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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-23 · Heft 4 (23.1.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 bie gekommen waren, Herrn Karl v. Mvrawitz die letzte Ehre zu erweisen, man sah unter anderen Minister, Vertreter der Diplomatie, der Statthalterei, des hohen Adels, der Presse usw. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt dem Verblichenen einen ehrenvollen Nachruf, in dem er auf die großen Verdienste hinwies, die Herr v. Morawitz sich um das gesamte industrielle Leben seines Vaterlandes erworben hat. Pslien. M. Florenz, Ui. Januar. Herr Tr. Faitlovitch ist vor wenigen Tagen von seiner dritten abessinischen Reise zurückgekehrt. Bekanntlich war er diesmal vom Internationalen Pro-Falascha- Komitee mit der Aufgabe betraut worden, in Tekul, einer an der abessinischen Grenze gelegenen Ortschaft von Erythräa, eine Religionsschule für die Falaschas Zn errichten. Dieser Plan konnte jedoch leider nicht zur Ausführung gelangen, weil der Gouverneur der italienischen Kolonie aus politischen Gründen die Konzession hierzu verweigerte. Andererseits konnte sich Herr Dr. Faitlovitch wegen pädagogischer Bedenken nicht dazu entschließen, die Schule in der Hauptstadt der Kolonie, Asmara, zu errichten, wo die Kolouialregierung sich bereit erklärte, zu diesem Zwecke einen Bauplatz zur Verfügung zu stellen. Um den von verschiedenen Falaschahäuptlingen vielfach geäußerten Wünschen zu genügen, hat Herr Dr. Faitlovitch deshalb, im Einverständnis mit dem Vorstand des Komitees, zunächst eine kleine Schule in der abessinischen Provinz Dembea, in der Nähe von Gondar, eröffnet, und die Leitung derselben, wie bereits mitgeteilt, dein jungen Falascha Jeremias Getic anvertraut. Dieser vortreffliche und von glühender religiöser Begeisterung erfüllte junge Mann, der in Florenz und iu Jerusalem mehrere Jahre mit Eifer und Erfolg studiert hat, besitzt die nötigen Kenntnisse, um den Kindern seiner Landsleute den elementaren jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. Die Eröffnung dieser Schule wurde von den Falaschas mit großer Freude begrüßt, weil sie in derselben den Anfang jener religiösen Erlösung erblicken, die sie seit so vielen Jahren herbeisehnen, und um die sie die jüdische Welt so oft in ergreifenden Briefen angesleht haben. Auch diesmal hat Dr. Faitlovitch von verschiedenen Falaschagemeinden mehrere solcher Briefe erhalten, deren Veröffentlichung sich die Leitung des Komitees für die nächste Zeit vorbehält. Dr. Faitlovitch hat seinerseits sein neues in 11111harischer Sprache abgefaßte.s Sendschreiben in einer großen Anzahl von Exemplaren unter den Falaschas verbreitet. In diesem Sendschreiben setzt er die Grundprinzipien des traditionellen Judentums auseinander, ermahnt die Falaschas, fest und unerschütterlich, wie bisher, bei dem jüdischen Glauben auszuharren, und verspricht ihnen im Namen des Komitees, dafür zu sorgen, daß ihren Kindern der von ihnen so heiß ersehnte jüdische Religionsunterricht in genügendem Maße zuteil werde. Um die Erfüllung dieses Versprechens zu beschleunigen, gedenkt die Leitung des internationalen Komitees, die Mitglieder desselben in nächster Zeit zu einer Tagung zusammenzuberufen, bei der über die verschiedenen mit der Lösung des wichtigen Problems zusammenhängenden Fragen eingehende Beratungen gepflogen und über die dazu notwendigen Maßregeln endgültige Beschlüsse gefaßt werden sollen. Gleichzeitig bereitet die Komiteeleitung die Herausgabe eines finanziellen und allgemeinen Berichts über ihre bisherige Tätigkeit vor. Von jpaij und Fern. Bei dein am letzten Sonnabend stattgesundenen Krönungs- und Srdensfest erhielten den Roten Adlerorden 4. Klasse die Herren Justizrat Leopold Dorn I, Kommerzienrat Alfred Loewenb e r g. Justizrat Dr. S a m t e r in Berlin und Kaufmann D. W 0 l f f, Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Thorn. — Dem Oberlehrer Dr. Markus Rosenthal in. Berlin ist der Titel Professor verliehen worden. — Herrn Willy S ch l e s i ng e r, dem Seniorchef der Firma Hermann Schlesinger u. Co., Klosterstraße 45, und Aeltestem der Kaufmannschaft von Berlin ist vom König von Bayern dessen Porträt mit Unterschrift übersandt worden. - Herr Landgerichtsrat Heinrich P eis er in Danzig ist zum Geheimen Justizrat ernannt worden. — Wie uns aus Posen gemeldet wird, hat sich der Vorsitzende der Posener Handelskammer, Herr Geheimer Kommerzienrat M i ch a e l Herz, durch Rücksicht auf seinen ungünstigen Gesundheitszustand veranlaßt gesehen, sein Amt niederzulegen. Konnnerzienrat Herz, der 72 Jahre alt ist, gehört der Handelskammer seit 1884 an. - Ferner wird uns aus Posen mitgeteilt: Den Amtsgerichtsrüten Finke und Jsaacsohn ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. Der Kauftnann Silvester D a v i d s 0 h n hat den Roten Adlerorden dritter Klasse erhalten. In voller Rüstigkeit und geistiger Frische feierte S t a d t r a t R a w i c z in Gleiwitz seinen. 70. Geburtstag. Als Stadtrat wie als Chef der Gleiwitzer Filiale der Kohlenfirma Emanuel Friedländer erfreute sich Herr Rawicz nach jeder Richtung hin allgemeiner Hochschützung und Sympathie, so daß ihm zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. — Aus Emden wird geschrieben: Die beiden hiesigen jüdischen Lehrer, Herr Hauptlehrer Selig nud Herr Lehrer A p t, konnten am 7. d. M. auf eine 25 jährige Wirksamkeit au der hiesigen jüdischen Schule zurückblicken. Es ist wohl ein seltener Fall, daß an einer zweiklassigeu Schule mit zwei Lehrern beide Lehrer am selben Tage das 25 jährige Ortsjubiläum feiern können. - Herrn Fabrikbesitzer Hermann S ch ä n d 0 r f f iu Düsseldorf ist der Titel Konnnerzienrat verliehen worden. — Einem Wunsche seines verstorbenen Vaters, des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Salvendi s. A. zn- . folge wird Herr Dr. Hugo S a l v e n di in Frankfurt a. M. dessen Sammeltätigkeit sortsetzen und die von seinem Vater herausgegebenen „Spendenverzeichnisse für alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit" in dessem Sinne in unveränderter Form weiter erscheinen lassen. -- Der Großherzog von Hessen hat den Eheleuten Abr. Wolf m Ockenheim ans Zlnlaß ihrer am Jahresschluß abgehaltenen goldenen Hochzeit sein Bild in goldenem Kranz mit Unterschrift überreichen lassen. — Herr Rabbiner Prof. Dr. Kisch in Prag, der erst vor einigen Monaten durch' Ernennung zum Ritter des Franz-Joseph- Ordens allsgezeichnet wurde, ist nun in die siebente Staatsbeamtenkalsse befördert. -- Im Alter von 96 Jahren ist vorletzter Woche in Paris General Brisae gestorben. Er war der älteste französische General lmd hat seit dem Jahre 1841, da er zum Leutllant wurde, all allen französischen Feldzügen bis zum Jahre 1870 teilgenolllmen. General Brisae stand wegen seiner hohen Qualitäten irr beit weitestell Kreisen Frankreichs im hohen Ansehen. —- Anläßlich ihres 50jährigen Bestehens hielt in Petersburg die Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands unter dem Vorsitze des Wirklichen Geheimen Rats Jakob Halperin. ehemaligen Direktors des Justizministeriums, eine glänzende Festsitzung ab. Dem berühmten greisen Gelehrten Dr. Harkavi wurde eine stürmische Ovation dargebracht, ebenso dem berühmten Verteidiger Dr. Grusenberg. Anläßlich des Jubiläums haben die Erben des Barons Günzburg u. a. 50 000 Rubel für den Lehrerfonds gestiftet. — Mr. M 0 rgent h a n, der neue Gesandte der Vereinigten Staateil iu Konstantinopel, stattete am 26. Dezember v. I. dem Ehacham Baschi der Türkei seinen ersten offiziellen Besuch ab, lmd wurde mit vielen Ehren empfangen. Im Laufe der Unterhaltung, die sich ausschließlich lim jüdische Angelegenheiten drehte, versprach Mr. Morgenthan seinen ganzen Einfluß zllgunsten der türkischen Juden und ihren Angelegenheiten geltend zu machen. — Wie dem „I ew ish Chronicle" aus Konstantinopel berichtet wird, soll der Minister des Innern T n l a a t B e i auf das Gesuch des Ehacham Baschi, Rabbi Nahllm, einen Jllden 311m Gouverneur einer palästinensischen Stadt zu ernennen, Haifa oder eine andere Stadt in Galiläa als Wirkungsort des künftigen jüdischen Gouverneurs in Aussicht genommen haben. Der Name des Gouverneurs wird in Kürze bekannt gegeben werden. — Aus New Jork wird geschrieben: Statistische Erhebungen haben ergeben, daß hier 10 000 spanisch sprechende Juden (Sephardim) leben, die aus der Türkei und den anderen Balkanländern eingewandert sind. Außer diesen gibt es noch weitere 5000 orientalische Juden in New Uork, von denen 2500 Griechisch, 2000 Arabisch und 500 Türkisch und Persisch sprechen. Trotz ihrer stattlichen Zahl haben sich die orientalischen Juden bisher nicht zu einer eigentlichen Gemeinde Zusammengeschlossen. Infolgedessen find bisher die Kinder fast aller dieser Einwanderer ohne Religionsunterricht geblieben, und es fehlte ihnen ferner an einer Zentralstelle sozialer Fürsorge. In einer kürzlich in New Jork von der Föderation der orientalischen Juden einberufenen Versammlung wurde daher beschlossen, eine „Ladino"-Gemeinde zu gründen, deren Unterhalt von den Mitgliedern der Gemeinde selbst durch jährliche Beiträge bestritten werden soll. Die Jahresbeiträge sollen zur Errichtung von Religionsschulen, Vereinshäusern und einem Arbeitsnachweis verwendet werden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin - Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fayrnländer. Neukblln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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