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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-26 · Heft 26 (26.6.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 26 Berlin, 26. Juni 1914 Allgemeine eitung des Judentums. Ein unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wS che milch. Abonnements-Preis; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich Z NI. — Postscheckkonto 32*. vegründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an dir Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße *6*9, zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. ®ev Jahresbericht der Alliance Isra^lite Universelle. Von a. k. — Die W 0che. — S. Schottlaender. Von I-.. G. — Neues von den Chasaren. Don I. ENiogen. — Die Musik in der Synagoge. Von Oberkantor Mag nus David so h n, Berlin.— Feuilleton: Erlauschtes. Von Anna Winternip, Prag. — Literarische Mitteilungen. Der Gemeindevote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Loslau, Aus der Provinz Posen, Hamburg, München, Kegensdurg, Neustadl a. H., Franksurt a. M., Kopenhagen. — Von Nah und Fern. Nrr tzahrrsbrricht drr pllianrr Ilraelitr Aniorrlklle. oeben ist der Bericht der Alliance Jsra6lite Universelle für das Jahr 1913 erschienen. Er enthält neben den üblichen geschäftlichen Mitteilungen reiches Material über die politische und soziale Lage der Juden verschiedener Länder und bietet ein anschauliches Bild von der weitverzweigten kulturellen Tätigkeit der Alliance, die ungeteilte Anerkennung und Würdigung verdient. In der ersten Rubrik: Propaganda, Mitarbeit und Nekrologe, drückt das Zentral-Komitee allen Komitees und allen Mitgliedern, die nicht ausgehört haben, ihm ihren wertvollen Beistand zu leihen, wie überhaupt allen, die sich an dem Werke der Alliance beteiligt haben, seine tiefe Dankbarkeit aus. In der ersten Reihe der Wohltäter der Alliance steht der Vorstand der „I e w i s h Kolonisation Association" mit seinen großzügigen und reichen Zuwendungen und mit seiner getreuen Mitarbeit, die dem Zentral-Komitee die Möglichkeit zur größeren Erweiterung verschiedener Institute, besonders aus landwirtschaftlichem und industriellem Gebiet, gewährt haben. Besonderen Dank spricht der Bericht allen Personen und denjenigen Komitees aus, die sich an der Propaganda für die Alliance beteiligt haben, und gedenkt mit ehrenden Worten folgender im Berichtsjahre verstorbener Mitglieder des Zentral-Komitees, die mit außerordentlichem Erfolge für die Entwicklung der Alliance tätig gewesen waren: Dr. Wolf F e i l ch e ii f e l d, Oberrabbiner von Posen, der dem Zentral-Komitee 35 Jahre lang angehört und sich stets eifrig an seinen Arbeiten beteiligt hat. Baron Josef H a tv anh -D eu tsch, der am 22. Juni vorigen Jahres während eines Kuransenthaktes in Bad Nauheim verschieden ist. Der Verstorbene, Mitglied deS ungarischen Magnatenhauses, war Präsident des ungarischen Bezirkskomitees der Alliance, in welchem Amt er seinem im Jahre 1898 verstorbenen Vater Bernhard von Hatvnny-Deutsch gefolgt war. Dr. Adolf S a l v e n d i, ehemaliger Bezirksrabbiner in Dürkheim a. d. H., dessen Tob nicht nur von seinen Kollegen im Zentral-Komitee, sondern von allen jüdischen Vereinen und jedem einzelnen Glaubensgenossen aufrichtig beklagt wurde, der gewußt hat, unter welchen mannigfachen Formen dieser edle Mann seit einem halben Jahrhundert seine philanthropische Tätigkeit ausgeübt hat. Außer diesen hat das Zentral-Komitee imLaufe desBerichtsjahres noch in anderen Ländern verdienstvolle Freunde und Mitarbeiter durch den Tod verloren, die durch ihre rege Teilnahme und opferwillige Mitwirkung an dem großen Kulturwerk der Alliance aufs deutlichste bekundet haben, daß der jüdische Einheitsgedanke, wie ihn dieBegründer dieser ältestenOrganisation in der Devise: ni2 Nt ll'2Np ^2 zum Ausdruck gebracht hatten, in ungeschwächter Kraft in Israels Mitte fortlebt, trotz aller äußeren Anfeindung und inneren Zerklüftung, die bewußt und unbewußt an seiner Existenz rütteln und seine völlige Auflösung herbeiführen möchten — wenn sie die hierzu erforderliche Macht besäßen. * Der zweite Abschnitt „Die Juden in Rußland" behandelt den Beilis-Prozeß in Kiew, der länger als zwei Jahre die zivilisierte Welt in Atem gehalten hat. Der Leser bekommt hier einen klaren Ueberblick über den Gang dieses vielbesprochenen Prozesses mit allen seinen traurigen Begleiterscheinungen. Wir hören mit Entsetzen die falschen Beschuldigungen, lernen von neuem die Zeugen der Anklage sowie die der Verteidigung kennen, vernehmen die an die gerichtsmedizinischen, psychiatrischen und Ritualsachverständigen gestellten Fragen, ferner das uns mit Schauer erfüllende Gutachten des Pater P r a n a i t i s, die Widerlegung desselben durch die gelehrten Professoren Trvitzky, Kokowzew, Tichoniroff und den Moskauer Rabbiner M a s e, die das Judentum beleidigenden und kränkenden Auslassungen des Staatsanwalts und — das bekannte Verdikt der Geschworenen, das die Schuld des Beilis zwar verneint, aber die Anklage gegen das Judentum als unwiderlegt bestehen läßt. Indessen darf uns dies nicht beunruhigen. Rußland mit seiner übertünchten Kultur steckt noch tief in Halbasien, und die Geschworenen zu Kiew samt dem Staatsanwalt und den Holigans in Frack und weißer Weste, marschieren noch nicht an der Spitze der zivilisierten Menschheit: sie können das Judentum und seine Lehre n i ch t beleidigen. Die Meinungsäußerungen der wissenschaftlich hervorragenden Professoren Trvitzky,Kokowzew und Tichonirosf,die glänzende Verteidigungsrede unseres Glaubensgenossen Grusenberg und nicht zuletzt das von großer Gelehrsamkeit zeugende Gutachten des Moskauer Rabbiners M a s e, vondemwir mt r in dem uns vorliegenden Bericht eine wörtliche Wiedergabe gewünscht hätten, erfüllen uns mit Zuversicht, daß auch für unsere Stammesgenossen im Zarenreiche die Zeit nahe ist, in der die gegen das Judentum erhobene Anklage des Ritualmordes als ein Ammenmärchen bezeichnet werden wird. Die gebildete Welt, die allein, trotz aller Gegenströmung der Finsterlinge, die öffentliche Meinung ausmacht, hat sich, wie wir wissen und aus dem Bericht der Alliance wieder ersehen, gleich beim Beginn des Prozesses und während seiner Verhandlung in unzweideutiger Weise

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