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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-24 · Heft 17 (24.4.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 17 Allgemeine Berlin, 24. April 1914 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. 21 bonnenrents-pre'is; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 ITC. - posticheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Vr. Ludwig Philippson Unter Leitung -es Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf: Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer strafje 46-49, JU richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. ITttftStff * Siegmund Maybcnim. Von Rabbiner Dr. M. Warschauer. IJUI|UU* — Die Woche. — Sonntagsruhe — Sabbatruhe. Von M. Lövinson. — Bekannte Berliner Glaubensgenossen. Von A. K. — Israelitische Landessynode des Grobherzogtums Baden. — Die erste vollständige Ausgabe von Heines Briefen. Von Ludwig Geiger. — Wahre Geschichten und interessante Geschichten. Von Gotthard Deutsch. — Feuilleton: Kassius' Befehl. Von Tadeusz Koüczynski. Der Gemeirrdebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsberg i. Pr., Posen, Breslau, Hamburg, Köln, Stockholm. Petersburg. — Von Nah und Fern. Likgmund Msybsum. (Zum 70. Geburtstage, 29. April 1914.) Von Rabbiner Tr M. Warschauer. ^B^er Tag, an dem der hochverehrte Berliner KanzelirfL ) redner das siebente Jahrzehnt seines Lebens vollendet und damit ans der Zurückgezogenheit wohlverdienter Muße wieder einmal in die Öffentlichkeit tritt, wird weithin im Kreise seiner Gemeinde ein Hochgefühl freudiger, dankbarer Erinnerung erwecken. Unzählige werden ihm mit Wort und Tat, Mindestens aber im Geiste, aufs neue danken für die unvergeßlichen, wahrhaft festlichen Stunden, die er vormals ihnen bereitet hat. Sie werden feine eindrucksvolle, Begeisterung strahlende Erscheinung an heiliger Redestätte sich vergegenwärtigen, sein wundersames, zum Ausdruck jeder Empfindung bereites Organ zu vernehmen glauben, sich vom Schwung seines Wortes und seiner Gedanken auf leuchtender Bahn zur Höhe des Göttlichen emporgetragen fühlen. So werden nun die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung wieder lebendig und mächtig sich regen, die ihm, vor nunmehr acht Jahren, an seinem 25jährigen Amtsjnbiläum, ans vollem Herzen dargebracht werden durften. Heute aber — und das unterscheidet diesen Erinnernngstag von jenem - gehört der Jubilar nicht nur seiner Gemeinde, sondern dem Gesamtjudentum. Ein Tag wie dieser lädt zu einer Rückschau ein auf sein ganzes Lebenswerk, das nicht nur seiner Gemeinde, sondern der jüdischen Gesamtheit gegolten hat. Wer durch etwa drei Jahrzehnte religiöser Führer einer der hervorragendsten Gemeinden der Judenheit gewesen ist, in ernster, erfolgreicher Arbeit der jüdischen Wissenschaft gedient, als Bildner des theologischen Nachwuchses eine ganze Schar in allen Teilen der Welt, vielfach an bedeutsamer Stelle in seinem Geiste wirkender Schüler ausgestellt hat —- abgesehen von anderweitiger Mitarbeit an den jüdischen Gegenwartsaufgaben der hat seine Kraft, sein Leben dem Judentum geweiht. Es gilt also heute, des Jubilars^Ledeutung für unsere gesamte Gemeinschast in Dankbarkeit zu würdigen. Diese Aufgabe scheint uns gelöst mit dem einen Satze: Mahbaum ist in Wahrheit ein jüdischer Theologe gewesen. Das sieht wie etwas Selbstverständliches aus und klingt daher sonderbar. Was soll also damit gesagt werden? Die jüdische Theologie, ein Kind der letzten hundert Jahre, ist im Grunde eine noch recht junge, ja auch heute noch eine erst werdende, aus den Anfängen sich emporringende Wissenschaft. Ihre Schöpfer sind Leopold Zunz und Abraham Geiger. Zunz, der souveräne Beherrscher einer Literatur von Jahrtausenden und ihr genialster Erforscher, hat außer unsterblichen Werken der jüdischen Wissenschaft die Methode gegeben, die allein wissenschaftliche Methode voraussetzungsloser, freier Forschung, die vor keiner Urkunde des Judentums, auch nicht vor der heiligsten, der Bibel, haltmacht. Geiger aber ist es vor allem gewesen, .der das Wesen und die Aufgabe einer jüdischen Theologie klar ersaßt und zum Ausdruck gebracht hat. Er hat der neuen Wissenschaft des Judentums ihre wahre, höchste Ausgabe gestellt: nicht nur, wie die Alten taten, immer wieder das religionsgesetzliche Schrifttum zu durchforschen und die Anwendung der religiösen Normen ans das Leben zu sichern: auch nicht, wie so viele Neuere, sich in der Aufhäufung historischer und literarischer Einzeltatsachen zu erschöpfen: sondern wie die Religion so auch das Judentum als geschichtliche, das heißt stets werdende Erscheinung zu begreifen, dem Werden des Judentums nachzugehen, um sein Wesen zu erfassen und in Wissenschaft und Leben zur Darstellung zu bringen. Das war ihm und das ist in Wahrheit „jüdische Theologie". Auf den Bahnen dieses Mannes und dieser Gedanken, deren gewaltige Bedeutung auch heute noch nicht genügend erkannt ist, gewandelt zu sein, zu der seinerzeit nicht allzu großen Zahl seiner Adepten gehört zu haben, ein jüdischer Theologe in seinem Sinne gewesen zu sein, darauf beruht Maybaums Bedeutung. Diese Richtung seines Geistes und seiner Arbeit kam deutlich zum Ausdruck in den beiden ersten größeren Werken, die er, im Drange des praktisch-theologischen Amtes stehend, geschaffen hat, und in denen er die Entwicklung des Priestertums und der Prophetie im alten Israel darzustellen suchte. Abgesehen von ihren Resultaten, scheinen mir Verdienst und Bedeutung dieser Arbeiten vor allem darin zu liegen, daß hier einmal biblische Probleme, sonst seit langem eine von der jüdischen Wissenschaft an die protestantische Theologie unrühmlich ausgelieferte Domäne, von einem jüdischen Theologen in wissenschaftlichem Geiste angefaßt und behandelt wurden. In der Hand eines Mannes aber, der erst durch die orthodoxe Talmudschule/dann durch eine theologische Schule gegangen ist, welche die kritische Bibelsorschung grundsätzlich ablehnte, sind sie ein besonderes und beredtes Zeugnis entwicklungsfähigen, selbständigen Denkens nnd echt wissenschaftlichen, intuitiven Sinnes. Beides weiter zu bewähren, fand sich Gelegenheit, als nach des vortrefflichen Frankl allzu frühem Heimgang Mahbaum, vor allem als Lehrer der praktisch-theologischen Fächer, an die „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" berufen wurde. Hier hat er durch Jahrzehnte auf seinem Gebiete in

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