Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1914)
- Date
- 1914-10-09
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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m — Das „Prager Tagblatt" brachte vor einigeil Tagen die Abbildung eines jüdischen Gebetbuches, das seinen Inhaber, einen jüdischen Soldaten, vor sicherem Tode bewahrte. Der betreffende jüdische Soldat erhielt vor seinem Abmarsch auf den Kriegsschauplatz von seiner Gattin ein festgebundenes kleines Gebetbuch mit, das er in seiner Brusttasche trug. In einem Gefecht traf ihn eine feindliche Kugel, die aber im Gebetbuch stecken blieb und so seinen Eigentümer vorn Tode rettete. -- Unter den Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina befindet sich auch der Wunderrabbi von Sadagora. Derselbe „residiert" gegenwärtig ill Wien, wo er in einem vornehmen Hotel den ganzen ersten Trakt für sich und seine Begleitung bezog. Daselbst richtete er auch seine „Schul" (Gotteshaus) ein, wo am letzten Feiertag in althergebrachter Weise gebetet wurde. Auch au den üblichen Empfängen von Ehassidim fehlt es dem Rabbi in Oesterreichs Metropole nicht. Die ill Wien stark kolportierte Prophezeiung des Rabbi von Sadagora, daß mit dem letzten „Schofar"ton der Krieg beendet werde, traf nicht ein. - Baron v. Fore s , der Adoptivsohn des verstorbenen Baron 9.U oritz v. Hirs ch, der in London ansässig und ill Mähren begütert ist, überwies der Statthalterei ill Brünn eine hohe Summe für die diversen Aktionen der Brünner Stadtgemeinde. In seinem Schreibell an die mährische Statthalterei betont er, daß er diese Summe spende, obgleich er englischer Staatsbürger und Mitglied des englischen Unterhauses sei. Von Sah unst jfrrn. - G e h e i nt e r R e g i e r u n g s r a t P r o f. D r. H e r ul a n n Eohen wird irn kommenden Wintersemester an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Borlesungen über „Kant und seine Bedeutung für die deutsche Kultur" halten. Zeit llnd Ort der Vorlesungen werden noch bekanntgemacht. - Ter Rationalstistung für die Hinterbliebenen der int Kriege Gefallenen lind unter anderem vont Geheinten Kommerzienrat Eduard A r n h o l d 25 000 Mark überwiesen worden. -- Ter Lissae r H i l f s - v e r e in zu Be r l i ll hat aus den Ersparnisseil früherer Zeit 1500 Mark dem Roten Kreuz zu Berlin und 1500 Mark der Stadtgemeinde zu Lissa überwiesen, diese Summe zur Unterstützung von Frauen und Kindern der zur Fahne einberufenen Mannschaften ohne Ullterschied der Religion und Parteistellung. Es ist ferner beschlossen worden, den in Groß-Berlin wohnenden Landwehrsrauen, die selbst oder deren Männer in Lissa geboren sind bzw. deren Eltern der Stadtgemeinde zu Lissa angehört haben, vom l. Oktober ab einen lnonatlichen Zuschuß zu zahlen. - Die Mitglieder des Ostrowoer Hilfsvereins zu Berlin haben in ihrer Generalversammlung einstimmig beschlossen, dem jüdischen Frauenverein 1000 Mark sowie durch die Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins denl Roien Kreuz uild dem Magistrat der Stadt Ostrowo je 500 Mark für die bedürftigen Familien eingezogcner Wehrmänuer ans Ostrowo zu überweisen. - - Voll beit in Kölligsberg lebenden russischen Inden haben sich 32 junge Leute als Kriegsfreiwillige zum deutschen Militärdienst gemeldet und sind auch angenommen worden. - III Stargard ill Pommern trafen vor den Feiertagen 6500 rlissische Kriegsgefangene ein, unter denen sich 240 jüdische befanden. Der'Vorstand der Spnagogengemeillde veranstaltete für sie am 1. Feiertage eilten Nachmittagsgottesdienst, bei dem Herr Rabb. Dr. Silb er stein eine ergreifende Ansprache hielt. - - Ohrenarzt Dr. Emanuel Eckstein ans Königshütte hat das Eiserne Kreuz am schwarzweißen Bande erhalten, weil er am 23. August einen verlvundeten Oberst bei Los Balles als Freiwilliger aus der vorderen Feuerlinie geholt hat. - Aus Strelno wird uns geschrieben: Herr Hermann Eohu und seine Gattin begingen am 10. vorigen Monats das 'Fest ihrer goldenen Hochzeit. Beide Eheleute sind geistig und körperlich sehr rege. Seitens der Gemeinde und auch von auswärts wurden dem Jubelpaare große Ehrungen erlviesen. Der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Schneidemühl widmendem am Id. September in Frankreich gefabenen Stabs- und Regimentsarzt im Infanterieregiment 40, Dr. E m i l M i s l o w i tz e r, folgenden Nachruf: 18 Jahre hindurch hat der allzu früh Verewigte als Vorsteher unseres Repräsentanten koltegiums seine reichen Fähigkeiten, verbunden mit untadeliger Lauterfeit de-? EhlNalters und warmherziger Menschenliebe, den Interessen j unserer Gemeinde gewidmet und ans allen Gebieten des Gemeinde-! lebens mit unermüdlicher Hingabe vorbildlich gewirkt. Die nnauslöschi liche Dankbarkeit der Gemeinde, deren Stolz und Zierde er war, bleibt ihm über das Grab hinaus! Ehre dem Andenken des vortrefflichen Mannes! -- Tie verschiedenen jüdischen Vereinigungen in Kottlius haben bis jetzt 1500 Mark für die Kriegswohlfahrt gestiftet. - - Aus Würzburg wird uns geschrieben: Kürzlich ging eine Mitteilung durch die Presse, daß der älteste Leutnant unseres Heeres Herr Ludwig Stern aus Aachen sei, der 63 Jahre zähle. Der Altersrekord dürste indessen von dem 64jährigen Emanuel G o l d s ch m i d t aus Würzbnrg gehalten werden, der schon den Krieg von 1870 mitgemacht, das Eiserne Kreuz erworben und nun bei Ansbruch des Krieges sich freiwillig zum Dienst gemeldet hat. Er steht zurzeit bei einem bayerischen Landsturmbataillon in Saargemünd im Felde. — Am jüdischen Lehrerseminar zu Köln fand unter Vorsitz des Königlichen Provinzialschulrats Volk m e r für diejenigen Schüler des oberen Kurses, die entweder schon eingezogen sind oder sich als Kriegsfreiwillige gestellt haben und als militärtauglich befunden worden sind, die Notentlassnngsprüfnng statt. Von 11 Zöglingen nahmen 9 an ihr teil, die alle mit gutem Erfolg bestanden. --- Die Syuagogenge - nt einde D e t m old überwies dem Roten Kreuz (neben einer Spende des jüdischen Wohltätigkeitsvereius und zahlreichen Einzelgaben von Gemeindemitgliedern) den Betrag von 500 Mark zu Unterstütznngszwecken. - Aus Zwesten, Bez. Cassel, wird uns geschrieben: Bon der hier wohnenden Witwe H i r s ch b e r g sind sämti liche sieben Söhne zu den Waffen einberufen. Bier stehen! bei der Infanterie, je einer bei der Marine, den Dragonern und dem Train. - Das E i se r n e K r e n z erhielt der Oberleutnant Dr. Leo L ö w e n st e i u aus Aachen. Herr Dr. Löwenstein, der sich durch feine Erfindungen auf dem Gebiete der Elektrotechnik einen Namen gemacht, ist dem Oberkommando des VI. Armeekorps attachiert. Unter den im gegenwärtigen Kriege zuerst mit dem Eisernen Kreuze Ausgezeichneten, und zwar für bewiesene Tapferkeit bei der Erstürmung der Festung Lüttich, befindet sich auch unser Glaubensgenosse, der Einjährig-Freiwillige Musketier Blum von Ler 9.. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 83, Sohn des Kaufmanns Elias Blum aus Frankenau, Kreis Frankenberg, Bezirk Kassel. - - Das israelitische Waisenhaus in Mannheim stellte der Stadtl gemeinde für Hinterbliebene gefallener Krieger 5000 Mark zur Berj fügung. Ferner lverden zwölf Kinder ohne Unterschied der Konfession! während der Dauer des Krieges im Waisenhaus gespeist. Das Jsolier-! zimmer lvurde dem Roten Kreuz für sechs Rekonvaleszenten zur Ber-! fügung gestellt. - Der bekannte Prager Schriftsteller Egon Erwin - Kisch, ein Jude, der als Reservekorporal im Infanterieregiment Nr. 1! im Felde steht, hat ein Diplom erhalten, in dein ihm Armeekommcm-! dank General der Infanterie Liborius Frank für „tapferes, j mutiges und beispielgebendes Verhalten vor dem Feinde" die belobende Anerkennung ansspricht. — Die österreichischen Burschenschaften haben in ihrer jüngst in Marburg abi gehaltenen Versammlung den Beschluß gefaßt, von nun an auch die ' Studenten israelitischen Glaubens in den Verband der Burschenschaften nufzunehmeu und sie als satissattionsfähig zu betrachten. — Das „Bndap. Tagbl." schreibt: Vom galizischen Kriegsschauplätze kommt die Nachricht von dem Tode des Budapester Advokaten Dr. j Ludwig D ö m e n h , eines der ersten Zionistenführer Ungarns. Dr. j Dömenh stand im 35. Jahre und diente als Leutnant des Landsturms. Er war als guter Organisator und Redner bekannt und hat seinen Ideen mit Hingebung gedient. - Ans Sofia wird geschrieben: Anläßlich der Abreise des bisherigen bulgarischen Großrabbiners Dr. Ehrent preis auf seinen neuen Posten nach Stockholm sandte die bulgarische Königin ihren Privatsekretär zürn Großrabbiner, um ihm und seiner Familie die besten Wünsche für die Reise zu überbriugen und Dr. Ehrenpreis ein Porträt der Königin zu überreichen. Der König betraute den Hvsmarschall General Salvof mit der Mission, dem Oberrabbiner die Insignien des Zivilverdienstordens zweiter Klasse zu übermitteln und ihm die besten Wünsche des Königs zu überbringen. - T a n s e n de v o n I u d e n mit großen Mitteln wollten in New Ljork ein Regiment Freiwilliger zur Hilfe Deutschlands gegen Rußland senden, in Erinnerung an alles, was die Inden dort litten, ans Dankbarkeit gegen Oesterreich und Deutschland. Es wurde aber verboten, da die Bürger dadurch die Neutralität verletzen würden. Verantwortlicher Redakleur: Albert Katz in Berlin«Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudols Masse in Berlin.