Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 122 —- gerade Oberlandesgerichtsrat, ein glänzender Jurist. Und auf amtliche Anfrage erklärte er sich bereit, dem Ruf zu folgen. Aber siehe da, in Berlin zog man die Augenbrauen hoch. Wie, ein Jude? Und mag er zehnmal Korpsstudent und Offizier und Staatsanwalt gewesen fein — was er in Preußen niemals geworden wäre - : das Reichsgericht muß jndenrein bleiben; so erklärte mit aller wünschenswerten Offenheit der damalige Staatssekretär des Reichsjustizamts. Der Leiter der elsaß-lothringischen Verwaltung, selbst ein stockkonservativer Altpreuße — es war kein anderer als Herr v. Koeller geriet in Harnisch und wollte eine Plenarentscheidung des Bundesrats herbeiführen. Allein der Statthalter wollte keine Aufregung, keine Unruhe, keine Krisis, und man fügte sich schließlich um des lieben Friedens willen. Der Mann, der trotz dem Gesetz von 1869 als Jude unfähig sein sollte, Reichsgerichtsrat zu werden, ist der Sohn jenes Juden aus Landau, der am 19. Juli 1870 gerufen hatte: „Unter allen Umständen mit Deutschland, tut Notfall lieber untergehen als schmachvoll bestehen unter dem Schutze Frankreichs!" Die elsaß-lothringische Regierung hat ihn, den Zurückgeü'iesenen, zum Landgerichtsdirektor, zum Geheimen Justizrat, später gar, was in Preußen undenkbar wäre, zum Senats- Präsidenten am Oberlandesgericht gemacht. Der Unterstaatssekretär der Justiz Dr. Petri, der nach der Zabernaffäre zurückgetreten ist, wie der Staatssekretär, wie der Statthalter bewiesen, daß das gleiche Recht für sie kein leeres Wort war. Und deshalb wird man es auch nicht für ein leeres Wort halten, ivcnn jetzt der Kurator der Straßburger Universität im Namen der Regierung erklärt, „daß jede Konfession gleichgeachtet werden soll". Ob preußische Minister diesen Satz öffentlich und zuversichtlich wiederholen werden? Ob sie behaupten werden, bei der Besetzung der Lehrstühle an den Universitäten, bei der Berufung in Stellen der Justiz oder Verwaltung, vollends bei der Wahl zum Offizier werde „jede Konfession gleichgeachtet", werde lediglich auf die Befähigung gesehen? Und wenn sie es behaupten: wer dann jeden Zweifel aufgibt, des Glaube kann sicherlich Berge versetzen. Der Kurator Back hat die Einwendungen gegen die wissenschaftliche Befähigung Simmels keiner Erwiderung gewürdigt. Sie war nicht nötig. Das Ansehen des Gelehrten macht jede Erwiderung überflüssig. Aber bestehen bleibt das Bekenntnis, daß Sinunel, der kein Jude ist, die Berufung als ordentlicher Professor nach Straßburg erhalten hätte, auch wenn er Jude wäre. Denn die rcichsländische Regierung rühmt sich, daß; sic die Gleichberechtigung der Konfessionen zur Tat mache. j Wann wird auch in Preußen das verfassungsmäßig und : reichsgesetzlich verbürgte gleiche Recht endlich zur Tat und; Wahrheit werden? Bit Woche. Berlin, den 10. März 1914. as Große A k t i o n s k o m i t e e der zionistischen Organisation hielt am 27. und 28. Februar und am 1. März eine Sitzung ab, an der 26 Herren aus Deutschland, Oesterreich, Rußland, England und Belgien und einige Gäste aus Palästina teilnahmen. Tr. E. W. T s ch l e n o w berichtete ausführlich über den Sprachenstreit in Palästina und das neue hebräische Schulwerk und fuhr dann wörtlich fort: „Uns schwebt eine Zukunft vor, wo dos jetzt gebildete Netz sämtliche jüdischen Schulen Palästinas mnfassen wird, die olle auf hebräischer Grundlage selbständig, ohne Druck und Vormundschaft, ohne äußere Tendenzen, von dem Geiste und ben Bedürfnissen des au stellenden Volkes allein beeinflußt, sich frei entwickeln werden. Und dann wird jeder erkennen müssen, daß die Grundsteine zu diesem großen Volksbau in diesen Monaten gelegt wurden." Der Bericht des Aktionskomitees gab ferner eine U ebersicht über die Vorbereitungsarbeiten für die Universität in Jerusalem, deren Gründung bekanntlich auf dem letzten Zionistenkongreß in Wien beschlossen wurde. Eine sehr eingehende Diskussion in der Sitzung vom 28. Februar führte zu dem Ergebnis, daß die Hauptarbeit der zionistischen Organisation in der nächsten Zeit der Palestine Land Development Company (Palästina- Land-Entwicklungsgesellschaft) zugewendet werden müsse. Es wurde nahezu einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „Dos Große Aktionskomitee beauftragt das Engere Aktionskomitee, eine großzügige und planmäßige Aktion zur Vergrößerung des Kapitals der Palestine Development Company einzuleiten und den geeigneten Zeitpunkt für diese Aktion zu bestimmen." Zürn Schluß der Tagung wurde folgende Resolution angenommen: „Nach Anhörung der Berichte der E. A. C. und der Vertreter der palästinensischen Lehrerltnb Bürgerschaft gibt das Große Aktionskomitee seiner lebhaften Genugtuung und Freude Ausdruck über die würdige und erfolgreiche Verteidigung der hebräischen Sprachein Palästina. Das Große Aktionskomitee beglückwünscht die palästinensische Judenheit zu ihrer begeisterten und zielbewussten Haltung; es billigt alle vom E. A. C. bisher getroffenen Maßnahmen zur Sicherstellung und Enllvicklung unseres nationalen Schulwerks in Palästina und fordert die zionistische Organisation zu weiterer energischer Förderung dieser Tätigkeit auf." Zur Leitung und Verwaltung des hebräischen Schulwerks in Palästina soll ein provisorisches Schulkomitee eingesetzt werden, dem zwei Vertreter des zionistischen Aktionskomitees, zwei Vertreter der Odessaer Palästinagesellschaft und zwei Vertreter der palästinensischen Judenheit angehören sollen. Der Etat der hebräischen Schulen soll vom Aktionskomitee zu zwei Dritteln und dem Odessaer Komitee zu einem Drittel gedeckt werden. * Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Unter der Ueberschrift: „Streit innerhalb der Judenschaft" bringt die Nr. 281 des berüchtigten Antisemitenblattes „Hammer" eine Besprechung der von den jüdischen Notabeln gegen die Zionisten radikalster Richtung' veröffentlichen Erklärung. Der „Hammer", der natürlich seine hellste Freude an diesem Bruderkriege hat, schreibt wörtlich: „Uns will nun dünken, als ob die Zionisten den ehrlichsten und aufrichtigsten Teil des Judentums darstellten. Sie besitzen den Mut, ehrlich zu bekennen, daß sie sich durch ihre Nation und Rasse für Immer von dem deutschen Volke geschieden fühlen, daß sie nicht Deutsche werden können und wollen. Und sie ziehen die weiteren Folgerungen daraus und erstreben einen selbständigen jüdischen Nationalstaat." Nachdem dann die „mannhaften" Zionisten auf Kosten der „mit talmudischem Hochmut das bisherige Verstecktspiel weiter treibenden", übrigen Juden reichlich gelobt werden, schließt die Besprechung mit dem herzlichen Wunsche: „Wir wünschen also den Zionisten den besten Erfolg!" Das können die echten Antisemiten auch, denn was könnte ihnen Besseres geschehen, als wenn wirklich die deutsche Judenheit aufhörte, sich unlöslich mit dem deutschen Volke verwachsen zu fühlen? Haben wir nicht recht, wenn wir uns immer wieder beklagen, daß gerade die Zionisten den Antisemiten die besten Waffen liefern, indem sie, die doch auch deutsche Juden sind, friedlich erklären, daß der Jude nicht deutsch werden könne und wolle? Sehr tapfere Worte finden sich in einem Artikel des Herrn Dr. Krombach in den „K. E. Blättern" (2. März 1914). Sie lauten: Anders denken freilich jene erwähnten Gruppen unserem jüdischen Gegner. Für sie sind die Begriffe Jude und Deutscher schroffe