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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-08-21 · Heft 34 (21.8.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 34 Berlin, 21. August 1914 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner Vr. Ludwig Philippfon > » §„fe„»u„3e„ & *tiaMan an> Unter Leitung des Expedition sind an die Adresse: Verlag der Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 I °**l‘>* Huto1' ate^</ Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnements-p reis-, durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere Verkriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32*. TTnhftlt* ^ei und die Juden. Von Ludwig Geiger. — IJUljuli* Die Woche. — Die Pflichten unserer -Frauen und Jungfrauen gegen das Vaterland. Von Regina Neider. — Hofbankier Angela v. Wassermann. -- Hermann Cohen. — Unbekannte Verse LörneS. Von Ludwig Geiger. — Die Familie Lallin. Von S. Rothschild. — Feuilleton: Harmlose Rache. Von Ma rie Ve ümert«Y. — An Deutschlands Juden. Von Felix J osty. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Berlin-Pankow, Neustadt fOberschl.), Breslau, Posen, Aachen, Krefeld, Köln, Frankfurt a. AN, Wien. — Von Nah und Fern. Der Krieg und die Juden. Von Ludwig Geiger. er fllrchtbare Weltkrieg, dessen Kommen alle ernsten Politiker ahnten, dessen Eintreten für das Jahr 1914 die Unterrichteten fest behaupteten, ist angebrochen. Millionen und AbermilUonen Krieger — man nennt die ungeheuersten Zahlen — stehen in Waffen. Deutschland mit Oesterreich verbindet gegen die sogenannte Tripleentente: Gastland, Frankreich, England. Weder die Ursache des Krieges noch die bisherigen Ereignisse sollen ausführlich dargelegt werden. Nur kurz sei daran erinnert, das;, während der mittelbare Anlaß zum Kriege in den fieberhaften Rüstungen aller Mächte und in dem Haß und Neid der zwei westlichen und der einen östlichen Nation gegen Deutschland zll suchen ist, der unmittelbare Anlaß die Ermordung des österreichischen Kronprinzenpaares ist. Durch dies Ereignis, das zwar die Tat eines Fanatikers war, aber durch großserbische Machinationen vorbereitet und unterstützt war, wurde Oesterreich-Ungarn bewogen, ein Ultimatum an Serbien zn stellen. Da dieses eine Oesterreich nicht genügende Antwort fand, so erklärte Oesterreich-Ungarn an Serbien den Krieg. Rußland stellte sich, ohne eine offene Erklärung zu geben, auf Serbiens Seite. Zur Allfklärlmg über seine Mobilisierung aufgefordert, verweigerte oder verzögerte es die Antwort, setzte die Bewaffnung fort und schickte Truppen nach Delltschland, so daß dieses sich -genötigt sah, an Rußland den Krieg zu erklären. Dies hatte die unmittelbare Folge, daß Frankreich, seiner Bnndespslicht eingedenk, sofort rüstete und teils nach Belgien, teils an und über die deutsche Grenze Truppen schickte — ohne Kriegserklärung - , so daß Deutschland auch hier sich genötigt sah, den Krieg zu eröffnen. Da nun Deutschland Luxemburg besetzte und, wie es offen im Reichstag durch den Reichskanzler erklären ließ, in Belgien einzog, so sah England in diesem loyal eingestandenen Bruch der Neutralität einen Anlaß, Deutschland den Krieg anzukündigen. Dieser Mitteilung folgte später seitens Englands und Frankreichs die Kriegserklärung an Oesterreich. Zit den Kriegführenden, den Gegnern der zwei verbündeten mitteleuropäischen Staaten gesellte sich Montenegro. Dänemark, Holland erklärten strikte Neutralität, Schweden waffnet, tun zu geeigneter Zeit gegen Rußland aufzutreten: bisher scheint es, daß Bulgarien, .Rumänien und die Türkei sich jedenfalls nicht gegen Oesterreich stellen, sondern (vielleicht) gemeinsame Sache mit ihm machen. Der dritte Staat des Dreibundes, Italien, hat nicht, wie man vielfach erwartete, sich auf die Seite seiner Verbündeten gestellt, sondern ihnen wohlwollende Neutralität zugesagt. Diese seine Haltung erschien vielen sehr bedenklich, und diese Bedenken sind in den letzten Tagen sehr verstärkt worden durch die Nachricht, daß England an Italien Kohlen liefere, und durch die fernere, daß die italienischen Gesandten von Berlin und Wien nach Rom gereist sind. Blieb auch das Gesandtschaftspersonal in Berlin und Wien zurück und erklärt man die Reise mit der Notwendigkeit, die italienische Regierung über die Vorgänge zu informieren, gegenüber den unwahren Nachrichten, die aus Frankreich eingelaufen sind, so bleibt die Haltung befremdlich, und gar manche fürchten hier eine neue Gefahr. Man spricht davon, daß Italien an Oesterreich bestimmte Forderungen zu stellen beabsichtigt. In den allerletzten Tagen sind diese Bedenken durch eine offizielle Erklärung Italiens beschwichtigt worden. In den letzten Tagen, seit dem 2. August, gehen die Kriegsereignisse ihren Gang. Langsam, wie dies bei den weiten Entfernungen unb bei den großen Blassen, die an den Schauplatz geschafft werden müssen, begreiflich ist, zu langsam für die Aufregung, die ängstliche Spannung der Massen. Immerhin sind schöne Erfolge erzielt. Die deutschen Grenzen in Ost und West sind von Feinden gesäubert. Lüttich ist erobert, in zwei Gefechten sind die Franzosen geschlagen, viele Gefangene sind gemacht, Kanonen erbeutet, eine französische Fahne ist in unserer Hand. Währenddessen haben die Deutschen in Frankreich, Belgien, Rußland, vielleicht auch in England, viel zu leiden. Der Pöbel, fanatisiert, wütet gegen Eigentum und Leben. Und hier beginnt der Anteil der Inden. Denn sowohl in Belgien als in Frankreich leben viele deutsche Juden in angesehenen Stellungen, teilweise seit Jahren. Die Gestellungspflichtigen sind, soweit sie es irgend konnten, nach Deutschland geeilt, die Militürfreien, besonders auch die Frauen, teilen das allgemeine traurige Los. Während Deutschland in der Behandlung der zurückgebliebenen Fremden sich als wahrer Kulturträger bekundet, beweisen die Bewohner der westlichen Staaten, die sich so ungemein zivilisiert dünken, einen fast undenklichen Grad von Inhumanität und Roheit. Es ist nicht bekannt geworden, daß die zurückgebliebenen Juden mehr gequält und gepeinigt worden seien als die Christen, aber da der ersteren voraussichtlich recht viele sind, so ist das Elend groß, und ihm zu steuern' ist von Deutschland ans unmöglich. Aber die Juden haben nicht nur ein vollgerütteltes Maß der Leiden, wie ja oft im Verlauf der Weltgeschichte, sondern sie genießen auch Freude und Ruhm. Freude, denn es bildet für den treuen Bürger, den wahrhaften Sohn seines Landes, keine größere Frende, als dem Vaterlande zu dienen. Zn dieser Freude gesellt sich der Ruhm, durch tapfere Taten den Mannesmut zu bewähren. Und hier ereignet sich nun etwas Merkwürdiges und Wunderbares. Man spricht so häufig von einem jüdischen

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