Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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m WMWWWWWWWWW Keuschheit der Jüdinnen bedrängen. Hier ist es weder an der Zeit, noch ist hier der Platz, das wirtschaftliche Elend in denjenigen Ländern zu'lchildern, wo die Leiden meines Volkes bis-an die Grenze des Erträglichen angelangt sind. Gestatten Sie mir aber,-Ihre Aufmerksamkeit auf eine Tatsache zu lenken, die vor einigen Wochen , durch den -Leiter - der liberalen Hartei in -der russischen^ Duma, Prof. Miljukow, zur Kenntnis der Welt gebracht wurde. Sechs Millionen meines Volkes sind in dem Ansiedlüngsrayon Russisch-Polens zusammengepfercht, und nur in den seltensten Ausnahmefällen wird empm Juden oder einer Jüdin erlaubt, außerhalb dieses schmalen Streifens des westlichen Rußlands-zu wohnen. .Wenn jedoch eine. Jüdin ,sich dazu hergibt, ein Leben der Schande zu leben,, dann erhältsie die Erlaubnisunbehelligt -m den weiten Gebieten des Zaren zu.leben (Pfui-Ruse). Noch tragischer ist das .folgende. Der einzige Weg, ans dem zum Beispiel eine. Anzahl jüdischer Studentinnen den Zugang zu den Universitäten von St. Petersburg und Moskau erlangt, ist der, bei der Polizei um ein „gelbes Billett", das Zeugnis der Schande, einzukonnnen. In früheren Zeiten pflegte die Polizei --- und das ist aus dein mit einer Vorrede Professors Monnnsens ausgestatteten Buche Leo Erraras zu ersehen — diese Fälle zu-vertuschen, und ivenn sie fand, daß diese Studentinnen wirklich ehrbare Mädchen waren, des Lichtes, der Wissenschaft begierig, -wurden sie ohne weiteres ausgewiesen. In den letzten Monaten jedoch geht die Behörde noch um -einen Schritt weiter und besteht darauf, daß sie ihr „gelbes Billett" durch ihre Lebensführung rechtfertigen. (Psui-Ruse). -Und wenn sie sich weigern, geht die Polizei dazu über, selber diese .Mädchen zu schänden! (Große Erregung. Laute Psui-Ruse). . Meine Damen und Herren! Dieses Leid ist zu fürchterlich, als daß es Tränen entlockt, diese Abscheulichkeiten, sind so schrecklich, daß sie jedes Kommentars spotten. Nur wird meine Darstellung Ihnen zeigen, warum ich einen Kongreß "begrüße wie den Ihrigen, der sich zur Aufgabe macht, den Sündensall der Jugend eines jedem Volkes zu verhüten. Dieser Kongreß kann mit Gottes Hilfe eine öffentliche Meinung bilden, die imstande ist, den Zynismus der kosäkischen Bnreaukraten zu überwinden. Dieser Kongreß stellt das organisierte und lebendig gewordene Gewissen der/zeitgenössischen Menschheit gegenüber diesem schrecklichen Problem des weißen Sklavenhandels dar, das so alt ist wie die Welt. Meine Damen und Herren des. fünften 'internationalen Kongresses zur Unterdrückung des .weißen Sklavenhandels, möge Gott Sie segnen und das Werk gelingen lassen, das Sic unternommen haben. (Großer Beifall). Von Sah und Lern. Der. C h a r a k t er als Gehe im e r S a n i t ü t s rat ist verliehen worden den Sanitätsräten: Dr. Louis B l a u, Dr. Wilh. B l u m e n selb, Dr. Georg H e rzfeld zu Berlin und Dr. Jos. Landsberger zu Berlin-Charlottenburg. Der Charakter als Sanitätsrat. ist verliehen worden den Aerzten: Dr. Max Br asch, Dr. -Horm. Wolsf-Lewin, Dr. Herrn. Rosenberg, Dr. Rich. L e m ck e, Dr. Max K a u f m n n n , Dr.. David Munter zu Berlin, Dr. Arthur Bernstein, Dr. Hugo Lohnst e i n zu Berlin-Charlottenburg. — M a r t i n Be n d. i x, der bekannte Berliner Volkshumorist, feierte am 22. v. M: in jugendlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Er erhielt im Laufe des Tages zahlreiche telegraphische und schriftliche Glückwünsche. Eine besondere Deputation entsandte die internationale Artistengenossenschaft, deren Mitbegründer und zweiter Vorsitzender Bendix ist. Ferner gratulierten die Internationale Artistenlvge. und zahlreiche Freunde und. Berufsgenossen. — In Kattowitz ist die Errichtung , einer jüdischen. Lesehalle geplant. Die Ausführung des Planes liegt in den Händen der dortigen jüdischen Vereine. Die. Eröffnung soll am 1. Oktober erfolgen. —- Aus Neustadt O./S. wird geschrieben: Zum Bau einer Walderholungsstätte für Beamte und Arbeiter der. Fränkelschen Fabrik beabsichtigt Kommerzienrat Pinkus im. Eichhäuseter städtischen Forst eine Waldparzelle von VA Morgen zu. erwerben. Die Stadtverordneten genehmigten in ihrer letzten Sitzung diesen Verkauf zum Preise von. 600 . Mark für den Morgen: — Aus. Hannover: wird. geschrieben: Die Synagoge in Hageuburg hat.aufgehört. zu existieren. Da die Zahl der Juden in der Gegend sehr zurückgegangen ist, war-- den wegen nicht genügender Teilnahme .die: Gottesdienste in dem Tempel schon -vor - längeren Jahren -eingestellt.- . Das Gebäude ist daher jetzt für den Preis von 1500 Mark in den. Besitz des Herrn Hartmann daselbst gelangt, der es sich durch einige. Umbauten in ' eine Wohnung einrichten läßt. --— .Anläßlich der bevorstehenden Vollendung -seines - siebzigsten. Lebensjahres - hat Herr..-Mchaell:,H:0 m - b u r g er- Seniorches der- -Firmm,Ä...Äertheimer -n. Co.-in -Frankfurt: a. M., seinen bereits vor Jahren in Frankfurt a. M. mch in Karlsruhe,i., B,. errichteten und - von den städtischen Behörden verwalteten. -.Stiftungen Mell weitere. Stiftungen, .angegliedert, mit der Bestimmung,. daß für/ Äolksschüler genannter Städte Lehrbücher beschafft ' werden, sollen -unter / besonderer Berücksichtigung der Bedürftigen. / ./-i- .-'/Hex.v- Dr-. .H.e.r.mann Opp e.n.h eim er in Neustadt a. Haardt ist : zun; .Professor . an der Realschule Zweibrücken ernannt worden, — Seit einigen Wochen erscheint in Kopenhagen — zw eimal monatlich. -- ein - jüdisches .Blatt, in. dänischer, und. jiddischer Sprache:, „>lo6äis^^Samsunä" .P-, „Die jiddische Gesellschaft". —- Der Israelitische Fer.ienkolonievMein . in Budapest hat am . 4. Juli .- seinen / ersten . Transport/ - <20öy - Mädchen,. nach Diüsjenö. abgesendet.- Die: Kinder versam.melten sich im Gebäude der Pester israelitischen. Religi.onsgemeinde, wo ein zahlreiches Publikum zugegen, war; dann sichren sie . mit Sonderwagen der -Straßenbahn nach dem Mestbahuhofe. . Herr Joseph Goldmann spendete . für die Mädchen auch, heuereine. ausgiebige Jause für die Reise. — Aus Anlaß der jetzigen vierzigsten. Jahreswende der, Rezeption der Juden in Ungarnhat der Kantor Hermann Ehrlich in Rakoskeresztur ein Porträtdes Kaisers in Glasmalerei angefertigt : und.mit Ornamenten versehen, die auch den Text von 145 Psalmen in hebräischer Sprache enthalten. Der Kaiser nahm das Geschenk entgegen. Dem Unfertiger des Bildes spendete der. Monarch eine goldene Busennadel, die kürzlich dem genannten Funktionär in Gödöllö durch dem Gemeindeobernotär in feierlicher Weise überreicht wurde. — Aus Slatina (Slawonien) wird geschrieben: Hier wurde eine römisch-katholische Kirche erbaut, zu deren Einweihung der Erzbischof Dr. Anton Bauer aus Agram nach Slatina kam. Samstag vor-, mittags. erschienen beiin Erzbischof die Spitzen der Behörden und Korporationen, unter diesen auch Bezirksrabbiner. Hinko. Grünvald, der.den:Erzbischof in einer an hebräischen Zitaten reichen kroatischen Rede, begrüßte. . Nach den Empfängen stattete..der Erzbischof in Begleitung seines Sekretärs dem, Rabbiner einen Besuch ab und verweilte eine geraume Zeit in.dessen Wohnung.'— Wie das französische. Amtsblatt meldet, wurde der Hauptnmnn der französischen Kolonialarmee Arthur . P e r e y r e znm Kommandanten ernannt. Arthur Pereyre. ist der Sohn des Rabbiners von Bayonne, Sylvain Perey.re, der im 78. Lebensjahre steht und sich der größten.Verehrung erfreut. — Wie uns aus London geschrieben wird, hat König Georg von England vorletzten Mittwoch Herrn und Frau Leopold de Rothschild die Auszeichnung zuteil werden lassen, mit ihnen gemeinsam im. Palace Honse Newmarket, der Residenz des Barons de Rothschild, zu dinieren. •— Die jüdische Gemeinde in Warschau ist von einem schweren Schlag betroffen , worden. Im Alter von 47 Jahren verstarb der überaus populäre, und in allen Schichten der. jüdischen Bevölkerung verehrte- Herr Jecheske.l K r a w z o w. Durch . seine unermüdliche philanthropische Tätigkeit erwarb er sich weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus einen unvergeßlichen Namen. Der Verstorbene spendete vor tt>rzem 20 000 Frank für die Gründung einer hebräischen Bibliothek, ain Technikum in Haifa. An der Beerdigung, die am 21. Juli in Warschau stattsänd, beteiligten sich etwa 25 000 Personen. Ehre seinem Andenken! - - In Johannesburg hat sich, wie aus .London gemeldet wird, eine jüdische Kolonisationsgesellschafk-gebildet unt dem Zwecke, Untersuchungen zu -pflegen, ob rmd unter ,welchen Bedingungen in Südafrika für Landwirtschaft geeignete Landgebiete zum Zwecke der Ansiedlung von-, Juden als Farmer zn erwerben möglich wäre. Die bisherigen Informationen lauten sehr günstig, so daß zur - Gründling der Gesellschaft geschritten werden konnte. . Gleich bei der ersten Besprechung haben sich 200 Mitglieder gemeldet. Zum. Präsidenten der Gesellschaft wurde der angesehene Bürger von Johannesburg, Alfred L. Cohn, gewählt. — Die „Australian Natives Association" ist die einflußreichste australische Organisation, die den Zweck hat, die weißen eingeborenen Bürger von Australien zu schützen und ihre Interessen sowohl der Londoner Zentralregierung gegenüber , wie auch gegenüber den Farbigen zu wahren. Die wichtigsten Niederlassungen dieser /australischen -Gesellschaft, und zwar diejenige von Neu-Südwales sowie die Niederlassung in Südaustralien und in Melbourne, haben bei den. letzten. Neuwahlen Juden zu ihrem Präsidenten gewählt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berli»:>Pankow, Florastrabe58. . Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlän der, Neukölln . Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin: