 in Gegensatz zu anderen Bekenntnissen, die aus dem Schoße des Judentums hervorgegangen sind, hängen mit den Ereignissen der jüdischen Religion nicht nur geschichtliche Momente zusammen. Vielmehr ist es min - d e st en s so st ar k der Gedanke einer weit sich verzweigenden Ethik, die das Fundament bildet, auf dem sich jeder einzelne Stein des schönen jüdischen Religionsgebäudes schlicht und einfach erhebt. Denn das Judentum verkündet keine fatalistische Anschauung, wonach der Wille zum niederen Sklaven einer höheren Macht herabgedrückt wird. Dadurch schwindet alle Moral aus der Menschenseele, — und Moral ist es doch nur, die das göttliche Ebenbild des Menschen widerspiegelt. Wir brauchen nur die Lichter des Chanukafestes zu betrachten, und unsere Behauptung findet ihre klare Bestätigung. — Gewiß! Diese Lichter erinnern an die glorreiche Geschichte der Makkabäerhelden, die von Kampf zu Sie g, von Nacht zu Licht auf der Leiter des Schicksals emporstiegen. Doch je mehr wir die wunderbaren Charakterbilder dieser Männer vor unserem geistigen Auge entrollen, um so mehr gewinnen wir die Ueberzeugung, daß der Kamps der Makkabäer keinem Haschen nach Ruhm und eitler Verherrlichung ihres Namens galt, sondern der V e r s i t t l i ch u n g der jüdischen Idee geweiht war. Der Inhalt dieser Idee war die „Einweihung des Altars", der von feindlichen Besudlungen gereinigt wurde. Dieser Kampf lohnte sich, denn er wurde um des Friedens willen geführt. Dvum flackern die Lichtlein des Chanukafestes als Kerzen des Friedens. Alle Parteien des Judentums erfüllen die schöne Pflicht, mit diesem Lichterglanz ihres Hauses heilige Räume zu erhellen. Aber es scheint, als ob die Bekenner Israels oft nur rein äußerlich diese lieblichen Flämmlein entzünden, ohne ihren Schein auch in ihres Herzens Tiefen eindringen zu lassen. Bekanntlich stritten die Schammaiten und Hilleliten, die mit ihren Lehren das talmudische Altertum erleuchteter, über die Frage, wie das- Anzünden der Chanukalichter vor sich zu gehen habe: ob man am ersten Abend acht Lichter und an jedem anderen Abend eines weniger in ab st eigen der Reihenfolge entzünden solle, oder am e r st e n Abend e i n Licht usw., bis am achten Abend acht Lichtlein erstrahlen. Wir wissen, es wird nach der zweiten Ansicht verfahren, und das ist die Lehre Hillels, der anders als der s k l a v i s ch a m B u ch st a b e n k l e b c n d e Schammai das Gesetz sinnig vertieft. Wie wunderbar und den Kern des echten Judentums treffend ist dieser Vorgang! Aber, da alle Parteien im Judentum diesem frommen Brauche Folge leisten und während des Chanukafestes allabendlich ein Lichtlein m ehr dem Genossen des vergangenen Abends zugesellen, sollten auch alle wie der große Hillel dem Grundsatz huldigen: .In heiligen Dingen st e i g t man aufwärts und nicht abwärts!" Wie rein äußerlich wird bei der V e r f o l g u n g dieses Grundsatzes leider zu häufig verfahren! Licht bedeutet Fortschritt. Fortschritt ist Leben. Ohne Lebensfunke erstirbt jeder Gedanke. Und Religion ist der h ö ch st e aller Gedanken, denn damit bezeichnet man das Band, das die Menschen mit Gott verknüpft. Ihn zu suchen, ist unsere Pflicht, Doch er läßt sich nur finden, wenn wir nach Hillels Sittenlehre „in heiligen Dingen auswärts mnh nicht abwärts st e i g e n". Das Heiligste aber ist der F r i e d e, wie wir es in dieser schweren Zeit so recht tief und innig empfinden. Der Kampf für den Frieden — das ist der Grundton der jüdischen Religion. Darum dürfen wir nicht, wie es viele Bekenner des Judentums noch immer wollen, das Licht in aufsteigender Reihenfolge dazu benutzen, um mit der heller werdenden Flamme die Fackel eines unseligen Krieges im Lager Israels weiter zu entzünden. Es soll ein Kampf für die gerechte Sache, für einen gesunden Fortschritt sein, damit wir mit Freude den milden, friedlichen Strahl des zunehmenden Lichtes der Religion betrachten können. Die ungerechten Waffen nieder! Wir müssen aufwärts steigen in heiligen Dingen, vorwärts dringen, denn so will es der wahre Gei st der Makkabäerhelden. Und den geadelten Willen zum Judentum sklavisch zu unterdrücken, ist ein „Herabsinken in heiligen Dingen". Die Woche. Berlin, den 8. Dezember 1914. ie kriegerische Lage hat sich in der vergangenen Woche wenig geändert. Zu den schönen Erfolgen, von denen in der vorigen Uebersicht gesprochen werden konnte, sind keine neuen getreten, nur daß die Zahl der Gefangenen und

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