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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-25 · Heft 39 (25.9.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 39 (25.9.1914)
Date
1914-09-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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suchend, von ihm Hilfe hoffend. Diese Hoffnung darf nicht getäuscht werden. Wer flüchten mußte in des Krieges Not, der leidet im Interesse der Gesamtheit, und Pflicht der Gesamtheit ist es, ihm zu helfen. Es ergeht an die Bürger Oesterreich-Ungarns der Ruf: Lasset in werktätiger Hilfe für eure Mitbürger, die, vom Feinde bedrängt, geflüchtet sind, dieselbe Solidarität aller Völker, aller Glaubensbekenntnisse, aller Stände zum Ausdruck kommen-, -der -in dieser schweren Zeit die herrliche, kriegerische Begeisterung von Volk und Heer entsprang." Ergänzend sei bemerkt, daß die meisten Flüchtlinge Inden sind, und der größte Teil unter ihnen, die auch in Friedenszeiten mit bitterster Not zu kämpfen haben, in größter Armut lebt. Zudem wollen sie, die rituell leben, während der Feiertage in solchen Gemeinden nntergebracht werden, wo israelitische Kultusgemeinden bestehen, und wo sich ihnen die Möglichkeit bietet, ihren religiösen Bedürfnissen zn befriedigen. Diesen Aermsten der Armen wendet sich jetzt das Mitgefühl der gesamten Monarchie zu, ohne Unterschied der Religion und Konfession, der übrigens seit Ausbruch des Krieges nirgends hervortritt. — Die amtliche „Kronen-Zeitung" vom 13. d. M. brachte das Bild des Jakob Lunzer, der vor kurzem das hundertste Lebensjahr vollendet hatte. Lunzer hat an unseren Kaiser folgendes Telegramm abgesendet: „Ein im hundertsten Lebensjahre stehender Greis betet inbrünstig fürs lange Leben Sr. Majestät und den Sieg seiner Waffen." Rach einigen Tagen kamen dem Hundertjährigen von der Kaiserlichen Kabinettskanzlei ein Dankschreiben und eine namhafte Geldspende zu. Von Kah und Fern. - - Die Iüdi s che Ge m einde zu B e r l i n hat aus Stift tnngsgeldern zwei Millionen Mark der Kriegsanleihe gezeichnet. — Der Deutsch-israelitische Geme in d e b u n d hat aus dem Vermögen seiner Stiftungen 250 000 Mark deutscher Kriegsanleihe gezeichnet. — Der Vorsitzende des Vereins für Kindervolksküchen und Volkskinderhorte, Herr H e r mann Ab r ah am , erhielt folgendes Telegramm: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben mich beauftragt, dem Verein für Kindervolksküchen und- VoUskinderhorte herzlich zu danken für seine erfolgreichen Arbeiten zur Linderung der Not unter den Kindern der Armen Berlins, gez, Spttzemberg. — D e r Schweriner Hilfsv-erein zu B >e r ITn 'hatin einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen, 10 000 Mark in 3^prozentigen Staatspapieren für Kriegsunterstützungen zu ' bewilligen, und zwar für -den Nationalen'Francndienst 4000 Mark, für die Hinterbliebenen .der Kriegsgefallenen 3000 Mark, für die Arbeitslosenfürsorge in Groß-Berlin 2000 Mark und dein Magij strat der Vaterstadt Schwerin (Warthe) für die durch den Krieg! in Not Geratenen 1000 Mark. -- Tie Feier ihres fünfzigjährigen! Bestehens hätte die Berliner Firma Albert N o s e n h a i n in! der Leipziger Straße am 6. dieses Monats begehen können. Sie. j hat das Jubiläum auf die Zeit nach dem Krieg?- '^7^ gd, .n wird auch die Festschrift erschein^:«, die in der Darstellung der fünfzigjäbriae^.l mllwicklnug des Hauses Nosenhain zugleich ein ~1;uu Geschichte Berlins und seines Handels bieten wird. Ferner soll dann eine zugunsten des Personals geplante Stiftung ins Leben treten. — Geh. Sanitäsrat Prof. Dr. Alb er t Fraenket, Direktor der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses am Urban, ist vom Vorstand des Vereins für innere Medizin und Kinderheitknnde beauftragt, die diesjährige Lehden-Vorlesung zu halten. -- Dem Assistenzarzt im 3. Bayerischen Armeekorps, Dr. Max Kürschner (München-Berlin), der im Westen steht, ist das Eiserne Kreuz verliehen worden.--AnsHohensalza wird uns geschrieben-. Die hiesige Shnagogengemeinde bewilligte für das Rote Kreuz, Zweigverein Hohensalza, 530 Mark. Außerdem hat der hiesige jüdische Jngendverein sein Sparkassenbuch über 290 Mark für das Rote Kreuz gespendet. Ferner hat der israelitische Franenverein außer einem bewilligten Betrag für Sanitütszwecke als Liebesgabe für die im Felde stehenden Soldaten des 140. Infanterieregiments den Betrag von 300 Mark beigestenert. Das Erna-Levy-Ferienerholungsheim hat der hiesige jüdische Franenverein der Militärbehörde als Lazarett zur Verfügung gestellt. - Der Hamburger I s r -a e l i t i s ch e T e m pel - v er band bewilligte gleich nach der Kriegserklärung als erste Rate 3000 Mark, welche zu gleichen Teilen dem Roten Kreuz, der Kriegshitse und dem Wohlfahrtsfonds der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hantbnrg überwiesen wurden. — Die Sammlung am Buß- und Bettag sowie anläßlich des Kriegsgottesdienstes in der Synagoge zu Dresden hat 4 6 3,03 Mark ergeben, die dem Roten Kreuz und der Kriegsorganisation zngeflossen sind. — Der Israelitische Franenverein in Hagen i. Wests, spendete 300 Mark für bedürftige Kriegerfamilien und ferner 500 Mark für den Vaterländischen Franenverein bzw. das Note Kreuz. — Die Synagogengemeinde Essen spendete für das Rote Kreuz 500 Mark; der Verein für jüdische Geschichte u n d Literatu r stellte sein gesamtes Vermögen dem Oberbürgermeister zur Verfügung und überwies als erste Rate 000 Mark. Die Ehewra Kadischa und der jüdische Franenverein spendeten je 300 Mark. — Der jüdische F r a uenverei n in Recklinghausen überwies dem Roten Kreuz 475 Mark, fast die Gesamtsumme seiner Beitrüge. Eine Sammlung der jüdischen Gemeinde für das Rote Kren.z ergab, zusammen mit einigen namhaften Spenden jüdischer Gemeindemitglieder, 2350 Mark. — Der Unterst n tz n n g s v e r e i n der jüdisch c n G c in e i n d e in Pirmasens hat dem Bürgermeisteramt 800 Äark zur freien Verfügung für diejenigen Armen der Stadt, überlassen, deren Ernährer in den Krieg gezogen sind. — Die in Erlangen veranstaltete Sammlung für die Familien der ins Feld, ziehenden Soldaten beträgt bis jetzt rimd 11 000 Mark. Die kleine Israelitische Kultusgemeinde hat allein 500 Mark geschenkt. — Die j ü d i s che G e in e i n d e in Halberstadt hat in Gemeinschaft mit der Berend-Lehmann-Loge, dem jüdischen Jngendverein (Berend-Lehinann-Veroin) und einigen jüdischen Familien die vollständige Einrichtung des in den Räumen des jüdischen' Kasinos befindlichen Reservelazaretts mit 50 Betten gestiftet.— Für die Zwecke des Roten Kreuzes und der Angehörigen-Fürsorge wurden seitens der jüdischen Körperschaften in M a gd e b u r g bis jetzt geleistet: Shnagogengemeinde 2000 Mark, Mendelssohn-Loge erste Rate 1000 Mark, Frauenbund der Mendelssohn-Loge 200 Mark, israelitischer Frauenverein 250 Mark, jüdischer Jngendverein Ludwig Philippson 300 Mark, israelitischer Hilssverein 100 Mark, Verein jüdischer Gewerbetreibender 50 Mark, Zionistische Ortsgruppe 50 Mark. — Die jüdische Gemeinde Wolfenbüttel stellte 1000 Mark zur Verfügung, und zwar 900 Mark als Kriegsspende und 100 Mark dem Noten Kreuz. Die Administration der Saursonschule zu Wolsenbüttel stiftete 5000 Mark für das Rote Kreuz und 3000 Mark für Verwundetenpflege. Aus freiwilligen- Spenden von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde wurden bis jetzt 1600 Mark dem Roten Kreuz und als Kriegsende überwiesen. — Die Kasseler israelitischen Männeritn b F r a u e n v e r e i n e haben alsbald nach Ausbruch des Krieges dem Roten Kreuz 8000 Mark als erste Rate überwiesen. — Prinzessin Friedrich Karl von Hessen weilte eine halbe Stunde im Frank f u r t e r Krankenhaus der israelitischen Gemeinde, ivo zurzeit 30 Verwundete liegen. Sie unterhielt sicki will "Idem der Verwundete^ uuiD spendete Blumen und Geschenke. — I, einem Budapest er Spital liegt ein verwundeter ungarischer Jägerofsizi-er. Derselbe erzählt: „22 Stunden lag ich schwer verwundet am Rande eines Waldes in Galizien. Auf das fortwährende gewaltige Wiehern meines treuen Rosses kamen endlich . ans weiter Ferne zwei galizische „Kastan"juden herbei und beugten sich über mich. Noch nie war mir ein menschliches Antlitz - so lieblich wie diese zwei sonderbaren, erbarmungsvollen alten Juden. Sofort liefen sie, Hilfe zu bringen, brachten mehrere Glanbensgenossen, mit welchen zusammen sie mich nach Lemberg trugen. Nebst der Treue meines Pferdes habe ich mein Leben diesen alten „Kaftan"jnden zu verdanken. — Wie die neue liberale Judenpolitik des Zaren aussteht, zeigt ein Ukas, den der Zar dieser Tage erlassen hat, und der im „Nußkoje Slowo" veröffentlicht wird. Der Ukas lautet: „Da die im feindlichen Ausland studierende russische Jugend durch den Ausbruch des Krieges zum Teil hart betroffen wurde, will ich allergnädigst gestatten, daß sich die aus dem Ausland kommenden studierenden Juden ausnahmsweise zwei Monate (!!) in. Petrograd (Petersburg) aufhalten dürfen, soweit es die Ordnung ihrer Angelegenheiten erfordert." Man sieht, die Freiheiten, die den Juden unter dem Druck der Verhältnisse versprochen wurden, sind schon jetzt etwas beschränkt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 53. VerantworNich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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