Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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78. Jahrgang. Nr. 25 Berlin, 19. Juni 1914 Allgemeine eitung des Judentums. Ein unparteiisches Grgan für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebssteüen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32<k. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Seiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgein. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße -6-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Unft&If4, Versammlung amerikanischer Rabbiner. Vcm yLudwig Geiger. — Die Woche. — Die Tagung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Frankfurt a. M. — Praktische ^jüdische Jugendpflege. Von Siddy Wronski. Berlm- Schöneberg. — Ueber Familienerziehung. Von Dr. Vt. Spanier, Berlin — Feuilleton: Die ersten Schritte. Von A. Werbitzky. — Literarisäie' Mitteilungen. — .Sprechsaal. Der Gemetndebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Breslau, Burgsteinsurt, Wolsendüitel, Fürth, Negensdurg, Straßburg i. E., Wien, Bukarest. — Von Nah und Fern. Die XXIV. Versammlung amerikanischer Naddmer. Von Ludwig Geiger. 3n Amerika, und zwar in Atlantic City (New Jersey), fand vom 2. bis 8. Juli 1913 die XXIV. Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner statt. Ueber die dort gepflogenen Verhandlungen ist nun ein stattlicher Band erschienen, der uns über alle Einzelheitengenau unterrichtet). Wir besitzen inDeutschland nichts Aehnliches, denn über die bei uns abgehaltencn Sitzungen der Rabbinerverbände oder die Versammlungen der freisinnigen Rabbiner erscheinen meist nur kurze Protokolle in jüdischen Zeitungen. Nur über die ersten Rabbinerversammlungen in Deutschland, 1844—1846, und über die Synoden in Leipzig und Augsburg sind auch ausführliche Protokolle in Buchform veröffentlicht worden. Die Amerikaner sind großzügiger als ihre deutschen Kollegen, denn alljährlich wird dort ein umfangreicher Band herausgegeben, der über die Verhandlungen genauen Bericht abstattet. Ich habe schon in früheren Jahren mehrere solcher Bände besprochen. Während ich mich sonst damit begnügte, ein kurzes Referat zu geben, halte ich es bei der Bedeutung der Sache diesmal für angemessener, in einem längeren Artikel zu berichten. Die Versammlung dauerte acht Tage, erledigte naturgemäß vieles Geschäftliche, wie die Einsetzung mancher Komitees, beschäftigte sich mit Wahlen und ehrte Verstorbene. Die Reden, die den Heimgegangenen Kollegen Israel Aaron, Michaelis Machol, David Blaustein gewidmet waren, sollen indessen hier ebensowenig analysiert oder beurteilt werden wie die Vorträge, deren wörtliche Mitteilung in unserem Bande gewiß vielen willkommen ist. Es genüge daher, die Titel dieser Vorträge nebst den Rednern kurz zu verzeichnen: Jacob Singer: Jüdische Musik, historisch betrachtet; Jacob Z. Lauterbach: Die Ethik der Halacha; Ehas. S. Levi: Probleme der amerikanischen Judenheit; Simon R. Cohen: Ohne Spott oder Tadel; Max Heller: y Har Book of the Central Conference of American Rabbis. Volume XXIII. Edited by Samuel Schulman, Solomon Foster and Ephraim Frisch. Year Book Editorial Committee. 1913 — 5673. Containing the Proceedings of the Convention held in Atlantic City, N. J. July 2 to 8, 1913. - Die Stellung der Juden in einer Rassenerklärung der Geschichte der Zivilisation; I. Leonard Levy: Das moderne Problem von Heirat und Scheidung; A. S. Anspacher: Archäologische Untersuchungen in den Ländern der Bibel. Alle diese Vorträge sind von mannigfachem Interesse, aber ein Eingehen darauf würde die uns hier gesteckten Grenzen bei weitem überschreiten. Bei derartigen Versammlungen sind das wichtigste die gefaßten Beschlüsse. Sie mögen hier von einigen Bemerkungen begleitet folgen. 1. Verurteilung des von den Polen gegen die Juden verhängten Boykotts. 2. Einsetzung einer Prüfungskommission über die Bekehrungsbestrebungen. 3. Aerztliche Bescheinigung vor der Erteilung einer Heiratserlaubnis. (Diese für unsere Verhältnisse etwas merkwürdige Bestimmung erklärt sich mit Rücksicht auf die starke Einwanderung und erscheint gerechtfertigt, da sie auch von anderen Konfessionen verlangt wird.) 4. Einrichtung von Kursen über Synagogalgesang im Hebrew Union College. 5. Bevorzugung der Juden als Chormitglieder und Organisten. (Gegen die Bevorzugung von Juden wird man gewiß nichts einzuwenden haben, aber die Begründung des Beschlusses, daß dadurch das Einheitsgefühl zwischen Betenden und Sängern ausrechterhalten und gestärkt werde, trifft für die Organisten schwerlich zu. Wir in Deutschland haben jedenfalls mit christlichen Organisten die besten Erfahrungen gemacht. Und wenn neuerdings der Versuch, den ich vollständig billige, gemacht worden ist, auch jüdische Organisten anzustellen, so ist dies nicht geschehen, um etwa Mängel zu bekämpfen, die sich bisher herausgestellt haben, sondern um auch den Juden, die sich dieser Kunst widmen, die Möglichkeit einer Beschäftigung zu gewähren.) 6. Drucklegung zweier Arbeiten (es sind zwei der obengenannten Vorträge von Lauterbach und Heller). 7. Me Beziehung zwischen Belohnung und Moral ist nicht direkt in dem Sinne, daß jede Person, die keinen entsprechenden Lohn empfängt, in Unmoral fällt, sondern indirekt in dem Sinne, daß der höhere Lohn den einzelnen befähigt, unter solchen Umgebungen zu leben, die naturgemäß geeignet sind zu allgemeinem Wohlsein und besserem moralischen Verhalten. (Ich halte diese Resolution, der übrigens keine Debatte vorausgegangen und keine solche gefolgt ist, für äußerst bedenklich, will mich aber hüten, den Beschluß irgendwie amerikanisch zu nennen. Zunächst könnte man die Frage auswerfen, ob solche Gegenstände überhaupt in eine Rabbinerkonferenz gehören. Darauf könnte mit Recht entgegnet werden: die Rabbiner sind nicht bloß Geistliche, Prediger und religiöse Funktionäre, sondern sie sind Seelsorger, die sich mit dem sittlichen Wohl ihrer Gemeindemitglieder zu beschäftigen haben. Ferner: es ist ja