Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch zu dem geräumigen, modernen Siechenhcms in Straßnitz hat er die Anregung gegeben und die Mittel für den Bau aufgebracht. Der von der Gemeinde betriebene Neubau des israelitischen Spitals, für dessen baldige Inangriffnahme der Spitalbauverein fürsorglich lvirkt, hat am Präsidenten Dr. Rosenbacher einen eifrigen Förderer und Gönner. Dr. Rosenbacher hat die ihm zu seinem 60. und 70. Geburtsfeste gewidmeten Ehrengaben für die genannten beiden Humanitären Institutionen in hochherziger Weise gespendet." Ergänzend sei noch bemerkt, daß der Jubilar ein bedeutender Gelehrter auf jüdischem und rabbinisch-talmudischem Gebiete ist. Tr. Rosenbacher dürfte auch unzweifelhaft der beste Kenner der Geschichte der Prager Judengemeinde sein, mit deren Literatur er sich stets eingehend befaßte. Ter streng konservativen Richtung angehörend, ist Tr. Rosenbacher stets bemüht, auch die Meinung der andersgesinnten Kollegen im Borstande gelten zu lassen. Er ist fromm, ohne intolerant zu sein, ein Kenner des Altertums, mit seltenem Verständnis für die Anforderungen und Bedürfnisse der Neuzeit. Dr. Nosenbacher, dem schon wiederholt die hohe Ehre zuteil wurde, von Sr. Majestät dem Kaiser als Vertreter der Prager und böhmischen Judenschaft empfangen zu werden, ist Besitzer vieler hoher Orden und Auszeichnungen, die als Beweis gelten, daß sein mehr als vierzigjähriges, überaus segensreiches Wirken zum Wohle seiner Glaubensbrüder auch an höchster Stelle gebührend gewürdigt wird. Wie jedem, der Jahrzehnte hindurch im öffentlichen Leben steht, fehlt es auch Tr. Nosenbacher nicht an solchen, die mit allen seinen Maßnahmen nicht ganz einverstanden sind. Er kann sich aber mit dem erhebenden Bewußtsein trösten, daß er vielleicht G e g n e r , aber keinen einzigen Feind besitze. Und dies dürfte ihm wohl die höchste Genugtuung bereiten und ihn anspornen, auch weiterhin seine trotz seiner 75 Jahre noch unverbrauchten Kräfte dem Dienste seiner Gemeinde und seiner Glaubensbrüder in Böhmen zu widmen, rill niultos annos. — Wie das „Prager Tageblatt" berichtet, hat dieser Tage ein Anonymus dem Präsidenten der Prager israelitischen Kultusgemeinde ein auf 15 000 Kronen lautendes Sparkassenbuch mit der ausdrücklichen Bestimmung übergeben, den Betrag nicht früher anzurühren, bis er auf 3K> Millionen Kronen nngewachsen ist. Tann soll ein Institut zur Heranbildung von Rabbinern, Predigern und Lehrern errichtet werden. So sonderbar auch diese Bestimmung anmutet, so liegt sie immerhin im Bereiche der Möglichkeit, denn, wie das genannte Blatt berechnete, kann die angestrebte Summe bei 4 Prozent Verzinsung in 138 Jahren erreicht werden. Ten Kandidaten des Jahres 2052 winkt demnach eine verheißungsvolle Zukunft. * Von Sah und Fern. ~ Anläßlich des allgemeinen Bettages fand am Mittwoch, den 5. d. M., in allen S y n a g o g e n Berlins und der Vororte Gottesdienst mit Predigt statt. — Ter B erbaud der j ü d i s ch e u I u g e u d v e r e i u e Deutschland s, Sitz Berlin, hat au seine Mitglieder die Aufforderung gerichtet, sich als Freiwillige zum Heeresdienst zu melden oder, soweit sie dafür zu jung sind, sich zu Erntearbeiten zur Verfügung zu stellen. — Aus Anlaß der Mobilmachung hat Amtsgerichtsrat Dr. Paul Liepm a n n der Voltskafsee- und SpeisehaUengesellschaft den Betrag von 15 000 Mark zum Zweck unentgeltlicher Verabreichung von Speisen und Getränken an ausrückende Mannschaften auf den Berliner Bahnhöfen zur Verfügung gestellt. Tie Gesellschaft, deren Vorstand Tr. Liepmann angehört, hat jüngst ihr 25 jähriges Jubiläum gefeiert und stellt sich mit ihrer Spende als erste in den Dienst der vaterländischen Sache. Tie Nachricht, daß das Preußische Ministerium des Innern Ausweisungen aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet ungeordnet habe, bewahrheitet sich nicht. Wie einem Vertreter des „Neichsvereins der deutschen Juden" im Ministerium des Innern erklärt wurde, ist eine solche Anordnung nicht ergangen und auch nicht beabsichtigt. — Herr O. Levinsohn, Mitinhaber der Speditionsfirma Brasch u. Rothenstein, ist zum stellvertretenden Handelsrichter bei dem Landgericht Berlin ernannt worden. — Aus Posen wird uns geschrieben: Herr Rabbiner Tr. Silberberg hielt am Sonnabend abend während des Gottesdienstes von der Kanzel herab eine Ansprache an die versammelte Gemeinde und wies auf die Pflichten hin, die ein jeder zu erfüllen habe, falls die drohende Kriegsgefahr zu einem wirklichen Kriege führen sollte. „Meine Freunde sind mir zu Feinden geworden!" rief er mit dem klagenden Jeremias aus. Im Gebet erflehte Redner sodann den Segen Gottes für den obersten Kriegsherrn und sein Heer. — Seinen 90. Geburtstag feierte dieser Tage das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde in Emden, Herr A. I. Hesse. In der Synagoge gedachte Herr Landrabbiner Dr. Hoffmann mit ehrenden Worten des Jubilars. — Unter dem Vorsitz des Provinzialschulrats Volkmar aus Koblenz wurde am 24. v. M. am Kölner jüdischen Lehrerseminar die zweite Lehrerprüfung abgehalten. Beide Kandidaten, Lehrer an der Seminarübungssckmle, bestanden mit gutem Erfolg. — Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand in Rheingönheim am 23. Juli die Beerdigung des Mitgliedes des Shnagogenausschusses und Vorstandes des dortigen Kriegervereins, Herrn Adolf Weil, eines Mitstreiters von 1870/71, statt. — Herr Geheimer Kommerzienrat S. Heuchelheim in Gießen hatte aus Anlaß seines 70. Geburtstages einen Betrag für einen Bau in Höhe von 50 000 Mark der Stadt Gießen , in Aussicht gestellt, wenn der Bau in diesem Jahre zur Ausführung kommt. Jetzt hat der Herr Geh. Kommerzienrat diese Summe ohne jegliche Bestimmung der Stadt übergeben. — In Frankfurt a. M. starb Herr I. C. W e i l l, der Oekonom des Gumpertzschen Siechenhauses und der Minka-von-Goldschmidt-Rothschild-Stiftung. Weill hat Jich immer durch Warmherzigkeit und Großzügigkeit, in seiner Tätigkeit ausgezeichnet, und sein Hinscheiden wird allgemein betrauert. — Für die Armen-Augenheilanstalt in Wiesbaden stiftete Sir Jakob S a s s o n aus Bombay (Indien), der Heilung von einem Augenleiden in der Priv.-Klinik des Dr. P a g e n st e ch e r gefunden, 25 000 Mark, für deren Zinsen unbemittelte Kranke Ausnahme finden sollen ohne Unterschied der Religion und Nation. — Aus Straßburg i. E. wird uns geschrieben: Wie wir den „Nachrichten des Statistischen Landesamtes" entnehmen, waren von im Jahre 1913 in Elsaß-Lothringen geschiedenen Ehen 231 beiderseits katholisch, 66 beiderseits evangelisch, 3 beiderseits israelitisch, 71 Mischehen. 529 im Jahre 1913 geschiedene Personen waren katholisch, 201 evangelisch und 12 israelitisch. — Ein gutes Andenken hat unser Kronprinz bei seiner letzten Anwesenheit in Metz hinterlassen. Bei einem jüdischen Antiquitätenhändler erwarb er sich mehrere antike Möbelstücke. Bei Herrn Schwab und Daniel kaufte Seine Hoheit zwei Pferde, darunter eins für die Kaiserin. Eine wohlgelungene Aufnahme zeigt den Kronprinzen auf seinem gekauften Pferd neben Herrn Daniel. — In Wien starb am II. Juli Rabbiner I. L. Abel es, Batcr des Gemeinderabbiners und Feldpredigers Dr. Armin Abeles. Der Verstorbene, der an dem neuerbauten Jubiläumstempel „Am Volkert" wirkte, war ein hervorragender Gelehrter; für seinen Tempelverein hatte er eine Talmud- Thora-Schule geschaffen, die er eifrig förderte. — Die philosophische Fakultät der Budapester Universität genehmigte die Habilitierung des Oberrabbiners in Kesztheli Dr. Alexander B ü ch l e r zürn Privatdozenten für die Geschichte der Juden in Ungarn. - Nach dem Abschlüsse der Stichwahlen ist die italienische Deputiertenkannner nun definitiv konstituiert. Sie enthält 13 jüdische Mitglieder, von welchen 9 im ersten Wahlgange gewählt wurden. Unter diesen befinden sich der frühere Ministerpräsident L u z z a t t i und Barzilai. Mit den 14 jüdischen Mitgliedern des Senats Haben gegenwärtig nicht weniger als 27 Inden im italienischen Parlament Sitz und Stimme. — Aus London wird geschrieben: Sir G h n r l e s H e n r y , Parlamentsmitglied und Präsident der Jüdischen Volksküche, gab anläßlich des Großjährigwerdens seines Sohnes ein glänzendes Gartenfest, bei dem nicht weniger als fünf Mitglieder des gegenwärtigen Kabinetts anwesend mären. Bei der Schulschlußfeier und Prämienvertcilung der Jüdischen Freischule, der größten Volksschule Englands, waren Lord Rothschild, der Präsident der Schule ist, und seine Frau anwesend. Roth s ch i l d hielt eine Ansprache, in der er über die Bedeutung der Bildung sprach. — Mr. Jra Nelson Morris aus Chicago, der eine Zeitlang als Kommissar der Panamaausstellung in San Francisco gewirkt hat, wurde von Präsident Wilson zum Gesandten der Vereinigten Staaten für Schweden ernannt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin• Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.