Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1914)
- Date
- 1914-11-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 ü'tiuT Anspruch?, dir der mute Wiener Bürger -Slavf Moritz Mayer an den Bürgermeister Dr. Weistirchner richtete, führte er unter anderen: a:is. „Es ist der Anfang gemacht zur Rückkehr zn jenem System, das schon früher einmal bestanden, und das der Gemeinde nur zmn Nutze:: gereicht hat, das; nämlich a l l e Nt italieder des Gemeinderates, w et ch e r P a r t e i s i e a u ch a n o eh ö r e n, wieder herangezoaen werden, an den Geschäften der Gemeinde nntzuwirken. Das Wort" Goethes „Ich wittere Morgenluft" darf wohl hier anaewe::det werden." Tr. Weiskirchner schloß die freier mit den Worten: „Ich gebe der Erwartung Ausdruck, daß ans den Schlachtfeldern ein neues Lesterreich und neue glückliche Zeiten erblühen werden." Dies hoffen und erwarten wir alle. Von Mah und ffern, -.-i Uran Franko Minden, die Gattin des Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde Direktor Tr. G e o r g -Di i n - den, hat dem Berliner Magistrat bei: Betrag von 1 0 0 0 00 Dl a r f i'ibernnefen. Tie Snnnne soll zur Verteilung an solche Kriegsteilnehmer dienen, die infolge eines durch den Krieg entstandenen Augenleidens erwerbsunfähig oder über das Maß des von Staat und Ge- '.neinde zu Leistenden hinaus nnterstütznnasbedi'irstig lverden. - Tran o., die die Kriegsfürsoraestelle der j n d i s ch e u G e in eiud e in Schönebcrg leitet, berichtet: -vier gibt es besonders viele Rnssenfamilien zu unterstützen, dir von nirgendwoher Unterstützung betommen. Es sind das meist Künstler, Musiker, die in Eafös konzertierten, manche von ihnen sind schon lange Jahre in Berlin ansässig. Tie, die sonst in behaglichen Berhältnissen lebten, sind nun plötzlich brotlos. Auch viele Artisten und andere Künstler find dabei. der Synagoge der Gemeinde „Adas; Jisroet" in der Artilleriestraße lvnrde letzten Tonntag vom Rabbinerseminar zn Berlin eine Tranerfeier für den verstorbenen Dozenten des Seminars, Geheimen Negierungsrat Professor Dr. I a k v b B a r t h , veranstaltet. Dr. Ep pen stein hielt eine Gedächtnisrede, und nach ihm widn:ete Rabbiner Dr. W r e s ch u e r - Tamter den: Berstorbenen einen warmen Nachruf. Anschließend daran sprach der Nektar des Teminars, Tr. David H o f f u: a n n , das Tchlnßaebet. - Nach kurzen: Leiden verschied am 10. d. M. Geheimer Sanitätsrat Dr. Ludwig W o l s f in: 82. Jahre eines reich gesegneten Lebens. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung aus den: Friedhof in Weißensee statt. Aus Erone a. d. Br. wird uns geschrieben: Durch das an: 10. d. Bl. erfolgte Ableben des Beigeordneten und Ehren bürgers unserer Tladt Herrn Alexander Eohn hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Wir beklage:: m den: Heimgegangenen den Borsitzenden des Vorstandes, der länger als vier Jahrzehnte uuermüblich für das Wohl der Genreinde gewirkt und 'eine reichen Erfahrungen in den Dienst derselben gestellt hat. Wie uns aus Hamburg berichtet wird, ist der Rabbiner des Deinpelverbandes, -Herr Dr. Sonderling, seit einig?:: Wochen ins Held gezogen und waltet gegenwärtig in seiner Eigenschaft als Fetdrabbiner bei der deutschen Ostarmee seines Amtes. - An: 2. d. M. (10. Blarcheselstoan 5(>7H) konnte die Ehewra G e n: i l l u s (s h a s o d i u: in Deutz auf ihr 200jahriges Bestehen zurückblicken. Blit Rücksicht ans die schwere Zeit wurde von einer öffentlichen Feier abgesehen, dagegen hat eine synagogale freier mit Predigt an: is. d. Bl. in der Hilfs'hnagoge, Urbanstraße, stattgesnnden. - Ans Issum lRheinProvinz) wird geschrieben: Der Kaufmann Moritz Kränket von Blürlenbach hat fünf Sohne im Felde stehen. Davon ist einer bereits gefallen. Er wurde schwerverwnndet mit der Defillah in der Hand von: Schlachtfeld getragen. Ein zweiter ist ebenfalls verwundet. Bon den übrigen drei haben zwei bereits das Eiserne Kreuz erhalten. Der älteste von ihnen hat als Patrouille den Feind aufgespürt und ist dann, als Hornist Sturm blasend, den: Regiment bei einen: siegreich endigenden Angriff vorangegangen. Der jüngere hat seinen schwerverwnndelen Hanptnrann ans der Fenerlinie getragen und gerettet. Gewiß auch ein Rekord, auf den die Familie und das Judentum stolz sein dürfen. Tu: Frankfurt a. M. ist der Kansinan-n Mar Dann in: Alter von 70 Zähren gestorben und unter großer Beteiligung zu Grabe geleitet worden. Der Entschlafene:oar eine in jüdischen Kreisen sehr bekannte Persönlichkeit und hat sich nainentlieh um das Phitanthropin, in dem er selber 'eine Schuljahre verbrachte, als Schulrat und zuletzt als stellvertretender Vorsitzender sehr verdient geinacht. Nach der Grabrede van Rabbiner Dr. T e l i g m a u n brachte Direktor Dr. A d l e r in einem Nachruf in beredten Worten den- Dank zum Ausdruck, den die Schule dem verehrten Mitarbeiter schulde. Ferner spräche:: Vertreter des Vereins für gebrechliche und verwahrloste israelitische Kinder und der Loge zur aufgehenden Morgenröte. Aus den: Feldpostbriefe eines österreichischen Feldrabbiners geht hervor, daß in einer seither von österreichischen Truppen besetzten Stadt die Nüssen die dortigen, zun: Nach:nittagsgebete l>ersammelten Inden .erschossen und den Borbeter erhängt hatten. Der Brief besagt hierüber: „. . . . Tief ergreifend lvar es, als lvir am 2. Oktober, zwei Tage nach den: Bersöhnungsfeste, in einer russischen Stadt anlangten, wo die zum Nachmittagsaebete versammelt gewesenen Juden erschossen, der I Borbeter erhängt worden war. Die überlebenden Inden ersuchten :nich, wegen des rituellen Begräbnisses der Hingerichteten zn intervenieren, das von unserer Militärbehörde ohne weiteres bewilligt lvnrde." Ans Wien wird gemeldet: Mit Ezernvlvitz wurde am 18. d. Bst der allgemeine telegraphische Berkehr wieder ausgenommen. Flüchtlinge ans Tadagvra erzählen, daß dort eine ganze Reihe j:": d i s ch e r E i n- :o v h :: e r e r n: o r d e t und urehrere andere verletzt wurden. Frauen und zwölfjährige Mädchen lvnrden Vergelvaltigt. Fünfhundert russische Wagen führten die gesamte Habe der Bevölkerung fort. Fräulein Dr. G a r o l a H e r z s e l d, die bis nun als Assistentin bei einem Budapester Universitätsprofessor als Angenspezialistin arbeitete, wurde mit der Leitung der Augeukrankenabteilnng des Budapester Honvedspitals betraut. Als Assistenten stehe:: ihr zwei Aerzte zur Seite. -- In Florenz starb der in Pisa au: 20. Februar 188r, . geborene Alessandro D'Ancona, einer der gründlichsten Kenner und Förderer der italienischen Literatnrgeschichtsschreibnng. Er hat zahlreiche Werke ans diesen: Gebiete versaßt und alle in rein . italienisch-nationalem Sinne geschrieben. Ein bedeutender Forscher 1 ist mit ihm dahingegangeu. Ans dem israelitischen Friedhof seiner Vaterstadt Pisa :vnrde er unter großen Ehrungen zur letzten Ruhe geleitet. - Wie englisch-jüdische Zeitungen melden, beträgt die Anzahl der Inden der in Frankreich stehenden englischen Armee etwa 19 000 Mann. Es :vird versichert, daß 2.7 Prozent der englisch-jüdischen Soldaten auf den Schlachtfeldern von St. Quentin, an der Oise und in Belgien gefallen sind. Das englische stehende Heer zählt zwei jüdißhe Generale, acht Obersten und 149 sonstige jüdische Offiziere. In der Territorialarmee befinden sich annähernd 00 000 Inden. - Die Londoner jüdische Bevölkerung und Ge:neindeverwaltn::g bieten alles auf, n:n für die zahllosen jüdischen Flüchtlinge aus Belgien, denen es an: Nötigsten fehlt, zn sorgen. Lord Rothschild hat vorerst 000 000 Mark zur Linderung der ersten Not gespendet. Da die vorhandenen Herbergen und Asyle sich als weitaus zu klein crloiesen, sind große Gebäulichkeiten als Obdach für die Flüchtlinge heraerichtet worden, wo sie auch verpflegt werden. Es ist rührend! zu sehen, lvie auch die ärinsten Inden ans den: East-End sich an den: Liebeswerk beteiligen. Das Elend ist unsagbar groß. Die Karäer i in Rußland zählen, wie Dr. S. Weiszenberg lElisabethgrads in der; „Zeitschrift für Statistik der Inden" schreibt, nur noch etwa 10 000 . Seelen. Da die Zunahme nicht groß ist, vielmehr eine Verminderung : der Seelenzahl von Jahr zn Jahr zn konstatieren ist, so ist der Unter-! gang der Karäer ein nicht ganz ferner, falls nicht Maßnahmen gei troffen werden, die eineu: neue:: Aufblühen dieses Bölkchens förder-! lich sein könnten. - Seit Anfang November erscheint in New Bvrk unter der Redaktion des bekannten jiddischen Publizisten Hermann Bernstein eine neue jiddische Tageszeitung „Der Tag". Unter den Mitarbeitern der neuen Zeitung befindet sich auch eine Anzahl bekannter Zionisten, wie Dr. I. L. Magnes und Louis D. Brandeis. „Der Tag" wird allwöchentlich ein englisches Beiblatt heransgeben, das insbesondere den Bedürfnissen der Jugend angepaßt sein wird.; In New Port gibt es rituell und ::icht rituell geleitete i jüdische Krankenhäuser. Das älteste der rituell geführten Krankenj Häuser liegt ni: Ostend und heißt B e i s - I i s r v e l - H o s p i t a t. In:! jüngst abgelaufenen Jahr 5674 wurden in diese::: Krankenhaus 2000! Kranke an 40 000 Togen verpfleg! und in seiner Poliklinik et:va 100 000 | Personen behandelt. Die Ausgaben betrugen über 140 000 Dollar. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin - Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Reukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.