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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-10-22 · Heft 43 (22.10.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 43 (22.10.1913)
Date
1913-10-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Rabbiner Dr. Gelles wurde von der Negierung in Posen zum Königlichen Ortsschulinspektor ernannt. —Vorsitzender der neu begonnenen Schwurgerichtsperiode in Breslau ist Landgerichtsrat Goldfeld. Unter den Geschworenen befinden sich Bankdirektor Emil Hanke, Architekt Leo Schlesinger und Professor Dr. Artur S achs. — Die israelitische Religionsgemeinde in Plauen, welche die Amtshauptmannschaften Auerbach, Oelsnitz und Plauen umfaßt, hat ein großes Grundstück an der Kaiserstraße erworben, um dort eine neue Synagoge zu errichten. ' Das Ministerium hat bereits die Genehmigung dazu gegeben. — Das Münchener Gemeindestatut über die Sonntagsruhe enthält eine Ausnahmebestimmung, wonach orthodoxe Israeliten das Recht haben, -am Sonntag ihre Angestellten israelitischen Glaubens zwei Stunden lang zu beschäftigen. Das bayerische oberste Landesgericht hat nun entschieden, daß derartige Ausnahmen zugunsten der Israeliten nicht zulässig find. Der Magistrat beschloß deshalb, die Bestimmung aufzuheben. — Aus Hamburg wird uns gemeldet, daß Herr Jonas Bing nach langem Leiden verschieden ist. Er war Gründer und Vorsitzender des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser und Vorsitzender der Ortsgruppe Hamburg der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. — Dr. Heinrich H e i d e n - Heime r, Stadtbibliothekar in Mainz, stiftete zum Andenken an Moses und Frau Rosenthal und deren Tochter Henriette Heiden-' heimer geb. Rosenthal der jüdischen Gemeinde in Rastatt ein prachtvolles weißseidenes Poroches nebst Schulchan und Kanzeldecke. — Die Stadt M a n n h e i m hat unter 225 490 Einwohnern 6627 Israeliten. — In Holland ist die Lage der Juden eine sehr günstige. Dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Amsterdam versicherte die Königin. Wilhelmine, daß es sie freue, mit den Juden des Landes freundschaftliche Beziehungen, wie. auch ihre Vorgänger, unterhalten zu können. Professor Oppenheim, der als Minister des Innern im neuen Ministerium ausersehen war, aber ablehnte, ist zum Staatsrat ernannt worden. — Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des schweizerischen israelitischen Waisenhauses in Basel hat Herr I. Drehs us-Vrodsky der Anstalt 10 000 Frank überwiesen. Auch der Waisenvater, Herr I. Haas, der seit Gründung des Waisenhauses sich so liebevoll seinen Aufgaben widmet und die Kinder musterhaft erzieht, wurde reich beschenkt, ebenso erhielt-jedes im Waisenhaus, erzogene Kind, auch die schon entlassenen, eine Einlage in das Sparkassenbuch. — Wie aus Paris mitgeteilt wird, hat der verstorbene G r a f I s a a c d e C am o n d a dem Louvre Museum seine reiche 750 Meisterwerke umfassende Gemäldesammlung vermacht. Die Gemälde, deren Gesamtwert sich auf 7 852 850 Franken, belaufen, werden in sieben Sälen untergebracht werden müssen, von denen ein jeder für sich allein ein kleines Museum bilden wird. — Namens des französischen Nabbinats hat Herr Oberrabbiner Alfred -L e v y ein Protestschreiben veröffentlicht, in welchem er die Behauptung, als gebe es im Judentum eine Sekte, die den Ritualmord fordert, mit Entrüstung zurückweist. — In dein galizischen Marktflecken C h o l o j o w entstand bei dem Abcndgottesdienst am Jom Kippur in der Synagoge infolge des Ohnmachtsanfalles einer Frau eine Panik. Alle Besucher der Synagoge drängten schreckensbleich zu den Ausgängen. Aus der Frauengalerie und im Treppenhause herrschte ein beängstigendes Gedränge. Viele Personen stolperten über die Körper der vorher Gefallenen.. Fünfzehn Frauen wurden erdrückt, zahlreiche andere schwer verletzt. — Aus Bukarest wird uns geschrieben: An den hohen Festtagen haben auch die hiesigen Rabbrner gegen das Ritualmordmärchen gepredigt. Großen Eindruck machte es, als im Spamchen Tempel Rabbiner Dr. I. Riemirower mitteilte, daß vor zwei Jahren anläßlich einer solchen Inszenierung in Bukarest ihm gegenüber Seine Königliche Hoheit Kronprinz F e rdinand seine 'Entrüstung gegen eine solche Beschuldigung der Juden geäußert. — Aus Anlaß der in Kiew erhobenen Rituälmvrdbeschuldigung haben aus Anregung der Oberrabbiner Jakob Meir in Saloniki und Josef Lebovits in Magocs (Ungarn) mehr als siebenhundert Rabbiner aus fast allen Ländern der Welt, aus Oesterreich, Deutschland, Frankreich, England, Amerika, Australien, Afrika, Asien, eine feierliche Kundgebung gegen den Ritunlmord veröffentlicht. — Im Flecken Metschenow bei Lodz brach am Jom Kippur in der für Frauen reservierten Hälfte der Synagoge, wo mehr als sechshundert Frauen versammelt waren, plötzlich ein Feuer aus. Alle Anwesenden' drängten in panischem Schrecken nach dem Ausgang, wo ein entsetzliches Gedränge entstand. Dabei wurden fünf Frauen, darunter drei Greisinnen, totgedrückt. 26. wurden verletzt. Gegen 40 Frauen sielen vor Schreck in Ohnmacht. Das Feuer konnte bald gelöscht werden.— Der Oberarzt des jüdischen Krankenhauses zu Bonhaut in Kaukasien, Dr. Jussewitsch, wurde während einer Demonstration gegen die Juden erschlagen. Der Verstorbene erfreute sich großer Volkstümlichkeit, besonders unter den. Stadtarmen sämtlicher Konfessionen. — Die christlichen Künstler in Rußland haben wiederholt den Versuch gemacht, die russische Regierung dazu zu bewegen, daß sie den jüdischen Schauspielern das unbeschränkte Wohnrecht für ganz Rußland erteile. Da dies bisher nicht geschehen ist, fand vorige Woche eine Versamnilung des Verbandes russischer Schauspieler statt, in welcher auf Antrag des Kaiserlichen Hosschäuspielers Bogulugoff einstimmig eine Resolution angenommen wurde, in.welcher die Regierung ausgefordert wird,' den jüdischen Schauspielern genau so wie den christlichen in allen Teilen Rußlands das Wohnrecht einzurüumen. — Aus New Zork wird gemeldet: In dem hiesigen Bureau der U r a n i u m l i n i e drängen sich jetzt zahlreiche Menschen, die sich nach dem Schicksal ihrer mit dem „Volturno" abgefahrenen Llngehörigen erkundigen. Es sind durchweg russische Juden, zu denen wegen des Feiertages .die Unglückskunde noch nicht gedrungen war. Erschütternde Szenen spielen sich in der Agentur ab. Die Gesellschaft entsandte ihren Dampfer „Uranium" nach der Unglücksstätte, um, wenn möglich, auffindbare Leichen zu bergen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße58. Verantwortlich, für den Anzeigenteil:MaxFahrnl ander Neukölln, Drrrck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Dr. med. Lahmonn’s Hihrsolz-Cacoo ist ein Cacaopulver, welches im Gegensatz zu dem nach der gebräuchlichen Methode hergestellten Cacaopulver nicht mit Chemikalien, wie Pottasche, Magnesia usw., leichtlöslich gemacht wird. Die gleiche Wirkung der Leichtlöslichkeit erzielt Dr. Lahmann durch Behandlung des Pulvers mit seinem Pflanzen-Nährsalz-Extract* Dabei entsteht der Vorteil, dass dem Cacao wertvolle, aus Pflanzen herrührende Blutplckung^uT/mk folgender bildungsstoffe (Nährsalze), wie Kalk, Natron, Eisen, Kieselsäure, Phosphor usw. Schutzmarke versahen. zugeführt werden. Das mit diesem Dr. Lahmann’schen Nähr salz-Cacaopulver hergestellte Getränk hat den wohltuendsten Einfluss auf Magen und Darm. Verstopfungen, sonst bei Cacaogenuss vielfach vorkommend, sind bei regelmässigem Genuss von Dr. Lahmann’s Nährsalz-Cacao gänzlich ausgeschlossen. Seit annähernd 30 Jahren im Gebrauch, hat er sich durch seine vorzüglichen Eigenschaften viele Freunde über den ganzen Erdball erworben. Alleinige Fabrikanten: HGW6I & VfilthGRI Kaiserliche Königliche Oesterreichisch-Ungarische Hoflieferanten, Köln und Wien.

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