Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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den herrlichen Bau mit feinen komfortablen Einrichtungen: die großen lustigen Schlafräume, den freundlichen Speisesaal, den geräumigen, mit den erforderlichen Turngeräten ausgestatteten Spielhos, die Liegehallen usw., mit eigenen Augen gesehen hat, weiß zu ermessen, welch eminent großes Werk die Loge hier geschaffen hat. Es ist eine Freude, zu sehen, wie heimisch sich die Kinder in-dem Heime fühlen, mit welcher Verehrung und Dankbarkeit sie ihren Leiterinnen, begegnen, wie sie des Morgens in den nervenstärkenden blaugrünen Fluten des Meeres herumplütschern und des Nachmittags geschäftig an ihren Burgen bauen, oder beim fröhlichen Kriegsspiel die Dünen durchwandern, oder auch bei regnerisch kaltem Wetter durch ernste und heitere. Spiele mit kindlichem Frohsinn ihre Zeit angenehm zu verbringen wissen. Nicht nur für Speise und Trank, für Spiel und sonstigen Zeitvertreib wird Sorge i bereitungszeit); ihr zartes Herzchen ist mit Furcht und Schrecken erfüllt. Sie leben immer in der Befürchtung, in ihren Darbietungen stecken zu bleiben, von anderen übertroffen zu werden, kurz sich zu blamieren. Ein solches Fest stellt wahrlich große Anforderungen an die Nerven unserer Kinder und ist darum vom rein menschlichen und ganz besonders vom Pädagogischen Standpunkte aus für alle Zeiten, ganz besonders aber für die Erholungszeit zu verwerfen. Aus diesen Erwägungen heraus hat man deshalb in diesem Jahre von der Einladung Erwachsener abgesehen, um das Fest, wie schon gesagt, zu einem .Kinderfest im engsten Sinne des Wortes zu gestalten. Und das war es auch. Da gab es kein Hangen und kein Bangen, kein Zittern und kein Zagen, sondern nur Jubel ohne Maßen. Die Kinder, auch diejenigen ohne be- I sondere Stimmittel, sangen ungeniert, deklamierten, tanzten IJSseJ ■ .-.-vj Waschraum des Rindererholungsheims in Norderney. getragen, sondern auch unsere religiösen Gebräuche finden gebührende Berücksichtigung. In Ermangelung eines Kantors hgt ein Junge mit Prachtvoller Stimme recht verständnisvoll vorgebetet, und das herrliche L'cho daudi hat in allen Kindern und -Zuhörern wahre Sabbatstimmung hervorgerusen. Ein etwas--größerer Junge -machte in recht würdiger Weise den Kiddusch und fühlte sich sehr geehrt in seiner Rolle als stellvertretender Hausherr, und seine große Kinderschar machte ihn durchaus nicht wirr, Den.Morgengottesdienst am Sabbat leiteten abwechselnd die gerade auf Norderney anwesenden Rabbiner und Lehrer. Besondere Erwähnung verdient noch das von der derzeitigen Leiterin, Fräulein Meyer, in recht sinniger Weise inszenierte Kinderfest. Es verdient diese Veranstaltung um so mehr ganz besonders hervorgehoben zu werden, als es wirklich ein Fest für die Kinder war. Die sonst abgehaltenen Kinderfeste sind doch —genau besehen — eigentlich Feste für die Erwachsenen. Die armen Kleinen verbringen zitternd und zagend den für sie bestimmten Tag (und. nicht minder die vorhergehende Vor- und spielten nach Herzenslust und zollten sich gegenseitig, für die gelungenen Darbietungen die höchste Anerkennung. Da gab es keine Bevorzugung und keine Zurücksetzung, keine Tränen, sondern nur lachende Gesichter. Alles war Harmonie. Die beiden vorjährigen Leiterinnen, Fräulein Frensdorfs und Fräulein Frankenberg, die sich inzwischen verlobt beziehungsweise verheiratet haben, und denen wir gern auf diesem. Wege die herzlichsten Glückwünsche für die Zukunft darbringen möchten, haben in Fräulein Meyer aus Berlin und Fräulein Schloß aus Dresden vortreffliche und würdige Nachfolgerinnen erhalten, die es ganz vorzüglich verstehen, ihre schwere Ausgabe, mit Geschick und Erfolg zu lösen. Man braucht sich nur die bleichen Gesichter der ankommenden und die roten, gesunden Wangen der heimkehrenden Kinder anzusehen! Zirm- Schlüsse möchten wir noch lobend hervorheben, daß auch die jetzigen geschäftlichen Leiter, die Herren Rosenberg und Heineberg aus Hannover, echte und rechte Kinderfreunde (gleich, ihrem -Vorgänger Herrn A. Herzberg), ihre Kräfte in