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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-29 · Heft 35 (29.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Weges nach Nehoboth zog, lunrbc er von mehreren Fellachen, die ihm auflauerten, aus Rachedurst ermordet. - Von Ash unL Fern. — Herr Geheimer Justizrat B. Time n d o r f e r, der verdienstvolle und rühmlichst bekannte Präsident der G r v ß l o g e für Deutschland VIII, UOBB., feiert am Montag den 1. Septeurber seinen 60. Geburtstag. Um allen Ehrungen aus dem Wege zu gehen, wird er an diesem Tage von Berlin abwesend sein. --- Auf dem Aerztekongreß in London war Geheimrat Professor Dr. Ehrlich der Gegenstand besonderer Ovationen. Die französische Presse bezeichnet seinen Vortrag als den Höhepunkt des Kongresses. Von den Preisen, die die dauernde Kommission des Internationalen medizinischen Kongresses unter dem Vorsitz des Professors Waldeyer, Berlin, verteilte, fiel einer einem hervorragenden Berliner Gelehrten 311: Professor A u g n st von W a s s e r m a n n wurde mit dem Preise der Stadt Paris ausgezeichnet. — Der Privatdozent Dr'." Richard Löwenherz ist vom 1. Oktober ab zum Kustos des chemischen Museums der Technischen Hochschule Charlottenburg ernannt worden. — Der S h n a g 0 g e n v er e i n Beth Zion begeht am Sonntag den 31. August vormittags 11 Uhr in seiner Synagoge Brunnenstrnße 33, eine Trauerfeier für seinen verstorbenen ersten Vorsitzenden, Herrn H e y in a n n s 0 h n. Die Gedächtnisrede hält Herr Rabbiner Höxter. — Man schreibt uns: Herr Prokurist S. Abraham blickt auf eine fünfundzwauzigjährige ununterbrochene Tätigkeit in den Diensten des Inhabers der Firma Chemische Fabrik Arthur I affe, Berlin, Alexnnderstr. 22, zurück und tritt in den wohlverdienten Ruhestand. -- Der Dozent Louis Katzen stein, der Lehrer und Mitglied des Vorstandes der „Freien Hochschule" war, ist im Riesengebirge, wo er zur Erholung weilte, plötzlich gestorben. Katzenstein, der bis zum Ansang der 1890er Jahre an der Universität in Baltimore lehrte, stammt ans Hannover und lebte seit zwanzig Jahren als Privatgelehrter in Berlin; er hat ein Alter von 54 Jahren erreicht. -- Eine Trauerfeier fand in Weißensee in der neuen Halle des Friedhofs unter überaus großer Beteiligung der Aerzteschaft der Unfallstationen vom Roten Kreuz und Rettungswache für den Dr. med. Wolf, den langjährigen Leiter der Schöneberger Hilfswache, statt, Die Gedächtnisrede hielt Prediger Dr. Jelski. — Aus Hohensalza wird uns geschrieben: Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers wurde zu der am 27. August abends stattfindenden Paradetafel der Provinz Posen im königlichen Residenzschloß unser Glaubensgenosse Fabrikbesitzer Dr. Levy aus Hohensalza eingetaden. — Die jüdische Gemeinde tu Czarnikau hat durch den Tod des Herrn Josef H i r s ch b e r g einen schweren Vertust erlitten. Zweiundzwanzig Jahre hat er im Ehrendienste der Gemeinde gestanden, 18 Jahre als ihr Vorsteher. Mit seltener Treue, Hingebung, Uneigennützigkeit und Opsersreudigkeit hat er sein Ehrenamt verwaltet und das Wohl der Gemeinde gefördert. — Der „Regensburger Anzeiger" Nr. 390 berichtet mt8 Schönwald (Obfr.): Am Dienstag traf hier ein Trupp von zirka 40 Juden ein, welche aus R'ußland ausgewiesen worden waren. Sie führten ihre ganzen Habseligkeiten auf kleinen, mit Plandächern überzogenen Wägelchen, all lvelchen je ein Pferd gespannt war, mit sich. Diese Sachen lvaren ihnen von russischen Studenten gekauft lvorden. Nachdem sie die Nacht hier verbracht, ging es am Mittwoch weiter irr der Richtung nach Rehau und Hof. Ihr Ziel ist Palästina. — Die jüdische Schule zu Z i m m e r s r v d e, eine der ältesten in Kurhessen, ist durch den Minister wegen Schülermangels aufgehoben worden. — Der Lehrer Herr W e r t h e i m e r in Heldenbergen bei Friedberg, Vorsitzender des Israelitischen Lehrervereins und Vorstandsmitglied Israelitischer Lehrervereine Deutschlands, feierte sein 50 jähriges Lehrerjübiläum. — Bei Oberursel verunglückte auf einer Automobilfahrt Herr Dr. Eduard Schnapper aus Frankfurt a. M. und blieb auf der Stelle tot. Der Verblichene war 1868 als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Er promovierte zum Dr. jur. und widmete sich dann eingehend sozialpolitischen Stlldien. Vor neun Jahren gründete er das Reformblatt für Arbeiterversicherung, das heute den Namen „Zentralblatt der Reichs- Versicherung" trägt. Die Arbeiterversicherung verdankt ihm manche Anregungen. — Im Anschluß an den elften Zionistenkongreß findet von. Triest aus auf einem Eildampser des Oesterreichischen Lloyd eine große Gesellschaftsreise nach Palästina statt, für welche die Fahrpreise erheblich ermäßigt sind. Auf dieser Reise werden alle wichtigeren jüdischen Kolonien und alle interessanten Plätze Palästinas besuchtwerden. Prospekte über die Reise versendet das Kongreßburoau. — Vorletzten- Dienstag wurde;auf demisraelitischen Friedhofe in Mödlsng bei. Wien Herr* Wilhelm W o d.n k. Oberinspektor der kk. priv. Südbahn i. R., unter starker Beteiligung der Verwandten und Bekannten aus der Residenz , und Hinterbrühl zu Grabe getragen. Nach ergreifendem Vorträge des „Jöschew bessesser" durch Oberkantor F alk hielt Herr Rabbiner B a r d 0 - w i c z dein Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, dessen Tüchtigkeit und Tugenden besonders hervorhebend. — Aus dem Berichte des ungarischen Kultusministers'ist die traurige Tatsache ersichtlich, daß neuerdings 14 jüdische Volksschulen eingegangen find. Im ganzen Land gibt es derzeit 416 jüdische Volksschulen mit 832 jüdischen Lehrern. Die Zahl der in diesen Schulen inskribierten Schüler beläuft sich auf 35 216 (darunter 2541 Nichtjuden), während 11 494 jüdische Schüler die Schulen anderer Konfessionen besuchten. Die Zahl sämtlicher jüdischer Elementarschüler beläuft sich auf 94 131. 7405 schulpflichtige jüdische Kinder besuchten keine Schulen. Von den 416 jüdischen Schulen wurden 356 Schulen mit 568 889 Kronen Horn Staate unterstützt. — In Arad (Ungarn) lebte eine alte jüdische Frau namens Elise Fischer, die stets in einer kleinen engen Wohnung ihr Dasein verbrachte. Als sie krank wurde und ihr Tod bevorstand, ließ sie den Vorstand der Gemeinde rufen und teilte ihm mit, daß sie zugunsten der Gemeinde ihr Vermögen von 12 Millionen Kronen bestiuune. — Dieser Tage fanden in Frankreich die Wahlen in den Generalrat der Departements statt. Sechs Juden, welche aus bisher in diesem Rate Platz hatten, wurden von ihren betreffenden Departements wiedergewählt. Unter ihnen befinden sich auch zwei Kammermitglieder, und zwar der Deputierte für Nonne, Javalle, und der Deputierte für Les Vosges, Camille Picard. — Der Schriftsteller Theodor Steinher z ist vom Präsidenten der französischen Republik durch die Verleihung des Ritterkreuzes der Ehrenlegion ausgezeichnet lvorden. Herr Steinherz ist ein geborener Wiener, der bereits seit 30 Jahren journalistisch und schriftstellerisch in Paris wirkt und sich dort in den weitesten Kreisen der lebhaftesten Sympathien erfreut. Seit mehreren Jahren' fungierte er auch als Präsident des Verbandes der auslvürtigen Presse in Paris. — Die Leitung der Jüdisch-territorialistischen Organisation in Paris hat an den Chief-Rabbi Dr. Hertz in London anläßlich seines mannhaften Auftretens bei dem Kongreß gegen Mädchenhandel ein in herzlichem Tone gehaltenes Dankschreiben gerichtet. In dem Brief lvird darauf hingewiesen, daß Dr. Hertz der erste Rabbiner ist, der vor der gesamten zivilisierten Welt jene Schändlichkeiten ausgedeckt hat, welche in dem barbarischen Rußland gegen die Juden ununterbrochen verübt lverden. — Aus London wird geschrieben: Die' Bagdader Juden haben, wie die „Times" berichten, ihren persischen Glaubensgenossen in, Sudzübulak eine Thorarolle gestiftet und sie durch eitle Delegation überreichen lassen. Die persischen Juden hlchen dieser Deputation einen feierlichen Empfang bereitet Als sie ihnen entgegenzogen, wurden sie von Muselmanen überfallen itnd in einen heftigen Kampf verwickelt. Die Juden setzten sich eltergisch zur Wehr. Der Kamps hatte so heftige Formen angenommen, daß es aus beiden Seiten mehrere mehr oder minder Schwerverletzte gab. Die Thorarolle wurde in Sicherheit gebracht. — Aus Lodz wird gemeldet: Der verstorbene hiesige Bürger Herr Fabian G r ü n f e l d, der ein Alter von 95 Jahren erreicht hat, hinterließ für die hiesigen Wohltätigkeitsinstitutionen die Summe von 50 000 Rubel, die lvie folgt verteilt lverden soll: für den Israelitischen Wohltätigkeitsverein 25 000 Rubel, für das zu erbauende Israelitische Jrrenhospital 12 000 Rubel, den Rest für die übrigen jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen. ■— Unter der 315 Millionen zählenden Bevölkerung in Englisch-Jndien gibt es iin ganzen 21000 jüdische Seelen, was eine verschlvindend kleine Zahl bedeutet. — In New York sieht man mit einigem Bangell der Ernennung eines Nachfolgers für den bekannten zurückgetretenen Einwandererkommissar Williams entgegen. Vorläufig fungiert als sein Stellvertreter Mister Byron Uhl, der ganz im Geiste, des verflossenen Mister Williams tätig ist. Der Staatssekretär für Einwanderung, Mister Wilson, gilt als Anhänger einer scharfen Restriktionspolitik, und diese Tatsache zusammen mit der erneuten Einbringung der bekannten Burnet-Bill im Repräsentantenhaus (Ausschluß aller Einwanderer, die nicht schreiben können) erweckt feine guten Hoffnungen für die Sache der Einwanderung während des nächsten Jahres. - - Verantwortlicher Redakteur: Albert Kah in Berlin-Pankow, Florastratze88. Verantwortlich sür den Anzeigenteil: Max Fahrnländer Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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