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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-04 · Heft 49 (4.12.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 49 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 daß alle jüdischen Vereine Gutes leisten, aber man könne nicht deswegen sie alle subventionieren. Er gibt die Erklärung ab, der Gen»ei»»devorstm»'d werde sich auf eine Erhöhung der Summe unter keinen Umständen einlassen. Den Standpunkt des Vorstandes teilt and) Herr £ s c a r L ö n> ende r >a-, während Herr Professor B l a s ch t e dara»lf hi»»-»veist, daß dieser Berlin eine Lücke ausfüllt und d>?r Gemeinde Kosten erspart, die sie sonst ans sich nehmen müßte. Herr Justizrat B r e s l n u e r betont den Standpunkt, daß die Wohltätigkeitsvereine sich immer selbst zu Helsen haben. Durch reichliche Subventionen werde nur die eigene Arbeit gehemmt. Mau könne auch keine Ausnahme machen, weil dann jeder Bernin die gleiche Ausnahmestellung beanspruchen würde. Nachdemi die Herren Lewinski und Pincns nochmals die Bewilligung weiterer 3000 Mark befürwortet hatten, wurde schließlich der Antrag, außer den 3000 Mark -dem Verein weitere 3O0O Mark zu bewilligen, in der Form angenommen, daß der Vorstand ersucht werden solle, die einmalige Zuwendung auf 6000 Dtark zu erhöhen. Schliießlich wurde die Subvention des Religions-Verein Westen pro 1914/15 von 12 000 Mark auf 13 5O0 Akark jährlich erhöht. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der noch eine geheime folgte. K. S. Berlin, 1. Dezember. Am 26. November sprach Herr Dr. E r u st E o h n - W i e n e r im Verein für jüdische Geschichte und Literatur über das ,.Judentum in der Kunst". Bei den anderen Völkern ist die Kunst die stärkste Energieform des Empfindens. Israels Empfindungen waren aber »»»ehr innerlich und setzten sich selten in Lebensformen um. Das Indenvolk war in der Geschichte immer »rd»r Amboß als Hammer. Weil nur wenige Kunstdeukmnler aus der Zeit vor der Zerstörung des jüdischen Staates vorhanden sind, läßt sich keine Eharakteristit der altjüdischen Knust geben, selbst nicht von dem Tempel Salomons trotz der genauen biblischen Beschreibung. Der Aufschwung der jüdiichett Knust unter Herodes war nur eine Nachwirkung griechisch-römischer Einflüsse, während früher Aegypten die Richtung angab. Deshalb aber kann man die jüdische Kunst nicht unfruchtbar nennen, denn über tausend Zähre hindurch steht die christliche Kunst, wie dies durch die moderne Forschung unwiderleglich dargetan ist, weit mehr unter jüdischen als unter den Einflüssen Italiens. Dies »vird recht deutlich durch die Katakombenfunde veranschaulicht. Zu einem großen Aufschwung gelaugte die jüdische Kunst in Spanien unter der Maureuherrschaft, lvo auch die Juden in der Wissenschaft hervorragten. Bon der Reuaissanee in Italien blieb die jüdische Kunst auch nicht unberührt. Altes und Neues vermittelnd. Nur aus dem Boden der Freiheit tonnte sich die jüdische Kunst recht entfalten in den lieblichen Verzierungen zu den religiösen Büchern, in den gottesdienstlichen Ballten und im Kunstgewerbe. Im Norden dagegen unter dem herben Truck der Ausnahmegesetze, in der dumpfen Luft des Ghetto, verschließt sich dem Inden die Welt des Schönen, er senkt die Augen, führt ein Innenleben, lvird ein grübelnder Denker. Wie kahl und schmllcklos sind dort die Synagogen in engen Gassen. Wo sollten in Deutschland und Polen jüdische Künstler Herkommen? Verwehrte ihnen doch die ständische Gliederung der Gesellschaft den Zutritt zu den Innungen des Knnstgewerbes. Reicht als Deutscher und Pole aalt der Jude, sondern nur als aus Widerruf geduldeter Fremdling. So erlosch für längere Zeit die Kunstarbeit bei den Juden. Als aber seit 125 Jahren die drückenden Bande allmählich fielen, begann alich die Wiedergeburt der jüdischen Kunst, die, wem» auch von der Umwelt mächtig angeregt, doch bei jedem Kulturvolk ihr eigentümliches Gepräge bewahrt. Wie in der jüdischen Literatur seit länger als tausend Jahren in Sephardim und Aschkenasim die merklichen Unterschiede des. jüdischen Geistes sich zeigen, so offenbaren sie sich auch in den Schöpfungen der zeitgenössischen jüdischen Künstler, wie bei Pissarv »mb Liebermann. — Ein dichtgedrängtes Publikum lauschte mit spannender Aufmerksamkeit den durch passende Lichtbilder veranschaulichten geiswollen Ausführungen des Redners. 3. Berlin, 1. Dezember. Der B e r e i n M ädche n h a u s P anto w hielt am Sonntag den 29. November im Heim von Frau Landgerichtsrat Loewe die ordentliche Mitgliederversammlung ab. Herr Iustizrat Makower begrüßte die Erschienenen und gedachte mit Worten dankbarer Erinnerung der im Berichtsjahre verblichenen Herren Direktor May und Revisor Karl Schiss. - In der Verwaltung hat sich im wesentlichen nicht viel geändert. Die Zahl der im Mädchenynns »veilenden Mädchen ist etwas heruntergegangen. Wegen der durch den Krieg bedingten unsicheren Verhältnisse »md der allgemeinen Erhöhung der Preise sind die Neuaufnahmen etwas beschränkt worbe»». Es befindet sich unter den Insassinnen auch ein aus Ostpreußen geflüchtetes Mädchen. Ans Sparsamkeitsrückfichten ist in diesem Jahre kein Jahresbericht herausgegeben worden. Die Zahl der Zöglinge betrug durchschnittlich 34 gegen 37 »rn Jahre 1913, zurzeit befinden sich 31 Mädchen irn Mädchenhans, darunter 10 schulpflichtige. Herr Iustizrat Makow-er bespricht dann das sogenannte „Wäschekonto", das er eine»» „wunden Punkt" nennt. Bekanntlich nimmt das Mädchenhaus z»l den üblichen Preisen auch Herrschaftswäsche zun» Waschen an. Vor zehn Jahren ergab sich ein Ueberschuß von zirka 1000 Mark aus diesem Konto. Diese Einnahmen haben sich allmählich ■immer mehr verringert, in diese»»»- Jahre sind nicht einmal die Selbstkosten für die Wäsche der Mädchen gedeckt »vorden; es besteht ei»» Fehlbetrag von 200 Mark. Es »nüßte eine Aenderung getroffen werden; »vas vor zehn Jahren »»»öglich »oar, dürfte auch heute unter denselben Verhältnissen »»»öglich sein. In der an diesen Punkt sich anknüpfenden Diskussion »verden verschiedene Vorschläge gemacht, den» Wäschekonto wieder emporzuhelfen. Herr Direktor G r u n Wald weist darau'f hin, daß »nan den kleinen Pankower Wäschereien keine Konkurrenz »»rachen dürfe, man »vürde auch sonst zur Zahlung von Gewerbesteuer herangezogen »verden. Es »vird beschlossen, daß der Vorstand sich dieser Angelegenheit in» Lommenden Jahr besonders annehmen solle. Herr Iustizrat Makower fährt in seinem Bericht fort: Es »vurden 10 Aussteller»» für abgehende Mädchen angefertigt und eine ganze Anzahl Kleider, Schürzen, Wäschestücke usw. Der Betrag der in Ver-! Wahrung »u»d Ver»valt»»ng genornrnenen Sparkassenbücher der Mädchen! betrug 5842 Mark. Bis zum 1. Oktober 1914 sind int ganzen in einem I Zeitra»»»n> von 20 Jahren 344 Zöglinge ausgenommen »vorden. In» > letzten Jahre sind 10 der Mädchen in Dienststellen eingetreten, im Hause verblieben am 1. Oktober 31 Mädchen. Prämien für einjährige Dienstzeit erhielten 5 Mädchen, für dreijährige Dienstzeit »vurden 7 Prämien verteilt. Bon den au» 1. April 1913 in Dienst getretener» 5 Mädchen sind 3, von den an» 1. Oktober 1913 in Dienst getretenen 7 Mädchen sind 2 auf der ersten Stelle ein Jahr oder länger geblieben. -- Der Schatzmeister Herr S e l i g s o h n gibt sodann den Rechnungsbericht. Tie jährliche»» Beiträge betrugen 8500 Mark, die ein»»».aliger» Beiträge 3700 Mark, die Ueberweisung der .einmaligen Beiträge z»»»»» eisernen Fonds war diesmal nicht »»»öglich. Die Gesamteinnahmen beliefe»» sich ans 16 000 Mark, de»»e»» 19 000 Mark Ausgaben gegenübcrstehe»». Der Fehlbetrag vor» 3000 Akark ist d»»rch Bankguthaben gedeckt. Die beantragte Entlastung »vird -erteilt. Aus den Treppenftnre»» soll Gas angelegt »verden, da bei der herrschenden Petroleum- »»ot das Brennen vor» Windlichtern z»» te»»er »vird. Ans Veranl-assnng von Herr»» Direktor Grunlvald »vird beschlossen, Kostenanschläge für Einrichtung von elektrische»»» Licht einzufordern. Es folgte»» sodann die Vorstandswahlen. Für den verstorbenen Herrn May »vird bis zum Abla»»f von dessen Amts-daner im Jahre 1917 Herr Albert Seligsohn ge»vählt. Die satzungsmäßig ausscheidenden Mitglieder, Herr Kormnerzi-enrat E i s »»e r und Herr Theodor P t n c u s , »verden wie der gewählt. Für de»» Revisor Herrn Schiff »vird Herr 'Rechtsanwalt S i u» o n , Sohn des Herr»» Justizrats Simon, neu ge»vählt. In» Anschluß an die Versammlung fa»»d die Verteilung von Prämien für längere Dienstzeit an frühere Zöglinge statt. g/s Berlin, 1. Tezernber. Dank den» a»»ßerordentlichen Entgegenkonvmen des Lagerko»n»r»andos in Ruhleben ist es den führenden Persönlichkeiten der „Freien Vereinigung" in Berlin gelungen, für die h» den» Lager zu Ruhleben sich befindenden jüdischen Gefangenen die Einrichtu»»g eines rituellen Mittagstisches durchzuführen. Nachdem an» Sonntag vor vierzehn Tagen bekannt geworde»» war, daß viele streng religiöse Glaubensgenossen in dem Lager vorhanden seien, war es zunächst bei de»»» starken Zrrsammenstrom von allen Seiten njcht »»»öglich, den Wünschen nach ritueller Kost nachzukommen. An» Mitt»voch voriger Woche wurde die Genehmigung erteilt, und es wurde»» alle Juden in eine Baracke zusammengelegt. Von Donnerstag voriger Woche an begann dann die Verpflegung, die sich auf etwa 170 Persone»» erstreckt. Das Essen »vird jeden Tag durch ein Auto ans der von der Frauengruppe der „Freien Vereinigung" begründeten jüdischen Speisehalle nach Ruhleben gebracht, »vo es von einer Dan»e des Hilfskomitees aus Spandau verteilt »vird. Berlin, 1. Dezember. Das Eiserne Kreuz erhielten: Gerichtsassessor Dr. K aa tz, Unteroffizier d. R., Hans T ietz, Prok»»rist der Firma Tietz »». Strauß, Gefreiter Alexander Pick, Stabsarzt d. R. Tr. Wilhelm Lobe r n h e i »n, Oberarzt d. R. Benno

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