Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1914)
- Date
- 1914-12-04
- Page
- Seite (587) (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-k87 - Die in Sammet und Silber gekleidete Rolle zitterte in den Händen des heiligen Mannes. Auf seinen Zügen lag ein eigentümliches Leuchten. Seine hagere Gestalt dehnte sich zu vernichtender, die Menge überragender Höhe. Und er hob die Thora hoch empor und rief in erschütterndem Tone, halb schluchzend, halb frohlockend, den Gläubigen zu: „Schema Jißroel, Adenaj Elojhenu, Adeuaj echad ")!" In zweihundert Herzen widerhallte der Glaubenssatz. Es widertönten brausend die beiden ersten Worte: „Schema Jißroel!" Die anderen erstarben auf den Lippen. Grausen, Entsetzen, Furcht und Schrecken lähmten die Gläubigen. Die wiegende wogende Menge war Plötzlich erstarrt, gleich einer zwischen Felsenklüften erfrorenen Lawine. Nur langsam, allmählich befrqzte sich die zu Stein gewordene Verzweiflung. Nach langen, qualvollen Minuten drang sie in gellenden, markerschütternden Lauten aus allen Kehlen hervor und klang dann in jammerndem Geheul aus. Die Mienen wurden verzerrt, totenbleich, die Augen starr, die Hände griffen in die Luft. Dann rannten die Leute aus den Ränken hinaus, zerstreuten und vereinigten sich immer wieder und drängten sich in wirrem Knäuel zur Bundeslade, um sich von dem haarsträubenden Vorfälle zu überzeugen: Aus den zitternden Händen Rebbe Reb Herscheles war die Thora zu Boden gefallen. Die Thora! Der Jahrtausende alte Ruhm des Judenvolkes, die Quelle seiner Leiden, die Ursache seiner Freuden, sein Glaube, seine Hoffnung, sein lebendiges Leben. Die Thora, welche es bis z-u den Sternen erhoben und bis an die Tore der Hölle geschleudert hat. Die es mit den: Lichte vermählt und der Finsternis als Beute hingeworfen hat. Die es zerstreut, zerstückelt hat und den in Millionen Stücke zerrissenen Körper dennoch zusammenhält. Um die Hunderte und Hunderttausende den Feuertod erlitten, um die Mütter ihre Säuglinge, Väter ihre Söhne geopfert haben - die Thora war zu Boden gefallen. Das harte, steife Pergament, welches das Judenvolk bald als Bettelrock, bald als Königsmantel umhüllt hat, welches ihm bald Krone, bald Dornenkranz gewesen ist, es fiel auf den Boden, auf den harten Steinboden. lFortsetzung folgt.) Während der Schlachten. Wir aber beten . . . Wie auf dem Horeb der, der flehend stand, Zn Gott emporgereckt die Segenshand. Heiß stritt sein Volk, vom Feinde wild umdroht. Und grauses Morden rings und grimmer Tod. Von seiner Stirn ein Leuchten ging ins Tal, Ein wundersamer Glanz, ein Himmelsstrahl. Welch ein Gebet! Die Lippe regt sich nicht . . . Inbrunst der Leib, Inbrunst das Angesicht. Und da der Herr dies stumme Flehen sah. Gab er den Sieg dem Streiter Josua. Doch sank der Arm hernieder matt und schwer, Dreinfuhr des Amalek blutgierig Heer, Und Schädel krachten unter der Aexte Wucht — Da wankte Israel, bereit zur Flucht. . . Der aber auf dem Felsen starrend stand. Aufreckt er immer wieder seine Hand Und schaut zu Täl und seine Seele fleht — Der zuckende Menschenleib wie ein Gebet. ") Höre Israel, der Ewige, unser Gvtt, ist der einzige Gott. Nun glänzt und leuchtet seine Stirne hell . . . Doch wieder sinkt die Hand . . . Aufschroit er gell. Und Aaron kam und Hur und sah'n ihn an Und stützten den müden Arm dem Gottesmann, Und reckten ihn empor, daß i h r e Kraft Von neuem seine milden Sehnen strafft. Sv fand sein stummes Fleh» den Himmelsweg - - ■ Da schlug der Herr den wilden Amalek. Wir aber beten . . . Wie Mose, da er aus dem Horeb stand. Zu Gott emporgereckt die Segenshand. Heiß streitet unser Volk, vom Feind umdrvht. Und grauses Morden rings und grimmer Tod. Wir aber beten . . . Nt a n u e l S ch n i tz c r. Sprechsasl. Naghkanizfa, den 16. November 1914. Löbliche Redaktion! Ich erlaube mir hiermit, höflichst zn ersuchen, in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes gefälligst die Mitteilung zn veröffentlichen, daß Oberrabbiner Tr. Eduard Neumann (Nagykauisza) namens des Präsidiums des ungarischen Landesrabbinerverbandes an die ungarischen Rabbiner ein Rundschreiben richtete, in dem er denselben in eindringlicher Weise ans Herz legt, dahin zn wirken, daß ihre Gemeinden sich an den Zeichnungen für die Kriegsanleihe mit patriotischer Opferwilligkeit beteiligen. In Hochachtung und Ergebenheit Tr. E. N e n m a n n. * N it r n b erg, den 24. November 1914. Die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth ersucht uns um Aufnahme nachstehender Richtigstellung. In einem kürzlich gehaltenen Bortrage „Religionsgeschichtliche Betrachtungen zum Kriege" behauptete Herr Rabbiner Tr. Frendenthal, daß der englische Schriftsteller Israel Zangwill, der den traurigen Versuch machte, die Sympathien der Inden in den neutralen Ländern für England und Rußland zu gewinnen, Zionist sei. Wir stellen demgegenüber fest, daß Zangwill dem Zionismus seit ungefähr zehn Jahren den Rücken gekehrt hat unb ihn seitdem aufs heftigste bekämpft. Das ist übrigens eine allgemein bekannte Tatsache. * In einigen Kreisen Groß-Berlins scheint man sich zur Beschaffung von Geldmitteln für die freie Liebestätigkeit durch „Wohltätigkeitsfeste" zn rüsten. Diese Zeitduldet keine Fe st e! Mahnt sie wie kein bisheriges Erleben in jedem Sinne zn Einkehr, Ernst und Verinnerlichung: so namentlich ans dein Gebiete der Fürsorge. Die Fürsorgearbeit wird sich der größten, der heiligsten Aufgaben, die ihr je gestellt wurden, mir dann würdig erweisen, wenn sie sich von jeder Veräußerlichung, von allem, was dem Ehrgeiz, der Eitelkeit, der Vergnügungssucht dient, freihält. An die Vorstände sämtlicher Organisationen der Armen- und Wohlfahrtspflege ergeht deshalb die dringende Bitte: Sorgt bei Beschaffung der erforderlichen Geldmittel für Ausschaltung von Veranstaltungen, die mit Tanz, Ausführungen, Darbietungen von üppigen Speisen und Getränken, Basaren,Tombolen usw. verbunden sind. Sorgt, daß diese Veranstaltungen ersetzt werden vor allem durch die unmittelbare Spende. Auch rednerische oder musikalische Vorträge, welche der Erbauung oder Belehrung dienen, sind dem Ernst der Zeit und der Aufgaben angemessen. Opserwilligkeit und Gebefreudigkeit haben sich in den letzten Monaten in erhebender Weise bewährt. Sie werden auch ferner nicht versagen, wenn es sich darum handelt, die Mittel zur Durchführung der Aufgaben der freien Liebestätigkeit zn beschaffen. Nach unserer Ueberzeugung bedarf 'es keiner künstlichen, wahrem Wohltun innerlich