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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 1 Berlin, 2. Januar 1914 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Yr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Ierusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Zum neuen Jahrgang. Von Ludwig Geiger. — Die Lß NKJUlL. Woche. — Ludwig Max Goldberger. Von L G. — Tradition und Dogma. Von Ignaz Goldziher. — Was haben die christlichen Theologen und Priester aus dem Judentum genommen und womit dafür gezahlt? Von Dr. Marcus Landau. — Feuilleton: Der Familiant. Roman von Gustav Karpeles. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Aus der Provinz Posen, Köln, München, Straßburg i. E., Petersburg. — Von Nah und Fern. Lum neuen Jahrgang. Von Ludwig Geiger. ie seit Jahren, so richte ich auch diesmal am Anfang des neuen Jahrgangs ein Wort der Begrüßung an meine Leser. Ich könntewie alljährlich dieKlagen und die Wünsche wiederholen, die ich bereits mehrfach ausgesprochen habe: die Klagen über die Ungeduld mancher Mitarbeiter, die sich gar nicht schnell genug gedruckt sehen können und der naiven Meinung sind, daß ein Wochenblatt, das über einen sehr beschränkten Platz verfügt, sofort Platz für ihre Einsendungen! hat; die Wünsche für einen innigeren Zusammenhang des Herausgebers mit den Lesern. An dieser Stelle möchte ich ferner einen Punkt erörtern, der mir Nächtig scheint. Ich habe im vorigen Jahrgang mehrfach einem „Parteilosen" das Wort gegönnt, weil ich im großen und ganzen dessen Ausführungen für berechtigt hielt. Nun fühlt sich Herr Dr. Carlebach durch eine Behauptung des genannten Mitarbeiters gekränkt und schreibt im „Israelit", 1913, Nr. 47 vom 20. November einen großen Artikel, in dem er es für meine „sittliche Pflicht" erklärt, „die Beleidigungen" wider ihn zurückzunehmen. Der genannte Herr scheint von der Stellung eines Herausgebers eine eigentümliche Anschauung zu haben. Der Herausgeber eines Blattes kann sich unmöglich als Vertreter aller Anschauungen hinstellen, die von seinen Mitarbeitern geäußert werden, sondern muß diesen die Verantwortung überlassen. Ich habe nicht die geringste Pflicht, eine Beleidigung zurückzunehmen, die ich nicht ausgesprochen habe. Wenn aber Herr Carlebach, um die Richtigkeit seiner Ansicht und die Unkenntnis seines Gegners zu beweisen, eine Aeußerung meines Vaters zitiert und nun triumphierend meint, daß damit die Ausführungen seines Gegners gerichtet seien, so muß ich dieses Verfahren als ein eitles Fechterkunststück erklären und zurückweisen. Die Orthodoxen, die meinen Vater so oft und so gern als Abtrünnigen und als Unwissenden darzustellen belieben, haben kein Recht, sich auf sein Zeugnis zu berufen, wenn es ihnen paßt. Was aber die Darlegungen meines Vaters betrifft, so dürfen sie lvon keinem als Zeugnisse gegen meine Zeitung angeführt werden. Ich habe wahrlich nicht nötig, mich über das, was ich meinem Vater sckuldig bin, von den Orthodoxen belehren zu lassen. Das aber weiß ich als Mann der Wissenschaft, daß jede Ansicht, mag sie herrühren, von wem sie wolle, irrig sein kann. Mein Vater;benso wie jeder andere Forscher kann sich geirrt haben. Sollte also wirklich seine Ansicht der des „Parteilosen" zuwiderlaufen, und mit der des Herrn Carlebach übereinstimmen, so habe ich wahrhaftig nicht nötig, wie Herr Carlebach mir zun.utet, meinen Vater deswegen einen Heuchler zu nennen. £ ch muß es meinem Mitarbeiter überlassen, sich seiner Haut za wehren und, wenn es ihm möglich ist, die Bezichtigungen des Herrn Carlebach znrückzuweisen, protestiere aber aujt entschiedenste dagegen, daß ich als Herausgeber des Bla tes irgendeine sittliche Pflicht gegen den „Israelit" und oessen Mitarbeiter verletzt habe. * Der verflossene Jahrgang war, wie seine Vorgänger, bestrebt, ein Bich der inneren Entwicklung des Judentums zu geben, die Sicheren Schicksale der Juden zu registrieren und das geistige Leben der Vergangenheit und Gegenwart zu beleuchten. E ne jüdische Wochenschrift soll weder ein bloßes i Nachrichtenb.att sein, noch darf es eine rein literarische Zeitschrift werten. Meine spezielle Neigung, dieses Literarische in den Voroergrund zu stellen, muß ich daher manchmal mehr als mir li b ist, zurückdrängen, um das Aktuelle zu berücksichtigen. Aus diesem Grunde haben im vorigen Jahrgang viele Betrachtungen und Artikel den äußeren Ereignissen gewidmet werden müssen. Der Balkankrieg, in seiner allgemeinen Entwicklung und in seinen teilweise recht unerfreulichen Wirkungen auf die Juden, mußte eingehend behandelt werden, nicht minder der Beilisprozeß, der nicht bloß eine schwere Gefahr für einen einzelnen bedeutete, sondern ernste Sorgen für die Gesamtheit heraufznbeschwören schien. Jener Krieg ist glücklicherweise zu Ende, obgleich seine Nachwehen noch lange nicht verschmerzt sind und seine Folgeerscheinungen kaum berechnet werden können. Nur das eine Bedauernswerte läßt sich schon jetzt feststellen, daß die Lage der Inden in jenen Ländern sich nicht wesentlich bessern wird, obgleich sie überall, wo sie dazu berufen waren, ihre Pflicht getan haben. Es ist zu hoffen, daß in Bulgarien und Griechenland wenigstens keine Verschlimmerung eintritt: es ist aber leider zu befürchten, daß Rumänien, jene Macht, die an dem Hauptabschnitte des Krieges gar keinen Teil genommen, und erst später in einem für diesen Staat günstigen Momente eingegriffen hat, seiner Verpflichtungen gegen die Juden nicht eingedenk sein wird. Schon haben, wie in den letzten Nummern berichtet werden mußte, Ausschreitungen gegen die Juden stattgesunden, und es ist leider nur geringe Aussicht, daß die Juden in Rumänien die ihnen durch Verträge gewährleistete Gleichstellung erlangen werden.

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