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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-30 · Heft 5 (30.1.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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-'4 22 Elberfeld, 23. Januar. Die Novemberversalnmlung des I ü d i s ch e n F raue n b nndes, Ortsgruppe Elberfeld, brachte der Ortsgruppe einen regen Gedankenaustausch über jüdische Eigenart. Das Referat hierzu hielt Frau Elli Herz, die es in geschickter Weise verstanden hatte, die Eigenart der Juden zu beleuchten. Eine lebhafte Diskussion setzte bei Besprechung des Cronerschen Buches „Die moderne Jüdin" ein und die Verlesung der Kritik von Dr. Rost, Karlsruhe, in der „Kölnischen Bolkszeitung", der leider in wenig wohlwollender Weise die Fragen, die Ella Croner behandelte, besprach, das Gute verschwieg, das Ungünstige um so mehr hervorhob. Da aber dieser Artikel wie die Erwiderung von Rosa Bodenheimer das Eronersche Buch nicht erschöpfen konnten, erklärte sich Frau Rabbiner Dr. R o r d e n bereit, für einen zweiten Diskussionsnachmittag einen Auszug ans dem Buche zu bringen. Frau Emil Meyer berichtete noch über die Versammlung des Stadtverbandes Elb-erfelder Frauenvereine, insbesondere über die Wahlen zur Ortskrankenkasse, Frau Auerbach über den Gang des Arbeitsnachweises. — In der Versammlung am 11. Dezember sprach Herr Oberkantor Zivi über Dualitäten und Onantitäten des Lynagogengesanges. Seine Ausführungen hatten den Erfolg einer Reihe von Anmeldungen ans dem Zuhörerkreise zmn Synagoaenchor. - Da von 11 zu konfirmierenden Mädchen sich nur wenige gemeldet hatten, nahm auf Antrag der Vorsitzenden die Bersammlung zu dieser Frage Stellung. Sie beschloß, warm iür die Mädchenkonsirmation einzntreten, damit, gleich den Knaben, auch den Mädchen durch die Vorbereitung die nötigen Kenntnisse vermittelt werden und auch sie den Tag der Konfirmation als eine loeihevolle Erinnerung mit ins Leben hinausnehmen. — Ter Vortragszyklus von Herrn Rabbiner Dr. Norden: „Tie Propheten als Begründer der jüdischen Sittenlehre", zu dem eine große Anzahl Tarnen und Herren sich eingeschrieben hatten, hat im November begonnen. Zwei der acht Vorträge haben bereits stattgefunden. Der rege Gedankenaustausch beweist das große Interesse an dem Thema. Da infolge Aenderung des Programms des hiesigen Vereins für Fraueubestrebungen Frau Henriette Fürth statt im Februar schon im Januar in Elberfeld und auch bei uns spricht, mußte das Referat von Frau Dr. Nord e n nochmals zurückgestellt werden. Dasselbe findet voraussichtlich am 12. Februar statt. Wir können zu unserer Freude fonftatiorcn, daß die Versammlungen fast durchweg ganz vorzüglich besucht waren. 22 Holzminden, 22. Januar. Das 711jährige Bestehen ihrer Synagoge beging die hiesige jüdische Gemeinde. Die Feier wurde durch einen Festgottesdienst eingeleitet. In seiner Festpredigt sprach Herr Strauß in eingehender Weise über die hohe Bedeutung des Tages und über die Opferfreudigkeit der damaligen jüdischen Gemeinde: er gedachte ferner in Dankbarkeit aller derer, die den Bau gefördert, und schloß schließlich seine Predigt mit Segen und Gebet für Kaiser und Herzog. Nachmittags fand eine weltliche Feier statt, an der sich zirka SO Personen beteiligten. Gesterreich-Nnysrn. K. Wien, 23. Januar. Die Statthalterei in Innsbruck hat auf Grund des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaft, nachstehende Verordnung erlassen: Für das Gebiet der Landeshauptstadt Innsbruck, Kufstein, Landeck, Schwaz usw. wird eine neue israelitische Kultusgemeinde errichtet, welche ihren Sitz in Innsbruck haben wird. Die Zuweisung der Jsraekiten des oben bezeichneten Gebietes zur israelitischen Kultusgemeinde Hohenems im Lande Vorarlberg wird außer Kraft gesetzt. Diese Verordnug trat mit dem 1. Januar 1914 in Wirksamkeit. Die neue Kultusgemeinde Innsbruck geht jetzt an die Anstellung eines akademisch gebildeten Rabbiners, der die Gemeinde auch nach außen würdig vertreten soll. Bekanntlich war der gelehrte Rabbiner von Göppingen, Dr. Tänzer, längere Zeit Rabbiner von Innsbruck; an seine segensreiche Wirksamkeit denkt die Innsbrucker Gemeinde noch heute mit Freuden Zurück. Von Msh und Lern. Der Kais er hat ans Anlaß seines Geburtstages eine Reihe von Auszeichnungen verliehen. Bon bekannten jüdischen Persönlichkeiten erhielten: Ter Vorsitzende des H i l s s v.e r e i ns der deutschen Juden Dr. James Simon in Berlin die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse, Geheimer Baurat Dr.-Jng. Emil Rathellau die goldene Denkmünze für verdienstvolle Leistungen im Bau- und Verkehrswesen, Wirkt. Geh. Rat Prof. Dr. Ehrlich | den Roten Adlerordcn 2. Klasse und Geh. Kommerzienrat Leo Gails- Frankfurt a. M. den Kroneuorden 2. Klasse. Ferner erhielten: Direktor Tr. Friedländer den Kroneuorden 3. Klasse, Frau Geheimrat A r n hold das Frauenverdienstkreuz in Silber, die Herren Fritz A dam, Fabrikbesttz..'r Isidor H i r s ch, Stadtverordneter Dr. R n - - d o l f I s a a c in Berlin die Rote-Krenz-Medaille 3. Klasse. Dell Eharakter als Geheimer Kommerzienrat erhielt Kommerzienrat Louis s Grünfeld in Beuchen, Oberschlesien. -- Der Verband für l jüdische Wohlfahrtspflege veranstaltet am Donnerstag, den 2 9. Jallnar um 8 Uhr abends im Gemeindehalls, Rosenstraße 2—4', seine 33. Delegiertenversammluilg, in der ein Bortrag voll Frau Paula O l l e n d o r f f aus Breslau über „I ü d i s ch e > soziale H i l f s a r b e i t " stattfindet. Der Eintritt ist frei, Gäste herzlich willkommen. — Dern hier seit 1867 bis zum vorigen Jahre als Weichensteller angestellt gewesenen Herrn Simon Oschinsky wurde von dem Eisenbahudirektionspräsi deuten dieser Tage das All- | gemeine Ehrenzeichen für treue Dienste überreicht. Er hatte scholl { offizielle Allerkennungen und Orden zu seineul 25. ilu'd 40. Dienstjllbilämll erhalten. — In der j ü d i s ch e n Taub ft u m m e n a u - st a l t zu Berliu-Weißensee können zum April, wie im Jnferateuteil dieser Nummer allgekündigt wird, taubstumme jüdische Kinder aus dem ganzen Deutschen Reiche, die den satzuugsmäßigen Anforderungen entsprechen, neu ausgenommen werden, gegebenenfalls in Freistellen. — Konsul I u l i u s F r iede m a n n feierte am 18. d. M. seinen 70. Geburtstag. Einer alten Berliner Familie entstammend wurde er Ehef des Bankhauses Adolf Friedemaun, das er zu Ansehell und Bedeutung erhob. Julius Friedemann, ein Veteran ans dein 66er Feldzüge, war seinerzeit der erste, der dem alten Kaiser Wilhelm nach dem Attentat Nobilings zll Hilfe kam. Kaiser Franz Josef hat dem Seniorchef des Bankhauses Ephraim Meyer und Sohn in Hannover, Kommerzienrat E m i l L. Meyer, das Komturkrenz des Kaiser-Franz-Josef-Ordens verliehen. — Der Neubau der Synagoge in Offenbach a. M. ist jetzt so weit gediehen, daß an die Innenausstattung gedacht werden kann. Der Opfersinu der Gemeinde gibt sich dabei in schönster Weise kund. Eine Liste zur Stiftung von Gegenställdell für die Innenausstattung, die zurzeit zirkuliert, weist bereits llauchafte Betrüge auf. — Eine Anzahl jüdischer Herren gesetzestreuer Richtung in Frankfurt a. M. beabsichtigt, znm Teil mit ihren Familien, im Frühjahr eine Gesellschaftsreise nach Palästina zu unternehmen. Die Reise soll anl 26. Februar ab Frankfurt, am 27. Februar ab Triest ihren Ailfaug nehmen und einschließlich der zwölftägigen Hinwld Rückreise etwa fünf Wochen dauern. — Aus Stuttgart wird berichtet: Das Kirchenvorsteheramt hat die BestimlNllllg, daß Barmizwahknaben iiu Zylinderhut erscheinen müssen, was sich mitunter sehr komisch ans- , nahm, aufgehoben. Herr Karl Kahn aus Ulm wurde für die hiesige Hauptsyuagoge als Kantor verpflichtet. — Aus Luxemburg wird uns geschrieben: Zum Hofkonzerte waren Herr Lalldesrabbiner Dr. F n ch s nebst Gemahlin geladen und wurden von den Mit- 1 gliedern der großherzoglicheu Familie dllrch Anreden allsgezeichnet. — Ans Wien wird geschrieben: Einer früheren wertvollen Schenkung, die agliarellierte Wiedergabe der „Hagada von Sarajewo" aus dem 13. Jahrhundert in vier Bildern, hat nun in jüngster Zeit Herr Salo C o h n, der bekannte Philantrop, die von dem Künstler Schauer in acht Bildern in feinster Aquarellmanier ausgeführte Darstellllng des „Hohen Liedes" als Schenkung dem jüdischen Mn- . senm beigefügt. Die im Museum untergebrachten Bilder erregen die Bewunderung der Besucher. — Zu einem mehr drastischen als erlaubten Mittel griff der Stadthauptmann von Maramagroßziget. Da ihm die Reinlichkeit der koscheren Fleischbänke nicht gefiel, ließ er von seinen Beamten Tische, Geräte, Türen usw. mit Schweinefett einreiben, um so die Fleischbünker zu nötigen, eine gründliche Reillij gung vorzunehmen. Auf eine Disziplinaranzeige Hill wurde er dafür ' mit 100 Kronen Geldstrafe bedacht. -- Wie aus Petersburg berichtet wird, hat der Senat der geistlichen Akademie einhellig beschlossen, dem gelehrten russischen Orientalisten Professor 1 Troitzki, der durch seine Expertise im Beilisprozeß sich einen! europäischen Namen erwarb, für sein großes Werk, die „Biblischen Altertümlichkeiten", den großen Akademiepreis zuzuerkennen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 68. i Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mösse in Berlin. i

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