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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-09-11 · Heft 37 (11.9.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 37 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Hofdame dem Krankenheim, Israelin s ch e P rivat k l i ni k e. V, Hermann-Schmid-Straße 5, in München einen einstündigen Besuch ab und besichtigte unter Führung der Oberin und des Vorstandsmitgliedes Dr. W e i ß b a c t Klinik und Schwesternheim. lieber das Gesehene sprach sich die Prinzessin sehr lobend aus. - Die Klinik ist für verwundete Krieger vorgesehen. — Die erste französische Fahne, die im Gefecht bei Lagarde vor Luneville in deutsche Hände fiel, ist von einem Juden aus Westfalen genommen worden. Der Infanterist Fi sche l aus Rimbeck (südöstlich von Paderborn), ein Sohn armer Bauersleute, entriß sie im Nahkampfe dem französischen Fahnenträger. — Kürzlich ging am jüdischen Lehrerseminar zu. Münster i. W. (Marks-Haindorf-Stiftung) die Notprüfung zu Ende. Kommissarischer Vorsitzender war der Direktor der Anstalt Dr. Katz. Seit Bestehen des Seminars wurde zum erstenmal die Prüfung von den Lehrern der Schule selbst abgenommen: es steht zu erwarten, daß dieses Verfahren von nun an überhaupt Rechtens wird: wenigstens hat sich die Anstalt in der letzten Zeit lebhaft um Bewilligung einer eigenen Prüfungskommission bemüht. -- Die Synagogengellleinde Köln - Mülhe i m hat dem Roten Kreuz den Betrag von 1000 Mark überwiesen. Auch die jüdischen Wohltätigkeitsvereine haben bereits größere Summen gespendet. So verausgabte der Israelitische Frauenverein bisher für Zwecke des Roten Kreuzes über 100 Mark, während der Israelitische llnterstützungsverein in seiner letzten Sitzung beschloß, zur Kriegssammlung 1914 einen erstmaligen Beitrag von 100 Mark zu zeichnen. Außerdem opferten einige Mitglieder der Gemeinde ihre gemeinsame Vergnügungskasse in Höhe von 318 Mark und überwiesen den gesamten Betrag dem Roten Kreuz. — Die israelitische Gesellschaft Verein M.-Gladbach spendete 10 000 Mark für das Rote Kreuz, das städtische Hilfsamt usw. — Die israelitische Religionsgemeinde in Düsseldorf hat der Zentralstelle für freiwillige Liebesgaben 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. An die gleiche Zentrale hat die Düsseldorfer Loge (U. O. B. B.) 2000 Mark abgeführt. Die Schwestern der Loge haben eine Volksküche eingerichtet, in der täglich 60 bis 70 Leute jeder Konfession unentgeltlich gespeist werden. — Herr Rabbiner Dr. Nobel in Frankfurt a. M. ist für die Garnison Frankfurt zum Seelsorger der jüdischen Soldaten ernannt, und es ist ihm die Binde der Feldgeistlichen verliehen worden. Herr Rabbiner Dr. Nobel hat jetzt-auch eine Gebetordnung für Feldgottesdienste erscheinen lassen. — Einer der wenigen jüdischen Angehörigen der jetzt auf den Schlachtfeldern so tapfer wirkenden militärischen Flieger ist, wie der „Israelit" miteilt, ein Frankfurter, und zwar Heinrich P o llak, Sohn des Kaufmanns Julius Pollak, Schleierinacherstraße 88. Wie aus feinen Feldbriesen an seine Eltern hervorgeht, hat er mit seiner Abteilung bei den Kämpfen in Belgien tüchtig mitgewirkt. — Der israelitische M än uer kr ankenne re in rn Bingen am Rhein hat dem Roten Kreuz die Summe von 600 Mark zur Verfügung gestellt. — Die Dalberg-Loge U. O. B. B. in Worms hat dein Oberbürgermeister 400 Mark übergeben, diesen Betrag je zur Hälfte der Sammlung fürs Rote Kreuz und der für die hilfsbedürftigen Angehörigen der Heerespslichtigen zuzuführen. - Der Verein I sraelitisches Erholungsheim für F r a u e n u n d M ädche n Baden-Baden, Verwaltungssitz Frankfurt a. M., hat feilt Erholungsheim mit 18 Betten als Kriegslazarett zur Verfügung gestellt. — lieber russische Juden als deutsche Patrioten schreibt das „Karlsruher Tageblatt": Einzelne hier ansässige Juden hielten am Sonntag, den 30. v. M., im Verein „Thaurn^'^CHajun", Marienstraße 16, einen Gottesdienst ab, um weitere Siege der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee, bei dem Herr Mangel ein Gebet für Kaiser Wilhelm II. und das Reich sprach. Nachdem hielt Herr L u p o l i a n s k i einen Vortrag. Es wurde eine Sammlung veranstaltet und 50 Mark dem Noten Kreuz überwiesen. Auch wird an 14 Kinder aller Konfessionen jeden Tag ein Mittagessen verabfolgt. -- Ter Israelit: s ch e Frauenverein in Stuttgart hat dem Depot mehrere hundert Gegenstände im Betrage von über 2000 Mark, alles von den Damen selbst geliefert und genäht, in prächtiger Ausführung zum Geschenk gemacht. Ein Beweis für den großen vaterländischen Eifer dürste sein, daß in kaum mehr als acht Tagen diese Fülle von Gegenständen von etwa 60 Damen, welche im Koppenhöserschen Saal arbeiten, sertiggestellt wurde. Der israelitische Krankenverein hat dem Roten iKreuz 1000 Mark bewilligt. — Herr Amtsrichter Dr. Levh aus Weißenburg, ein geborener, Straßburger, ist seit Beginn des Kriegszustandes in Hagenau i. Elf. als Kriegsgerichtsrat tätig; er steht im Range eines Hauptmannes. — Die- Pr a ger Kultus gemeinde hat das Taussigsche Hospital mit samt der Einrichtung dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Ferner hat sie viele ausländische Juden ans Karlsbad verköstigt und ihnen die Heimreise ermöglicht. Eine große Aktion der Kultusgemeittde zur Unterstützung Arbeitsloser im Einverständnis mit den Prager B'ne B'rith und den lokalen Behörden wird vorbereitet. — Aus dem Kriegsquartier meldet der Berichterstatter des „Pester Lloyd": Ich hatte Gelegenheit, mit einem Flüchtling zu sprechen, der aus Brodh in Galizien hier, eingetrosfen ist. Er erzählte: „Ankommende Kosaken beschossen die Stadt. Als keine Antwort aus ihre Schüsse kam, zogen . sie in Brody ein. Kaum dort angelangt, suchten sie sich einen Vorwand, um zu plündern. Sie behaupteten, ein Mädchen habe nach ihnen geschossen, und sie fingen an, an ihr Zerstörungs.werk zu gehen. Im Vorbeimarsch schossen sie in jede Wohnung hinein. Es gab viele Tote und Verwundete in den Häusern. Auch brannten sie hundert Häuser zu Asche. Dann plünderten sie die jüdischen Häuser. Ihnen gesellte sich der Mob von Brody zu, und es gab einen regelrechten Pogrom. Als am Sonnabend unsere Truppen erschienen, verließen die Kosaken nach zweitägiger Schreckensherrschaft ohne Schuß schleunigst die Stadt." Aehnlich erging es anderen Orten bis zum Eintreffen der Unsrigen. — Die „Franks. Ztg." meldet aus Amsterdam: „Da Bürgermeister Max von Brüssel erklärte, die Gemeindekasse sei nach Antwerpen gebracht und die Kriegsrate könne nicht bezahlt werden, wurden der bekannte Großindustrielle Solvay und Baron Lambert-Rothschild als Geiseln von den Deutschen gefangen genommen." Baron Leon Lambert-Rothschild ist der Gemahl der Freiin Lucie v. Rothschild aus der Pariser Linie, und der Repräsentant des Hauses Rothschild zu Brüssel. Baron ist Herr Leon Lambert erst seit wenigen Jahren. Seine Gemahlin ist eine Tochter des verstorbenen Freiherrn Gustav v. Rothschild zu Paris aus dessen Ehe mit Cacilia Anspach, einer, wenn wir richtig berichtet sind, Brüsselerin deutsch-jüdischer Herkunft. —- Aus K a l i s ch wird berichtet: Bon den 24 Geiseln, die der preußische Kommandant infolge der nächtlichen Schießerei hier eingesordert und auf die Festung nach Posen geschickt hat, sind die drei jüdischen Notabeln bereits entlassen worden. Die strenge Untersuchung, die das Kommando durchführt, hat für die Kalischer Juden die völlige Schuldlosigkeit ergeben. Die drei jüdischen Geiseln waren der Rabbinatsasiessor R. Mosche Welwesch, ein hervorragender Talmudist, der Geureindepräses Bankier Mamroth und ein Zweiter Vorsteher!. Sie erhielten nach kurzer Haft die Freiheit wieder und sind bereits bei den Ihrigen in Kalisch eingetrosfen. — Die Stadtverwaltung von Cleveland ernannte kürzlich den jüdischen Oberbeamten Alfred M. Benesch zum Direktor der öffentlichen Sicherheit. In dem Polizeidepartement der Stadt sind außer dem Polizerdirektor auch mehrere andere jüdische Beamte mit Erfolg tätig. Zur selben Zeit wurde zum Sekretär des Feuerschutzdepartements Julius P o l o k, Sohn einer angesehenen jüdischen Familie der Stadt, gewählt. Auch in diesem Departement haben, wie amerikanische Blätter melden, mehrere Juden verantwortungsvolle Posten inne. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58t Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Gelchäktüche Mitteilung^. Die Fürstliche Brauerei Köstritz stellte dem Königlich Preußischen und dem Königlich Sächsischen Kriegsministerium als Kriegsspende für die Lazarette je eine Waggonladung ihres altberühmten Köstritzer Schwarzbieres zur Verfügung. Das Köstritzer Schwarzbier ist bekanntlich ein alkoholarmes Bier mit hohem Extraktgehalt, das von ärztlichen Autoritäten als Gesundheitsbier empfohlen ist und auch schon im Balkankriege in den Lazaretten Verwendung und Anerkennung gefunden hat.

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