Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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eitung desAudenlums. 78. ^skrxaox. k^r. 14 Berlin, 3. April 1914 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch» Handel oder die Post (in Berlin und vororten durch unsere Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps-« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: NuLolk Mosse, verUn» Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf rnofse, Berlin. Moritz Levin. Von Albert K atz. — Die Woche. — Bild- IfUIjUll* Hauer Jakob Pleßner. Bon Lud w ig Geiger. — Das Proportionalwahlrecht. Von Julius Cohn. — Eine Geschichte der Gedankenfreiheit. Von F. L. — Frank Wedekinds „Simson". Besprochen von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Lebenssehnsucht. Von Eduard Kaufmann, Wien. - Zur Gründung eines Jugendbundes. Prolog von Nabb. Dr. Salomonfki, Frankfurt a. O. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. Dev Gemeirrdebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsbergs Pr., Graudenz, Posen, Hamburg, Nürnberg, Wiesbaden, Frankfurt a.M., Wien, Bukarest, Warschau. — Von Nah und Fern. Moritz Leoin. Zu seinem dreißigjährigen Amtsjubiläum. s ist kein leeres Wort, das uns in den alten Sprüchen der Väter ausbewahrt ist: An wem der Sinn der Menschen ein^ Wohlgefallen findet, an dem hat auch Gott sein Wohlgefallen. An dieses Wort muß ich unwillkürlich beim Niederschreiben dieser Zeilen denken, die der Ehrung eines der edelsten und feinsinnigsten Männer der deutschen Judenheit, des Dr. Moritz Levin, gelten, der heute auf eine dreißigjährige Wirksamkeit als Prediger an der Berliner jüdischen Reformgemeinde zurückblickt. Wie nur an den Auserwähltesten seines Standes hat sich an ihm das eingangs erwähnte Wort in vollem Maße erfüllt. Schon in den Orten seiner früheren Amtstätigkeit, in Zürich sowohl wie später in Nürnberg, schlugen ihm in Liebe und Verehrung die Herzen der Gemeindemitglieder entgegen, erkannten sie in ihm einen Mann nach dem Herzen Gottes, einen in sich gefestigten, charaktervollen Mann, der, wie sein späteres Leben bewies, schon in jungen Jahren dem bewährten Rat des weisen Spruchdichters gefolgt war: Liebe und Treue dürfen dich nicht verlassen, binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, und du findest Gunst und Wohlgefallen in den Augen Gottes und der Menschen (Sprüche 3, 3—4). Freilich war es zunächst der hervorragend geniale Kanzelredner, dessen inhaltreiche, sormvollj endete Predigten eine geradezu faszinierende Wirkung ans- ' j übten, dem diese Liebe und Verehrung galten. Allein diese J | unserem Jubilar zuteil gewordene Gottesgabe, wie hoch wir : sie auch einschätzen, und wie oft wir sie zu bewundern auch!:jj j Gelegenheit hatten, war es nicht ausschließlich, die ihm überall die Herzen eroberte und ihn zum Mittelpunkte, zum Führer I | der auf seine Worte lauschenden Kreise machte. Moritz Levin z i wirkte und wirkt vornehmlich durch die Macht seiner achtung- - i gebietenden Persönlichkeit, durch die ihn auszeichnende, ich (! möchte sagen, ihm angeborene Glaubenstreue und Wahrheits- | liebe, die ihn als schützende, vorwärts führende Engel durch 1 das Leben begleiteten und ihm den Weg zur Gotteserkenntnis i; und Betätigung der Väterlehre zeigten. Wenn je einer, dürfte j; ■ der Prediger Dr. Moritz Levin für sich das Recht in Anspruch I nehmen, seinen Freunden und;J; Verehrern zuzurufen: Richtet |! euch nicht nur nach meinen Worten, sondern auch nach r meinen Taten. Zur Ehre des § Jubilars sei es gesagt, daß er s während seiner langen Wirk- |! samkeit im Dienste des Judenf tums nur das eine Ziel vcr- 'st folgte: Lehre und Leben in har-;; manischen Einklang zu brinjj gen und den jüdischen Einheits- J gedanken weithin zu verkünden jj und zu fördern. Er, der nun!j seit drei Dezennien als Prediger / an der vielfach verkannten und nicht selten falsch beurteilten ,> Reformgemeinde wirkt, war '{ und ist stets bestrebt, die Fahne des historischen Judentums und feiner alten Lehre seinen Gea treuen voranzutragen und ihnen unablässig ans Herz zu ji legen: das Band der Znsam- (j mengehörigkeit mit der Kei< nesseth Israel, der großen jüjj dischen Gesamtheit, darf nicht ij durchschnitten werden; wir hali ben vielmehr die heilige Aufgabe, es immer von neuem zu befestigen und dürfen nichts unternehmen, was den geschichtlichen Boden, auf dein unsere Gemeinde von Anfang an gestanden hat, erschüttern Dr. M. Levin. I 7, WVi