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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-09 · Heft 2 (9.1.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 H. K. Hannover, 2. Januar. In Ehren des 70. Geburtstages unseres verehrten Landrabbiners Herrn Dr. S e l i g Gronem a u u sind demselben vielfache Ehrungen zuteil geworden. Zwar hatte sich unser Landrabbiner in seiner Bescheidenheit allen Ovationen zu entziehen versucht, indem er seinen Ehrentag bei seinen Kindern in Berlin im engsten Familienkreise feierte, doch hatte ihn die Gemeinde bei seiner Rückkehr mit vielen Aufmerksamkeiten bedacht. Ein schöner Blumenschmuck begrüßte ihn beim Betreten seiner Wohnung und am Labbat darauf überreichte ihm ein Komitee eine Urkunde, nach welcher ein Freibett im Krankenhause ans den Namen des Landrabbiners gestiftet werden sollte. Tie aufgebrachte Summe beläuft sich auf zirka 6000 M. Zer ne r erhöhte die Ehewra Kaddischa die ihm bereits aus Ru laß seines vor einigen Jahren gefeierten Amtsjnbi länms gestiftete Summe um weitere 1000 M., so daß die den Namen des Landrabbiners tragende Stiftung der Ehewra Kaddischa auf inzwischen zirka 5000 M. augewachsen ist. In eiilem sehr schmeichelhaften Schreiben, das die Verdienste des Jubilars in treffender Weise kennzeichnet, stellt das Repräsentantenkollegium ferner 1000 M. dem Jubilar zur freien Verfügung. Landrabbiner Dr. G r o n e m a n n erfreut sich wohl bei allen seinen Gemeindemitgliedern und in seinem großer! Bezirke allgemeiner Wertschätzung, und wenn ihm Kampfe während seiner Amtszeit ja auch nicht erspart geblieben sind, so haben schließlich doch seine Friedensbestrebungen, sein rechtlicher und konsequenter Standpunkt ihm manchen zürn Freunde gemacht, der ihm vielleicht einst oppositionell gegenübergestanden hatte. Möge dem Jubilar ein langer Lebensabend beschieden sein und die selten geistige Irische ihn weiter auf seinem Lebensweg begleiten. Gestercetch-Mngsrn. K. Wien, 2. Januar. Ter in Karlsbad erscheinende ,,Volks- Wille" brachte vor kurzem einen Artikel, der weiteste Kreise interessieren dürfte, und dem wir folgendes entnehmen: Tie Kurstadt Karlsbad hat wieder einmal eine „schlechte Saison" hinter sich, die schlechteste Saison seit vielen Jahren. Denn es unterblieb nicht nur die notwendige Steigerung der Kursrequenz, sondern die Zahl der Kurgäste erfuhr eine sehr bedeutende Herabmiudcrung. Zur unsere Stadt- Vertretung müßte diese Tatsache ein Ansporn sein, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Zuzug von Kurgästen nach Karlsbad zu steigern. Aber die Stadtvertretung von Karlsbad findet, daß dem Kurorte noch viel zu wenig Schaden zngefügt wird, und deshalb beinüht sich ein deutschradikales Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, ein übriges zu tun und durch die schäbigste und ordinärste antisemitische Propaganda dem Kurorte noch mehr zu schaden. Herr Lössl, das ist nämlich jener Stadtverordnete, der gleichzeitig auch die Stadt Karlsbad im Reichsrate vertritt, hat sich dieser Tage in jnineto Antisemitismus selbst übertroffen, in dem er eine Interpellation im Reichsrate unterfertigte, deren Zweck die Immunisierung einer ordinären und ganz witzlosen Verhöhnung des Judentums - das den größten und teilweise auch zahlungsfähigsten Prozentsatz der Karlsbader Kurgäste stellt -- war. Ter deutschfreiheitliche Abgeordnete Kamill Kurranda verschickte ein „offenes Handschreiben", das diese Tatsache festhält. Dieses Schreiben wurde an alle jüdischen Wähler versendet und wird bald genug in allen jüdischen Kreisen, auch außerhalb Oesterreichs, bekannt sein. Ter Parteigenosse des Herrn Lössl. Herr Tr. Herold, der Bürgermeister der Stadt Brür ist, hat diese Interpellation klugerweise nicht unterschrieben, aber der Stadtverordnete der aus das internationale und interkonfessionelle Kurpublikum ausschließlich angewiesenen Kurstadt Karlsbad fühlte sich nicht berufen. Rücksichten zu nehmen. Tie Kurstadt Karlsbad wird es bald fühlen, wie sehr sie ihrem Stadtverordneten, der im Reichsrate Schmähschriften gegen das Judentum immunisiert, zu Tank" verpflichtet ist. So fördert die jetzt am Ruder befindliche deutsch-radikale Partei den Kurort. Welche Antlvort die in ihrem Gewerbe geschädigte Gesamtbevölkerung Karlsbads dazu geben wird, darauf sind wir neugierig. Von Mah und fern. . Am 31 v. M. wurde dem von seinen! Amte als Präsident der Berliner Handelskammer zurückgetretenen Geheimrat Wilhelm H e r z ein künstlerisch ausgestattetes Album mit den Photographien sämtlicher jetzigen und ehemaligen Handelskammermitglieder überreicht. Herr Stadtrat Aschen heim, Eharlottenbnrg, feierte am 29. v. M. seinen 70. Geburtstag, zu dem der Charlottenburger Magistrat seine Glückwünsche telegraphisch übermittelte und ein Blumenarrangement übersandte. - Aus der Julius Neumannschen Schülerstistuug sind für 1914 noch Stipendien bis zu je 300 Mark zu vergeben. Berücksichtigt werden, iuhmih Inseratenteil dieser Nummer bekanntgegeben wird, fleißige und begabte Schüler von Elementar- oder Mittelschulen in Groß-Berlin, welche zwecks besserer Ausbildung für ihren Beruf technische, gewerbliche oder wissenschaftliche ' Anstalten besuchen wollen und hierfür einer Unterstützung bedürftig sind. Tie langjährige Hausmutter der Jacobsonschule in Seesen, Iran Bertha Herzberg, Charlottenburg, Fritschestr. 46, begeht am 13. d. M. ihren 70. Geburtstag. - Unter großer Beteiligung fand auf dem Friedhof in Weißensee die Beisetzung des Amtsgerichtsrat und Geh. Justizrat Philipp Phibig statt. Es hatte sich dazu neben Freunden und Verwandten des Verstorbenen ein Kreis von- Richtern, Justizräten und Rechtsanwälten eingefunden. Alle Amtsgerichte Groß-Berlins hatten Deputationen entsandt. Für den Präsidenten des Amtsgerichts Berlin-Mitte erschien Geheimer Justizrat M e h e r. Tie Trauerfeier wurde durch Gesang und Orgelspiel eingeleitet, woraus Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l die Gedächtnisrede hielt. Nach dem Schlußgesang „Es ist bestimmt in Gottes Rat" erfolgte die Beisetzung. -- Sonnabend, den 10. d. M. feiert Herr Wilhelm Just in Guben, ein um die dortige jüdische Gemeinde vielfach verdienter Mann, das 25 jährige Jubiläum als Vorsitzender des Vorstandes. — Bei der am 18. v. M. stattgehabten Wahl von vier Mitgliedern zum Delegiertenkollegium des Hamburger Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes wurden die Herren Dr. med. E. Fink, Tr. med. G. L a n z k r o n , Philipp P eine wieder- und Herr Karl Boden he i m e r neugewählt. Wie verlautet, hat der in München kürzlich verstorbene Konunerzienrat Kirchdörfer den größten Teil seines Vermögens für humanitäre Zwecke bestimmt. Am 22. v. M. tagte in Fürth die Konferenz der bayerischen Rabbiner. Unteranderem beschloß sie auch, daß trotz tiefgehender religiöser Gegensätze wieder alle Rabbiner, soweit als tunlich, gemeinsam arbeiten sollen. Auf ein Huldignngstelegramm au Se. Maj. den König traf ein Allerhöchstes Signat ein: „Sehr erfreut über die treue Huldigung und die Segenswünsche, sage Ich der in Fürth versanunelten bayerischen Rabbinerkonfereuz besten Dank. Ludwig." - - Die Beteiligung an der Beisetzung des Rabbiners Dr. S a l v e n d i in Dürkheim war eine imposante. Letztwillig hatte sich der Eutschlafene Nachrufe verbeten, und so konnten Rabb. Dr. Schiffe r und Jacques Piquart, der Vertreter der Alliance Jsraelike Universelle, nur einige kurze Worte sprechen. Unter den Leidtragenden bemerkte man als Vertreter des „Lemaan Zion" und des „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" Rabb. Dr. Nobel, Eli Michael und Fritz S o n d h ctnicr, Frankfurt. — Aus Wien wird uns geschrieben: Am 28. v. M. wurde hier der Oberkantor Mayer S ch o r r zu Grabe getragen. Der im 56. Lebensjahre Verstorbene, ein Meister des. alttraditionellen Synagogengesanges, war dnrch zwanzig Jahre an der Synagoge in der Leopoldsgasse als Oberkantor tätig. Er war erster Vizepräsident des österreichisch-ungarischen Kantorenvereins und gehörte auch vielen Humanitären Vereinen als Ehreuobmann und Obmann an. Scharr war auch Verfasser vieler Tempelgesänge, die große Verbreitung gefunden haben. - - In Paris finden jetzt allwöchentlich im Klub der Freidenker Diskussionen über aktuelle religiöse Fragen statt. Es sind unter anderen auch der Protestantismus und die jüdische Religion zur Diskussion gestellt worden. Als Referenten figurieren die Schriftstellerin Mme. C o m p a i n, Pastor R o b e r t i und Rabbiner Louis G e r m a i n e L e v y. —- Aus einem eben erschienenen Verzeichnis der jüdischen Gemeinden im russischen Ansiedlungsrayon, in welchem die polnischen Städte sowie alle Gemeinden mit einer Seetenzahl unter 500 nicht berücksichtigt werden, erfahren wir, daß sich im Gouvernement Wilna 63, in Kowno 88, in Grodno 69, in Minsk 84, in Witebsk 35, in Mohilew 65, in Wolhynien 125, in Kiew 106, in Podolien 121, in Bessarabien 65 jüdische Gemeinden befinden. - Im Alter von 82 Jahren starb in Konstantinopel Herr David Levy, der seinerzeit in die allererste türkische Deputiertenkammer zum Deputierten gewählt wurde. Der Verstorbene genoß sowohl unter seinen Glaubensgenossen wie auch bei der übrigen Bevölkerung großes Ansehen. Er war viele Jahre hindurch Präsident der Handelskammer in Janina und Vertreter der kaiserlichen Domäne nu Epirus. Levy war Besitzer mehrerer hoher vttomanischer und ausländischer Orden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrave 5^ Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max F ahrnla nder Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moste tn Berlin.

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