Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1914)
- Date
- 1914-10-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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fk'inctTii Hultuyociiu'iiiben in Ungarn ihre Ausgabe, die sie auf sich nahmein noch ehe sie von diesem Uebereinkomm-en Kenntnis erlangt hatten. Dänemark. - .Kopenhagen, 2-3. September. Seit Anfang August strömte aus Deutschland eine große Anzahl russischer Glaubensgenossen hierher, die an den deutschen Kurplätzen weilten und über Dänemark nach Rußland zurückreisen wollen. Die dänische Regierung, die sich in der denkbar wohlwollendsten Weise der Flüchtlinge annahm, erklärte sich jedoch außerstande, sie vorläufig nach Rußland zurückzuerpedieren. Als nun am 6. August mit einem von der deutschen Regiernng zur Verfügung gestellten Extrazug die russische Kaiserin- Witwe hier eintraf, um über Schweden nach Petersburg zu reisen, wandte sich die jüdische Gemeinde an den hiesigen russischen Gesandten mit der Bitte, zu gestatten, daß ein Teil unserer Glaubensgenossen den kaiserlichen Extrazug mitbenuhe. Zur großen lleberraschung der hiesigen Kreise wurde dem Gesuche stattgegeben und die Kaiserin- Witwe trat ihre Reise in Begleitung von 500 „lieben Juden" an. Wozu man sich in schweren Zeiten nicht alles entschließt! Von Msh und fnu Ter B e r lag des „B e r l i n e r T a g e b l a t t s" Rudolf ih' v f s e hat (Ulf seine Kosten nach denn Westen einen Autonwbiltrausporl abgeheu lassen, der zahlreiche vom Berlage angeschaffte Liebesgaben zur Verteilung an die Truppen mit sich führt. Der Transport enthält Strümpfe, Lakeil, Fußlappen, Leibbinden, wollene Westen, wollene Tücher, Pulswärmer, Zigarren, Zigaretten und Schokolade. — Der frühere Präsident der Berliner Handelskammer, Wirklicher Geheimer Rat Wilhelm Herz, ist am 28. September im 92. Lebensjahr verschieden. Die Trauerfeier findet Donnerstag vormittag 31 llhr int Trauerhause Torotheeltstraße 2 statt. Anschließend au die Trauerfeier die Beisetzung in der Familiengruft auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Dem Berliner Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel, der als Bizefeldwebel der R'eserve bei einem Infanterieregiment au den Kämpfen im Westen um die Maas Übergänge in der Armee des Kronprinzen teilgenommen hat, ist für besondere Tapferkeit das Eiserne Kreuz verliehen worden. Rechtsanwalt Tr. Apfel ist Vorsitzender des Verband's der jüdischen Jugeudvereine Deutschlands. - Das Eiserne Kreuz wegen Tapferkeit vor dem Feinde erhielt ferner Leutnant der Reserve Bernhard Weiß, Sohn des Herrn Max Weiß, in Firma Weiß u. Kaphan. - Herr Rentier Hermann Wolffheim in Königsberg i. Pr. erhielt für seine Verdienste als Vorsitzender des Vereins zur Fürsorge für Lungenkranke jüngst den Roten Adlerorden vierter Klasse. Herr Wolffheim bekleidet verschiedene Ehrenämter in Stadt und Geureiu.de. - Die Breslauer Synagogengemeinde zeichnete aus ihrem Stiftungsvermögen 8 50 000 Mark für die Kriegsanleihe. - -Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse ist dem Reservisten Georg"G u t t e n - tag s2. Komp. 11. Res.-Regt.), Sohn, der Witwe Frau Ottilie Gnttentag ans Glatz, für bewiesene Tapferkeit vor dem Feinde verliehen worden. Zum Feldgeistlichen für die israelitischen Soldaten der bayerischen Armee ist vom daher i schell Kriegsmunsterium der Rabbiner Tr. Leo Baerwald, Rabbinatssnbstitut in München, ernannt worden, der sich bereits ins Feld begeben hat. — Ans Nürnberg wird uns gemeldet: Der Einjährig-Gefreite Zn lens G r a f vom hiesigen 8. Feldart.-Regt., Sohn des Herrn Kaufmann Adolf Graf, Theresienstraße 7, hat wegen Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten und ist sofort zum Unteroffizier befördert worden. Auch Herr Kunstmaler Benno Bern eis, ein Fürth-er Kind, der bei einer bayerischen Trainabteilung im Felde steht, ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Das Eiserne Kreuz lveaen Tapferkeit vor dem Feinde erhielten ferner: Bizewachtmeister Jos. Hesselberg er vom 1. bayerischen Ehevlunleger-Regiment und Bizewachtmeister Leo Mohr. -- Eine tapfere Tat führte der Infanterist Ludwig Alexander aus Landau i. Pf. aus. Bei einem hitzigen Gefecht geriet er in französische Gefangenschaft. Plötzlich packte ihn der Zorn; er entriß dem französischen Posten das Gelvehr, schlug es ihm um die Ohreu und gelaugte trotz der ihm nachgesaudten Kugeln bei den Seinigeu wieder an. Er wurde dafür zum Gefreiten befördert und erhielt die goldene Tapserkeitsmedaille. — Zu Anfang vorigen Monats wurde in Kitzingen eine israelitische Schule neu errichtet, an welcher drei Lehrkräfte, zwei Lehrer und eine Lehrerin, wirken. — Aus Paderborn wird uns geschrieben: Die hiesige Synagogengenleinde hat 1500 Mark, der hiesige jüdische Frauenverein 500 Mark, die jüdische Gesellschaft Casino 300 Mark und der jüdische Kegelklub 170 Mark für das Rote Kreuz gestiftet. — Tie I ü d i s ch e Ge tue inde in Brakel hat für das Rote Kreuz 1925 Mark aufgebracht. — Für das Rote Kreuz stiftete die Synagogengemeinde Bonn 2000 Mark, Geh. Kommerzienrat Hämin er schm i dt 10 000 Mark. — Aus Wesel wird berichtet: Der hiesige jüdische F r a u e n v e r e i n spendete für das Rote Kreuz 300 Mark, für den Vaterländischen Frauenverein 200 Mark, der j ü d i s ch e I ü n g l i n g s v e r e i n als erste Rate für die Familien der im Felde stehenden Krieger unserer Stadl 50 Mark. Ter H i l f s v e r e i n E s r a ß K s u s i m (Sitz Bocholt) überwies dem Roten Kreuz 1000 Mark und bewilligte 5000 Mark für bedürftige Familien unserer Krieger innerhalb seines Bezirkes. — Der Reservist Joseph Levi aus Frankfurt a. M., der seinen Hauptmann im stärksten Feuer aus der Linie trug, wurde zum Gefreiten befördert und für das Eiserne Kreuz vorgeschlagen.. Das Eiserne Kreuz für besondere Tapferkeit vor dem Feinde erhielt der hiesige Rechtsanwalt Dr. Lucian Kahn, Reserveoffizier im 10. bayerischen Infanterieregiment. -- Staatsanwalt Ludwig Weil- Gutmnnn aus Stuttgart ist ans dem französischen Kriegsschauplätze im Alter von 35 Jahren gefallen. Er wurde kürzlich auf dem Friedhofe in Stuttgart unter militärischem Ehrengeleite beerdigt, wobei Kirchenrat Tr. Kroner einen ergreifenden Nachruf hielt. — Der V erei u i s r a c I i t i s ch e r Lehrer i n W ü rt tember g gewährt den Familien aller im Felde stehenden Mitglieder ohne Rücksicht auf Bedürftigkeit eine Beihilfe, erläßt diesen Mitgliedern den Jahresbeitrag für 1914 und überweist aus der Vereinskasse einen Betrag dem Noten Kreitz. - - S. M. Kaiser Franz Jos -e f hat Herrn Rabbiner Dr. Ludwig Levy in Brünn zum Mitglied des mährischen Landesschulrats, der obersten Schulbehörde, die dem preußischen Provinzialschulkollegium entspricht, ernannt. — Der Asylver - ein in M er an hat sein „Genesungsheim" dem Staate zur Unterbringung von 100 Verwundeten zur Verfügung gestellt. Infolgedessen können im Vereinsjahre 1914/15 anderweitige Kranke ins Genesungsheim nicht aufgelwmmen werden. — Unter den gefallenen Offizieren in Oesterreich befinden sich, soweit bekannt, folgende Juden:, Leutnant Tr. David Hescheles, Advokat in Lemberg; Leutnant Friedrich Naubitfchek aus Kuttenberg; Leutnant Hugo Sulc aus Auwal: Leutnant Leo Klein aus Prag: Leutnant Oskar Singer und Kadett Kurt Hofsmann aus Wien. Ueberdies ist der Großindustrielle, Leutnant Egon Goldschmidt, bei Ausführung eines Befehls einem Automobilnnfall erlegen. — Baronesse Joses Hatvanh in Budapest ermöglichte es durch eine enorme Spende, daß eine Riesenwerkstätte den Zurückgebliebenen der in den Krieg gezogenen Beschäftigung und dadurch Brot gebe. Tausende Hände arbeiten emsig an der Ausrüstung der Spitäler, die -von dieser jüdischen Frau gestiftet wurden. Weist de Coepel errichtete eine Volksküche, in der alltäglich 1000 Familienangehörige von Soldaten auf seine Kosten gespeist lverden, und mietete außerdem eilt Sanatorium, in dem 40 Offiziere Heilung und Linderung finden sotten. — Die Mitteilung, daß der Präsident der Lemberger Advokatenkammer, Landtagsabgeordneter Tr. Tobias Aschkenasy, in der Schlacht gefallen sei, hat sich erfreulicherweise nicht bestätigt. Wie wir von verläßlicher Seite erfahren, befindet sich Herr Dr. Aschkenasy wohl und sind von ihm erst vor wenigen Tagen nach Wien befriedigende Nachrichten eingetroffen. — Bei St. Die starb den Heldentod für sein Vaterland Feldprediger Abraham Bloch, Großrabbiner von Lyon. --- Die Negierung des Staates Nelv Bork hat die Erlaubnis zur Gründung einer Jüdischen Farmerbank gegeben. Damit ist zum erstenmal eine jüdische landwirtschaftliche Bank gegründet worden. Die Bank dürfte für die Entwicklung des jüdischen Landwirtstandes in Amerika von größter Bedeutung sein. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Floraftraße 58. Berantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahr.»! and er, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin.