Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-4 Verdrehung gleich einer Katastrophe für Zehntausende von Juden. Noch eines anderen Mittels bedient sich die russische Verwaltung. Sie seht die nach der gleichen Richtung zielende Boykottbestrebung der polnischen Agitatoren in Wirklichkeit um. Wo auch immer ans Betreiben der Polnischen Geistlichen und angeblich nationalistischer Politiker die fanatisierte Dorfbevölkerung eine Resolution faßt, welche die Bertreibnng der Inden aus ihrem Wohnort fordert, sind die Regierungskommisfäre sofort bereit, die grausamen Beschlüsse durchzuführen. Infolge der Boykottbestrebungen, die seit einem Jahr das Land zerwühlen, ist nun einmal die Stimmung im Volke derart, das; das Elend von Tausenden kaum noch jemanden rührt. Von Sah und ffern. — Professor Dr. Martin W 0 l s f, der als außerordentlicher Professor der juristischen Fakultät an der Universität Berlin tätig ist, bat einen Ruf als ordentlicher Professor nach Marburg erhalten und soeben angenommen. Prosessor Wolfs wird am 1. April nach seinem neuen Wirkungskreis übersiedeln. Das Scheiden des allgemein beliebten Rechtslehrers aus Berlin wird in juristischen und akademischen Kreisen lebhaft bedauert werden. Professor Wolfs, der sich 1000 als Privatdozent an der hiesigen Universität habilitierte, gehört zu unseren bestell akademischen Lehrern. -- Herr Emil S t e r n b e r g , Mitinhaber der Firma Emil Steruberg u. Co., Wäschefabrik, Klosterstraße 86, ist zum königlichen Handelsrichter am Landgericht 111 ernannt lvorden. Herrn Dr. Paul Bk eher, Begründer und Vorstandsmitglied der gleichnamigen elektrotechnischen Spezialfabrik und Vorstandsmitglied der Ständigen Ausstellnngskommission, wurde der Titel Königlicher Baurat verliehen. -- Kommerzienrat Leo Lustig hat dem Magistrat 17 000 Mart für eine städtische Stiftung überwiesen. — Der Eharakter als Sanitätsrat ist verliehen worden: den Aerzteu Dr. Karl B l o ch , Tr. Mar G l a ß , Dr. Adolf I a c o b y , Dr. Mar L e i ch t e n t r i t t, Tr. Robert M ü l l e r h e i m in Berlin und Dr. Julius F i s ch e r in Pankow. Den Eharakter als Geheimer Sanitüts--- rat hat Dr. Samuel F a b i a u, Berlin, erhalten. — Rach längerem Leiden ist am 80. v. M. der Handelsrichter Herr Paul Dahlheim im Alter von 68 Jahren gestorben. Ter Dahingeschiedene beteiligte sich lange Jahre hindurch als Mitglied der Armenkvmmission wie als Mitglied und Rendant des Vorstandes des Hospitals der jüdischen Gemeinde mit großer Hingebung an der jüdischen Wohltätigkeitspflege. Auch dem Erholungsheim für selbständige Kaufleute und anderen gemeinnützigen Einrichtungen brachte er reges Interesse entgegen. Die Beisetzung erfolgte am letzten Montag unter großer Beteiligung auf dem Friedhof in Weißensee. - - Anläßlich dcG' 70. Geburtstages seiner Frau hat der Fabrikbesitzer Julius Eafs i rer der Stadt Eharlottenburg einen Betrag von 20 000 Mark als „Jnlie-Eassirer-Stiftung" überwiesen. Die Zinsen der Stiftung sollen jährlich am 17. Januar an über 50 Jahre alte alleinstehende Mädchen oder Frauen in Beträge;; von nicht unter 100 Mark verteilt loerdeu, und zwar je zur Hälfte an Jüdinnen und Nichtjüdinnen. - Am 27. v. M. ist der Privatdozent Herr Prof. Dr. med. Heinrich Grabow er im 65. Lebensjahre verschieden. Der Heimgegangene lvar fast zwei Jahrzehnte als Mitglied der Fürsorgekommission der Berliner jüdischen Gemeinde tätig und hat deren Arbeite;! allezeit durch rege Anteilnahme und seinen wertvollen ärztlichen Rat gefordert. Ehre seinem Andenken. — Ans Hohensalza wird uns geschrieben: In der letzten Stadtoerordnetensitzung wurden für bauliche Erlveiterungen des Erua-Levy-Heims, eines Erholungsheims für jüdische Kinder, 8000 Mark bewilligt und der Verpachtung dieses Heims für 1200 Mark zugestimmt. Bei der kürzlich stattgchabten Ergänzungswahl für den dritten Wahlbezirk, umfassend die Kreise Hohensalza und Stretno, ist zum Mitglied der Bromberger Handelskammer für die Wahlperiode vom 1. Januar 1914 bis Ende 1919 der Fabrikbesitzer Karl Frendenthal aus Hohensalza gelvählt lvorden. - Die jüdische Gemeinde in Posen hat die Bibliothek des verstorbenen Dberrabbiuers Dr. W. F e i l ch e u s e l d übernommen; die lvertvollsten wissenschaftlichen Werke sollen als Grundstock einer Gemeiudebibliothek benutzt werden. - - Das Ostrowoer Schutzkomitee des Hilfsvereins der Deutschen Juden unterstützte in; vergangenen Jahre 1820 Durchreisende mit 5465 Mark, die von der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" gedeckt wurden. - Am 14. v. M. verstarb in Greifslvald Herr Hermann Wedel im 55. Lebensjahre. Durch seinen unermüdlichen Fleiß hat der Berstorbene sich aus kleinen Anfängen zu einer angesehellen kaufmännischen Stellung emporgernngen und sein anfänglich kleines Geschäft in ein großes Kaufhaus nmgewandelt. Er lvar seit Jahren erster Direktor der Bürgerressource, Mitglied der Schützenkompagnie linb Vorsteher der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde. — Aus Elberfeld wird uns geschrieben: Aus Anlaß der Feier von Kaisers Geburtstag sowie in Erfüllung einer seinerzeit gegebenen Zusage stiftete Oberbürgermeister Funck. dem jüdischen Altersheim ein Prachtvolles Kaiserbildnis mit Rahmen. — Herr Geh. Kommerzienrat Leo Gans in Frankfurt a. M., der anläßlich der Geburtstagsfeier des Kaisers den Kronenorden 2. Klasse erhielt, ist, wie uns mitgeteilt lvird, seit langer Zeit getauft. — Fräulein Sophie Dupa r y. Tochter des Schriftstellers und Politikers Arje Duparh in Aulsterdam, ist zur städtischen Archivarin ernannt worden. - Aus Paris wird gemeldet: Baron Moris de Rothschild gab vor kurzem zu Ehren des Jnfanten von Spanien einen Empfangsabend, an welchem auch der russische Botschafter in Paris Jswolski erschienen ist. In derselben Woche war der russische Großfürst Boris der Gast des Dr. Henry de Rothschild und einen Tag später des reichen Juden Wertheim. Es ist die Frage, ob die beiden reichen hervorragenden Russen sich bei ihren Gastgebern in Petersburg revanchieren könnten, da nach den russischen Gesetzen de;; ausländischen Juden, ja selbst de;; russischen Jilden zum allergrößten Teile der Aufenthalt in Petersburg verboten ist. — Wie die „Londoner Times" berichten, wurde ein jüdischer Richter in Britisch- Kolumbieu, der junge jüdische Advokat Samuel D. Schultz in Banconver (Britisch-Kolnmbien) von der Regierung in Ottawa zum Richter des Bezirkes Banconver ernannt. Schultz genießt als Jurist hohes Ansehen. Er nimmt an allen religiösen und gesellschaftlichen Angelegenheiten der Judenschaft in Britisch-Kolnmbien regen Allteil und ist auch jetzt Präsident der B'ne Brith-Loge in Banconver. Seine Eltern waren ails Deutschland eingewandert, er selbst aber ist bereits in Viktoria, Britisch-Kolnmbien, geboren. —- Vor einigen Tagen fanden in Bulgarien die Wahlen in die Handelskammer statt. Sowohl in Sofia als auch in Burga und Varna wurde je ein jüdisches Mitglied in den Rat der betreffenden Handelskammern gewählt. — Die Wilnaer Behörden sind in ihrem Judenhaß wahrhaft konsegnent. Sie haben llämkich an einem Abend der Esperautoanhäuger die Verlesung von Gedichten in der Esperantosprache verboten. Motiv: der Schöpfer des Esperanto sei ein Jude gewesen. - Ans Konstantinopel lvird gemeldet: In dem neuen Gesetz über die Wilajets hat das französische Bankhaus Parier eine auf 40 Jahre lautende Konzession erhalten znm Bau einer Trambahn von Jerusalem nach Bethlehem, zur Installierung der elektrischen Beleuchtung in der Stadt und zur Anlage einer Wasserleitung von Wadi Forah aus. Nahezu 5000 Personen haben, wie ans dlm Jork berichtet wird, an der Eröffnungsfeier des Montefioreheims für unheilbare Kranke in New Uork teilgenommen. Wie bei allen großzügigen Wohlfahrtsakten steht auch hier der berühmte Philanthrop Jakob H. Schiff an der Spitze. Die Bedeutung dieser neuen Wohlfahrtsanstalt erhellt aus der Tatsache, daß das Gebäude allein rund zwei Millionen Dollar gekostet hat, lvovon rund 900 000 Dollar durch private Spenden aufgebracht wurden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kah in Berlin - Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrntander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in B rlin. Neue Sportbah» im Riesengebirge. In dem idyllisch am Fuße des Kolbenkammes und am östlichen Ausstieg nach den Grenzbnuden gelegenen Hermsdorf städt. ist durch vereinte Bemühungen des Berkehrsverbandes für den Osten des Riesengebirges und des Riesengebirgsvereins eine Rodel- und Hvrnerschlittenbahn entstanden, die allen Sportfreunden ganz besonders empfohlen werden darf. Die Bahn beginnt in 910 m'Höhe bei den „Weißen Steinen" und senkt sich in gleichmäßigem, scharfem Fall, dabei verschiedene Windungen machend, bis zil 650 in am Gasthof „Zum grünen Wald" am oberen Ende von Hcrmsdorf. Die Bah» führt durch Fichtenbestände, die, augenblicklich tief verschneit, einen entzückenden Anblick breten. Der 'Aufstieg erfolgt auf einem Wege, der herrliche Fernsichten bietet. In den Gasthäusern stehen Schlitten und Führer jederzeit zur Berfüauna. Hermsdorf städt. hat „Fahrpostverbindimg" mit Liebau (an der Strecke Ruhbank—Landshut—Liebau). Aber auch von Schmiedcberg oder Dittersbach städt. ist Hermsdors und seine Waldrodelbahn über das sogenannte Ausgespann leicht zu erreichen. Auch für den Schneeschuh,Port bietet Hermsdors in diesem Jahre besonders günstige Gelegenheit; es kommt hinzu, daß die Unterkunft wesentlich billiger als ans den Bauden des Kammes ist. Auskunft erteilt: Jos. Buchberger, A. Fromhold, W. Weiß oder die Riesengebirgsvereinsortsgruppe in Michelsdorf-Hermsdorf städt. (Fernsprecher Nr. 2, Hermsdors städt.).