Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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77. Jahrgang:. Nr. 27 Berlin, 4. Juli 1913 (gm unparteiisches Organ für alles jüdische Vegrün-et von Nahdiner Vr. Ludwig philippson Unter Leitung der . Geheimen «egierungr-Natr prosessor vr. Ludwig Geiger Verlag! kuäolk «osse. Serlin, I-rusalem-r Strasse «ö/«S Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oder die Post (in Berlin und vor. <orten durch unsere verlriebsstellen) bezogen -viertetzührlich 2 IN. — Postscheckkonto 324. Interesse Alle Zusendungen fäc Redaktion urv Expedition sind an die Adresse: verl^ „Allgenr. Zeitung des Judentum fl SW.. Jerusalemer Straße .^g is/r st Verlag von Rudoli Se'rUst U __ ,•*>, Zu 'rich'e8 .-rmA, tzvckk. <| Rcibbinerwahlen. Von Ludwig Geiger. — Die Woche. — IJUljull.» Israel Zangwill. Von U. 6. — Vom „D. H. V.". Aus- Mörring über die größte antisemitische -Organisation Deutschlands. Von JL F-. — Eine Entgegnung an den „Israelit". Von einem Parteilosen. — iF'e-niN'elt-o'n: Der Antisemit. Roman von Ernst Theodor AuÜi. — L-itor-arisch-e Milteilungen. — Sprechsaal. Der Gemei«debote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judenitums"). Berlin, Kus der Provinz Posen, Breslau, Steele, granks»',rt a. M., Heidelberg, Pötersvurg. — Von Rah und Fern. NsbbinkrVShlrn. Don Ludwig Geiger. in im „Univers israelite" vom 30. Mai d. I. erschienener Artikel, der den Titel führt „La aomination des rabbins“, veranlaßt mich zu der folgenden Betrachtung. Der französische Kollege geht von einem speziellen Vorfall in Bayonne aus, der uns natürlich hier nicht interessiert, und steht, wie wir sehen werden, auf strengorthodoxem Standpunkt, den wir gewiß nicht einzunehmerr verMögen. Aber in der Sache hat er recht. Er bemängelt bei der Rabbinerwahl Dämlich hauptsächlich zwei Punkte. 1. Das allzu große Wertlegen auf die Probepred,jg^ in vielen Fällen ja geradezu das ausschlaggebende Moment bildet, und 2. die Wahl der Rabbiner ausschließlich durch die Gemeindeorgane. . Ueber den ersteren Punkt habe ich mich im Jahrgang 1911 Nr. 13 ausführlich ausgesprochen. Ich hatte damals hervorgehoben, eine Probepredigt könne nicht .ausschlaggebend sein 1. wegen der Befangerrheit oder Mfälligen Indisposition des Redners, 2. wegen seiner völligen.Unbekanntschaft mit dem Publikum, vor dem er spricht, 3. wegen des bedauerlichen, aber vielleicht nicht zu ändernden Umstandes, daß der Rabbiner bei seiner Predigt an den Wochen-, höchstens noch an den Prophetenabschnitt gebunden ist, und es leicht Vorkommen kann, daß der eine oder der andere keine Stelle enthält, die dem Redner die Möglichkeit gibt, zu erbauen, zu erheben, zu belehren, 4. weil es unmöglich ist, einen Redner, wenn er nicht etwas ganz Außerordentliches leistet, nach einer oder selbst nach zwei Predigten zu beurteilen. Ganz abgesehen davon, daß der Kandidat seine Hörer mit einer Meisterleistung von Joel, Jellinek oder einer anderen Koryphäe der jüdischen Homiletiker beglücken kann — auch so etwas soll schon vorgekommen sein — kann eine solche Kandidatenrede das Beste oder das einzig Gute gewähren, was der Prediger zu leisten vermag, und gegen dieses sein einziges oratorisches. Prunkstück stechen seine späteren Reden, in denen es ihm nicht mehr darum zu tun ist, das Publikum zu gewinnen, bedenklich ab. , Aus allen diesen Gründen, I zufügen wären, halte ich b; .nett Noch manche andere bei- I predigten für verwerft^' WM Mnrichtung der Probe- Wichtiger indell" W- , Art der Wahl .^n Ms Diese Schaustellung ist die bisherige üblich ist. n^Uäbbiners, wie sie in den meisten Gemeinden Eifer v D^nMische Kollege geht in seinem orthodoxen ,• " M imert. M sagt unter Wiederholung einer Stelle aus «-rNVM sruhexM 'Artikel derselben Zeitschrift:'„Die Wahl ist der I McHurrM Don Menschen überlassen, die nicht, die geringste Kenntü^ von Religion besitzen, die vielleicht zu den Verächtern der stdischen Re-ligMl gehören und die Offenbarung in das 'Reich der Mythe ^'ersetzen, kurz, die Pflege und der Unterhalt der WlffensÄMst der Religion fehlen in diesem weiten Reiche durchaus/" So weit gehe , ich nicht. Ich möchte ferner bemerken, Daß ich bei dieser Betrachtung nicht -im allergeringsten vice lieügewählten Berliner Rabbiner im Äuge habe: den einen,. I DM ich kenne, stelle ich sehr hoch als einen Äann gründlicher, gelehrter Kenntnis Und allgemeiner Bildung. .Dre zwei ani . deren kenne ich weder persönlich, noch habe ich sie jemals gehört. Auch rMLen sich meine Bemerkungen in keiner Weise gegen die .MW Berliner Gemeindeverwaltüng, der zwölf Jahre anzugehöven ich die 'Ehre chatte. Ich schätze vielmehr den gegenwärtigen Vorstand und Die Repräsentantenversammlung ungemein, zähle unter uWen manchen Freund und bekenne offen, daß ich das Wohl der Gemeinde in ihren Händen vortrefflich aufgehoben finde. Trotzdem glaube ich, daß weder diese Vertretung Noch irgendeine andere, so vollständig sie für alle anderen Berwaltungszweige und alle Wahlen ausreicht, für die Wähl der Rabbiner allein nicht geeignet ist. Im Vorstand und in der Repräsentantenversammlung Berlins und anderer Gemeinden befinden sich Aerzte, Juristen, Lehrer, Kaufleute, aber kein einziger wirklich jüdischer Gelehrter. Bei der Wahl eines Rabbiners dagegen müßten verschiedene Instanzen gehört werden. Es würde sich fragen: L Ob man nicht bei der Wähl der Rabbiner, wenigstens in Berlin, seine Kollegen um ein Gutachten ersuchen soll. Das geht in kleineren Gemeinden natürlich nicht an, da die Wahl des Rabbiners häufig', wenn auch nicht immer, nach dem Tode des früheren Inhabers der Stelle erfolgt. In den Fällen aber, in denen ein Rabbiner pensioniert wird oder seine Stelle verläßt, um eine bessere anzunehmen, wäre es gewiß ratsam, den Vorgänger zu befragen und seinen Rat zu beachten. In Berlin wäre es aber sehr zu überlegen, ob man nicht den bisherigen Rabbinern bei der Wahl eines neuen Geistlichen eine beratende Stimme vergönnen soll. 2. Ich wiederhole, was ich schon früher einmal gesagt habe' man sollte den Vorständen der einzelnen Synagogen bei der. Wahl eines, neuen Rabbiners eine beratende Stimme gewähren. Diese Männer besuchen pflichtmäßig die Synagoge, häufiger, als es dre meisten Repräsentanten und