Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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s üufzland. B. T. Petersburgs 25. Oktober. In Bender in Bessarabien verbreitete sich gestern das die Bevölkerung erregende Gerücht, die vierjährige Tochter des Schankwirtes Schestiluk sei von seinem Nachbar, dem jüdischen Schankwirt Taradash, ermordet worden. Eine Volksmenge unter Anführung, Schestiluks stürmte das Haus des Konkurrenten unter dem Nus: „Schlagt den zweiten Beilis tot!" Die Menge zerstörte die ganze Einrichtung. Erst als die angeblich ermordete Tochter unerwartet austauchte, hörte der Tumult auf, der sonst unfehlbar in ein Pogrom ausgeartet wäre. — Die Petersburger Nationalisten beschlossen, den Abgeordneten Schulgin, der in dem konservativen Blatte „Kiewljanin" für die Unschuld Beilis eingetreten ist, aus der Fraktion auszuschließen. In Kiew versuchten einige Studenten in einer jüdischen Vorstadt aus der Dnjeprinsel einen Pogrom einzuleiten. Die Polizei schritt ein und verhaftete drei Studenten. Von Aah und Lern. Aus Anlaß der Einweihung des Kaiser-Wilhelm- Jnftituts für experimentelle Therapie in Dahlem hat der Kaiser dem Direktor des Instituts, dem Geh. Med.-Rat Prof. v. Wassermann den Roten Adlerovden dritter Klasse mit Schleife und Krone verliehen. Die Wiedereröffnung der jüdischen Lohn b e e h a l l e in der Gipsstraße 12a findet am Sonnabend, den 1. November, abends 814 Uhr, statt. Diese segensreich wirkende Institution der Berliner . Bne-brith-Logen verdient die größte Förderung. — Die amtliche „Statistische Korrespondenz" veröffentlicht soeben einen Ueberblick über die Ergebnisse der bei der Volkszählung von 1910 vorgenommenen Ermittelung des Religionsbekenntnisses der einzelnen Personen. Danach gab es am 1. Dezember 1910 in Preußen insgesamt 39 602 263 Christen^ das sind 985,99 vom Tausend der Gesamtbevölkerung, 415 926 oder 10,35 vom Tausend Israeliten. — Dem Großindustriellen, Inhaber der Leinenweberei A.-G. Rothschild Söhne, Kommerzienrat Max L e v y, wurde der Charakter als Geheimer Kommerzienrat verliehen. — Herr David Caro und seine Gemahlin, geb. Stern, Weißenburger Straße 78, feierten am 27. d. M. das Fest der goldenen Hochzeit. — Den: Fabrikanten Fritz Cohn in Neukölln ist für die Rettung zweier Personen aus dem Müggelsee die Rettungsmedaille verliehen worden. — In Anerkennung seiner Verdienste um das Rote Kreuz wurde dem Oberinspektor S. Schindler in Kattowitz die Rote-Krenz-Medaille 3. Klasse verliehen und von Oberbürgermeister Pohlmann überreicht. Diese Auszeichnung ist jetzt in Kattowitz dreimal verliehen und alle Inhaber sind Juden. Es besitzen dieselbe nocki Frau Geheimrat Färber und Herr Dr. med. Proskauer. — Die Gerichtsassessoren Schlesinger- Beuthen und Heidenheim- Oppeln wurden zu Landrichtern befördert. — Aus Nakel wird uns geschrieben: Der Polizei ist es gelungen, die' beiden ver- Sie praktische Hausfrau sollte beim Kochenvorbereiten stets ein Paket Mondamin auf den Küchentisch stellen. Es lassen sich damit vstle einfache und schmackhafte Speisen kochen. Jedes Mondamin-Paket enthält Rezepte für Sommer- Süßspeisen und Zwischengerichte. Verlangen Sie gratis und franko vom Mondamin-Kontor, Berlin C2, ein Rezeptbüchlein. Anette I 1 Hürth-NurnberC (Staatlich amtfatmf. ----— H Kohrenfäürchattige ^ochfahL M - ^iuTrmtturm gegen T r, Mröauuntzsstoruugen,, LeberkrLurneüeuMtlsucbt .Diabetes,- rauen^ . ~ Prospekte durch d«^crwalümg grattH unL stanlö' Drauenkrankbet'tcw. mummten Gestalten, die einen Einbruch in die Synagoge ausführten, zu ermitteln. Es sind dies ein Arbeitsbursche und ein Töpserlehrling. Sie konnten festgenommen werden. — Aus Anlaß der Enthüllung des deutschen Kolonialkriegerdenkmals in Dresden wurde dem Fabrikbesitzer William Abraham das Ritterkreuz 2. Klasse des Albrechtsordens verliehen; der Dekorierte besitzt außerdem die Tapferkeitsmedaille am Bande des eisernen Kreuzes, die Friedricki- Angnst-Medaille mit der Kriegsdekoration u. a. Diese Auszeichnungen erwarb er im letzten südwestasrikanischen Feldzug. — Aus Bamberg wird dem B. T. geschrieben, daß der Erz b i s ch o f von Bamberg einer dortigen bekannten Persönlichkeit erklärt habe, er könne bestätigen, daß die jüdische Religion keinen ritualen Mord fordere, erlaube oder kenne, und daß nur ein Ungebildeter überhaupt noch heute an derartiges glauben könne. Die Gerichtsverhandlung in Kiew werde vermutlich nur beweisen, was jeder Vernünftige wisse, daß die jüdische Religion niemals Mord verlange oder fordere. Das Märchen vom ritualen Mord werde dann auf Jahrzehnte hinaus wieder verschwinden. ^>er Erzbischof gestattete, diese seine Worte überall bekannt zu geben. -^Äer Israelitische Brotverteilungsverein in Frankfurt a. M. versendet soeben seinen Tätigkeitsbericht für die Jahre 1911/12. Aus demselben ist ersichtlich, daß der Verein in den beiden Berichtsjahren für systematische Verteilung von Brot und Eiern an Bedürftige 10 300 Mark verausgabt hat. Am 31. Dezember 1912 verfügte der Verein über ein Vermögen von zirka 5300 Mark. — Alls Kopenhagen wird gemeldet: Die Petersburger Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft hatte Georg Brandes eingeladen, in Petersburg Vortrüge zu halten. Brandes nahm den Vorschlag an. Als er aber auf dem russischen Konsulat einen Paß für Rußland verlangte, wurde ihm bedeutet, daß man ihm einen Paß für Rußland mit Rücksicht auf seine Konfession nicht ausstellen könne. Alls seine Einwendung, daß er konfessionslos sei, wurde ihm bedeutet, daß in einem solchen Falle die Konfession der Eltern maßgebend sei. Georg Brandes wird also nicht über die Grenze gelangen, weil seine Eltern Inden waren. — Wie auswärtige Blätter berichten, soll Oberrabiner D r. G ü d e m a n n in Wien ins Herrenhaus berufen werden. Das lväre eine hohe Auszeichnung für den greisen Oberrabbiner und zugleich auch eine Anerkennung für die Wissenschaft des Judentums, zu deren würdigsten Repräsentanten er zählt. — Wie ans Athen telegraphisch gemeldet wird, ließ König Konstantin den Rabbinern Salonikis eine Erklärung zugehen, in der es unter anderem heißt: „Versichern Sie der jüdischen Bevölkerung, daß die Verleumdung der Juden in bezug auf Ritualmorde in meinem Staate niemals wird geschehen können. Die griechische Negierung weiß zu genau, daß nur mittelalterlicher Phantasmas derartige Verleumdungen erheben kann. Seien Sie überzeugt, daß die griechische Negierung niemals teilnehmen wird an der Verfolgung der Juden in bezug ans Beschuldigungen des Ritualmordes. „Ich will hoffen," so schließt die Erklärung des Königs, „daß es den russischen ^sdn-Leems Mundwasser Geschäftliche Notiz. Seinem Kinde das B e st e! Ein neuer Katalog der Firma M e tz n e r, Kinderwagen-Welthaus, Berlin, Andreasplatz, Filialen: Brunnenstr. 95, Beusselstr. 67, Leipzigerstr. . 54/55, Neukölln, Bergstraße 133, gelangte soeben zur Ausgabe, und es ist interessant, denselben zu durchblättern. Das geschmackvoll ausgestattete Preisbuch enthält eine schöne Kollektion sämtlicher Neuheiten dieser Firma. Die ganz besonders billigen und gediegenen Artikel in der. bekannten Metznerschen Ausstattung würden vor allem für unsere Kleinen geeignet sein. Außerdem dürste es interessieren, daß die Firma Metzner von jetzt ab sämtliche in der Preisliste aufgeführten Gegenstände in ihren Geschäftsräumen zu einer Ausstellung vereinigt hat. 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