Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
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- 6 - nicht im Interesse des Landes liegen, und es ist -auch nicht gerecht, daß dann, wenn durch -die durchzuWhrenden Politischen und wirtschaftlichen Umwandlungen das Aussehen Rumänie-irs geändert wird, einzig und allein die Judenfrage unerledigt' bleibe und in dieser Weife ein unmöglicher Instand der Dinge fortgesetzt wird, der das Land nach innen und nach außen schädigt." * Suhlsnd. 7. Warschau, 27. März. Die Ausweisungen im russischpolnischen Rayon haben in der letzten Zeit ganz ungeheuerliche Dimensionen angenommen. Im Zusammenhang mit dem Boykott, der seit dem vorigen Jahre seitens der polnischen Bevölkerung gegen die Juden wütet und bereits unzähliges wirtschaftiches Unheil angestistet hat, macht sich in der jüngsten Zeit das gefährliche Bestreben der polnischen Agitation breit, die Juden aus den Dörfern durch Admiuistrationsmatznahmen zu verdrängen. Ein „echt russisches" Gesetz ermöglicht es nämlich jeder Dorfgemeinde, Beschlüsse auf Ausweisung der gesamten, im betreffenden Dorfe wohnhaften jüdischen Bevölkerung zu fassen. Von diesem Gesetz, das, in der Pogromzeit der achtziger Jahre abgefaßt, dm einzigen Zweck hat, die christliche Bevölkerung gegen die Juden aufzustacheln, machen jetzt die polnischen Agitatoren einen geradezu barbarischen Gebrauch. Jede Dorfgemeinde wird solange von zugereisten Hetzgeistern durchwühlt, bis ihr die betreffende Petition abgepreßt wird. Was dabei an Pogromagitation geleistet wird, ist leicht ersichtlich. Wenn eine Dorfgemeinde sich dazu entschließt, Hunderte von Familien, die seit Generationen am Orte wohnen, durch Ausweisung ins Elend zu stürzen, so muß schon der dort angesamrnelte und entfachte Haß eine außergewöhnliche Stärke erreicht haben. Erst vor kurzem hatte die Gemeinde Dlugosjadlo (Gouvernement Lomscha) den Beschluß gefaßt, daß die auf ihrem Gebiete wohnhaften hundertundfünfzig jüdischen Familien samt und sonders auszuweism seien, und dieser Beschluß war bereits der Ausführung nahe, als das Ministerium des Innern die Einstellung der Ausweisung anordnete. Nun beschloß das Gemeindegericht vorn Strjemesan (Gouvernement Petrikau) die Vertreibung von zweihundert jüdischen, Familien aus diesem Orte. Da dazu die den betroffenen Juden gewährte Frist zur Liquidierung ihrer Geschäfte sehr kurz ist, so droht ihnen völliger wirtschaftlicher Ruin. In ihrer Not haben sich diese zweihundert Familien an den Gouverneur von Petrikau mit einem Gesuch um wenigstens zeitweiligen Aufschub des unheilvollen Aktes gewandt. Wie auch die Antwort in diesem Falle aussallen mag, die jüdische Dorfbevölkerung Russisch-Polens erlebt jetzt durchweg einen permanenten Pogrom, da sie in ständiger Furcht vor solchen Gemeindebeschlüssen sich befindet. Die teuflische Judenpolitik der russischen Regierung kann sich aber rühmen, durch ihre spezifischen Gesetze die Pogromstimmnngen gefördert und teilweise gezüchtet zu haben. Jetzt erst leuchtet ihr ein, daß das von ihr durchgeführte System das Wirtschaftsleben Russisch-Polens im allgemeinen bedroht und soll darum entschlossen sein, dem polnischen Boykott durch ein spezielles Gesetz ein Ende zu machen. Nachdem sie aber in Polen Jahre hindurch einerseits alle freiheitlichen Bestrebungen unterbunden, anderseits von allen politischen Lebensäußernngen des Weichselgebietes nur die polnischen Boykottbestrebungen zugelassen hat, dürften jetzt auch gesetzliche Eingriffe schwerlich zum Ziel führen. Melchiorstr.18 r® Ä herrsch. H., Bad, viel Zubeh., elektr. Licht. 6 -Zimmer-Wohnung mod. Anthrazit-Heiz., elekt. Licht, Warnt Wasser, in herrschaftl. Hause, Sdunid straße 3, nahe Untergrundu. Stadt bahn, sofort zu verm. Nah. b. Wirt, 1 Tr. 8, nahe Winterfeldtplatz, O renov. 4 5 Z.-Wvhn. 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